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Gesundheitsmagazin

Stoffwechsel

Eine Unterzuckerung erkennen und schnell beheben

Veröffentlicht am:18.10.2022

3 Minuten Lesedauer

Eine Unterzuckerung ist meist eine mögliche Komplikation einer Diabetestherapie und kann lebensbedrohlich sein. Es können aber auch gesunde Menschen eine Unterzuckerung erleiden. Was sind die Symptome?

Ein Mann mit Brille sitzt an einem Holztisch und sticht sich mit einem Glucometer in den linken Zeigefinger.

© iStock / PIKSEL

Inhalte im Überblick

    Was sind Symptome und frühe Anzeichen einer Unterzuckerung?

    Bei Gesunden liegt der Blutzuckerspiegel zwischen 60 und 140 Milligramm Zucker pro Deziliter Blut (mg/dl) beziehungsweise 3,3 bis 5,5 Millimol pro Liter (mmol/l). Diese Werte schwanken abhängig von der Nahrungsaufnahme und körperlichen Aktivität.

    Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf niedrige Blutzuckerwerte, deshalb werden unterschiedliche Schwellenwerte für eine Unterzuckerung angegeben. Ein Blutzuckerwert unter 60 mg/dl beziehungsweise unter 3,3 Millimol pro Liter Blut kann als Orientierungswert für eine Unterzuckerung dienen. Dabei wird der Körper in Alarmbereitschaft versetzt und entwickelt typische Symptome.

    Symptome einer leichten Unterzuckerung sind:

    • Heißhunger, Übelkeit und/oder Erbrechen, Zittern, Unruhe und/oder Angst
    • Schweißausbruch
    • Kopfschmerzen, Schwäche, Nervosität, Verwirrtheit

    Symptome einer schweren Unterzuckerung sind:

    • Störungen des Sehens, Sprechens oder Riechens
    • Konzentrationsschwierigkeiten, aggressives Verhalten, Verwirrtheit
    • Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit

    Je tiefer und schneller der Blutzucker sinkt, desto mehr und ausgeprägter äußern sich die Symptome.

    Eine ältere Frau sitzt auf einem Sofa, fasst mit der linken Hand an die rechte Seitenlehne, während sie mit der rechten Hand ihren Kopf abstützt.

    © iStock / Phynart Studio

    Zu den typischen Anzeichen einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) gehören neben Heißhunger und Übelkeit unter anderem Kopfschmerzen, allgemeine Schwäche, Unruhe, Nervosität und Schweißausbrüche.

    Unterzuckerung: Welche Erste-Hilfe-Maßnahmen sind sinnvoll?

    Eine Unterzuckerung kann sich bei Diabetikern und Diabetikerinnen schnell zu einem medizinischen Notfall entwickeln. Deshalb sind eine rasche Behandlung und Anhebung des Blutzuckerspiegels sehr wichtig. Am besten eignet sich dafür Traubenzucker (Glucose). Ist der oder die Betroffene bei Bewusstsein, sollte die Glucose über die Nahrung aufgenommen werden. Ist die Person jedoch bewusstlos, kann sie nicht mehr schlucken – für diesen Notfall ist ein sogenanntes Glukagon-Notfallset sinnvoll, das vom Arzt oder von der Ärztin verordnet werden kann. Glukagon ist ein Hormon, das aus der Leber Glucose freisetzt. Im Notfall kann auch ein Laie die Spritze in das Fett oder Muskelgewebe spritzen.

    Bei Symptomen einer leichten Unterzuckerung sollten Betroffene sofort Kohlenhydrate zu sich nehmen. Es eignen sich vor allem Traubenzucker, Würfelzucker und zuckerhaltige Limonade wie Cola.

    Was tun im Notfall?

    Ist die betroffene Person bewusstlos oder sind schwere Unterzuckerungssymptome erkennbar, muss die Person in eine stabile Seitenlage gebracht und ein Arzt oder eine Ärztin gerufen werden.

    Gibt es ein Glukagon-Notfallset, injizieren Sie die Spritze sofort in Fett oder Muskelgewebe. Ein Arzt oder eine Ärztin kann eine hochprozentige Glucoselösung direkt in die Vene spritzen, meist wird dann noch über einen Tropf weiter Glucose zugeführt, bis ein ausreichender Zuckerspiegel erreicht ist.

    Diese Erste-Hilfe-Maßnahmen sind bei einer Unterzuckerung sinnvoll.

    Die Ursachen einer Unterzuckerung

    Unterzuckerungen treten häufig im Rahmen der Behandlung eines gestörten Zuckerstoffwechsels (Diabetes mellitus) auf. Aber auch bei Gesunden kann es zu diesem kritischen Stoffwechselzustand kommen. Ein zu niedriger Blutzuckerspiegel ist vor allem für das Gehirn gefährlich, weil es auf Zucker als Energiequelle angewiesen ist.

    Wie kommt es zu einer Unterzuckerung bei Diabetikern?

    Die Zellen des Körpers sind auf die regelmäßige Zufuhr von Zucker (Glucose) angewiesen. Deswegen ist die Steuerung des Blutzuckers im Körper gut geregelt. Um die Glucose in die Körperzellen schleusen zu können, ist Insulin notwendig. Das Hormon wird bei gesunden Menschen in der Bauchspeicheldrüse gebildet und bei Bedarf genau in der richtigen Menge ausgeschüttet. Bei Menschen mit Diabetes mellitus ist dieser Zuckerstoffwechsel gestört. Entweder wird zu wenig oder gar kein Insulin produziert oder die Zellen des Körpers erkennen das Insulin nicht und die Glucose kann nicht in die Zellen geschleust werden. Daher brauchen Diabetiker Medikamente, sogenannte orale Antidiabetika, die auf die Bauchspeicheldrüse wirken und dort die Ausschüttung von Insulin anregen (bei Typ 2-Diabetes) oder sie müssen sogar Insulin von außen zuführen (bei Typ 1-Diabetes).

    Besonders häufig tritt die Unterzuckerung (Hypoglykämie) bei der Verwendung von Insulin und bei den oralen Antidiabetika aus den Gruppen der Sulfonylharnstoffe oder Glinide auf. Wenn nämlich die Medikamenten- oder Insulindosis nicht mit der aufgenommenen Nahrungsmenge übereinstimmen, kann der Blutzuckerspiegel zu stark absinken.

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    Unterzuckerung auch bei Gesunden?

    Während sich Menschen mit Diabetes dem Risiko einer Unterzuckerung bewusst sind und sie auch über die typischen Symptome informiert werden, kann dieser Zustand auch bei Gesunden oder bei Menschen mit anderen Erkrankungen auftreten. Das ist aber eher selten. Folgende Ursachen können eine Unterzuckerung bei Personen ohne Diabetes auslösen:

    • starke körperliche Anstrengung ohne ausreichende Nahrungszufuhr
    • chronische Lebererkrankung
    • insulinproduzierender Tumor
    • schnelle Magenentleerung (Dumping-Syndrom) aufgrund einer Magenverkleinerung oder -entfernung
    • Fruktose-Intoleranz
    • Funktionsschwäche von Hormonorganen, wie zum Beispiel Nebenniere
    • erheblicher Alkoholgenuss am Vorabend

    Es ist ratsam, bei häufiger Unterzuckerung einen Arzt oder eine Ärztin zurate zu ziehen, um die Ursache festzustellen.


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