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Ist Zero Waste ein Traum?

Buntes Obst in einem Einkaufsnetz.

© iStock / ArtMarie

Lesezeit: 5 MinutenAktualisiert: 09.03.2021

Mit dem immer größer werdenden Müllproblem nimmt auch das Bewusstsein der Deutschen stetig zu. Viele Menschen versuchen mittlerweile, unnötigen Müll zu vermeiden. "Zero Waste Deutschland"-Gründerin Inga Kälber ist sich sicher: Mindestens 50 Prozent des Abfalls in Deutschland könnte man einsparen - wenn auch nicht von heute auf morgen. Im Interview spricht sie über Unverpackt-Läden und das Bestreben, weniger zu verschwenden. Außerdem verrät sie, was ihre Traumvorstellung ist und wie jeder einzelne zu weniger Müll beitragen kann.

Inhalte im Überblick

    Was wäre ein erster Schritt, Müll zu vermeiden?

    Unverpackt einzukaufen, zum Beispiel Lebensmittel beim Biobauern. Oder feste anstatt Flüssigseifen. Man sollte dabei aber immer die individuelle Situation berücksichtigen. Für ein älteres, nicht mehr so mobiles Paar auf dem Land, wo es keine Unverpackt-Läden gibt, oder für Alleinerziehende, die nicht über die finanziellen Mittel verfügen, ist dieser Vorsatz schwierig umzusetzen. Nachhaltig und müllvermeidend zu leben, ist eine große Umstellung. Und es geht ja nicht nur um den Müll, der zu Hause im Mülleimer landet, sondern auch um den, der bei der Herstellung entsteht.

    Mit welchen Maßnahmen könnte jeder etwas beitragen?

    Bea Johnson, die Begründerin des Zero-Waste-Lebensstils, hat eine sogenannte 5-R-Regel entwickelt: refuse, reduce, reuse, recycle und rot. Jeder englische Begriff steht für ein bestimmtes Handeln. Alles zusammen führt dazu, Müll auf ganzheitliche Weise zu vermeiden.

    „Wir könnten in Deutschland mindestens 50 Prozent Müll vermeiden, wenn wir zum Beispiel auf unverpackte Lebensmittel achten würden.“

    Inga Kälber
    Gründerin von Zero Waste Deutschland

    Wie sieht diese "5-R-Regel" aus?

    Refuse, ablehnen, bedeutet zum Beispiel, die eingeschweißte Gurke nicht zu kaufen und somit weniger Ressourcen zu nutzen, die zur Umweltverschmutzung beitragen. Reduce, verringern, heißt, Kleidung, die wir nicht mehr tragen, zu spenden oder zu verkaufen, um sie so wieder in Umlauf zu bringen. Bei reuse, wiederverwenden, sollten wir Gegenstände so oft wie möglich benutzen, also lieber aus einem Thermosbecher als aus dem To-go-Becher trinken oder zu wiederauffüllbaren Flaschen greifen anstatt zu Dosen oder Plastikflaschen. Recycle, wiederaufbereiten, bedeutet, Abfallprodukte erneut zu verwerten oder sie zur Herstellung und Verwendung anderer Erzeugnisse zu nutzen. Rot, verrotten, steht für das Kompostieren der Lebensmittelabfälle.

    Was kann die Politik gegen Müllverschwendung tun?

    Es wird zu wenig aufgeklärt, zu wenig Bewusstsein geschaffen und auch zu wenig von gesetzlicher Seite getan. Wären Einwegverpackungen zum Beispiel nur unter ganz bestimmten Umständen erlaubt, würde sehr viel Müll eingespart werden.

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    So realistisch ist Zero Waste

    Ist Zero Waste, also null Müll, ein Traum?

    Wahrscheinlich. Allein die Herstellungs­wege bei Waren, zum Beispiel bei Plastik- und Glasflaschen, sind bei uns vielfältig und undurchschaubar. Bei einer hundertprozentigen Abfallvermeidung müssten wir alles selbst herstellen – das ist unrealistisch. Daher sehe ich Zero Waste mittlerweile lieber als „Null Verschwendung", das verschiebt ein wenig den Fokus und lenkt die Aufmerksamkeit auf das, worum es wirklich geht – nämlich Verschwendung zu vermeiden.

    Wie kann man Menschen motivieren, Müll zu vermeiden?

    Jeder Einzelne sollte versuchen, mit gutem Beispiel voranzugehen. Das fängt schon bei den kleinen, von mir angeführten Schritten an. Es kann hier in Deutschland so einfach sein, Müll zu vermeiden. Und wenn man zeigt, dass man damit Geld sparen und die Umwelt schonen kann, dann glaube ich, dass ein nachhaltigeres Leben für viele eine echte Alternative ist.

    Plastikfrei werden – Schritt für Schritt

    So können Sie einen Beitrag leisten:

    • frisch und regional auf den Wochenmärkten vor Ort einkaufen
    • Einkäufe im mitgebrachten Korb oder Einkaufstrolley 
      transportieren
    • zu unverpackten Lebensmitteln greifen
    • weniger Mineralwasser-Plastikflaschen kaufen und auch 
      mal Leitungswasser trinken
    • Schraubgläser oder Bienenwachstücher als Alternative zu Frischhaltefolien benutzen
    • bei Milch und Joghurt auf Mehrweggläser oder -flaschen 
      ausweichen
    • wenn möglich, auf Fertiggerichte verzichten, denn die sind in der Regel in jeder Menge Plastik verpackt

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