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Migräne: So lässt sich der Schmerz lindern

Ein Mann versucht, seinen Kopfschmerz zu lindern.

© iStock / PixelsEffect

Lesezeit: 4 MinutenAktualisiert: 17.08.2021

Schwere Migräneattacken sind eine große Belastung. Kathrin Behrens hat gelernt, mit ihrer Erkrankung zu leben. Dabei helfen ihr ein Kopfschmerztagebuch, moderne Therapien und ein bewusstes, aktives Leben.

Inhalte im Überblick

    Laufen gegen den Kopfschmerz

    Kann man dem Schmerz davonlaufen? Für Kathrin Behrens lautet die Antwort: Ja! Wenn die 36-Jährige durch den Forstgarten im nordrhein-westfälischen Kleve joggt, weiß sie, dass jeder Schritt in ihren schwarzen Laufschuhen ihr dabei hilft. Sie stark macht, um die nächste Attacke durchzustehen. Ja, wahrscheinlich sogar viele davon verhindert. „Beim Laufen kann ich Stress abbauen“, sagt sie. „Es fördert mein Selbstbewusstsein und lässt meine Schmerzschwelle ansteigen. Das habe ich schon nach wenigen Wochen gemerkt.“

    Kathrin Behrens leidet an Migräne. Das Laufen ist für die Krankenschwester ein wichtiger Teil ihrer Therapie. Meist joggt sie an zwei Abenden in der Woche, immer in Gesellschaft. Alleine war sie durch die ständigen Schmerzen lange genug. „Als meine Kopfschmerzen besonders schlimm waren und ich noch keinen Weg der Linderung kannte, war ich sehr isoliert, musste Verabredungen oft absagen. Doch als ich mich der Laufgruppe im Ort anschloss, fühlte ich mich richtig aufgenommen.“

    Mit 21 spürte sie das Pochen im Kopf zum ersten Mal. „Von da an traten die Attacken immer häufiger und heftiger auf“, erinnert sie sich. „Irgendwann fühlte es sich an wie ein Gewitter in meinem Kopf – als würde sich ein Presslufthammer durch mein Hirn arbeiten.“

    Viele Menschen kennen dieses Gefühl. Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen hierzulande. Zwölf bis 14 Prozent der Frauen und sechs bis acht Prozent der Männer leiden regelmäßig unter den pulsierenden Schmerzen, die laut der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft typischerweise zwischen vier und 72 Stunden anhalten.

    Es gibt viele Arten von Migräne

    „Die internationale Kopfschmerzklassifikation unterscheidet eine ganze Reihe verschiedener Formen der Migräne. Etwa 15 bis 20 Prozent der Patienten berichten von einer sogenannten Aura“, sagt Dr. Charly Gaul, Chefarzt der Migräne- und Kopfschmerz-Klinik Königstein. „Dabei treten neurologische Reiz- oder Ausfallsymptome auf, besonders vor einer Attacke. Betroffene berichten etwa über flackernde, gezackte Linien, farbige Erscheinungen oder einseitige Sehstörungen.“

    Bei den meisten Betroffenen schmerzt der Kopf an einzelnen Tagen im Monat, die Hälfte klagt über eine monatliche Attacke. Mediziner sprechen dann von episodischer Migräne, die je nach der Stärke des Schmerzes mit Akutmedikamenten behandelt wird. Dazu empfehlen Ärzte vorbeugende Maßnahmen wie Sport und Entspannungsübungen. Auch raten sie ihren Patientinnen, ihre Migräne-Trigger zu meiden. Solche auslösenden Faktoren können Stress und Schlafmangel, aber auch Kälte oder histaminreiche Lebensmittel, wie Käse, Rotwein oder Schokolade sein. Die Trigger sind individuell sehr unterschiedlich.

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    Chronische Migräne

    Manche Patienten kämpfen aber auch mit mehr als 15 Kopfschmerztagen im Monat und mit heftigeren Schmerzen. Laut MigräneLiga sind in Deutschland bis zu 1,5 Millionen Menschen von dieser chronischen Migräne betroffen. „Die Unterscheidung der beiden Migräneformen ist relevant, da sich die Behandlung unterscheidet“, sagt Dr. Gaul. Zusätzlich zu den genannten Maßnahmen sind bei Patienten mit chronischer Migräne unter ärztlicher Betreuung auch vorbeugende Medikamente ratsam, welche die Häufigkeit der Anfälle reduzieren können. Medizinischer Rat ist dabei sehr wichtig.

    Die Erkrankung nimmt bei einigen Patienten auch einen komplizierten Verlauf, der bis zur Schmerzmittelabhängigkeit führen kann. Und dadurch zu noch mehr Beschwerden, dem sogenannten Kopfschmerz durch Schmerzmittelübergebrauch. Das hat auch Kathrin Behrens erlebt.

    Die Anfälle lähmten ihren Alltag, sie wurden immer häufiger. An ihre Leidenschaft, das Volleyballspielen, war da schon nicht mehr zu denken. Und schließlich kam die Angst dazu: Die Angst vor dem Schmerz. Die Angst davor, arbeitsunfähig zu werden. Denn obwohl sie Medikamente einnahm, verschlimmerte sich die Migräne weiter. „Da habe ich angefangen, zu wirklich jedem erhältlichen Schmerzmittel zu greifen, was aber letztendlich nur zu einem unerträglichen Dauerkopfschmerz führte.“ Heute weiß sie, dass es so weit nicht hätte kommen müssen. Nach neun Jahren erhielt sie schließlich die Diagnose: chronische Migräne.“

    So funktioniert ein Kopfschmerztagebuch

    Dann riet ihr Neurologe ihr, ein Kopfschmerztagebuch zu führen. Für Kathrin Behrens ein wichtiger Schritt zur Besserung. Seit fast sieben Jahren hält sie nun darin fest, wann ihre Attacken auftreten, wie stark sie sind, ob es Auslöser gab und welche Medikamente ihr dann helfen. In dieser Zeit hat sie viel über sich und ihre Migräne gelernt. Etwa, wie wichtig ein regelmäßiger Schlafrhythmus für sie ist. „Ich versuche immer zur selben Zeit ins Bett zu gehen und aufzustehen. Sieben bis acht Stunden Schlaf sind für mich ideal“, hat sie festgestellt. „Schlafe ich länger, wache ich meist mit Kopfschmerzen auf. Weniger Schlaf ist allerdings auch nicht gut. Denn dann bin ich reizbarer und kann so mögliche Migräneattacken schlechter ertragen.“

    Eine Frau fasst sich mit schmerzerfülltem Blick an den Kopf.
    Leiden unter Migräne

    © iStock / kate_sept2004

    Alternativen zu Kopfschmerztabletten

    Das Tagebuch hilft ihr auch, zu kontrollieren, wie häufig sie Schmerzmittel nimmt. Denn öfter als zehnmal im Monat sollte es nicht sein, weiß sie nun. In der Schmerzklinik bei Dr. Gaul wurde sie auf die für sie passende Medikation eingestellt. Dort erfuhr sie auch, wie sehr Sport die Häufigkeit und Schwere der Anfälle reduzieren kann. Und sie lernte, mit autogenem Training gegen den Schmerz anzugehen. Bis heute nutzt sie die Kraft ihrer Gedanken etwa zweimal die Woche, um sich zu entspannen. „Das Training verbessert die Selbstkontrolle, löst Ängste und Stress. Wenn man geübt ist, kann es sogar während einer Attacke die Schmerztoleranz erhöhen.“

    Im Schnitt hat sie noch acht Tage im Monat Migräne, je nach Stress- und Wetterlage. Doch daran hat sie sich gewöhnt. „Früher war ich total darauf erpicht, dass meine Migräne ganz verschwindet. Damit habe ich mich zusätzlich gestresst“, erinnert sich Kathrin Behrens. „Dann habe ich verstanden, dass ich lernen muss, damit umzugehen. Und das hat schon sehr viel gebracht.“

    Eine Botschaft, die auch Dr. Gaul den Betroffenen mitgeben möchte: „Es ist wichtig, die Krankheit anzunehmen. Denn es ist einfacher, mit einer Migräne zu leben als gegen eine Migräne.“

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