Muskel-Skelett-System
Bakerzyste: Ursachen, Symptome und Behandlung
Veröffentlicht am:28.01.2026
8 Minuten Lesedauer
Eine kleine Schwellung im Kniegelenk kommt ziemlich häufig vor. Meistens ist die Zyste völlig harmlos. Wenn sie jedoch größer wird, kann sie auch Schmerzen verursachen. Wie entsteht eine Bakerzyste und was können Sie selbst dagegen tun?

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Was ist eine Bakerzyste?
Bei einer Bakerzyste (auch Synovialzyste oder Poplitealzyste genannt) handelt es sich um eine Ausstülpung der Gelenkkapsel im Bereich der Kniekehle. Diese Ausstülpung ist mit Gelenkflüssigkeit gefüllt. Es gibt verschiedene Ursachen, warum sich solch eine Zyste bildet. Das kann eine Schädigung im Kniegelenk sein, zum Beispiel des Knorpels oder ein Meniskusriss. Auch chronische Gelenkerkrankungen wie Arthrose oder rheumatoide Arthritis können dazu führen.
Im Kniegelenk treffen Ober- und Unterschenkelknochen aufeinander. Dazwischen liegt ein schmaler Gelenkspalt, der mit Gelenkflüssigkeit gefüllt ist. Diese Flüssigkeit versorgt den Knorpel der Kniegelenke mit Nährstoffen und hält das Gelenk geschmeidig. Umhüllt sind Gelenk und Gelenkspalt von der Gelenkkapsel. Darin befindet sich der Schleimbeutel. Ist das Knie geschädigt, kann es Reibung und Stöße nicht mehr ausreichend dämpfen. Als Ausgleich bildet sich mehr Gelenkflüssigkeit. Dadurch dehnt sich der Schleimbeutel aus und drückt auf die Rückseite des Knies. Es bildet sich eine Bakerzyste, die vor allem bei Menschen auftritt,
- die Knieprobleme haben,
- über 50 Jahre alt sind
- oder chronische Knieschmerzen haben.
Von 100 Personen mit chronischen Knieschmerzen sind zwischen 5 bis 40 davon betroffen. In der Regel verschwindet eine Bakerzyste von allein wieder und muss nicht behandelt werden. Benannt ist sie nach dem britischen Arzt William Baker, der sie im 19. Jahrhundert beschrieben hat.
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Bakerzyste: Welche Symptome können auftreten?
Kleine Bakerzysten werden von Betroffenen oft gar nicht bemerkt und bilden sich von allein wieder zurück. Entdeckt werden sie meist nur zufällig, wenn andere Knieprobleme auftreten und untersucht werden. Nur bei Zysten, die größer als fünf Zentimeter sind, treten manchmal Beschwerden auf. Der Grund dafür ist, dass größere Zysten stärker auf das umliegende Gewebe und auf die Nervenstränge drücken. Typische Symptome sind:
- Enge- und Spannungsgefühl in der Kniekehle,
- Schmerzen im Knie,
- steifes Kniegelenk,
- Schwellung in der Kniekehle, die manchmal als Beule sichtbar ist,
- geschwollene Wade.
Wird das Knie bewegt, können Schwellung und Schmerzen stärker werden. Auch die Beweglichkeit kann eingeschränkt sein. Das Stehen und Laufen wird für Betroffene immer unangenehmer, bis ihr Knie schließlich zu schmerzen beginnt. In seltenen Fällen sammelt sich sogar so viel Flüssigkeit an, dass die Bakerzyste bis in den Oberschenkel reicht oder in die Wade absackt.
Tipps für den Alltag
Gönnen Sie sich nach dem Spaziergang, Treppenlaufen oder Einkaufen eine Ruhepause. Legen Sie das Bein mit der Bakerzyste hoch und lindern Sie Beschwerden mit Wärme- oder Kühlkissen. Planen Sie Phasen mit Aktivitäten und Belastungen im Voraus und setzen Sie Prioritäten. Nach einer anstrengenden Arbeit im Garten sollten Sie keinen Großeinkauf erledigen. Bitten Sie lieber Familie, Freunde oder Nachbarn, den Einkauf für Sie zu erledigen.
Wie wird eine Bakerzyste diagnostiziert?
Die Ärztin oder der Arzt führt zunächst eine Anamnese durch und fragt nach den Beschwerden und möglichen Ursachen, zum Beispiel nach früheren Verletzungen oder ob eine Arthrose vorliegt. Danach wird das Kniegelenk genau angeschaut und auf Bewegungsabläufe, Gangbild, Rötungen und Schwellungen untersucht. Außerdem kann ein Beugetest gemacht werden. Dabei liegt die Patientin oder der Patient entweder auf dem Bauch oder auf dem Rücken. Während das Bein gestreckt und gebeugt wird, tastet die Ärztin oder der Arzt die Kniekehle ab. Ist das Bein gestreckt, lässt sich die Bakerzyste gut ertasten und erkennen.
Ein weiteres diagnostisches Verfahren ist die Sonographie (Ultraschalluntersuchung). Damit lässt sich schnell feststellen, wie groß die Zyste ist und welche Auswirkungen sie auf angrenzende Muskeln, Sehnen und Gefäße hat. Auch mit einer Magnetresonanztomographie (MRT) lässt sich eine Bakerzyste nachweisen. Der Vorteil des MRTs ist, dass sich damit die gutartige Bakerzyste von seltenen Zystentumoren abgrenzen lässt, etwa dem myxoiden Liposarkom, das in der Kniekehle auftreten kann. Darüber hinaus lässt sie sich durch das bildgebende Verfahren von einem Meniskusriss, von Knorpelschäden, Arthrose, einem freien Gelenkkörper oder einer Synovitis (Entzündung der Gelenkschleimhaut) unterscheiden. Durch das MRT sind Form, Größe und Lage der Zyste gut zu erkennen.
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Wie wird eine Bakerzyste behandelt?
Um die Beschwerden zu lindern, können Sie selbst einige Maßnahmen ausprobieren und danach entscheiden, was Ihnen guttut. Geeignet sind zum Beispiel:
- das Hochlegen des Beins,
- schmerzlindernde Salben,
- Bandagen- und Stützverbände,
- Wärme- oder Kälte-Anwendungen in der Kniekehle. Bei entzündlichen Erkrankungen im Knie ist Kühlen oft angenehm, bei Knorpelschäden kann Wärme wohltuend sein.
- Übungen, um die Muskulatur zu dehnen und zu kräftigen. Bei Arthrose können Sie so die Regeneration im Knie fördern.
- Schuheinlagen können das Knie entlasten.
Lassen die Schmerzen nicht nach, sollten Sie Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin aufsuchen. Sie können entzündungshemmende und schmerzstillende Schmerzmittel verschreiben, zum Beispiel Diclofenac oder Ibuprofen, aber auch eine Physiotherapie verordnen, um das Knie beweglich zu halten und zu stabilisieren. In der Physiotherapie werden die Beinmuskeln gezielt trainiert.
Eine Orthopädin oder ein Orthopäde kann das Kniegelenk und die Bakerzyste auch punktieren. Dazu wird mit einer Nadel in die Zyste oder das Kniegelenk gestochen und die Flüssigkeit abgesaugt. Sollten sich die starken Beschwerden nicht bessern, ist womöglich eine Knieoperation nötig, um die Ursache der Bakerzyste zu behandeln: die Verletzung der Knorpelscheibe, des Gelenkbandes, des Meniskus oder die entzündete Gelenkhaut. Bei einer fortgeschrittenen Arthrose wird eine Operation nicht empfohlen, weil die Ursache damit nicht beseitigt wird und sich jederzeit eine neue Zyste bilden kann.
Vielversprechend sind auch neue biologische Therapien. Dazu gehört die Behandlung mit plättchenreichem Plasma und mesenchymalen Stammzellen. Studien zeigen, dass sie die Reparatur des Gelenkknorpels und die Knochenheilung unterstützen können. Ihre Wirkung auf die Bakerzyste selbst ist noch nicht erforscht.
Kann sich eine Bakerzyste auch bei Kindern bilden?
Auch Kinder können eine Bakerzyste bekommen. Allerdings tritt sie bei ihnen eher selten auf.
Die Häufigkeit (Prävalenz) liegt bei gut sechs Prozent. Betroffen sind vor allem Kinder im Alter zwischen vier und acht Jahren. Die sogenannte primäre Bakerzyste kann sich bei Kindern – im Gegensatz zu Erwachsenen – ohne vorherige Schädigung am Knie entwickeln. In der Regel müssen Kindern deshalb nicht behandelt werden, weil die Zyste von alleine verschwindet.
Welche Komplikationen können auftreten
Manchmal platzt eine Bakerzyste (Ruptur). Dann tritt die Gelenkflüssigkeit aus und verteilt sich im umliegenden Gewebe, zum Beispiel in der Wadenmuskulatur. Die Folge sind starke Schmerzen im Knie und in der Wade. Auch blaue Flecken (Hämatome) können sich bilden. Langsam baut sich die ausgetretene Flüssigkeit wieder ab. In manchen Fällen entzündet sich nach dem Platzen der Zyste das Gewebe. Dann sollten Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt ausuchen. Selten führt eine Bakerzyste zu einer Ischämie, einer Störung der Durchblutung, sowie zu einer peripheren Neuropathie, einer Schädigung der Nerven.
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