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AOK – Die Gesundheitskasse

Pflege von Angehörigen – sich selbst nicht verlieren

Hilfsbereite Angehörige sitzt neben einem älteren Mann im Rollstuhl und legt ihm die Hand auf die Schulter.

© iStock / shironosov

Lesezeit: 5 MinutenAktualisiert: 22.10.2021

Viele Menschen pflegen Angehörige zu Hause. Sie fühlen sich oft gestresst oder ausgebrannt, wie Umfragen zeigen. Pflegenden fällt es außerdem oft schwer, ihre Belastungen mit Freizeit und Privatleben in Einklang zu bringen. Wie kommt es zur Überlastung? Auf welche Symptome können Pflegende bei sich selbst achten? Und wo bekommen sie Unterstützung? Wie gelingt es, für sich selbst Auszeiten und Ausgleich zu finden?

Inhalte im Überblick

    Pflegende Angehörige zwischen Fürsorge und Überforderung – so achten Sie auf sich

    Meist sind es geliebte Menschen – am häufigsten ein Lebenspartner oder ein Elternteil –, die zu Hause von ihren Angehörigen gepflegt werden. Egal, ob man seine pflegebedürftigen Angehörigen nicht in die Obhut einer Pflegeinrichtung geben und lieber bei sich in der vertrauten Umgebung behalten will oder ob sich ein geeigneter Platz noch nicht gefunden hat – die Belastung ist in jedem Fall hoch.

    Trotz der hohen körperlichen Anforderungen durch Heben oder Tragen und des hohen zeitlichen Aufwands, bei dem die eigenen Belange der Pflegenden zu kurz kommen: Viele Betroffene wollen unbedingt ihre Angehörigen pflegen, sie versorgen und für sie da sein. Es ist ihnen eine Herzensangelegenheit. Dieser selbstlose Einsatz stößt aber dann an seine Grenzen, wenn die Pflegeleistung die eigene psychische und physische Gesundheit gefährdet.

    Auf sich selbst achten

    Nicht nur die körperlichen Anstrengungen und der hohe Zeiteinsatz können Pflegende belasten. Hinzu kommen die beständige Angst und Sorge um die Pflegebedürftigen, etwaiger Kummer wegen der finanziellen Belastungen und der Stress, weil man sich laufend mit der Pflegeversicherung und den Behörden auseinandersetzen muss: ein anhaltender Kreislauf des „Funktionieren-Müssens“ für andere, bei dem es nie um einen selbst geht. Doch hier können Sie eingreifen und auf sich selbst achtgeben.

    5 Tipps im Alltag als pflegender Angehöriger, um für sich selbst zu sorgen

    Um der Mehrfachbelastung bei der Pflege Angehöriger etwas entgegenzustellen und die eigenen Energiereserven nachhaltig zu stärken, können Sie diese fünf Achtsamkeitstipps in Ihren Alltag integrieren:

    1. Hören Sie einmal pro Stunde in Ihren Körper hinein. Wie fühlt er sich an? Ihr Körper signalisiert es, wenn er etwas braucht – seien es fünf Minuten Ruhe, etwas Bewegung oder eine Mahlzeit.
    2. Genehmigen Sie sich bewusst Ruhe und Entspannung in Ihrem Alltag. Mit Meditation und Entspannungsübungen können Sie aufgestauten Stress abbauen.
    3. Schaffen Sie sich Freiraum und Zeit nur für sich selbst. Planen Sie diese als festen Bestandteil Ihres Tages ein. Es geht darum, Momente zu schaffen, die nur Ihnen gehören. In dieser Zeit können Sie machen, worauf immer Sie Lust haben. Dabei tun auch schon 15 bis 30 Minuten pro Tag gut.
    4. Vermeiden Sie Multitasking. Arbeiten Sie die anstehenden Aufgaben nacheinander ab und versuchen Sie nicht, alles gleichzeitig zu erledigen. Es ist ein Gerücht, dass das effektiver sei und dabei gleichzeitig noch belastend.
    5. Bauen Sie Rituale in Ihren Alltag und auch bei der Pflege ein. Sei es der Morgenkaffee mit Blick aus dem Fenster oder das gemeinsame Lesen eines Buches nach dem Mittagessen. Horchen Sie in sich hinein, welche Rituale Ihnen guttun und Energie geben, und halten Sie daran fest.

    Schon kleine Schritte und Veränderungen im Alltag können etwas bewirken und guttun, so banal sie teilweise auch klingen mögen.

    Hilfe für pflegende Angehörige

    Manchen mag es trotz der permanenten Beanspruchung gelingen, emotionale Stabilität und Raum für Selbstachtsamkeit zu bewahren. Andere drohen daran zu zerbrechen oder rutschen in Sinnkrisen. Wenn Sie selbst angesichts des Pflegeaufwandes und des damit verbundenen Stresses überhaupt keine Zeit mehr für sich haben, sich selbst und Ihr soziales Umfeld vernachlässigen, an sich zweifeln und zu verzweifeln drohen: Dann ist Hilfe nicht nur ratsam, sondern dringend geboten, damit Sie eigene Belange wieder wahrnehmen und die eigenen gesundheitlichen und seelischen Ressourcen aufrechterhalten können.

    Das bedeutet, dass man sich über Hilfsangebote der öffentlichen Hand, von Vereinen, Nachbarn oder Freunden nicht nur informieren, sondern diese auch annehmen darf – um sich selbst physisch und psychisch zu stärken. Viele Hilfsangebote ermöglichen den Pflegenden eigene zeitliche Freiräume, die sie selbstbestimmt gestalten können. Das gibt Raum zur Regeneration und kann das Selbstwertgefühl stärken. Hierdurch profitieren auch die Pflegebedürftigen, die nichts davon haben, wenn sich diejenigen, die sich liebevoll um sie kümmern, aufreiben und ihre eigene Lebensenergie verlieren.

    Der erste Schritt: sich beraten lassen

    Darüber, welche konkreten Hilfsangebote für pflegende Angehörige regional verfügbar sind, informieren Pflegestützpunkte, die von Kommunen und Pflegekassen deutschlandweit eingerichtet worden sind. Hier können Sie sich umfassend beraten lassen. Die gemeinnützige Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) hat eine Datenbank eingerichtet, über die sich die für Sie zuständigen Stützpunkte ermitteln lassen: Beratung zur Pflege.

    Die AOK bietet einen Service an, mit dem sich Versorgungsangebote im Bereich Pflege leicht finden lassen, den AOK Pflege-Navigator, der allen Interessenten frei zur Verfügung steht.

    Die Hilfsangebote zur Pflegeselbsthilfe sind genau so vielfältig wie deren Träger: Angehörigenkreise, Selbsthilfegruppen, Vereine oder Wohlfahrtsverbände. Auch kostenlose Pflegeschulungen sind Teil des Angebots. Es geht vor allem darum, Ihre Belastungen durch die Pflegetätigkeit abzumildern und Ihre eigene seelische Gesundheit zu stärken.

    Neben der überaus wichtigen persönlichen Freizeit gelingt dies beispielsweise durch angeleitete Entspannungsübungen, Hilfe bei der Alltagsorganisation und Behördenfragen oder den Kontakt zu anderen Betroffenen.

    Für die psychische Stabilität kann der Austausch mit anderen Betroffenen sehr wertvoll sein, indem man erlebt, dass es anderen genauso ergeht wie einem selbst. Manche Menschen sind allerdings so empathisch, dass sie durch die Probleme anderer zusätzlich belastet werden. Welches Hilfsangebot für Sie individuell das beste ist, können daher nur Sie selbst entscheiden.

    Frau erzählt ihre Geschichte in einer Selbsthilfegruppe; Nahaufnahme der gestikulierenden Hände.
    Ein Erfahrungsaustausch in der Selbsthilfegruppe mit anderen pflegenden Angehörigen kann die Seele erleichtern.

    © iStock / Prostock-Studio

    Psychisch instabil durch Pflegebelastung? Interaktive Hilfe zur Selbsthilfe

    Freud- und Antriebslosigkeit oder Niedergeschlagenheit können Symptome einer Depression sein. Um einer Depression vorzubeugen oder zu lernen, besser mit depressiven und ängstlichen Beschwerden umzugehen, hat die AOK ein Online-Selbsthilfeprogramm mitentwickelt: das moodgym, das jeder anonym und kostenfrei nutzen kann.

    Unterstützungsleistungen für Angehörige

    Welche der gesetzlich geregelten Unterstützungsleistungen für die häusliche Pflege für Sie in Betracht kommen, sollten Sie genau prüfen und dann auch für sich beanspruchen. Diese sind vor allem dazu gedacht, Ihnen Zeit zur Pflege einzuräumen und finanzielle Sicherheit zu verschaffen. Hier finden Sie weitere Informationen zu Unterstützungsleistungen für pflegende Angehörige:

    • Leistungen für die Pflege zu Hause: Erfahren Sie, welche Leistungen Ihnen für die individuelle Pflege zu Hause zustehen.
    • Familiencoach Pflege: Hierbei handelt es sich um ein Onlineprogramm, das helfen kann, den Pflegealltag besser zu bewältigen und sich vor Überlastung zu schützen.

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