Kleidung

Stoffe aus Leinen: im Sommer die beste Wahl

Veröffentlicht am:29.09.2026

5 Minuten Lesedauer

von Julia Ehlers

Leinen begleitet die Menschheit seit Jahrtausenden: Die Faser aus der Flachspflanze fühlt sich an heißen Tagen kühl auf der Haut an und gilt als umweltschonend. Doch was ist Leinen eigentlich genau?

Ein weißes Leinenhemd hängt vor einer hellen Wand auf einem mit beigem Stoff umwickelten Kleiderbügel.

© iStock / minianne

Was ist Leinen?

Leinen kann edel wirken, entsteht aber aus einem anspruchslosen Feldgewächs. Die Naturfaser stammt aus dem Stängel der Flachspflanze. Die langen, festen Fasern ergeben zu Garn versponnen und gewebt einen leichten und zugleich robusten Stoff.

Dabei ist Leinen alles andere als eine moderne Erfindung. Schon im alten Ägypten war Flachs ein wichtiger Textilrohstoff – es gibt bildliche Darstellungen, die den Anbau und die Verarbeitung zeigen. Die Funde von Leinen reichen sogar rund 10.000 Jahre zurück. Damit gilt Leinen als einer der frühesten Textilstoffe überhaupt.

Übrigens steckt die Wertschätzung schon im Namen: Der wissenschaftliche Name Linum usitatissimum bedeutet auf Deutsch „Leinen, das äußerst nützliche“. Bis heute überzeugt der Stoff mit einer hohen Strapazierfähigkeit und natürlichem Glanz.

Wie wird aus Flachs Leinen?

Leinen entsteht aus Flachs durch einen Prozess namens Rotte oder Röste. Nach der Ernte bleiben die Halme auf dem Feld liegen. Dort lösen Feuchtigkeit und kleine Mikroorganismen die Fasern nach und nach vom holzigen Teil des Stängels.

Die Rotte entscheidet über die Qualität der Faser. Sie ist der wichtigste und zugleich aufwendigste Schritt der Verarbeitung. Das richtige Maß ist jedoch heikel: Dauert sie zu kurz, bleiben die Fasern grob. Dauert sie zu lang, wird die Faser zu dünn.

Was passiert mit dem Leinen nach der Rotte?

Nach der Rotte brechen und schwingen Maschinen zuerst den holzigen Teil aus den Halmen. Dieser Schritt heißt Brechen und löst die langen Fasern aus dem Stängel.

Danach ordnen feine Kämme die Fasern und richten sie aus. So entstehen glatte, parallele Stränge, die sich zu Garn verspinnen lassen. Der größte Teil des weltweiten Textilleinens entsteht bis heute so.

Weil die Herstellung so aufwendig ist, verlor Leinen allerdings mit der Zeit an Bedeutung und wurde erst durch billigere Baumwolle, später dann durch synthetische Fasern wie Nylon und Polyester verdrängt.

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Warum fühlt sich Leinen im Sommer so angenehm an?

Leinen kühlt, weil es viel Luft durchlässt und Feuchtigkeit schnell aufnimmt. In einer Labormessung des Leinen-Branchenverbands erzielte reiner Leinenstoff die beste Luftdurchlässigkeit im Vergleich zu Baumwolle, Polyester und Viskose.

Auch bei der Atmung erzielt der Stoff gute Ergebnisse:

  • Leinen lässt Schweiß als Wasserdampf nach außen, statt ihn zu stauen.
  • Die Faser nimmt Flüssigkeit rasch auf und verteilt sie auf einer großen Fläche.

Doch Leinen ist nicht nur bei Hitze angenehm auf der Haut. Die Faser hält genug Wärme, sodass man den Stoff auch bei mittleren Temperaturen gut tragen kann.

Ein von vorn und leicht oben fotografiertes Bett, das Bild rundherum stark angeschnitten: zwei mit salbeigrüner Leinenbettwäsche bezogene Kopfkissen und zwei Bettdecken. Auf den Kopfkissen liegen zwei kleinere naturweiße Kissen. Eine der Decken liegt zerwühlt im Vordergrund.

© iStock / Evgeniya Pavlova

Besonders für warme Nächte eignet sich Bettwäsche aus Leinen: Der Stoff ist atmungsaktiv, nimmt viel Feuchtigkeit auf und fühlt sich kühl an.

Wie geeignet ist Bettwäsche aus Leinen im Sommer?

Bettwäsche aus Leinen kann den Schlaf in warmen Nächten erleichtern. Genauso wie Kleidung ist auch Leinen-Bettwäsche atmungsaktiv, nimmt Feuchtigkeit auf und fühlt sich kühl an. Die Naturfaser kommt deswegen häufig auch bei Heimtextilien zum Einsatz.

Und selbst bei empfindlicher Haut ist sie geeignet: Leinen gilt als besonders hautfreundlich, von Natur aus antibakteriell und löst selten allergische Reaktionen aus. Gleichzeitig ist das Material reißfest sowie langlebig und hält in der Regel viele Wäschen aus.

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Wie nachhaltig ist Leinenstoff?

Leinenstoff gilt als besonders umweltschonend. Denn Flachs ist eine heimische Pflanze, die viel in Europa angebaut wird. Sie wächst schnell, braucht wenig Wasser und Pestizide und kann sogar die Bodenqualität verbessern. Damit zählt Flachs bei ökologischer Bewirtschaftung zu den nachhaltigsten Naturfasern.

Zudem ist Leinen biologisch abbaubar – reiner Leinenstoff zersetzt sich in etwa sechs Monaten. Ganz ohne Spuren für die Umwelt verläuft die Produktion aber nicht: Beim Rösten der Fasern kann belastetes Abwasser entstehen.

Worauf sollte man beim Kauf von Leinenstoff achten?

Beim Kauf lohnt sich ein Blick aufs Etikett, denn nicht überall, wo Leinen draufsteht, steckt viel Leinen drin. Manche Textilien tragen den Namen, obwohl ihr Leinenanteil gering ist. Reines Leinen ist dagegen klar als solches gekennzeichnet.

Manchmal findet man auch Halbleinen. So darf ein Stoff, laut EU-Vorgaben, genannt werden, wenn mindestens 40 Prozent seines Gewichts aus Leinen bestehen. Den Rest macht meist Baumwolle aus.

Wer zusätzlich Wert auf Umweltschutz und faire Bedingungen legt, kann auf Textilsiegel achten. Sie zeigen an, wie ein Stoff angebaut und hergestellt wurde. Diese Siegel geben eine gute Orientierung:

  • GOTS (Global Organic Textile Standard) steht für ökologisch angebaute Naturfasern und faire Arbeitsbedingungen über die gesamte Herstellung hinweg. Zu erkennen am grünen Logo mit weißem Hemd.
  • IVN Best gilt als das strengste Siegel für Naturtextilien. Es verlangt 100 Prozent biologisch angebaute Naturfasern und hohe Sozial- und Umweltstandards.
  • Made in Green (Oeko-Tex) kennzeichnet Textilien, die schadstoffgeprüft und unter sozial verträglichen Bedingungen hergestellt wurden.
  • Öko-Tex Standard 100 prüft Textilien auf Schadstoffe. Soziale Aspekte spielen hier allerdings keine Rolle.
  • EU-Ecolabel, die „EU-Blume“, weist auf eine umweltschonendere Herstellung hin, berücksichtigt soziale Standards aber kaum.

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