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Psychologie

Wesensveränderungen im Alter: Wie umgehen mit Altersstarrsinn?

Veröffentlicht am:27.10.2022

5 Minuten Lesedauer

Verhaltensweisen wie Uneinsichtigkeit, Aggressivität und Gehässigkeit erschweren für Angehörige oft den Umgang mit älteren Menschen. Wichtig ist es, frühe Zeichen für eventuelle Erkrankungen wie Demenz und Altersdepression zu erkennen.

Ehepaar streitet sich aufgrund einer altersbedingten Wesensveränderung des Partners.

© iStock / skynesher

Inhalte im Überblick

    Wie verändert sich die Persönlichkeit im Alter?

    Im Gegensatz zu der früher vorherrschenden These, dass die Persönlichkeit sich im Alter stabilisiert, ist heute klar: Persönlichkeitsveränderungen im Alter von über 70 Jahren sind weit verbreitet und fallen ähnlich stark aus wie im jungen Erwachsenenalter, das belegt eine amerikanisch-deutsche Studie. Anders als in jungen Jahren folgen die Persönlichkeitsveränderungen im Alter aber keinem festen Reifungsmuster. Bei Seniorinnen und Senioren entwickelt sich die Persönlichkeit häufig noch einmal in sehr unterschiedliche Richtungen – und das ist für die Angehörigen nicht immer leicht.

    Trotzdem hilft es, gegenüber Seniorinnen und Senioren möglichst geduldig und einfühlsam aufzutreten. Es kommt beispielsweise vor, dass ältere Personen plötzlich die eigenen Kinder, Enkel und Pflegefachkräfte beschimpfen und beschuldigen, stur agieren oder sich komplett zurückziehen. Dieses Verhalten wird oft als sogenannter Altersstarrsinn abgetan, also als natürliche Reaktion auf die Veränderungen im Alter. Das muss aber nicht sein – möglicherweise steckt auch eine ernsthafte Erkrankung hinter der Wesensveränderung.

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    Aggressivität im Alter durch Alzheimer und andere Demenzerkrankungen

    Demenz ist im Alter eine sehr häufige Erscheinung: Derzeit leben in Deutschland rund 1,8 Millionen demenzkranke Menschen. Die Erkrankungswahrscheinlichkeit steigt im Alter stark an: Etwa jeder und jede fünfte 85-Jährige ist betroffen. Die vorherrschende Form ist dabei die Alzheimer-Demenz, bei der nach und nach Nervenzellen im Gehirn zerstört werden. Bei der zweithäufigste Demenzform, der vaskulären Demenz, entstehen beispielsweise nach einem Schlaganfall Durchblutungsstörungen im Gehirn. Auch Morbus Parkinson zählt zu den neurodegenerativen Krankheiten, die den Zerfall des Nervensystems betreffen.

    Im Anfangsstadium passiert es häufig, dass Angehörige die beginnende Demenz fälschlicherweise für Altersstarrsinn halten. Folgende Warnzeichen können auf eine Demenz hinweisen:

    • starke Stimmungsschwankungen, Ängstlichkeit, Misstrauen oder Reizbarkeit
    • Vergesslichkeit (vor allem bei kurz zurückliegenden Ereignissen)
    • nachlassendes Interesse an Hobbys und Kontakten
    • Wortfindungsstörungen/-schwierigkeiten
    • Orientierungsschwierigkeiten
    • Fehleinschätzung von Gefahren
    • beharrliches Abstreiten von Fehlern und Verwechslungen

    Im weiteren Verlauf fällt auf, dass Betroffene zum Beispiel immer dieselben Fragen und Handlungen wiederholen, plötzlich nachts umherwandern oder sich in misstrauische Überzeugungen hineinsteigern, zum Beispiel, bestohlen worden zu sein. Manche werden auch verbal oder körperlich zunehmend aggressiv. Eine Demenz ist zwar nicht heilbar, aber wenn die Angehörigen um die Erkrankungen wissen, können sie mit mehr Verständnis reagieren.

    Wesensveränderungen durch Altersdepression

    Auch Depressionen kommen als Ursache infrage, wenn ältere Menschen schwierig werden. Etwa 20 Prozent entwickeln eine Altersdepression. Bei Bewohnerinnen und Bewohnern von Senioren- und Pflegeheimen liegt der Anteil sogar bei 30 bis 40 Prozent. Oft wird die Erkrankung aber erst spät oder gar nicht erkannt. Zu den körperlichen Anzeichen gehören:

    • Kopf-, Rücken- und Gliederschmerzen
    • Schwindelgefühle
    • Herzrhythmusstörungen
    • Atemprobleme
    • Magen-Darm-Probleme (vor allem Verstopfung),
    • Missempfindungen in den Gliedern
    • Appetitlosigkeit und daraus resultierender Gewichtsverlust
    • Schlafprobleme
    • andauernde Müdigkeit
    • Konzentrationsschwierigkeiten
    • innere Unruhe
    • selbstverletzendes Verhalten

    Zu den psychischen Beschwerden, die mit einer Depression einhergehen, zählen:

    • Antriebs- und Lustlosigkeit
    • Gleichgültigkeit gegenüber Mitmenschen und Ereignissen
    • Freudlosigkeit
    • sozialer Rückzug
    • plötzliche Weinanfälle
    • Reizbarkeit und Aggressivität (häufig bei Männern)
    • Suizidgedanken

    Wichtig zu wissen ist, dass speziell ältere Menschen oft zuerst über die körperlichen Symptome wie Schmerzen oder Verdauungsschwierigkeiten klagen, nicht über ihren Gemütszustand. Dass es an dieser Stelle ein Problem gibt, fällt oft erst auf, wenn die Betroffenen sich von Freunden und Familie stark zurückziehen.

    Es ist wichtig, eine Altersdepression zu behandeln und so die Lebensqualität der Betroffenen wieder zu verbessern. Das geschieht vor allem durch Psychotherapie, Medikamente und soziale Unterstützung. Waren Depressionen die Ursache für die Wesensveränderungen im Alter, erleichtert die Therapie auch den Umgang mit den erkrankten Seniorinnen und Senioren.

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    Weitere Erkrankungen mit möglichen Wesensveränderungen im Alter

    Verschiedene weitere Erkrankungen kommen als Auslöser für Wesensveränderungen im Alter infrage, zum Beispiel:

    • Schilddrüsenüber- oder Unterfunktion
    • Stoffwechselerkrankungen
    • Lungen- oder Herzerkrankungen, in deren Folge das Gehirn mit zu wenig Sauerstoff versorgt wird
    • Schmerzen (etwa durch rheumatische Erkrankungen)
    • Krebserkrankungen (etwa ein Hirntumor)

    Wichtig ist demnach, dass Betroffene oder ihre Angehörigen auffällige Wesensveränderungen und Stimmungsschwankungen bei einem Arztbesuch ansprechen und genauso ernst nehmen wie körperliche Symptome. Oft lassen sich körperliche und psychische Erkrankungen auch nicht scharf voneinander trennen und können einander verstärken: Hat beispielsweise eine ältere Person mit Arthroseschmerzen gleichzeitig eine Depression, drücken die Schmerzen womöglich zusätzlich auf die Stimmung. Die Person zieht sich zurück und wird körperlich immer passiver, wodurch gleichzeitig die Arthrose weiter voranschreitet.

    Wenn alte Menschen „schwierig“ werden, gibt es manchmal aber auch eine einfache Erklärung: Schwerhörigkeit. Anfangs kommen Betroffene weniger gut bei Gesprächen mit, wenn es Nebengeräusche oder einen starken Hall im Raum gibt. Oft fällt im Frühstadium gar nicht auf, dass das Hören beeinträchtigt ist. Später dann haben betroffene ältere Menschen auch Probleme, in ruhigen Gesprächssituationen das Gesagte zu verstehen oder auch einer Fernseh- oder Radiosendung zu folgen. Bei manchen äußert sich das so, dass sie sich aus sozialen Situationen zurückziehen und Gespräche meiden, da sie sich durch die Schwerhörigkeit frustriert fühlen und schämen.

    Enkelin kocht mit ihrer Oma, bei der eine Wesensveränderung aufgetreten ist.

    © iStock / Bojan89

    Bei einer Wesensveränderung und generell, wenn alte Menschen schwierig werden, hilft es, deren Selbstvertrauen zu stärken, indem sie so viel wie möglich selbstständig tun dürfen.

    Was tun, wenn alte Eltern schwierig werden?

    Insbesondere für die Kinder von Betroffenen ist es oft schwer, Veränderungen der Persönlichkeit bei den eigenen Eltern zu erleben. Das gilt besonders dann, wenn diese in einem aggressiven, misstrauischen oder verbitterten Gewand daherkommen. Eine besondere Herausforderung ist es, demenzkranke Eltern zu betreuen und zu begleiten, deren Erkrankung sich kaum oder gar nicht aufhalten lässt. Einige Verhaltensregeln im Umgang mit erkrankten alten Menschen erleichtern den Alltag:

    • Sprechen Sie in einfachen, möglichst kurzen und deutlichen Sätzen. Wiederholen Sie wichtige Informationen bei Bedarf. Bleiben Sie nach Möglichkeit geduldig und lassen Sie Ihren Angehörigen Zeit, Sie zu verstehen und zu reagieren.
    • Nehmen Sie aggressives und misstrauisches Verhalten nicht persönlich. Manchmal hilft es, die Person abzulenken, um herausforderndes Verhalten zu beenden.
    • Stärken Sie das Selbstvertrauen der älteren Person, indem Sie sie so viel wie möglich selbstständig tun lassen, ohne sie zu überfordern.
    • Hilfreich sind feste Gewohnheiten und ein strukturierter Tagesablauf mit Orientierungspunkten wie Essens- und Ruhezeiten.
    • Schaffen Sie eine vertraute, übersichtliche und gut ausgeleuchtete Wohnumgebung, die sich möglichst wenig ändert.
    • Wenn Sie eine ältere Person pflegen, achten Sie darauf, dass auch Sie selbst nicht zu kurz kommen: Tun Sie Dinge, die Sie entspannen und die Ihnen Spaß machen, und pflegen Sie auch Ihre eigenen sozialen Kontakte.
    • Scheuen Sie sich nicht, nach Hilfe zu fragen, wenn Sie sich überfordert fühlen.

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