Verdauungssystem
Was tun bei Stuhlinkontinenz?
Veröffentlicht am:11.02.2026
9 Minuten Lesedauer
Über Probleme mit dem Stuhlgang spricht man nicht gerne. Betroffene sollten dies jedoch tun – und zwar mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin. Denn die meisten Fälle von Stuhlinkontinenz lassen sich sehr gut in den Griff bekommen, wenn man sie behandelt.

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Was versteht man unter Stuhlinkontinenz? – Definition und Symptome
So wie Harninkontinenz die unzureichende oder fehlende Fähigkeit bezeichnet, den Urin zu halten, bedeutet Stuhlinkontinenz, dass Betroffene wenig bis gar keine Kontrolle über ihre Darmentleerung haben. Es kommt zur ungewollten Entleerung von Darminhalt.
Stuhlinkontinenz reicht von leichten Problemen bis zum Kontrollverlust
Die Erfahrungen mit Stuhlinkontinenz können von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein.
- Bei manchen kommt es nur gelegentlich zu geringfügigem Verlust von Stuhlgang in Form von Schleim oder Stuhlschmieren, etwa bei starken Blähungen.
- Andere verspüren plötzlich starken Drang, schaffen es aber nicht rechtzeitig zur Toilette.
- Und im ärgsten Fall spüren Betroffene gar keine Anzeichen für den Stuhlabgang und haben dadurch überhaupt keine Kontrolle mehr über den Stuhlgang.
Abhängig von Art und Häufigkeit lässt sich Stuhlinkontinenz in verschiedene Kategorien einteilen. Es geht darum, ob nur Gase oder Schleim oder ob flüssiger oder geformter Stuhl entweichen und wie oft das geschieht. Je nach Schweregrad ist die Lebensqualität der Betroffenen erheblich eingeschränkt.
Tabuthema Stuhlinkontinenz
Wichtig ist: Stuhlinkontinenz ist äußerst unangenehm, aber nichts, wofür man sich schämen muss. Sie ist ein medizinisches Problem wie Kniebeschwerden oder Atemwegserkrankungen. Und sie ist behandelbar, es gibt eine Vielzahl erfolgversprechender Therapiemöglichkeiten. Es kommt also darauf an, die Hemmungen zu überwinden und mit dem Hausarzt oder der Hausärztin über das Problem zu sprechen. Denn Stuhlinkontinenz ist kein normaler Bestandteil des Alterungsprozesses. In der Regel verschwindet sie nicht von selbst – die meisten Betroffenen von Stuhlinkontinenz benötigen eine Behandlung, die ihnen in den meisten Fällen gut hilft.
Wie der Stuhlgang funktioniert
Um die unverdaulichen Bestandteile der Nahrung kontrolliert ausscheiden zu können, befindet sich am Ende des Darms der Schließapparat (auch: Kontinenzorgan). Zu ihm gehören der Enddarm, bestehend aus dem Mastdarm (Rektum) und dem Analkanal oder auch After, die Schließmuskeln sowie die Hämorrhoiden. Der Schließapparat ist in die Beckenbodenmuskulatur eingebettet.
Im Analkanal sitzen die ringförmigen Schließmuskeln. Sie sorgen dafür, dass der Enddarm geschlossen bleibt oder sich öffnet. Es gibt einen inneren und einen äußeren Schließmuskel. Der äußere Schließmuskel kann willentlich gesteuert werden, der innere Schließmuskel aber nicht. Er wird aktiviert, wenn sich im gut dehnbaren Enddarm eine gewisse Menge Stuhl angesammelt hat. Dann signalisiert ein Nervengeflecht in der Wand des Enddarms die Darmentleerung und der innere Schließmuskel öffnet sich. Mithilfe des äußeren Schließmuskels ist es bis zu einem gewissen Grad möglich, die Darmentleerung bewusst zu steuern oder zu unterdrücken. Die Hämorrhoiden unterstützen als stark durchblutete Gefäßpolster die Arbeit der Schließmuskeln. Sie befinden sich direkt oberhalb der Übergangszone zwischen Mastdarm und Analkanal. Auch die Muskeln im Beckenboden wirken mit. Beim Stuhlgang entspannen wir den Beckenboden. Wenn wir Stuhl zurückhalten wollen, spannen wir ihn an.
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Welche Ursachen kann eine Stuhlinkontinenz haben?
In den Industrienationen leiden etwa fünf Prozent der Bevölkerung unter Stuhlinkontinenz. Die genaue Zahl lässt sich schwer bestimmen, da viele Betroffene aufgrund unbegründeter Schamgefühle nicht zum Arzt oder zur Ärztin gehen. Man kann davon ausgehen, dass in Deutschland etwa fünf Millionen Menschen mit dieser Erkrankung leben. Stuhlinkontinenz ist vor allem eine Alterserscheinung und Frauen sind ungefähr vier bis fünf Mal so häufig betroffen. Geburten können eine Ursache sein.
Dies leitet über zu den Ursachen von Stuhlinkontinenz. Aus den Ursachen wird auch ersichtlich, warum Alter, weibliches Geschlecht und Bewegungsmangel wesentliche Risikofaktoren sind.
Chronischer Durchfall Chronische Verstopfung Muskelverletzung oder Muskelschwäche Neurologische Ursachen für Stuhlinkontinenz Verminderte Dehnbarkeit des Mastdarms Vergrößerte Hämorrhoiden Mastdarmvorfall (Rektumprolaps) Mangelnde Bewegung Stuhlinkontinenz nach einer Geburt Rektozele
Stuhlinkontinenz bei Kindern
Bei Kindern ist die häufigste Ursache für Stuhlinkontinenz eine dauerhafte Verstopfung. Weitere mögliche Ursachen sind Fehlbildungen der Muskulatur oder des Nervensystems. Dazu gehören zum Beispiel Formen der Spina bifida, im Volksmund offener Rücken genannt, oder eine Erkrankung der Dickdarmmuskulatur, die Hirschsprung-Krankheit oder Fehlanlagen des Darmes, sogenannte Atresien.
Welcher Arzt oder welche Ärztin ist bei Stuhlinkontinenz zuständig?
Die Antwort auf diese Frage hängt von der Ursache ab. Eine Stuhlinkontinenz durch Durchfall wird anders behandelt als eine Inkontinenz mit neurologischen Ursachen.
Es ist daher entscheidend, die Ursache der Stuhlinkontinenz zu klären. Zunächst sollten Sie die hausärztliche Praxis aufsuchen. Wenn nötig, überweist Sie Ihr Arzt oder Ihre Ärztin für weitere Behandlungen oder gegebenenfalls weitere Untersuchungen an eine geeignete fachärztliche Praxis. Solche Untersuchungen können die Spiegelung des Enddarmes (Rektoskopie), des gesamten Dickdarmes (Coloskopie) oder eine Schließmuskeluntersuchung mittels Druckmessung sein.
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Therapie einer Stuhlinkontinenz
Da eine Stuhlinkontinenz häufig die Folge einer zugrunde liegenden Erkrankung ist, muss zunächst die Grunderkrankung behandelt werden. Je nach Art der Inkontinenz gibt es außerdem unterschiedliche Therapieformen, die gezielt die Stuhlinkontinenz ansprechen:
- Toilettentraining, um vermehrtes Pressen während des Stuhlgangs zu vermeiden. Hierbei können Zäpfchen zur Stuhlerweichung und kleine Einläufe medikamentös unterstützen.
- Beckenbodentraining: Mit gezielten Übungen unter fachlicher Anleitung lässt sich bei bestimmten Formen der Stuhlinkontinenz die Haltekraft der Schließmuskel verbessern.
- Medikamente bei Stuhlinkontinenz sind beispielsweise Quellmittel, die einen geschmeidigen Stuhl produzieren. Bestimmte Wirkstoffe können die Stuhlfrequenz reduzieren, den Stuhldrang lindern und die Zeit verlängern, in der sich der Nahrungsbrei im Darm aufhält. Andere Arzneimittel sprechen direkt den Schließmuskel an.
- Chirurgische Eingriffe kommen beispielsweise bei einem Prolaps infrage, um den Darm wieder in seine ursprüngliche Position zu bringen.
Therapieansätze bei Stuhlinkontinenz
- Eine elektrische Stimulationsbehandlung der Muskeln regt durch schwache Stromimpulse die Muskulatur an und kräftigt auf diese Weise Schließmuskel und Beckenboden.
- Bei der sakralen Nervenstimulation werden mittels eines implantierten Schrittmachers sanfte elektrische Impulse an die Sakralnerven im Rückenmark ausgelöst. Die intakten Nervenbahnen zum Schließmuskel werden stimuliert, wodurch eine Kontrolle der Stuhlentleerung wiederhergestellt werden kann. Zur Stuhlentleerung wird der Schrittmacher abgeschaltet.

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Begleitende Maßnahmen, Ernährung und Hilfsmittel bei Stuhlinkontinenz
Hängt die Inkontinenz mit Durchfall zusammen, sollten Betroffene Lebensmittel meiden, die Durchfall begünstigen. Eine laktose- oder fruktosehaltige Ernährung wäre in diesem Fall bei Stuhlinkontinenz ungeeignet. Stuhlinkontinente Menschen sollten außerdem auf besondere Hygiene achten und die Haut im Analbereich nach den Stuhlgängen gründlich reinigen. Die Anwendung von Zinkoxidsalben unterstützt dank ihrer entzündungshemmenden, wundheilungsfördernden und leicht desinfizierenden Eigenschaften die Hauthygiene.
Außerdem gibt es in Sanitätshäusern spezielle Hilfsmittel, die das Leben mit Stuhlinkontinenz erleichtern: beispielsweise Analtampons, die etwa 12 Stunden Schutz vor ungewollter Darmentleerung bieten.
Wie kann man einer Stuhlinkontinenz vorbeugen?
Für bestimmte Formen der Stuhlinkontinenz gibt es keine Prophylaxe. Es gibt jedoch Maßnahmen, die vorbeugend wirken, indem sie den gesamten Gesundheitszustand fördern.
- Ernähren Sie sich bewusst: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Ballaststoffen stärkt die Darmgesundheit.
- Seien Sie körperlich aktiv: Bewegung regt den Darm an.
- Trinken Sie ausreichend: Eine angemessene Flüssigkeitszufuhr vermindert das Risiko einer Verstopfung.
- Praktizieren Sie eine angemessene Toilettenhygiene: Vermeiden Sie starkes Pressen und lange Toilettensitzungen, um die Darmwände und die Beckenbodenmuskulatur nicht unnötig zu belasten.
- Reduzieren Sie Stress: Zu viel Stress kann sich auf den Darm auswirken.
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