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Psychologie

Skin-Picking-Disorder: Zwanghaftes Zupfen an der Haut und was dahintersteckt

Veröffentlicht am:11.12.2023

5 Minuten Lesedauer

Vermutlich jeder Mensch knibbelt mal an seiner Haut herum. Bei der sogenannten Skin-Picking-Disorder verspüren Betroffene hingegen einen zwanghaften Drang, ihre Haut ständig zu bearbeiten. Die Impulskontrollstörung kann einen hohen Leidensdruck auslösen. Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Eine nicht erkennbare junge Frau mit Skin-Picking-Disorder sitzt mit überschlagenen Beinen auf einem Sofa und knibbelt nervös an ihrem Daumennagel.

© iStock / PeopleImages

Was ist die Skin-Picking-Disorder (Dermatillomanie)?

Diese Angewohnheit, sich hin und wieder einen Pickel auszudrücken, oder an Hautunebenheiten zu kratzen – auch Skin Picking genannt – haben etliche Menschen. Gerade in der Pubertät ist die Haut oft ein großes Thema – auch, weil Akne in diesem Lebensalter häufig vorkommt.

Bei der sogenannten Skin-Picking-Disorder (medizinisch: Dermatillomanie) können Betroffene aber selbst bei gesunder Haut nicht widerstehen, an ihr herumzudrücken oder zu zupfen. Das kann so weit gehen, dass sichtbare Hautschäden wie Narben oder offenen Wunden entstehen. In diesem Fall spricht man nicht mehr nur von einer lästigen Angewohnheit, sondern von einer Impulskontrollstörung. Betroffene haben die Kontrolle über das Knibbeln und Kratzen an ihrer Haut verloren. Schätzungen zufolge könnten bis zu fünf Prozent der Menschen von Dermatillomanie betroffen sein – Frauen etwas häufiger als Männer. Die Dermatillomanie ist eng verwandt mit der psychischen Störung Trichotillomanie, bei der sich Betroffene die Haare ausreißen.

Eine Variante der Dermatillomanie ist die Akne excoriée, eine besondere Form der Akne. Diese wird durch neurotische Selbstverletzung verursacht. Meistens betrifft sie Frauen, die zwanghaft an ihrem Gesicht herumdrücken und zwicken. Dabei spielt es keine Rolle, dass die Betroffenen keine „echte“ Akne mit schweren und sichtbaren Entzündungen haben. Menschen, die von Akne excoriée betroffen sind, fühlen sich bereits durch kleine Hautunreinheiten gestört. Sie versuchen, diese Unreinheiten zwanghaft zu beseitigen, um glatte und perfekte Haut zu erreichen. Während dieser Phase sind sie oft wie in Trance und schwer erreichbar. Oft hinterlassen sie Krusten und Kratzspuren, die zu Narben führen können.

Symptome der Skin-Picking-Disorder

An verschiedenen Anzeichen erkennen Medizinerinnen und Mediziner, ob eine Person unter Dermatillomanie leidet. Dazu gehört der Drang,

  • an der Haut zu knibbeln, Pickel auszudrücken oder Unebenheiten wie Schorf immer wieder abzukratzen.
  • an einzelnen Muttermalen, Sommersprossen, Flecken oder Narben zu zupfen und zu kratzen, um sie vermeintlich zu „glätten“.
  • durch das Knibbeln Blutungen zu verursachen.

Auf ein zwanghaftes Hautknibbeln deuten zusätzlich diese Anzeichen hin:

  • gescheiterte eigene Versuche, dieses störende Verhalten zu verringern oder zu beenden
  • deutliche Hautverletzungen als Resultat dieses Verhaltens
  • signifikante seelische Beeinträchtigung oder signifikante Beeinträchtigung im persönlichen, sozialen oder öffentlichen Leben durch dieses Verhalten

Typisch ist auch, dass Betroffene oft nicht merken, dass sie an ihrer Haut zupfen, oder sie es verstärkt tun, wenn sie ängstlich oder gestresst sind.

Es gibt verschiedene Skin-Picking-Tests, die versprechen, dass Betroffene erkennen, ob ihr Verhalten zwanghaft ist. Diese Tests finden sich häufig auf den Websites privater Kliniken oder Praxen. Sie können bei einer ersten Einschätzung helfen, eignen sich aber nicht für eine Diagnose. Diese sollte ein Arzt oder eine Ärztin stellen.

Was sind die Ursachen von Dermatillomanie?

Die Ursachen der Skin-Picking-Disorder sind noch nicht vollständig geklärt. Forschende vermuten, dass mehrere Faktoren eine Rolle spielen. So zeigt sich die Störung oft mit dem Beginn der Pubertät. Auch eine dermatologische Erkrankung kann ein Auslöser sein: Wenn das Hautleiden abgeklungen ist, bearbeiten Betroffene ihre Haut weiter. Bei vielen Menschen haben emotionale Faktoren wie Langeweile, Angst oder Stress einen Einfluss. In diesen Fällen wirkt das Knibbeln an der Haut auf die Betroffenen entspannend und beruhigend.

Welche Ausmaße kann die Skin-Picking-Disorder annehmen?

Betroffene wenden bei der Bearbeitung ihrer Haut oft regelrecht Gewalt an: Sie quetschen, ziehen, drücken und kratzen stark oder reißen sich sogar kleine Hautstücke heraus. Sie nutzen nicht nur Fingernägel und Zähne, sondern auch Hilfsmittel wie Nadeln, Scheren oder Pinzetten. In der Folge blutet die Haut oder entzündet sich sogar. Oft können die Wunden wochen- oder monatelang nicht verheilen, weil die Stellen immer wieder bearbeitet werden. Die bevorzugten Hautbereiche sind Finger, Hände, Arme sowie das Gesicht und die Kopfhaut.

Betroffene verspüren meist einen hohen körperlichen und seelischen Leidensdruck: Reißen sie nicht verheilte Wunden wiederholt auf, kann dies zu Schmerzen, Entzündungen, Vereiterungen und bleibenden Narben führen. Die Bearbeitung der Haut nimmt oft so viel Zeit in Anspruch, dass Betroffene andere Aktivitäten vernachlässigen. Gleichzeitig verspüren „Skin Picker“ Schuldgefühle, Reue und Scham für ihr Verhalten. Sie versuchen, die sichtbaren Spuren zu verbergen. Aus Angst vor Fragen oder Kritik isolieren sie sich immer mehr. Ihre Lebensqualität ist auch dadurch stark eingeschränkt.

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Kann man sich Skin Picking abgewöhnen?

Es ist nicht leicht, sich Skin Picking abzugewöhnen. Die Entwicklung von Selbsthilfestrategien kann den Drang zum Haut-Knibbeln verringern. Regelmäßige Entspannung und Stressreduktion helfen „Skin Pickern“, aufkommende Emotionen besser zu regulieren. Außerdem kann es für Betroffene erleichternd sein, offen mit einer vertrauten Person über ihre Gefühle zu sprechen.

Wann ist psychologische Hilfe sinnvoll?

Psychologische Hilfe ist immer dann nötig, wenn Betroffene unter einem großen Leidensdruck stehen – es sich also nicht nur um ein störendes Verhalten handelt, das keine weitere negative Auswirkung hat. Dann ist eine ärztliche oder psychotherapeutische Diagnostik notwendig. Im Falle einer psychischen Erkrankung übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine Therapie. Impulskontrollstörungen wie die Dermatillomanie gehören zu den sogenannten „heimliche Erkrankungen“. Das heißt, Betroffene haben meist Hemmungen, mit anderen Menschen über die Symptome und ihr Verhalten zu sprechen, weil dies mit Schamgefühlen oder Selbstvorwürfen verbunden ist. Bemerken Außenstehende Veränderungen wie regelmäßig blutig gekratzte Hautstellen, können sie die Betroffenen vorsichtig darauf ansprechen. Hausarzt oder Hausärztin beraten Betroffene über eine mögliche Behandlung und überweisen sie gegebenenfalls direkt an eine Psychotherapiepraxis. Mit der passenden Psychotherapie kann es gelingen, die Symptome und den Leidensdruck deutlich zu lindern.

Eine junge Frau mit Skin-Picking-Disorder, die entspannt auf der Couch liegt, mit Kopfhörern Musik hört und dabei mit einer gefleckten Katze kuschelt.

© iStock / martin-dm

Lernen, die Haut in Ruhe zu lassen: Entspannungstechniken können eine Verhaltenstherapie bei Dermatillomanie unterstützen.

Welche Therapieansätze gibt es bei Dermatillomanie?

Eine Skin-Picking-Disorder kann von einer anderen psychischen Erkrankung begleitet werden, beispielsweise von einer Depression oder einer Angststörung. Eine Kombination aus kognitiver Verhaltenstherapie, Psychopharmaka und Entspannungsverfahren kann sich im Einzelfall bewähren. Beim Habit-Reversal-Training (Gewohnheitsumkehr) lernen „Skin Picker“ beispielswiese, schädliche Muster durch andere Verhaltensweisen wie zum Beispiel das Ballen der Fäuste oder Auf-die-Hände-Setzen zu ersetzen. Ziel ist es, das Problemverhalten mit der Zeit zu erkennen, zu lernen, es abzulegen und seelische Stabilität zu erlangen.

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