Verdauungssystem
Was tun bei Hämorrhoiden?
Veröffentlicht am:04.01.2022
aktualisiert am 25.03.2026
13 Minuten Lesedauer
Vergrößerte Hämorrhoiden können unangenehm und schmerzhaft sein. Doch viele Betroffenen schämen sich und suchen keine ärztliche Hilfe. Das muss nicht sein: Früh erkannt, lassen sich vergrößerte Hämorrhoiden mit einfachen Mitteln behandeln.

© iStock / iprogressman / KI-bearbeitet
Inhalte im Überblick
- Was sind Hämorrhoiden?
- Ursachen und Risikofaktoren: Wie entsteht ein Hämorrhoidalleiden?
- Wie verläuft eine Erkrankung mit vergrößerten Hämorrhoiden?
- Verdacht auf Hämorrhoiden: Bei welchen Beschwerden sollte man zum Arzt?
- Wie läuft eine Untersuchung der Hämorrhoiden ab?
- Wie werden Hämorrhoiden behandelt?
- Wie kann man Hämorrhoiden vorbeugen?
Was sind Hämorrhoiden?
Hämorrhoiden sind häufig ein Tabuthema – zu Unrecht, denn jeder Mensch hat sie. Es handelt sich um gut durchblutete Gefäßpolster, die sich am Ausgang des Enddarms befinden. Sie sitzen ein Stück oberhalb des Afters und sorgen gemeinsam mit dem Schließmuskel dafür, dass der Darm nach außen hin richtig schließt. Dadurch entweicht bei Blähungen nur Luft und kein Stuhl.
Wenn von Hämorrhoiden die Rede ist, sind meist vergrößerte Hämorrhoiden gemeint. Diese können Beschwerden wie Blutungen oder Juckreiz verursachen. Medizinerinnen und Mediziner sprechen dann von einem Hämorrhoidalleiden – nicht zu verwechseln mit einer Analvenenthrombose. Dabei handelt es sich um eine meist plötzlich auftretende, schmerzhafte Schwellung im After oder an dessen Rand aufgrund eines Blutgerinnsels in einer Vene.
Hämorrhoidalleiden sind weit verbreitet. In Deutschland lassen sich etwa vier Prozent der Erwachsenen aus diesem Grund ärztlich behandeln. Doch vielen Menschen sind vergrößerte Hämorrhoiden peinlich. Die Anzahl derer, die sich nicht in Behandlung begeben, liegt daher vermutlich deutlich höher.
Ursachen und Risikofaktoren: Wie entsteht ein Hämorrhoidalleiden?
Die Ursachen und Risikofaktoren für vergrößerte Hämorrhoiden sind nicht vollständig erforscht. Vermutlich vergrößern sie sich, wenn der Druck auf den Analkanal, das letzte Stück des Enddarms, erhöht ist. Mit dem Alter nimmt das Risiko für Hämorrhoiden zu, da das Gewebe mit der Zeit schwächer wird.
Verschiedene Einflüsse können Hämorrhoidalleiden begünstigen, zum Beispiel:
- harter Stuhl
- Übergewicht
- chronische Verstopfung
- häufiger Durchfall
- das Heben schwerer Gegenstände
- Schwangerschaft und Geburt
Hämorrhoiden können vor allem im dritten Trimester der Schwangerschaft auftreten. Das zunehmende Gewicht, die größere Blutmenge und häufige Verstopfung drücken auf die Blutgefäße am After. In der Regel lassen sich die Hämorrhoiden gut behandeln und verschwinden nach der Geburt wieder.
Wie verläuft eine Erkrankung mit vergrößerten Hämorrhoiden?
Je nachdem, wie stark das Hämorrhoidalleiden ausgeprägt ist, lässt es sich in vier Schweregrade einteilen:
- Grad 1: Die Hämorrhoiden sind nur wenig vergrößert und von außen nicht sichtbar.
- Grad 2: Die Gefäßpolster sind stärker vergrößert. Beim Stuhlgang und manchmal auch bei körperlichen Aktivitäten können sie aus dem After heraustreten, ziehen sich aber von selbst wieder zurück.
- Grad 3: Die Hämorrhoiden treten beim Gang auf die Toilette und bei körperlichen Aktivitäten aus dem After heraus und ziehen sich nicht wieder von selbst zurück. Sie lassen sich jedoch mit der Hand wieder in den After schieben.
- Grad 4: Die Gefäßpolster hängen dauerhaft aus dem After heraus und lassen sich nicht wieder zurückschieben. Sehr häufig tritt zusammen mit ihnen auch etwas Analschleimhaut aus dem After, was als Analprolaps bezeichnet wird.
Hemoriden, Hämoriden oder Hämorrhoiden?
Gar nicht so einfach. Das Wort „Hämorrhoiden“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Blutfluss“. Die korrekte deutsche Schreibweise lautet: Hämorrhoiden.
Verdacht auf Hämorrhoiden: Bei welchen Beschwerden sollte man zum Arzt?
Vergrößerte Hämorrhoiden können eine Vielzahl von Beschwerden verursachen: Typische Symptome sind Jucken, Brennen, Nässen oder auch Blutungen. Wenn das Hämorrhoidalleiden bereits weiter fortgeschritten ist, lassen sich die Gefäßpolster auch ertasten.
Je größer die Hämorrhoiden sind, desto stärker sind die Symptome ausgeprägt. In schweren Fällen empfinden Betroffene ein Fremdkörpergefühl am After, haben starke Schmerzen und laufen Gefahr, dass sich bei Blähungen unabsichtlich Schleim oder Stuhl löst.
Wer unter vergrößerten Hämorrhoiden leidet und entsprechende Symptome bemerkt, sollte sich daher nicht schämen und die Beschwerden ärztlich abklären lassen. Ein früher Therapiebeginn kann sich lohnen. Denn oft können einfache Maßnahmen verhindern, dass die Hämorrhoiden noch stärker anschwellen.
Wer nichts tut, riskiert hingegen, dass sich das Leiden verschlimmert: Einmal vergrößerte Gefäßpolster schrumpfen nicht von allein wieder auf ihre Normalgröße zurück.
Passende Artikel zum Thema
Wie läuft eine Untersuchung der Hämorrhoiden ab?
Zu Beginn der Untersuchung bei Hämorrhoiden steht ein Gespräch, in dem die Ärztin oder der Arzt nach den Beschwerden und der Krankengeschichte fragt. Anschließend werden der After und dann der Enddarm abgetastet. Bei der Untersuchung des Enddarms führt die Ärztin oder der Arzt mit einem Handschuh und etwas Gleitmittel vorsichtig den Finger in den After ein und tastet den Analkanal von innen ab.
Manche Menschen haben Angst vor einer Untersuchung bei Hämorrhoiden. Doch diese ist meist schmerzfrei. Je nach Befund können weitere Untersuchungen notwendig sein. Bei Verdacht auf vergrößerte Hämorrhoiden kann eine Enddarmspiegelung folgen. Bei Blut im Stuhl wird auch eine Darmspiegelung empfohlen.
Wie werden Hämorrhoiden behandelt?
Die Behandlung von vergrößerten Hämorrhoiden richtet sich nach dem Schweregrad des Hämorrhoidalleidens sowie nach dem Auslöser der Beschwerden. Bei leichten Fällen kann es ausreichen, Verstopfungen zu vermeiden. Auch Salben und Zäpfchen können für Erleichterung sorgen. Sind die Beschwerden jedoch stärker, ist möglicherweise ein operativer Eingriff notwendig.
Grundsätzlich ist es ratsam, Risikofaktoren für Hämorrhoiden einzuschränken, zum Beispiel, indem Übergewicht reduziert wird. Wichtig ist außerdem, die empfindliche Haut am After nicht zusätzlich zu reizen und auf die Hygiene zu achten – insbesondere nach dem Toilettengang. Betroffene sollten die empfindliche Haut um den After besonders gut reinigen, am besten mit Wasser oder feuchtem Toilettenpapier.
Es gibt viele Ratschläge und Hausmittel zur Selbstbehandlung von Hämorrhoiden. Einige davon können die Beschwerden möglicherweise lindern, doch viele davon sind wissenschaftlich unzureichend belegt.
Leichtes Hämorrhoidalleiden: Welche Salben und Zäpfchen helfen?
Um Hämorrhoiden-Beschwerden wie Juckreiz oder eine wunde Haut zu lindern, kommen häufig Salben oder Cremes zum Einsatz, die Wirkstoffe wie Panthenol, Zink, Hamamelis oder Aloe vera enthalten. Sie können Entzündungen hemmen und die Reparatur der Haut unterstützen.
Ärztinnen und Ärzte können auch Salben zur Linderung des Juckreizes mit dem Wirkstoff Lidocain verschreiben. Kortisonhaltige, entzündungshemmende Salben sollten, wenn überhaupt, nur kurzzeitig verwendet werden, da die empfindliche Analhaut geschädigt werden kann.
Viele dieser Wirkstoffe für die Behandlung von Hämorrhoiden werden auch in Form von Zäpfchen oder Analtampons eingesetzt. Die Wirksamkeit ist nicht gut untersucht.
Die AOK ist stets an Ihrer Seite
Egal, welche Beschwerden Sie haben – die AOK unterstützt Sie mit Leistungen und Angeboten für alle Lebenslagen.
Starkes Hämorrhoidalleiden: Wann ist eine Operation notwendig?
Bei unangenehmen und starken Hämorrhoidenbeschwerden ist es sinnvoll, ärztliche Hilfe zu suchen. Sie können sich an Ihre Hausarztpraxis oder eine Facharztpraxis für Proktologie wenden. Proktologinnen und Proktologen sind darauf spezialisiert, Erkrankungen des Enddarms zu behandeln, in manchen Fällen ist auch eine Operation notwendig.
Die Eingriffe richten sich nach dem Schweregrad des Hämorrhoidalleidens:
- Bei vergrößerten Hämorrhoiden des ersten und zweiten Grades können Ärztinnen und Ärzte einen Wirkstoff spritzen, der die Durchblutung der Gefäßpolster verringert. Dies nennt man Verödung.
- Bei vergrößerten Hämorrhoiden des zweiten und dritten Grades kommt in manchen Fällen eine Gummibandligatur infrage. Dabei werden die Hämorrhoiden abgebunden, sodass sie nach einiger Zeit abfallen.
- Bei vergrößerten Hämorrhoiden des dritten oder vierten Grades ist eventuell eine Operation notwendig, bei der die vergrößerten Gefäßpolster entfernt werden. Je nachdem, wo und wie stark die Hämorrhoiden austreten, gibt es verschiedene Verfahren.
Welche Hausmittel können bei Hämorrhoiden helfen?
Halten sich die Beschwerden im Rahmen, können Betroffene auch versuchen, mit einfachen Hausmitteln Linderung zu erzielen. Einige Menschen schwören zum Beispiel auf Sitzbäder mit klarem Wasser und entzündungshemmenden Zusätzen wie Arnika, Kamille, Eichenrinde oder Teebaumöl.
Studien weisen außerdem darauf hin, dass sich mit Flohsamen die Häufigkeit von Blutungen, die beim Stuhlgang entstehen können, verringern lassen. Bei richtiger Anwendung regen sie die Darmtätigkeit an, weichen den Stuhl auf, sodass sich das Pressen auf der Toilette reduziert – was wiederum die Hämorrhoiden entlastet. Wichtig ist, die Flohsamen mit ausreichend Flüssigkeit einzunehmen, da sie sonst genau das Gegenteil bewirken können.

© iStock / bhofack2
Wie kann man Hämorrhoiden vorbeugen?
Vergrößerte Hämorrhoiden sind möglicherweise genetisch bedingt und treten mit zunehmendem Alter häufiger auf. Dennoch können Sie einiges tun, um das Risiko eines Hämorrhoidalleidens zu verringern.
Dazu gehört zunächst, die typischen Ursachen zu vermeiden.
Ein zu hohes Körpergewicht übt Druck auf den Darm aus, weshalb Sie Ihr Gewicht möglichst im Normalbereich halten sollten. Setzen Sie außerdem ballaststoffreiche Lebensmittel wie Getreide, Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst auf Ihren Speiseplan und trinken Sie ausreichend. Dadurch halten Sie den Stuhl weich, vermeiden Verstopfung und zu starkes Pressen auf der Toilette. Insbesondere Letzteres kann den Druck erhöhen und die Hämorrhoiden vergrößern.
Achten Sie daher auch auf Ihre Körpersignale und schieben Sie den Gang zur Toilette nicht auf. So können Sie Verstopfung vermeiden.
Passende Angebote der AOK
AOK-Clarimedis: medizinische Informationen am Telefon
Der medizinische Informationsservice berät Sie rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr. Für AOK-Mitglieder ist dieser Service kostenfrei.
Die Inhalte unseres Magazins werden von Fachexpertinnen und Fachexperten überprüft und sind auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.








