Herz & Kreislauf

Schlaf dich herzgesund – warum guter Schlaf unser Herz schützt

Veröffentlicht am:12.01.2026

3 Minuten Lesedauer

Dr. med. Heinz-Wilhelm Esser, bekannt als Doc Esser, ist Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Kardiologie und gibt Gesundheitstipps für den Alltag. Diesmal: Warum ein guter Schlaf so wichtig für unser Herz ist.

In der Mitte ist ein Foto von Doc Esser mit Schirmmütze und Stethoskop zu sehen. Illustrationen daneben zeigen eine schlafende Frau in einem Bett sowie einen in der Natur Sport treibenden Mann.

© Manfred Jasmund / AOK

Wir reden viel über Ernährung. Wir reden viel über Bewegung. Wir reden über Bluthochdruck, Cholesterin, Arbeitsstress und sogar über Gene. Aber über etwas, das unser Herz mindestens genauso stark beeinflusst wie Sport und Ernährung, reden wir viel zu wenig: Schlaf.

Schlaf ist kein Luxus, kein Bonus, kein nettes „Wellnessprogramm“. Schlaf ist ein medizinisches Grundbedürfnis – und eines der wichtigsten Regenerationssysteme unseres Körpers. Vor allem für das Herz-Kreislauf-System. Und deshalb gilt:

Wer schlecht schläft, belastet sein Herz. Wer gut schläft, schützt es.

Warum Schlaf so regenerativ ist

Im Schlaf passiert mehr, als es von außen scheint. Wir liegen still, aber unser Körper fährt ein umfassendes Regenerationsprogramm:

  • Das Herz schlägt langsamer, der Blutdruck sinkt.
  • Das Hormonsystem reguliert sich.
  • Die Blutgefäße entspannen.
  • Die Muskulatur wird repariert, Mikroverletzungen werden geglättet.

„Muskelschäden wieder aufbauen“ heißt eigentlich: Die feinen Schäden, die wir tagsüber erzeugen – durch Sport, Arbeit, Stress – werden nachts repariert. Und zwar nicht nur in den Armen und Beinen, sondern auch im Herzmuskel selbst.

Der Schlaf ist das größte Reparaturprogramm, das unser Körper kennt.

Dr. med. Heinz-Wilhelm Esser alias Doc Esser

Dr. Heinz-Wilhelm Esser ist Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Kardiologie und leitet als Oberarzt die Abteilung Pneumologie am Sana-Klinikum Remscheid.

Seit 2016 moderiert er verschiedene Fernseh- und Hörfunkformate sowie Podcasts, in denen er verständlich und unterhaltsam über Gesundheitsthemen informiert und neue Therapiemöglichkeiten hinterfragt. Er ist Autor verschiedener Gesundheitsratgeber und hält regelmäßig Fachvorträge.

Warum das Herz den Schlaf so dringend braucht

Unser Herz ist ein Dauerläufer. Keine Pause, kein Stopp, kein Wochenende. Es arbeitet 100.000 Schläge am Tag – ohne die Möglichkeit, einmal kurz „durchzuatmen“. Die einzige echte Entlastung bekommt es in der Nacht, wenn Puls und Blutdruck sinken. Fehlt diese Regenerationsphase, wirkt das wie ein ständiger Marathon ohne Training.

Bei dauerhaft schlechtem Schlaf kann der Körper den nächtlichen Blutdruckabfall nicht mehr richtig einleiten. Ärztlich nennt man das: Non-Dipper. Und das erhöht vor allem bei Menschen mit Bluthochdruck das Risiko für:

Kurz gesagt: Wer nicht schläft, altert sein Herz vor.

Schlafprobleme – ein unterschätzter Herzrisikofaktor

Es gibt unterschiedliche Schlafstörungen, aber eine sticht besonders hervor: Das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS).

Dabei verengt sich nachts der Rachen, der Atemfluss stoppt kurzzeitig – oft hunderte Male pro Nacht – und der Sauerstoff im Blut fällt ab. Der Körper reagiert mit Stress: Adrenalin hoch, Blutdruck hoch, Herzfrequenz hoch.

Die Folgen?

Leider eindeutig.

1. Höheres Risiko für Vorhofflimmern

Menschen mit Schlafapnoe haben ein zwei- bis vierfach erhöhtes Risiko, Vorhofflimmern zu entwickeln. Jede nächtliche Hypoxie, also ein Sauerstoffmangel, ist ein kleiner Schlag gegen die Herzvorhöfe. Und irgendwann schlagen sie eben nicht mehr im Takt.

2. Höheres Risiko für Bluthochdruck

Schlafapnoe ist eine der häufigsten und oft unentdeckten Ursachen für therapieresistenten Bluthochdruck. Wenn die nächtlichen Atemaussetzer behandelt werden, beispielsweise mit einer Atem-Maske, normalisiert sich bei vielen Patientinnen und Patienten plötzlich der Blutdruck – oft zum ersten Mal seit Jahren.

3. Höheres Risiko für Herzinsuffizienz

Eine Schlafapnoe erhöht den oxidativen Stress und die Belastung des Herzmuskels. Bei unbehandelter Schlafapnoe steigt das Risiko für Herzschwäche signifikant. Insbesondere nächtliche Sauerstoffabfälle setzen dem Herzmuskel zu.

Warum wir unseren Schlaf selbst beeinflussen können

Das Gute: Schlaf ist trainierbar. Und zwar erstaunlich gut.

  • fester Schlafrhythmus
  • weniger Abendlicht
  • kein schweres Essen vor dem Zubettgehen
  • mehr Tageslicht
  • regelmäßige Bewegung
  • eine ruhige Abendroutine

Aber vor allem: Menschen mit Schnarchen, Atemaussetzern, starker Tagesmüdigkeit oder Vorhofflimmern sollten unbedingt ein Screening auf Schlafapnoe bekommen. Denn oft ist die nächtliche Atmung der versteckte Schlüssel zur Herzgesundheit.

Fazit

Schlaf ist der älteste Herzschutz, den wir haben. Ein erholsamer Schlaf unterstützt Herz und Gefäße, sich zu regenerieren und Belastungen des Alltags auszugleichen.

Oder wie ich gerne sage: Ein erholter Körper hat ein starkes Herz – und ein starkes Herz braucht die Nacht.

Fachlich geprüft
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