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Was macht ein ambulanter Pflegedienst?

Junge Frau vom ambulanten Pflegedienst misst den Blutdruck einer zu pflegenden älteren Seniorin.

© iStock / PIKSEL

Lesezeit: 5 Minuten10.08.2022

Der ambulante Pflegedienst ist eine wertvolle Stütze im Pflegefall. Doch welche Aufgaben übernehmen die Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen im häuslichen Umfeld und wann bietet sich die Inanspruchnahme eines ambulanten Pflegedienstes an?

Inhalte im Überblick

    Der ambulante Pflegedienst sorgt für Entlastung

    Im Falle einer Pflegebedürftigkeit wünschen sich viele Menschen eine Versorgung in den eigenen vier Wänden. Diesen Wunsch können pflegende Angehörige erfüllen und dabei auf die Unterstützung eines ambulanten Pflegedienstes setzen. Etwa 4,1 Millionen pflegebedürftige Menschen leben in Deutschland und rund vier von fünf Betroffenen erhalten eine Pflege zu Hause – die Nachfrage nach ambulanten Pflegeleistungen ist also groß. Derzeit können sich pflegebedürftige Menschen hierzulande für einen von etwa 14.700 ambulanten Pflegediensten entscheiden – die Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen kommen für die Pflegeleistungen dann direkt nach Hause.

    Ein ambulanter Pflegedienst bietet sich vor allem für pflegende Angehörige an, die:

    1. es aufgrund von Zeitmangel oder körperlichen Einschränkungen nicht schaffen, sich allein um ihr Familienmitglied zu kümmern.
    2. sich Entlastung im Pflegealltag wünschen.
    3. ihren Beruf und die Pflege besser miteinander vereinbaren möchten.
    4. sich bestimmte Pflegetätigkeiten nicht selbst zutrauen.

    Manchmal treffen Personen mit einem Pflegebedarf auch selbst die Entscheidung, einen ambulanten Pflegedienst in Anspruch zu nehmen. Zum Beispiel dann, wenn sie das Gefühl haben, dass die Pflege durch Angehörige ihnen nicht ausreichend Unterstützung bietet oder sie Familienmitglieder entlasten möchten.

    Diese Aufgaben übernimmt ein ambulanter Pflegedienst

    Bei einem ambulanten Pflegedienst arbeiten Pflegefachpersonen, also speziell für den Pflegebetrieb ausgebildete Menschen. Viele Pflegedienste beschäftigen auch Betreuungskräfte oder Personal, das hauswirtschaftliche Tätigkeiten übernimmt. Dadurch erhalten pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen die Möglichkeit, die ambulante Pflege nach ihren Wünschen und Bedürfnissen zu gestalten. Doch was macht ein ambulanter Pflegedienst eigentlich genau?

    Grundsätzlich erfüllen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Pflegedienstes folgende Aufgaben:

    • Unterstützung, Anleitung oder Übernahme von körperbezogenen Pflegetätigkeiten, die in die Bereiche Körperpflege, Ernährung und Mobilität (Unterstützung der Bewegungsfähigkeit) fallen
    • Tätigkeiten im Rahmen der häuslichen Krankenpflege nach § 37 SGB V, zum Beispiel die Gabe von Medikamenten oder das Wechseln von Verbänden
    • Unterstützung bei der Gestaltung des Alltags, um beispielsweise soziale Kontakte aufrechtzuerhalten
    • Beratung der pflegebedürftigen Personen und der Familienmitglieder, wenn es um pflegerische Fragestellungen geht
    • Hilfe bei der Vermittlung von Unterstützungsangeboten wie Fahrdiensten, Krankentransporten oder Lieferdiensten für Mahlzeiten
    • Unterstützung bei der Haushaltsführung, beispielsweise Kochen, Einkaufen, Wäschewaschen oder die Wohnung reinigen

    Ambulanter Pflegedienst: Beispiele aus der Praxis

    Wöchentlich, täglich oder sogar mehrmals am Tag – wie oft ambulante Pflegedienste Aufgaben im häuslichen Umfeld der pflegebedürftigen Person erbringen, richtet sich nach dem individuellen Unterstützungsbedarf. Folgende Situationsbeispiele zeigen, wie ein ambulanter Pflegedienst für Entlastung sorgen kann.

    1. Mareike Höffner pflegt ihre Mutter zu Hause. Nach einem Schlaganfall besitzt Anneliese Höffner Pflegegrad 3 und benötigt mehrmals am Tag Unterstützung bei der Körperpflege und der Essensaufnahme. Da die Tochter voll berufstätig ist, kann sie Anneliese erst in den Abendstunden unterstützen. Deshalb kommt morgens und mittags der ambulante Pflegedienst, um Anneliese beim Waschen, beim Anziehen und bei der Zubereitung des Frühstücks und des Mittagessens zu helfen.
    2. Paul Richter zog sich letztes Jahr einen komplizierten Bruch im Arm zu – seither ist dieser nicht mehr so beweglich. Außerdem besitzt er aufgrund der körperlichen Einschränkungen durch seine Multiple-Sklerose-Erkrankung Pflegegrad 2. Herr Richter hat zunehmend Probleme, seinen Haushalt zu bewältigen. Zweimal in der Woche kommt deshalb ein ambulanter Pflegedienst, um seine Wäsche zu waschen und den Einkauf zu erledigen.
    3. Marius Clemens ist durch seine Parkinsonerkrankung schwer in seiner Selbstständigkeit beeinträchtigt und besitzt deshalb Pflegegrad 4. Seine Ehefrau Marianne unterstützt ihn bei der Pflege zu Hause tatkräftig, kann aufgrund eines Bandscheibenvorfalls aber bestimmte Pflegetätigkeiten nicht ausführen. Morgens und abends hilft eine Mitarbeiterin des ambulanten Pflegedienstes deshalb bei der Körperpflege, bei der Mobilisation und im Haushalt.
    Ältere Angehörige pflegt ihren Ehemann.
    Wenn Sie als Angehöriger oder Angehörige Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes benötigen, ist das völlig normal. Pflege ist ein Fulltimejob und man kann nicht alles allein schaffen.

    © iStock / Dean Mitchell

    Muss für die Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst ein Pflegegrad vorliegen?

    Ein ambulanter Pflegedienst kommt nicht nur zu Menschen nach Hause, die einen Pflegegrad bei der Pflegekasse beantragt und bewilligt bekommen haben. Manchmal sind Personen nach einem Krankenhausaufenthalt auf eine vorübergehende häusliche Pflege angewiesen oder benötigen aufgrund ihrer Erkrankung pflegerische Versorgungsleistungen. Der ambulante Pflegedienst kann dann die notwendige häusliche Krankenpflege erbringen. Liegt dem Krankenversicherer eine ärztliche Verordnung vor, die den medizinischen Bedarf bestätigt, übernimmt er die Kosten dafür. Übrigens: Es steht jedem und jeder frei, einen ambulanten Pflegedienst auf eigene Kosten zu beauftragen, ganz ohne Verordnung oder Pflegegrad.

    Einen ambulanten Pflegedienst suchen und finden

    Im Internet können sich Menschen mit einem Pflegegrad über verschiedene Pflegedienste informieren und Bewertungen von Nutzern oder Nutzerinnen einsehen. Besonders einfach gelingt die Pflegedienst-Suche mit dem AOK-Pflegenavigator, mit dem Suchende Kontaktdaten und Angaben zum Leistungsumfang der Anbieter einsehen können. Außerdem erhalten sie eine Dienstleister-Bewertung, die auf einem unabhängigen Transparenzbericht beruht. Mit der Checkliste für ambulante Pflege nehmen Menschen mit einem Pflegegrad und Angehörige den Pflegedienst genauer unter die Lupe. Viele Fragen lassen sich besonders gut im Rahmen eines Erstgesprächs beantworten.

    Warum ist ein Erstgespräch mit dem ambulanten Pflegedienst sinnvoll?

    Menschen, die sich zuvor nicht intensiv mit dem Thema Pflege auseinandergesetzt haben, wissen häufig nicht, was Personen mit einem Pflegebedarf und Angehörige von den Mitarbeitern oder Mitarbeiterinnen erwarten können. Außerdem fragen sich Betroffene oft, wie ein ambulanter Pflegedienst in ihr Leben passt und wie flexibel die Pflegekräfte dort sind. Keine Sorge, eine gewisse Unsicherheit ist völlig normal. Schließlich ändert sich mit der Inanspruchnahme der zusätzlichen Hilfe einiges im Alltag. Ein Erstgespräch ist eine gute Möglichkeit, sich gegenseitig zu beschnuppern und Wünsche oder Erwartungen für den Pflegealltag zu kommunizieren.

    So können pflegebedürftige Menschen den ambulanten Pflegedienst finanzieren

    Die Kosten für einen ambulanten Pflegedienst richten sich danach, wie oft und welche Pflegeleistungen Betroffene in Anspruch nehmen. Ab Pflegegrad 2 können pflegebedürftige Personen ihre Pflegeversicherung an den Aufwendungen beteiligen. Dafür steht ein Budget für sogenannte Pflegesachleistungen zur Verfügung. Menschen mit Pflegegrad 1 stehen zwar keine Pflegesachleistungen zu, sie können aber den monatlichen Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro für den ambulanten Pflegedienst nutzen. Auskünfte zur Beantragung der Pflegesachleistungen oder zur Erstattung von Entlastungsleistungen erhalten Pflegebedürftige bei ihrer Pflegekasse.

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