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Immunsystem

Richtig handeln bei einem anaphylaktischen Schock

Veröffentlicht am:15.12.2023

5 Minuten Lesedauer

Hautausschlag, Erbrechen, Atemnot: Bei einer Anaphylaxie reagiert der Körper mit überschießender Abwehr auf einen fremden Stoff, etwa ein Medikament oder ein Insektengift. Das kann bis zum Kreislaufversagen führen – dem anaphylaktischen Schock.

Eine junge Frau sitzt aufrecht im Bett und fasst sich wegen Atemnot an den Hals.

© iStock / twinsterphoto

Was ist ein anaphylaktischer Schock?

Als Anaphylaxie (Griechisch ana = hinauf/über und phylaxis = Schutz) bezeichnen Fachleute eine immunologische Reaktion, mit welcher der Körper versucht, sich vor einer vermeintlichen Gefahr zu schützen. Dabei schießt er so weit über das Ziel hinaus, dass er sich mitunter selbst gefährdet. Die Symptome können die Haut, den Magen-Darm-Trakt, die Atemwege und/oder das Herz-Kreislauf-System betreffen. Bricht infolge der Anaphylaxie der Kreislauf zusammen, spricht man von einem allergischen oder anaphylaktischen Schock.

Was kann eine anaphylaktische Reaktion auslösen?

Die häufigsten Auslöser eines anaphylaktischen Schocks sind:

Während eine Anaphylaxie bei Kindern oft auf eine Nahrungsmittelallergie zurückgeht, stehen bei Erwachsenen Insektenstiche im Vordergrund, gefolgt von Arzneimitteln. Ein erhöhtes Risiko für eine schwere anaphylaktische Reaktion haben Menschen mit bestimmten Grunderkrankungen, etwa Asthma oder einer sogenannten Mastozytose. Dabei ist die Zahl bestimmter Abwehrzellen im Körper, der Mastzellen, krankhaft erhöht. Auch in Zusammenhang mit Alkohol , körperlicher Belastung, Stress und bestehenden Infekten steigt die Wahrscheinlichkeit für einen anaphylaktischen Schock.

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Was passiert bei einer Anaphylaxie im Körper?

Eine Anaphylaxie beginnt meist Sekunden bis Minuten – seltener um einige Stunden verzögert – nach Kontakt mit der allergieauslösenden Substanz. In der Regel sind es bestimmte Antikörper (vom Typ Immunglobulin E, kurz IgE), die für die allergische Reaktion verantwortlich sind. Sie bringen eine Kettenreaktion an Entzündungsprozessen in Gang, bei denen spezielle weiße Blutkörperchen (sogenannte Mastzellen und basophile Granulozyten) die Hauptrolle spielen. Diese schütten Histamin und zahlreiche andere Botenstoffe aus, die unter anderem Schwellungen der Haut und der Atemwege auslösen. Seltener kommt es zu einer sogenannten Pseudo-Anaphylaxie, die sich zwar in ähnlichen Symptomen äußert, aber nicht durch IgE-Antikörper vermittelt wird.

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Anaphylaktischer Schock: Typische Symptome

Ein anaphylaktischer Schock ist eine schwere Form der Anaphylaxie. Insgesamt gibt es vier Schweregrade. Die möglichen Symptome betreffen verschiedene Organsysteme:

GradHautMagen-Darm-TraktAtemwegeHerz-Kreislauf-System
1Juckreiz, Rötungen, Nesselsucht, Ödeme
2Juckreiz, Rötungen, Nesselsucht, ÖdemeÜbelkeit bis hin zum ErbrechenSchnupfen, Heiserkeit, Atembeschwerdenhoher Puls, niedriger Blutdruck, Herzrhythmusstörungen
3Juckreiz, Rötungen, Nesselsucht, ÖdemeErbrechen, Blähungen und DurchfallBlaufärbung der Haut und Schleimhäute, Schwellung des Kehlkopfes, AtemkrämpfeSchock: Durchblutungsstörung der Organe, Kreislaufversagen, Ohnmacht
4Juckreiz, Rötungen, Nesselsucht, ÖdemeErbrechen, Blähungen und DurchfallAtemstillstandKreislaufstillstand

Manchmal kündigt sich eine Anaphylaxie durch Vorzeichen an. Die Betroffenen fühlen sich unwohl, klagen eventuell über Kopfschmerzen, einen metallischen Geschmack im Mund oder ein unangenehmes Kribbeln in Mund und Rachen. Die Symptome können sich binnen weniger Minuten zeitgleich oder nacheinander entwickeln, fortschreiten oder von selbst abklingen – der Verlauf ist individuell unterschiedlich.

Nicht selten bleibt es bei einem Hautausschlag (Anaphylaxie Grad 1). Im weiteren Verlauf können Bauchkrämpfe, Heiserkeit und/oder Herzrasen dazukommen (Grad 2). In schweren Fällen kommt es zu einem anaphylaktischen Schock, bei dem der Kreislauf versagt (Grad 3). Unbehandelt kann die Anaphylaxie zu einem Atem- und Kreislaufstillstand (Grad 4) und somit zum Tod führen. Das geschieht jedoch vergleichsweise selten: Pro Jahr sterben von einer Million Betroffenen eine bis drei Personen an einem anaphylaktischen Schock.

Anaphylaktischer Schock: Erste Hilfe und Behandlung

Wenn Sie selbst Hinweise auf einen anaphylaktischen Schock, also zunehmende Luftnot oder Kreislaufversagen, bemerken oder eine Person in Ihrem Umfeld verdächtige Beschwerden schildert, zögern Sie nicht, wählen Sie den Notruf 112. Weisen Sie darauf hin, dass Sie eine Anaphylaxie vermuten. Prüfen Sie, ob bei der betroffenen Person noch Kontakt mit dem Allergen besteht (wie ein Bienenstachel in der Haut) und entfernen Sie den Auslöser nach Möglichkeit sofort.

Epipen mit Adrenalin

Gefährdete Allergiker und Allergikerinnen besitzen im besten Fall ein Notfallset mit einem sogenannten Adrenalin-Autoinjektor oder Epipen. Dabei handelt es sich um eine automatisch funktionierende Spritze. Entfernen Sie die Schutzkappe und drücken Sie der betroffenen Person den Epipen fest auf den äußeren Oberschenkel. Das funktioniert sogar durch die Kleidung. Ein Klicken zeigt an, dass die Spritze das Adrenalin freisetzt. Halten Sie den Epipen weitere zehn Sekunden in dieser Position. Das Adrenalin hilft dabei, den Kreislauf zu stabilisieren und einem anaphylaktischen Schock vorzubeugen.

Auf einer Bank sitzt ein Kind und macht Mittagspause. Aus seiner Lunchbox holt es einen Epipen.

© iStock / CarrieCaptured

Bei schweren Allergien sollten Sie immer ein entsprechendes Notfallset oder einen Epipen bei sich tragen.

Antihistaminikum und Lagerung

Ein Antihistaminikum (als Flüssigkeit oder Tablette) oder ein Kortison-Präparat (als Zäpfchen, Flüssigkeit oder Tablette) können bei einer Anaphylaxie hilfreich sein, um die starke allergische Reaktion zu bremsen; die Wirkung tritt aber etwas später ein als die des Adrenalins.

Bei akuter Atemnot hilft ein Notfall-Asthmaspray. Die Person sollte sich hinsetzen, bis ärztliche Hilfe eintrifft. Sie sollte nicht gehen oder laufen. Bei Kreislaufproblemen empfiehlt es sich, die Person auf den Rücken zu legen und die Beine hoch zu lagern. Wenn das Bewusstsein schwindet und/oder die Person würgt, bringen Sie diese in die stabile Seitenlage.

Anaphylaktischer Schock mit Herz-Kreislauf-Stillstand

Falls Sie bei einer bewusstlosen Person mit einem Ohr über dem Mund und einer Hand auf dem Bauch der betroffenen Person keinen Atem feststellen, ist das Herz-Kreislauf-System wahrscheinlich zum Stillstand gekommen. Jetzt ist schnelles Handeln gefragt: Falls noch nicht erfolgt, alarmieren Sie den Notruf 112, beginnen Sie mit einer Herzdruckmassage (bei Erwachsenen: 100 Mal pro Minute kräftig mit gestreckten Armen von oben auf den Brustkorb drücken). Wenn Sie unsicher sind, machen Sie trotzdem weiter bis der Rettungsdienst kommt: Jedes Handeln hilft und kann ein Leben retten!

Nachsorge im Krankenhaus bei einem anaphylaktischen Schock

Es wird empfohlen, dass man nach einer anaphylaktischen Reaktion, die über einen Hautausschlag hinausging, nach der akuten Behandlung für 24 Stunden unter medizinischer Beobachtung bleibt. Dies möglichst im Krankenhaus, weil es sein kann, dass eine Anaphylaxie nach einigen Stunden nochmals aufflammt (biphasischer Verlauf). Bei einem schweren anaphylaktischen Schock ist oft eine längere Überwachungs- und Stabilisierungsphase sinnvoll.

Wie kann ich einer anaphylaktischen Reaktion vorbeugen?

Als gefährdete Person können Sie wie folgt eine anaphylaktische Reaktion vorbeugen:

  • Vermeiden Sie bei einer bekannten Nahrungsmittel-, Insektengift- oder Arzneimittelallergie unbedingt den Kontakt mit den auslösenden Substanzen.
  • Lassen Sie sich, wenn Sie für eine Anaphylaxie gefährdet sind (etwa durch eine Mastozytose oder eine stark ausgeprägte Allergie), von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin ein Notfallset verschreiben. Füllen Sie den beiliegenden Notfallpass aus.
  • Achten Sie darauf, das Set immer mit sich führen. Außerdem sollten Sie Angehörige und weitere Personen wie Bekannte und Kollegen und Kolleginnen über das Risiko und die Handhabung des Notfallsets informieren.
  • Das gilt auch, wenn Ihr Kind zum Beispiel eine schwere Nahrungsmittelallergie hat. Informieren Sie alle Betreuungspersonen und stellen Sie sicher, dass es vor Ort (etwa in der Kita) ein Notfallset inklusive Epipen gibt.

Speziell bei einer Allergie gegen Bienen- oder Wespengift kann auch eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) helfen, einem anaphylaktischen Schock langfristig vorzubeugen.

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