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„No Poo“: Warum die Methode einen Haken hat

Eine Frau wäscht sich die Haare nur mit Wasser ohne Shampoo.

© iStock / GabrielPevide

Lesezeit: 4 MinutenAktualisiert: 29.11.2021

No Poo“ ist die Abkürzung von „No Shampoo“. „No Poo“-Anhänger waschen sich die Haare entweder nur mit Wasser oder gar nicht. Ihre These: Die Haare sollen langfristig ausfetten und so seltener gewaschen werden müssen. Aber ist das überhaupt möglich?

Inhalte im Überblick

    Dr. med. Ingrid Schmoeckel, Fachärztin für Dermatologie am Dermatologikum Hamburg

    © Dermatologikum Hamburg

    Dr. med. Ingrid Schmoeckel ist Fachärztin für Dermatologie am Dermatologikum Hamburg. Dort bietet sie zusammen mit anderen Fachärzten eine Spezialsprechstunde für Haar- und Kopfhauterkrankungen an.

    Im Interview verrät die Dermatologin, warum die Kopfhaut nicht aufhört, Talg zu produzieren, wenn die Haare nicht gewaschen werden, und welche empfehlenswerten, natürlichen Alternativen es zu konventionellem Shampoo gibt.

    Kann man Haare ausfetten lassen, indem man sie über Wochen nicht wäscht?

    Dass die Haare irgendwann weniger schnell fetten, wenn sie über Wochen oder Monate nur mit Wasser oder gar nicht gewaschen werden, ist ein Mythos. Die Talgproduktion lässt sich damit nicht beeinflussen, sie ist hormonell bedingt. Wie schnell Haare fetten, ist dabei individuell: Manche haben eine trockene, manche eine fettige Kopfhaut.

    Können sich Krankheitserreger auf der Kopfhaut verbreiten, wenn die Haare längere Zeit nicht oder nur mit Wasser gewaschen werden?

    Nein, dieses Risiko besteht nicht. Wer jedoch einen Beruf mit Tieren hat, etwa als Tierpfleger oder als Landwirt arbeitet, oder Haustiere wie Meerschweinchen, Katze oder Hund zu Hause hat, sollte seine Haare mit Shampoo waschen. Bei Kontakt mit Tieren können sonst Hautpilzinfektionen entstehen.

    Auch Pollen-Allergikern ist von „No Poo“ abzuraten. Vor allem in der Hauptflugsaison sollten sie sich jeden Abend die Haare mit Shampoo waschen, um die Pollen aus den Haaren zu spülen. Diese werden sonst eingeatmet und reizen die Atemwege.

    „No Poo“-Anhänger, die ganz auf Wasser verzichten, bürsten sich das Fett vom Ansatz in die Haarlängen. Ist das sinnvoll?

    Das Verteilen des Fetts führt dazu, dass die Haare nicht stumpf und spröde werden. Der Talg bildet einen Schutzfilm auf den Haaren. Auch Schmutzpartikel können so vermutlich aus dem Haar gebürstet werden. Sinnvoller ist es aber, sich die Haare mit Shampoo zu waschen. Das verhindert außerdem eine Geruchsbildung, die sonst unweigerlich eintritt.

    Sind synthetische Inhaltsstoffe in Shampoos gesundheitlich unbedenklich?

    Ja, Shampoos sind per se nicht schädlich, sie können ohne gesundheitliches Risiko genutzt werden. Sie enthalten zwar meist synthetische Stoffe wie Duftstoffe, Farbstoffe, Tenside und Konservierungsstoffe, diese führen aber nur bei Personen zu allergischen Reaktionen, die eine genetische Veranlagung zu Allergien haben (Atopiker). Dafür sind meist die Duftstoffe in den Produkten verantwortlich.

    Trotzdem ist es für jeden sinnvoll, Produkte auszuwählen, die möglichst wenig Chemie enthalten. Die Stoffe reichern sich im Wasser an und schaden so der Umwelt.

    Vorsicht: Pflanzliche Inhaltsstoffe (Bio-Shampoos) sind nicht für jeden eine Lösung, da sie Allergien auslösen können. Atopiker sollten sich mit ihrem Allergiepass in der Apotheke ein Shampoo empfehlen lassen, das nicht zu viele unterschiedliche Substanzen enthält.

    Was können Sie bei trockener Kopfhaut empfehlen?

    Nicht das Shampoo, sondern zu viel Wasser trocknet die Kopfhaut aus. Deswegen sollten die Haare besser nicht täglich gewaschen werden, wenn die Kopfhaut trocken ist. Auch für die restliche Haut gilt: Wird zu lange warm geduscht, quillt die Haut auf, die Poren öffnen sich und die Austrocknung schreitet voran. Besser also kurz und nicht zu oft duschen. Wer keine Probleme mit trockener Haut hat, kann aber problemlos auch täglich duschen.

    Bei trockener Kopfhaut aus demselben Grund nur eine kleine, kirschkerngroße Menge Shampoo verwenden. Je länger das Shampoo aus den Haaren gespült werden muss, desto mehr Wasser gelangt an die Kopfhaut und fördert die Austrocknung. Damit lässt sich nicht nur der Geldbeutel, sondern auch die Umwelt schonen, da weniger der synthetischen Inhaltsstoffe ins Wasser gelangen.

    Ist der Trend, sich die Haare mit Roggenmehl, Natron oder Heilerde zu waschen, alternativ empfehlenswert?

    Wenn man sich damit wohlfühlt und das gerne machen will, spricht nichts dagegen. Auch natürliche Shampoo-Alternativen schonen den Geldbeutel und die Umwelt. Sie funktionieren nach dem Prinzip des Trockenshampoos: Es werden Substanzen benutzt, die das überschüssige Fett binden. Es ist allerdings nicht sehr praktikabel und man muss sich darüber im Klaren sein, dass die Haare sich in der Regel anders anfühlen und anders aussehen, als hätte man sie mit normalem Shampoo gewaschen. Das Durchhalten dieser Methoden ist deswegen im Alltag meist schwierig.

    Eine Person hält ein Stück festes Shampoo in der Hand.
    Festes Shampoo kann eine gute Alternative zu flüssigem sein – es ist nachhaltiger und enthält meist weniger synthetische Inhaltsstoffe.

    © iStock / Bogdan Kurylo

    Was halten Sie von festen Haarseifen?

    Feste Haarseifen sind in jedem Fall empfehlenswert, da sie weniger Verpackung benötigen, länger halten als konventionelle Shampoos und meist weniger synthetische Inhaltsstoffe enthalten. Die meisten Menschen benötigen aber auch hier etwas Geduld. Da die meisten Haarseifen nicht schäumen, fühlen sich die Haare nach dem Waschen meist nicht so an, wie sie es gewöhnt sind. Dafür habe ich von Patienten schon oft gehört, dass die Haare weniger nachfetten.

    Mein Tipp: Probieren Sie die Haarseife nicht nur ein paarmal, sondern über drei Monate aus. Erst dann lässt sich feststellen, wie Haare und Kopfhaut auf die veränderte Haarwäsche reagieren.

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