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Macht Zucker süchtig?

Mehrere Personen greifen nach zuckerhaltigen Donuts aus einer Schachtel bei einem Meeting.

© iStock / PeopleImages

Lesezeit: 4 Minuten30.05.2022

Wer Süßes liebt, will in der Regel mehr davon. Manch einer verputzt an einem Abend eine ganze Tafel Schokolade. Ist das schon Suchtverhalten? Und ist es wirklich der Zucker, der diese Sucht auslöst? Fachleute sind sich da uneins.

Inhalte im Überblick

    Zucker ist Suchtmitteln ähnlich

    Ärzte und Ärztinnen, Ernährungssachverständige sowie Neurowissenschaftlerinnen und Neurowissenschaftler beschäftigen sich schon seit Jahren mit dem Thema Zucker. Dabei steht Zucker nicht nur in Verruf, Krankheiten auszulösen: Fachkundige befürchten sogar, dass Zucker süchtig machen kann – doch was ist wirklich dran an dieser Theorie?

    Die Schweizer Bank Credit Suisse gab vor einigen Jahren eine große Studie („Sugar: Consumption at a crossroads“) in Auftrag, die unter anderem klären sollte, ob Zucker süchtig machende Eigenschaften besitzt. Das Ergebnis der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: Für die meisten Fachleute war „Sucht“ ein zu drastischer Begriff. Im Vergleich zu Kokain und anderen Drogen gilt Zucker nicht als klassisches Suchtmittel. Sie stellten allerdings fest, dass Zucker für einige Menschen eine potenziell süchtig machende Substanz sein könnte. Ein Grund dafür: unsere angeborene Vorliebe für süßen Geschmack. Zucker bedeutet für viele Menschen Genuss und Freude am Essen. Ein nicht zu unterschätzender Faktor, denn Genuss erzeugt Glückshormone.

    Genau diese Glückshormone sind es, die bei Zuckerkonsum im Gehirn aktiviert werden. Aber nicht nur das stellten die Sachverständigen fest. Sie entdeckten, dass Zucker im Gehirn die gleichen Areale aktivieren kann wie Drogen und sexuelle Erregung.

    Zucker aktiviert unser Belohnungssystem

    Für viele Fachkräfte gilt es als erwiesen, dass süßer Geschmack das Belohnungszentrum des Gehirns aktiviert. Der Süßmacher wirkt auf das Belohnungssystem des Gehirns und sorgt dafür, dass mehr Dopamin im Gehirn ausgeschüttet werden. Diese körpereigenen Stoffe lösen in uns das Verlangen aus, dieses Wohlgefühl, in diesem Fall hervorgerufen durch den süßlichen Geschmack, erneut herzustellen. Aus diesem Grund greifen wir vermutlich gerne zu Süßigkeiten wie Schokolade, vor allem wenn wir unglücklich oder gestresst sind.

    Unser Gehirn verlangt nach immer mehr Zucker

    Tierstudien haben gezeigt, dass Ratten ein Verlangen nach Zuckerwasser entwickeln können. Wurde den Tieren das Zuckerwasser vorenthalten, traten bei ihnen entzugsähnliche Symptome auf. Und: Je mehr Zucker die Ratten zu sich nahmen, desto mehr Zucker brauchten sie danach, um Glückshormone (in diesem Fall Dopamin) zu erzeugen. Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass Menschen, die viel Zucker zu sich nehmen, im Laufe der Zeit immer mehr Zucker benötigen, um den gleichen Effekt zu erleben.

    Reagieren Menschen unterschiedlich auf Zucker?

    Auch deutsche Suchtforscherinnen und Suchtforscher beschäftigten sich mit der Frage, ob Zucker süchtig macht. Prof. Dr. Falk Kiefer, leitender Oberarzt am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim, hat mittels bildgebender Verfahren im Jahr 2012 festgestellt, dass das Gehirn adipöser Personen stärker auf Essenssignale in Form von Bildern süßer oder auch salziger Speisen reagiert als das Gehirn Normalgewichtiger. Vor allem stark zuckerhaltige Speisen aktivierten ihr Belohnungssystem. Das bedeutet, dass Menschen, wenn sie durch die Stadt bummeln oder in den Supermarkt gehen, die durch Süßwaren auf sie einwirkenden Reize unterschiedlich verarbeiten. Die Wissenschaft weiß jedoch noch nicht, ob die verstärkte Reaktion auf zuckerhaltige Speisen auf ein ungünstiges Essverhalten, eine genetische Veranlagung oder beides zurückzuführen ist.

    MRT-Scans haben gezeigt, dass adipöse Menschen weniger Dopamin-Rezeptoren in ihrem Gehirn haben als normalgewichtige Menschen. Was darauf hindeuten könnte, dass sie möglicherweise auch mehr Zucker zu sich nehmen müssen, um die Ausschüttung von Glückshormonen und Wohlbefinden zu erzeugen.

    Eine Frau ist süchtig nach Zucker und greift beim Arbeiten in eine Schale mit zuckerhaltigen Schokolinsen.
    Achten Sie darauf, Zucker nur in Maßen zu konsumieren, und wenn, dann bewusst – das heißt nicht nebenbei beim Arbeiten oder Fernsehen.

    © iStock / mediaphotos

    Gibt es also wirklich eine Zuckersucht?

    Bisher gibt es keine Studie, die eine Zuckersucht nachweisen konnte. Auch dass Süßes eine Sucht auslösen kann, gilt nicht als bewiesen. Dies liegt daran, dass man bei einer Sucht von einer physiologischen und psychologischen Abhängigkeit ausgehen muss. Typisch für eine Sucht ist außerdem, dass der Süchtige immer wieder versucht, Nachschub vom süchtig machenden Mittel zu bekommen, um die Entzugserscheinungen (zum Beispiel Schmerzen) zu verhindern – dafür ist er oft bereit, bis zum Äußersten zu gehen. Davon kann beim Zucker nicht die Rede sein.

    Trotzdem belegen Studien, dass Zucker ähnlich wie Drogen unser Belohnungszentrum aktiviert. Zwar tut er das weniger stark im Vergleich zu Drogen, jedoch stärker als andere Nährstoffe. Dazu kommt: Ein erhöhter Zuckerkonsum führt dazu, dass wir immer mehr davon wollen.

    Nicht zu viel Zucker

    Wissenschaftler warnen vor einem erhöhten Zuckerkonsum.

    • Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, täglich maximal 50 Gramm Zucker zu sich zu nehmen.
    • Dem schließt sich auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) an, die dazu rät, nicht mehr als 10 Prozent der täglich eingenommenen Energie in Form von Zucker zu verzehren.

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