Stoffwechsel

Lymphdrainage: Wann kann sie helfen?

Veröffentlicht am:08.10.2026

5 Minuten Lesedauer

von Jennifer Ann Steinort

Die Lymphdrainage ist mehr als eine sanfte Massage – sie setzt gezielt am Lymphsystem an und kann gestautes Gewebewasser wieder in Bewegung bringen. Wann sie als Therapie verschrieben wird und warum sie in fachkundige Hände gehört.

Eine Person liegt auf Rücken mit entblößtem Bein, während eine andere Person die Wade mit beiden Händen massiert.

© iStock / Miljan Živković

Was ist eine manuelle Lymphdrainage?

Die Lymphdrainage ist eine sanfte, medizinische Massagetechnik, die darauf abzielt, überschüssige Gewebsflüssigkeit über das Lymphsystem abzutransportieren. Sie wird mit sehr leichten, rhythmischen Handgriffen durchgeführt und unterstützt den natürlichen Abfluss im Gewebe.

Im medizinischen Einsatz ist die Lymphdrainage ein Baustein der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie (KPE). Diese gilt als Standardbehandlung bei Lymphödemen und kombiniert mehrere Maßnahmen wie manuelle Lymphdrainage, Kompression, Bewegung, Hautpflege sowie Schulung zur Selbsttherapie.

Bei Betroffenen können durch die Lymphdrainage ein womöglich bestehendes Spannungs- und Schweregefühl sowie Schmerzen nachlassen.

Wie funktioniert die manuelle Lymphdrainage?

Die Behandelnden wenden bei einer manuellen Lymphdrainage verschiedene sanfte Grifftechniken an, die einen Dehnungsreiz auf Haut und Lymphgefäße ausüben. Dadurch wird das Lymphsystem angeregt, Flüssigkeit besser aufzunehmen und abzutransportieren.

Auf diese Weise unterstützt die manuelle Lymphdrainage das Einströmen der Flüssigkeit aus dem Gewebe in die ersten Aufnahmestellen des Lymphsystems. Von dort gelangt die Flüssigkeit über die Lymphbahnen weiter in Richtung des großen Lymphgangs im Brustbereich. Außerdem werden Eiweiße, die sich im Gewebe angesammelt haben, vermehrt abtransportiert.

Mit Anwendung der Lymphdrainage wird also der Abfluss im Lymphsystem unterstützt. So sammelt sich weniger Flüssigkeit an und bestehende Schwellungen können zurückgehen.

Gibt es auch eine apparative Lymphdrainage?

Bei besonders komplexen Krankheitsbildern kann die Lymphdrainage im Einzelfall auch apparativ durchgeführt werden. Die sogenannte intermittierende pneumatische Kompression (IPK) kann bei Lymphödemen der Arme oder Beine ergänzend zur Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie zum Einsatz kommen. Über eine Manschette, die mit einem Gerät verbunden ist, entsteht ein in regelmäßigen Abständen wechselnder Druck, der den Flüssigkeitstransport im Gewebe unterstützen soll.

Wann ist eine Lymphdrainage sinnvoll?

Die Lymphdrainage wird bei einem Lymphödem eingesetzt. Dabei handelt es sich um eine chronische Erkrankung, bei der der Lymphfluss gestört ist und sich Flüssigkeit im Gewebe ansammelt. Dadurch entstehen Schwellungen, meist an Armen oder Beinen, die im Verlauf zunehmen können.

Ein Lymphödem kann verschiedene Ursachen haben. Es tritt zum Beispiel nach Operationen mit Entfernung von Lymphknoten, nach Tumorbehandlungen wie zum Beispiel Bestrahlungen oder durch angeborene Veränderungen des Lymphsystems auf.

Beim Lipödem kann eine Lymphdrainage ebenfalls sinnvoll sein. Dabei handelt es sich um eine chronische Fettverteilungsstörung, die vor allem die Beine betrifft und meist in der Pubertät beginnt. Betroffene können das Fettgewebe mit Diäten nicht beeinflussen.

Studien: Was bringt die manuelle Lymphdrainage wirklich?

Die Lymphdrainage gehört bereits seit den 60er-Jahren zum Handwerk speziell geschulter Physiotherapeuten und -therapeutinnen. Sie führen die Therapie beispielsweise nach Brustkrebsoperationen durch, wenn Lymphknoten in der Achselhöhle entfernt wurden und sich Flüssigkeit im Arm staut. Für diesen Anwendungsbereich wurde die Wirkung der Lymphdrainage intensiv erforscht.

Die Ergebnisse sind allerdings weniger eindeutig als vielleicht erwartet. In den Studien zeigte sich: Im direkten Vergleich mit einer Behandlung ohne Lymphdrainage lassen sich Schwellungen nicht immer deutlich stärker reduzieren. Der Unterschied im Armumfang war insgesamt gering und statistisch nicht in jedem Fall relevant.

Spannender wird es bei der Anwendung über einen längeren Zeitraum. War die Behandlung regelmäßig erfolgt, konnten Forschende messbare Effekte beobachten: Das Armvolumen nahm ab. Ergänzend zeigten andere Untersuchungen, dass die Lymphdrainage Prozesse im Gewebe beeinflussen kann, etwa den Abtransport von Eiweißen.

Wie oft in der Woche sollte man eine Lymphdrainage machen?

Die Häufigkeit und Dauer der Lymphdrainage hängt vom Stadium eines Lip- oder Lymphödems und vom individuellen Befund ab. Oft ist im Anschluss eine zusätzliche Kompression, etwa mit Strümpfen, wichtig, damit die Flüssigkeit nicht sofort zurückkehrt.

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Wie kann ich mir selbst eine Lymphdrainage machen?

Die manuelle Lymphdrainage darf nur von speziell dafür weitergebildeten Therapeutinnen und Therapeuten durchgeführt werden. Sie gehört in fachliche Hände, da geschulte Fachkräfte die Behandlung korrekt anwenden können – somit ist die Lymphdrainage sicher und kann ihre Wirkung entfalten.

Wann sollte man keine Lymphdrainage machen?

Eine Lymphdrainage sollte nicht durchgeführt werden, wenn akute oder unbehandelte Erkrankungen vorliegen. Dazu zählen insbesondere akute Infektionen, frische Thrombosen, eine Herzschwäche sowie schwere Durchblutungsstörungen der Beine. Auch bei noch nicht abgeschlossenen Tumortherapien oder ungeklärten Hautveränderungen ist Vorsicht geboten, hier muss zunächst eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Im Bauch- und Beckenraum gelten unter anderem eine Schwangerschaft sowie akute oder ungeklärte Beschwerden als Kontraindikationen.

Wird die Lymphdrainage von der Krankenkasse bezahlt?

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten für die manuelle Lymphdrainage (MLD), wenn sie medizinisch notwendig ist. Sie gehört zu den anerkannten Heilmitteln und kann von Ärztinnen und Ärzten verordnet werden.

Die Verordnung erfolgt über die Praxis, die Behandlung übernehmen dann zugelassene Therapeuten und Therapeutinnen. Wichtig ist, dass Umfang und Dauer der Therapie je nach Stadium der Erkrankung festgelegt werden.

Mediziner und Medizinerinnen können die Lymphdrainage je nach Verlauf und Schwere der Beschwerden unterschiedlich häufig verordnen. Dadurch passen sie die Therapie an den tatsächlichen Bedarf an, zum Beispiel bei einem Lymph- oder Lipödem, das langfristig behandelt werden muss. Die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Lipödem wird übrigens derzeit im Rahmen der LIPLEG-Studie unter besonderen Verordnungsbedingungen berücksichtigt.

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Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG):

Lymphdrainage.

Lymphödem (unförmiges Anschwellen von Körperteilen mit Hautveränderungen).

Deutscher Verband für Physiotherapie (ZVK) e. V.: Manuelle Lymphdrainage.

AWMF Leitlinien-Register: S2k Leitlinie Diagnostik und Therapie der Lymphödeme.

Piekartz, Harry & Möller, Dirk & Oehlenberg, Anna (2014): The Efficacy of Manual Lymphdrainage. A Systematic Review. Ist Manuelle Lymphdrainage effektiv? Systematischer Literaturreview. PT.

Qiao J, Yang L-N, Kong Y-H, Huang X, Li Y, Bai D-Q: Effect of Manual Lymphatic Drainage on Breast Cancer–Related Postmastectomy Lymphedema: A Meta-analysis of Randomized Controlled Trials Cancer Nursing. 2022;46(2):159-166.

Verein Österreichische Lymph-Liga: Ernährung.

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