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Ernährungsformen

Mit einer Haferkur Diabetes verbessern – geht das?

Veröffentlicht am:07.12.2022

5 Minuten Lesedauer

Hafer erlebt in Form von Overnight Oats und Porridge schon länger einen Trend. Besonders für Menschen mit Diabetes Typ 2 könnte er interessant sein. Mit Hafertagen sollen sich der Blutzucker und die Insulinresistenz verbessern lassen. Doch stimmt das?

Eine kleine Porzellanschale gefüllt mit Haferbrei auf einem Holzuntergrund.

© iStock / john shepherd

Inhalte im Überblick

    Haferkur bei Diabetes: Was bewirkt Hafer?

    Haferflocken sind für viele vor allem beliebte Frühstücksflocken. Doch wussten Sie, dass Hafer womöglich die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus Typ 2 verbessern kann? Die sogenannte Haferkur oder auch Hafertage sind umstritten – manche schwören darauf, andere sind eher skeptisch. Die Datenlage zu den Auswirkungen einer Haferkur ist dünn. Bekannt ist jedoch, dass Hafer an sich zahlreiche positive Einflüsse auf den Stoffwechsel hat.

    Hafer senkt den Blutzuckerspiegel

    Diabetiker und Diabetikerinnen haben mit hohen Blutzuckerwerten zu kämpfen. Das Problem dabei ist, dass dauerhaft zu viel Zucker im Blut zu Schäden führt. Mit ihrer Ernährung können Diabetiker und Diabetikerinnen jedoch Einfluss darauf nehmen: In mehreren Studien kam heraus, dass die Blutzuckerwerte von Personen mit Typ-2-Diabetes, die regelmäßig Hafer verzehrten, weniger stark anstiegen. Auch der Nüchternblutzuckerspiegel – also der Blutzuckerwert nach circa acht bis zehn Stunden ohne Nahrung – war geringer.

    Ein dafür verantwortlicher Inhaltsstoff von Hafer ist wohl Beta-Glukan, ein löslicher Ballaststoff. Wie genau es im Körper wirkt, ist bisher nicht bekannt. Es gibt jedoch einige Theorien dazu. Indem Beta-Glukan zum Beispiel den Übergang des Speisebreis von Magen zu Dünndarm verzögert, kann der Zucker langsam nach und nach aufgenommen werden. So steigt der Blutzuckerspiegel weder rapide an, noch sinkt er schnell. Das Sättigungsgefühl hält dadurch länger an und man isst weniger.

    Haferkleie, Haferflocken und Haferkörner nebeneinander angerichtet auf drei Holzlöffeln.

    © iStock / egal

    Egal ob in Form von Kleie, Flocken und als volles Korn: Hafer ist vor allem wegen seiner wertvollen Ballaststoffe beliebt und sehr gesund.

    Hafer senkt Cholesterin im Blut und Fett in der Leber

    Diabetes geht häufig mit erhöhten Cholesterinwerten einher. Das begünstigt Krankheiten wie Atherosklerose. Der Verzehr von Hafer senkt den Cholesterinspiegel im Blut. Auch hier wurde der Ballaststoff Beta-Glukan als mögliche Erklärung gefunden. Er fördert den Abbau von LDL (schlechtes Cholesterin), dem sogenannten Low-Density-Lipoprotein, das Cholesterin zu den Körperzellen transportiert und sich bei Überschuss in den Gefäßen ablagert (Arterienverkalkung).

    Außerdem kann Diabetes zu der Entstehung einer Fettleber beitragen. Durch eine ballaststoffreiche Ernährung und langfristige Gewichtsreduktion wird das Fett in der Leber aber abgebaut.

    Hafer verbessert die Insulinwirkung

    Damit der Zucker vom Blut in die Körperzellen gelangen kann, gibt es das Hormon Insulin. Doch dieses kann bei Typ 2-Diabetes nicht mehr so gut an den Zellen wirken. Man spricht von einer Insulinresistenz. Forschende haben herausgefunden, dass Haferkonsum die Insulinwirkung im Körper verbessern kann, indem es die Empfindsamkeit der Körperzellen für Insulin erhöht. So kann der Zucker wieder besser aufgenommen werden und die Blutzuckerwerte sinken.

    Studie über die Wirkung der Haferkur bei Diabetes Typ 2

    Eine Studie aus dem Jahr 2008 hat sich genauer mit den Effekten von zwei Tagen nur Hafer beschäftigt. 14 Typ-2-Diabetespatienten und -patientinnen mit Übergewicht haben über zwei Tage nur 1.100 Kilokalorien durch Hafermahlzeiten zu sich genommen. Bereits nach diesen zwei Tagen sank der mittlere Blutzuckerspiegel und war sogar noch vier Wochen später geringer als vor der Haferkur. Insulinpflichtige Teilnehmende konnten ihre Insulindosen zudem um 40 Prozent reduzieren. Jedoch sind die Daten kritisch zu betrachten, da die Zahl der Teilnehmenden gering war und es keine Kontrollgruppe gab.

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    Wie kann eine Haferkur aussehen?

    Hafer kann in unterschiedlichster Weise und mit etwas Gemüse und Obst, Gewürzen und Kräutern zubereitet werden. Die Lebensmittel, die Sie neben Hafer verwenden, sollten jedoch sehr wenig Kohlenhydrate haben. Erlaubt sind zum Beispiel frische Brombeeren, Heidelbeeren, Aprikosen und Kiwis als Obst oder Spinat, Blumenkohl, Brokkoli und Radieschen als Gemüse. Grundzutaten wie Öl, Butter, Eier, Milch, Salz und Zucker sind in dieser Zeit tabu. Auf sie wird verzichtet, da der Speiseplan mit etwa 1.000 Kilokalorien während einer Haferkur sehr energiereduziert ist und der Fokus vor allem auf Ballaststoffen liegt.

    Das Ziel ist es, die Kalorienzufuhr für die Zeit der Haferkur auf 800 bis 1.000 Kilokalorien pro Tag zu reduzieren. Dafür werden täglich drei Hafermahlzeiten eingeplant – ohne Zwischenmahlzeiten. Jede Mahlzeit wird mit etwa 75 Gramm Haferflocken sowie Wasser oder Gemüsebrühe ohne Fett zubereitet. Achten Sie darauf, insgesamt nicht mehr als 50 Gramm Obst und 100 Gramm Gemüse am Tag zu verwenden.

    Ganz wichtig ist es, in der Zeit der Haferkur viel zu trinken, mindestens zwei Liter Wasser oder ungesüßten Tee pro Tag, um Verdauungsbeschwerden durch den hohen Ballaststoffanteil vorzubeugen.

    Wie oft kann man eine Haferkur durchführen?

    Es gibt unterschiedliche Ansätze für die Hafertage. Interessierte können sie unterschiedlich oft und unterschiedlich lang in ihren Alltag einbauen. Möglich ist es zum Beispiel, in einem Zeitraum von vier bis acht Wochen jede Woche zwei Hafertage einzulegen. Oder Sie probieren eine Kurzzeitkur von zwei bis drei Tagen aus, die Sie alle sechs bis acht Wochen wiederholen. Wer Hafer langfristig in seine Ernährung einbinden möchte, kann auch einen Hafertag oder sechs Hafermahlzeiten je Woche einplanen.

    Rezepte für die Haferkur

    Haferflocken lassen sich zu fruchtigen und auch herzhaften Gerichten verarbeiten, sodass die Mahlzeiten geschmacklich etwas variieren.

    • Fruchtige Hafervariante für die Haferkur: Kochen Sie 75 Gramm Haferflocken mit 500 Milliliter Wasser in einem Topf auf. Lassen Sie die Haferflocken noch für 5 Minuten quellen. Als Topping eignen sich 25 Gramm Brombeeren sowie etwas Zimt.
    • Herzhafte Hafervariante für die Haferkur: Geben Sie zu 75 Gramm Haferflocken 500 ml Gemüsebrühe. Lassen Sie sie in einem Topf aufkochen und für 5 Minuten nachquellen. Dazu kommen italienische Kräuter, 30 Gramm Tomaten und 20 Gramm frischer Spinat. Schmeckt auch gut mit Brokkoli.

    Worauf sollten Personen mit Diabetes bei einer Haferkur achten?

    Sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, bevor Sie eine Haferkur beginnen. Das gilt sowohl für strikte als auch leichte Kuren. Bei beiden kommt es zu Veränderungen in Ihrem Stoffwechsel. Personen, die sich Insulin spritzen, müssen gegebenenfalls auch die Insulinmenge anpassen, um eine Unterzuckerung zu vermeiden. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird Sie beraten, ob und in welcher Form eine Haferkur für Sie geeignet ist und worauf Sie dabei achten müssen.

    Wichtig

    Hafertage können womöglich Typ-2-Diabetes verbessern und beim Abnehmen helfen. Doch grundsätzlich lautet die Empfehlung für alle Patienten und Patientinnen, ihre Ernährung gesund und ausgewogen auszurichten, um dauerhaft abzunehmen.

    Es geht vor allem darum, die Kalorienzufuhr zu senken und regelmäßige Bewegung in den Alltag einzubauen. Dabei können Personen mit Diabetes immer noch ihre geschmacklichen Vorlieben sowie Essgewohnheiten einbringen. Strikte und einseitige Diäten sind auf lange Sicht nicht empfehlenswert.

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