Praktikanten in der Sozialversicherung

Für die versicherungsrechtliche Beurteilung von Praktikanten ist entscheidend, ob es sich um ein freiwilliges oder um ein verpflichtendes Praktikum handelt und wann es stattfindet.

Pflichtpraktika

In vielen Ausbildungswegen – vor allem an Fachhochschulen – sind Praktika vor, während und nach dem Studium Pflicht. Folgende Pflichtpraktika sind zu unterscheiden:

Zwischenpraktikum

  • Bei einem vorgeschriebenen Zwischenpraktikum ist der Praktikant als Student immatrikuliert. Es besteht daher Versicherungsfreiheit in der Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung. Dauer, Arbeitszeit und Arbeitsentgelt sind für die Beurteilung unerheblich.
  • Bei einem vorgeschriebenen Zwischenpraktikum handelt es sich nicht um ein Beschäftigungsverhältnis im sozialversicherungsrechtlichen Sinn. Das Praktikum ist lediglich eine Verlagerung der Ausbildung von der Hochschule in den Betrieb. 
  • Dies gilt auch für Studenten einer ausländischen Hochschule, die in Deutschland ein solches Praktikum absolvieren.

 Vor- oder Nachpraktikum

  • Ein vorgeschriebenes Vorpraktikum oder Nachpraktikum wird außerhalb der Studienzeit absolviert. Der Praktikant ist in dieser Zeit also nicht immatrikuliert. Erhält der Praktikant in dieser Zeit Arbeitsentgelt, wird er grundsätzlich versicherungspflichtig in allen Zweigen der Sozialversicherung. Die Regeln der Geringfügigkeit greifen hier nicht. 
  • Ist der Praktikant während des vorgeschriebenen Vorpraktikums oder Nachpraktikums aus Gründen, die in der Organisation des Studiums liegen, dennoch immatrikuliert, ist dieses Praktikum wie ein Zwischenpraktikum zu behandeln.
  • Erhalten Praktikanten im vorgeschriebenen Vorpraktikum oder Nachpraktikum kein Arbeitsentgelt, sind sie dennoch versicherungspflichtig in der Rentenversicherung und in der Arbeitslosenversicherung. Versicherungsfreiheit auf Basis einer geringfügigen Beschäftigung kommt auch in diesen Fällen nicht in Betracht, denn es handelt sich um eine Beschäftigung im Rahmen betrieblicher Berufsbildung.
  • Die Beitragsberechnung (Beitragsgruppe „0110“, Personengruppe „105“) erfolgt aus einem fiktiven Arbeitsentgelt. Dazu wird 1 Prozent der Bezugsgröße (das entspricht dem Durchschnittsentgelt der gesetzlichen Rentenversicherung im vorvergangenen Jahr), also 31,15 Euro in den alten beziehungsweise 28,70 Euro in den neuen Bundesländern (2019), als Arbeitsentgelt zugrunde gelegt.
  • Versicherungspflicht in der Kranken- und Pflegeversicherung als Praktikant tritt ein, wenn nicht eine anderweitige Vorrangversicherung besteht (zum Beispiel eine Familienversicherung). Dann trägt der Praktikant selbst die Beiträge zur Krankenversicherung und zur Pflegeversicherung.
     

Nicht vorgeschriebene Praktika

Besteht für den Praktikanten im Rahmen seiner Ausbildung keine Verpflichtung zum Nachweis des Praktikums, macht er es also freiwillig, handelt es sich um ein nicht vorgeschriebenes Praktikum.

Vor- oder Nachpraktikum

  • Wird ein solches Praktikum außerhalb der Immatrikulation absolviert, zählt es nicht zu den Beschäftigungen im Rahmen der betrieblichen Berufsbildung und es besteht grundsätzlich Versicherungspflicht in allen Zweigen der Sozialversicherung.
  • Wird für das Praktikum ein Entgelt gezahlt, das bis 450 Euro im Monat beträgt, kommt eine Beschäftigung als Minijob (geringfügig entlohnte Beschäftigung) in Betracht.

Zwischenpraktikum

  • Bei einem nicht vorgeschriebenen Zwischenpraktikum besteht in der Krankenversicherung, Pflegeversicherung und Arbeitslosenversicherung Versicherungsfreiheit, wenn Zeit und Arbeitskraft überwiegend durch das Studium in Anspruch genommen werden (Werkstudentenprivileg, 20-Stunden-Grenze in der Woche). Entgeltgrenzen gelten nicht.
  • Bei einem Arbeitsentgelt bis zu 450 Euro im Monat ist ein Minijob (hier: geringfügig entlohnte Beschäftigung) möglich. In der Rentenversicherung gelten ebenfalls keine besonderen Regelungen. Handelt es sich um einen Minijob, fallen bei Zwischenpraktikanten keine pauschalen Beiträge an.
Übersicht: Nicht vorgeschriebene Zwischenpraktika – Beitrags- und Personengruppen
StundenArbeitsentgeltBeitragsgruppen
  KVRVALVPVPG
-≤ 450 €6/01/000109
> 20> 450 €1111101
≤ 20> 450 €0100106


KV = Krankenversicherung 
RV = Rentenversicherung 
ALV = Arbeitslosenversicherung 
PV = Pflegeversicherung
PG = Personengruppe

Unfallversicherung von Praktikanten

Abweichend von den beschriebenen Beurteilungskriterien der anderen Sozialversicherungsträger legt die Unfallversicherung bei der Beurteilung von Praktika einen anderen Maßstab an. Dabei ist unerheblich, ob sie in der Studien- oder Prüfungsordnung zwingend vorgeschrieben sind oder freiwillig geleistet werden. Es besteht Versicherungsschutz über das Praktikumsunternehmen.

Nicht versicherungspflichtige Praktikanten, die ausschließlich im Sinn der Unfallversicherung als Beschäftigte gelten (beispielsweise Studenten in einem vorgeschriebenen Zwischenpraktikum), melden Arbeitgeber bei der Einzugsstelle zur Sozialversicherung – und zwar mit dem Personengruppenschlüssel „190“ und der Beitragsgruppe „0000“.

Meldungen für Praktikanten

Grundsätzlich erstellen Arbeitgeber auch für Praktikanten die für Arbeitnehmer üblichen Meldungen.

Für die besondere Krankenversicherung und Pflegeversicherung von Praktikanten ohne Entgeltzahlung ist eine formlose Meldung erforderlich.

Kommt wegen einer Vorrangversicherung die Versicherungspflicht als Praktikant nicht zum Tragen (zum Beispiel wegen einer Familienversicherung), dann stellt die jeweilige Krankenkasse einen entsprechenden Nachweis aus.

Stand

Erstellt am: 01.07.2019

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