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AOK – Die Gesundheitskasse

Praxistipps für die Pflege zu Hause

Ein Mann hilft seinem älteren Angehörigen beim Waschen in der Badewanne.

© AOK

Lesezeit: 6 Minuten25.03.2022

Verschiedene Umstände können verursachen, dass sich ein Verwandter nicht mehr selbst versorgen kann. Ein Großteil der Angehörigen entscheidet sich dann dazu, sie zu Hause zu betreuen. Das bedeutet einen großen Einschnitt in das eigene Leben.

Inhalte im Überblick

    Was kommt auf Sie zu, wenn Sie einen Angehörigen zu Hause pflegen?

    4,13 Millionen – so viele Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. 80 Prozent von ihnen werden zu Hause gepflegt, der Großteil von ihnen von den Angehörigen. Aufgrund der immer weiter steigenden Lebenserwartung ist davon auszugehen, dass die Zahl in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird.

    Die Pflege von Angehörigen zu Hause bedeutet für die Pflegeperson meist einen extremen Einschnitt in das eigene Leben: Unter anderem muss der Tagesablauf neu strukturiert werden, es bleibt weniger Zeit für sich selbst, Freunde oder den Partner und die finanzielle Belastung steigt.

    Hinzu kommen Aufgaben und Pflichten, mit denen sich viele erst einmal vertraut machen müssen, beispielsweise:

    • Ein umfassendes theoretisches und praktisches Wissen zum Krankheitsbild, zu den dadurch auftretenden medizinischen und pflegerischen Aspekten.
    • Die nun gegebenenfalls notwendige Unterstützung bei Körperpflege, Ernährung, Mobilität und kognitiven Einschränkungen.
    • Die Kenntnis der Auswirkungen durch das Krankheitsbild und/oder die eingetretene Pflegebedürftigkeit führen zum besseren Verständnis der gesamten Pflegesituation.

    Bin ich bereit, meinen Angehörigen zu Hause zu pflegen?

    Es ist es wichtig, dass sich alle in die Pflege involvierten Person folgende Fragen stellen, bevor sie eine Entscheidung treffen:

    • Wie hoch ist der Pflegeaufwand? Braucht der Angehörige ganztägige Betreuung oder nur einige Stunden pro Tag? Ist die Pflege temporär oder ein Dauerzustand?
    • Sind Sie körperlich, psychisch und zeitlich in der Lage, die Pflege zu übernehmen und die Erwartungen des Pflegebedürftigen voll zu erfüllen, ohne Ihre Familie dadurch „vernachlässigen“ zu müssen?
    • Liegen auch Tätigkeiten wie Intimpflege im Bereich Ihrer Möglichkeiten oder benötigen Sie professionelle Hilfe von einem Pflegedienst?
    • Wer kann Sie unterstützen und sind alle Beteiligten mit dem Arrangement – auch auf einen vorläufig unbestimmten Zeitraum hin – einverstanden?
    • Soll die Pflege in Ihrer Wohnung oder in der des Pflegebedürftigen erfolgen? Sind vielleicht bauliche Veränderungen nötig?

    Der richtige Umgang mit der Ernährung fördert das Wohlbefinden

    Grundsätzlich gilt, dass Ihre pflegebedürftigen Angehörigen weiterhin das essen sollten, was ihnen schon immer geschmeckt hat. Bei bestimmten Krankheiten allerdings, wie Diabetes mellitus oder Gicht, müssen die Pflegenden die Ernährungsempfehlungen des Arztes beachten. Zudem ändern sich durch die veränderten Lebensumstände der Pflegebedürftigen unter Umständen auch die Bedürfnisse.

    Deshalb ist die vorausschauende Speiseplanung gemeinsam mit dem zu Pflegenden nicht zu unterschätzen, denn die Vorfreude auf eine Lieblingsspeise kann sich positiv auf die Stimmung auswirken. Das Essen sollte nach Möglichkeit gemeinsam und in einer ruhigen Atmosphäre eingenommen werden.

    Ausreichend Bewegung in der Pflege: So mobilisieren Sie Ihren Angehörigen

    Einmal bettlägerig geworden, kommen viele Menschen nicht wieder auf die Beine. Bereits nach zwei Tagen Bettruhe baut sich die Muskulatur ab und der Kreislauf wird zunehmend instabil. Um die Körperkraft und Beweglichkeit so lange wie möglich zu gewährleisten, ist es daher wichtig, Bewegung aktiv zu fördern. Sofern es der Gesundheitszustand zulässt, sollten folgende bewegungsfördernde Maßnahmen ausprobiert werden:

    • Wenn möglich, mindestens viermal am Tag aufstehen und dabei den Boden unter den Füßen spüren lassen.
    • Tägliche, auch ganz einfache gymnastische Übungen im Liegen fördern die Beweglichkeit und regen den Kreislauf an. Wenn es die körperliche Fitness zulässt, können Sie mit dem Pflegebedürftigen zusätzlich noch zwei- bis dreimal pro Woche Kräftigungs- und Gleichgewichtsübungen durchführen.
    • Geben Sie individuelle Anregungen, damit es sich aus Sicht des Pflegebedürftigen lohnt, aufzustehen. Das kann beispielsweise die Aussicht auf eine Partie Karten am Couchtisch oder einen Kaffeeklatsch mit der Nachbarin sein.
    • Braucht der Pflegebedürftige Ihre Unterstützung beim Gehen, können Sie ihn mit gezielten Handgriffen dabei stützen.
    • Animieren Sie ihn zu regelmäßigen kleinen Spaziergängen, zum gemeinsamen Einkaufen oder unternehmen Sie Tagesausflüge. Vor allem Letzteres gibt dem Pflegebedürftigen das Gefühl, nicht an sein Zuhause gefesselt zu sein.
    • Ein Gehstock oder Rollator fördert Mobilität und Unabhängigkeit. Lassen Sie die Gehhilfe von einem Orthopädietechniker anpassen und üben Sie gemeinsam die richtige Nutzung. Machen Sie Mut und regen Sie zur Bewegung an. Auch sie kann – wenn sie schmerzfrei stattfindet – zum Wohlbefinden beitragen. Kontrollieren Sie den Zustand der Gehilfen, der Schuhe, des Rollators, denn gerade bei kognitiv eingeschränkten Pflegebedürftigen ist es gegebenenfalls ein kleiner „Störfaktor“, der die Bereitschaft zur Bewegung bremsen kann, ohne dass man es weiß.

    Bewegung stärkt aber nicht nur die Muskulatur und den Kreislauf, sondern beugt auch Krankheiten vor. Durch langes Liegen oder Sitzen entsteht Druck auf Haut und Gewebe – es kommt zu einer verminderten Durchblutung. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass sich Muskeln, Sehnen oder Bänder verkürzen und die Bewegung einschränken (Kontraktur).

    In den Videos sehen Sie, wie Sie Patienten, die nicht mehr in der Lage sind, alleine aufzustehen, richtig lagern und ihre Mobilität unterstützen:

    So unterstützen Sie die Mobilität Ihres pflegebedürftigen Angehörigen und helfen ihm beim Umsetzen.

    Wie Sie Ihren pflegebedürftigen Angehörigen bei der Körperpflege unterstützen

    Die Körperpflege gehört zum täglichen Ritual, denn auch Pflegebedürftige möchten sich sauber fühlen und gepflegt aussehen. Diese Basispflege sollten Sie berücksichtigen:

    • Duschen belastet den Kreislauf weniger als Baden und ist die einfachste Art, den ganzen Körper zu waschen. Ein Duschhocker ist eine wertvolle Hilfe, falls der Pflegebedürftige unsicher steht. Wenn er dafür nicht fit genug ist, sollten Sie auf die Badewanne ausweichen, weil er dort stabil und entspannt sitzen kann.
    • Ist der Pflegebedürftige bettlägerig, dann kommt nur das Waschen im Bett infrage. Das führen Sie etappenweise durch: zuerst das Gesicht, dann folgen Oberkörper, Rücken und Beine. Die Intimpflege kommt zum Schluss. Decken Sie immer nur den Körperteil auf, den Sie gerade waschen.
    • Liegt der Pflegebedürftige viel, verknoten seine Haare leicht. Sie sollten sie deshalb zweimal am Tag kämmen. Haare waschen reicht in der Regel ein- bis zweimal in der Woche aus.
    • Aus medizinischen Gründen und für ein besseres Wohlbefinden gehört auch Zähneputzen zur täglichen Körperpflege. Putzen Sie dem Pflegebedürftigen deshalb morgens nach dem Frühstück und abends vor dem Schlafengehen die Zähne. Prothesen sollten nach jeder Mahlzeit gereinigt werden.
    • Helfen Sie nur, wo nötig. Das Waschen und Pflegen des eigenen Körpers ist etwas sehr Intimes. Lassen Sie deshalb Ihren Angehörigen so viel selbstständig machen wie irgend möglich. Das kann auch von Tag zu Tag unterschiedlich sein. Machen Sie Mut, mitzuhelfen, auch wenn es dadurch länger dauert.

    Beiden Parteien ist zu Beginn die unterstützende Körperpflege oft sehr unangenehm. Gemeinsam müssen sie lernen, Scham im Umgang mit Nacktsein, Ausscheidungen und Gerüchen zu überwinden. Ein respektvoller Umgang und ein einfühlsames Vertrauensverhältnis sind daher besonders wichtig. Dazu gehört beispielsweise, dass Sie die Pflegebedürftigen nie ganz nackt sitzen oder liegen lassen, sondern immer teilweise zugedeckt. Auch eine Unterhaltung während des Waschvorgangs ist förderlich. In unseren Videos erfahren Sie, wie Sie die tägliche Körperpflege für Ihren Angehörigen so angenehm wie möglich durchführen.

    In dem Video zeigt Ihnen eine Fachkraft, wie Sie die Körperpflege Ihres Angehörigen richtig angehen.

    Tipps für die Kommunikation während der Pflegezeiten

    „Wer rastet, der rostet“, das gilt auch fürs Gehirn. Genau wie Muskeln lässt es sich trainieren. Das gelingt am besten, wenn der Angehörige noch eigene (auch kleine) Aufgaben übernehmen kann. Aber auch Übungen, Spiele und die tägliche Kommunikation helfen Ihrem Angehörigen, möglichst lange fit im Kopf zu bleiben. So fördern Sie das:

    • Reden ist Gold, wenn es um das gemeinsame Miteinander geht. Kommunikation stärkt die gemeinsame Bindung, ist Trost, Ermutigung oder Zuneigung. Das gilt auch, wenn der Pflegebedürftige nur schwer ansprechbar ist. Beziehen Sie ihn deshalb immer in das Gespräch mit ein und reden Sie in seiner Gegenwart nicht über ihn hinweg. Ebenso hilfreich für die Verständigung ist eine leichte, deutliche Sprache sowie Berührungen, um die Aufmerksamkeit anzuregen.
    • Fördern Sie die Selbstständigkeit Ihres Angehörigen und machen Sie ihm bewusst, was er noch alles kann. Es gibt viele Aufgaben im Haushalt, die auch ältere Menschen übernehmen können, zum Beispiel beim Kochen zuarbeiten, den Tisch decken, Wäsche zusammenlegen, Blumen gießen oder Staub wischen.
    • Gedächtnisübungen sollten den Interessen des Pflegebedürftigen entsprechen. Grundsätzlich gilt: besser täglich fünf Minuten als einmal in der Woche zwei Stunden.
    • Einfache Gesellschaftsspiele wie beispielsweise „Mensch, ärgere dich nicht“ oder Rommé machen Spaß und fördern die Gedächtnisleistung. Sie kennen meist die Interessen Ihres Angehörigen, deshalb können Sie ihm auch entsprechende Möglichkeiten vorschlagen und er kann selbst wählen.
    • Hat Ihr Angehöriger ein Hobby, das ihm am Herzen liegt? Dann fördern Sie dieses Interesse, sofern körperlich nichts dagegenspricht. Auch hier kann manchmal Kreativität zum Erfolg führen.

    Extra-Tipp

    Seien Sie selbst ein Vorbild.

    Wer Hektik und Ungeduld ausstrahlt, nimmt dem Pflegebedürftigen jeden Ansporn. Deshalb: gelassen bleiben und ermuntern. Auch wenn nicht alles perfekt gelingt und viel Zeit benötigt wird.

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