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Eltern

Warum ein Haustier Kindern und Familie guttut

Veröffentlicht am:30.09.2020

aktualisiert am 13.08.2026

5 Minuten Lesedauer

Fast jedes Kind wünscht sich irgendwann ein Haustier, doch viele Eltern zögern. Dabei fördert ein Haustier Kinder nicht nur sozial und emotional. Es kann auch zur körperlichen und psychischen Gesundheit der gesamten Familie beitragen.

Ein kleines Mädchen spielt mit einem Hund auf dem Teppich im Wohnzimmer und lacht das Tier an.

© iStock / ozgurcankaya

Warum ist es für Kinder wertvoll, mit einem Haustier aufzuwachsen?

„Prinzipiell ist es eine gute Idee, Kindern zu ermöglichen, mit Tieren aufzuwachsen. Denn ein Tier kann eine enorme Bereicherung sein“, sagt der Psychiater und Psychoanalytiker Dr. Andreas Sobottka. Das Kind habe einen Spielkameraden, sei weniger allein und lerne, Verantwortung zu übernehmen.

Auch für die emotionale Entwicklung sei das wertvoll. „Zu einem Tier kann das Kind eine Beziehung aufbauen, wie es sie zu Erwachsenen und auch zu anderen Kindern oft nicht haben kann.“ Ein Tier sei unvoreingenommen. Es freue sich, gekrault zu werden, egal, ob der oder die Streichelnde etwa besonders klein oder rundlich sei, Tore schießen oder gut lesen kann. „Es ist zugewandt, ohne zu urteilen.

Wovon hängt es ab, ob ein Haustier Kindern guttut?

 „Ob ein Tier positiv wirken kann, hängt maßgeblich von dem familiären Umfeld ab“, sagt Dr. Andreas Sobottka. Selbst, wenn das Kind verspricht, sich um Hund oder Hamster zu kümmern, brauche es natürlich Hilfe und Anleitung.

„Ein kleines Kind kann sich nicht allein um einen Welpen kümmern. Aber wenn es erlebt, wie die Eltern ihn mit einem klaren ,Nein!‘ davon abhalten, am Tisch hochzuspringen, kann es viel für das Leben lernen.“ Etwa, wie man sich durchsetzt, selbstbewusst ist und dass man auch mal Nein sagen darf.

Warum können Haustiere Lernen und seelische Gesundheit fördern?

Lernen ist ein weiterer Bereich, bei dem Tiere oft hilfreich sind. „Es gibt Untersuchungen, die zeigen, wie förderlich die Gegenwart eines Tieres zum Beispiel für Kinder mit Lernschwäche ist“, berichtet der Facharzt.

Mit Tieren zu leben kann sich aber auch bei Erwachsenen positiv auswirken. Generell gebe es zwar nicht viele fundierte Studien, warum Tiere den Menschen guttun. „Aber schon die wenigen zeigen, dass der Umgang mit Tieren allgemein einen deutlichen gesundheitsfördernden Effekt haben kann“, sagt Dr. Andreas Sobottka. Das gelte sogar für schwere seelische Erkrankungen wie Depressionen oder Traumata – ein Feld, auf dem der Psychoanalytiker selbst viel forscht.

Die Befunde zu den Zusammenhängen zwischen Haustierhaltung und Wohlbefinden sind jedoch uneinheitlich. Eine amerikanische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2021, die 54 wissenschaftliche Studien ausgewertet hat, zeigt: Ein allgemein gültiger Nutzen für die psychische Gesundheit lässt sich bislang wissenschaftlich nicht belegen.

Welchen Einfluss können Haustiere auf unsere geistige Leistungsfähigkeit haben?

Eine 2022 veröffentlichte Studie deutet darauf hin, dass Haustierhaltung mit einem geringeren kognitiven Abbau im Alter verbunden sein könnte. Zu diesem Ergebnis kommt die gemeinsame Studie der University of Florida, der University of Michigan und der Virginia Commonwealth University in den USA.

Das Forschungsteam untersuchte über sechs Jahre die Daten von 1369 Erwachsenen ab 50 Jahren, von denen 63 Prozent mindestens ein Haustier besaßen. Das Ergebnis: Ältere Menschen, die länger als fünf Jahre ein Haustier hatten, zeigten einen geringeren Rückgang der kognitiven Leistung als Personen ohne Haustier.

Besonders deutlich zeigte sich dieser Zusammenhang beim verbalen Gedächtnis, also etwa beim Erinnern von Wörterlisten. Als mögliche Erklärung nennen die Forschenden, dass Haustiere Stress reduzieren, emotionale Unterstützung geben und durch Bewegung, etwa beim Gassigehen, indirekt die geistige Gesundheit fördern könnten.

Leben Hundehalter und Hundehalterinnen länger?

Hundehalter und Hundehalterinnen haben laut einer Studie eine um 13 Prozent niedrigere Sterblichkeitsrate als Personen ohne Hund. Zu diesem Ergebnis kommt eine 2017 veröffentlichte Studie aus Schweden, bei der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Uppsala die Gesundheit von 3,4 Millionen Erwachsenen im Alter von 40 bis 80 Jahren während der zwölfjährigen Untersuchungsdauer analysierten.

Bei Alleinstehenden mit Hund war die Sterblichkeit sogar um 33 Prozent geringer, zudem war ihr Risiko für einen Herzinfarkt um elf Prozent niedriger als bei Singles ohne Hund. Die Forschenden führten dies vor allem auf das Bewegungsplus beim Gassigehen zurück.

Aber auch ein gesteigertes Wohlbefinden könnte eine Rolle spielen. In anderen Studien wurde Hundehaltung mit geringeren psychosozialen Belastungen wie Einsamkeit, sozialer Isolation und depressiven Symptomen in Zusammenhang gebracht. Zudem deuten frühere Forschungsergebnisse darauf hin, dass Hundehalterinnen und Hundehalter möglicherweise eine höhere Stressresistenz aufweisen.

Wie stärkt die Beziehung zum Haustier Gesundheit und Wohlbefinden?

Ein wesentlicher Punkt scheint in der Beziehung zu liegen, die ein Mensch zu einem Tier aufbaut – unabhängig vom Alter. Denn dabei passiert etwas im Körper: Er produziert Oxytocin. „Es ist das Hormon, das wir ausschütten, wenn wir Bindungen eingehen, etwa wenn ein Kind geboren wird“, erklärt Dr. Andreas Sobottka.

Für die Ausschüttung des Hormons sei es noch nicht mal zwingend nötig, dass man das Tier streichelt. „Wir wissen zwar, dass es die Produktion von Oxytocin verstärkt und damit das Gefühl, in einer Bindung zu sein, aber Streicheln ist keine Bedingung dafür, dass eine Beziehung entstehen kann.“

Deshalb sei es für den gesundheitsfördernden Aspekt wohl auch nicht wichtig, ob das Haustier ein Hund, Wellensittich oder Goldfisch ist. Ausschlaggebend sei vor allem der psychosoziale Faktor: „Die Fantasien, die ein Mensch darüber anstellt, welche Beziehung sein Tier zu ihm hat, sind wahrscheinlich ganz wichtig. Vielleicht sogar wichtiger als die reale Beziehung“, sagt Dr. Andreas Sobottka.

Ein kleiner Junge liegt gegenüber einer Schildkröte im Grünen.

© iStock / kapulya

Ob Hund, Katze oder Schildkröte: Ein Haustier kann für Kinder eine enorme Bereicherung sein.

Welche Alternativen gibt es für Kinder zum eigenen Haustier?

Eltern, die ihrem Kind aus Zeit-, Platz- oder Geldgründen kein Haustier erlauben können: Es gibt Alternativen, die Begegnungen mit Tieren erlauben – ob das Kind die Erdmännchen im Zoo liebt oder Ziegen im Wildpark krault.

Auch Tierheime suchen Streichler und Streichlerinnen im Katzenhaus oder Gassigehende für die Hunde. Eines haben all diese Wesen gemeinsam: Sie sind tierisch gute Kontakte. Besonders für Großstadtkinder.

Denn der Kontakt zu Haustieren könnte bei Großstadtkindern die körperliche Reaktion auf Stress beeinflussen. Zu diesem Ergebnis kommt eine 2025 veröffentlichte Studie der Uniklinik Ulm zusammen mit weiteren Forschenden aus Deutschland und den USA. Demnach war das Zusammenleben mit Tieren mit geringeren entzündlichen Stressreaktionen verbunden.

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