Psychologie

Altersdiskriminierung: So schützen Sie sich und andere davor

Veröffentlicht am:26.02.2026

10 Minuten Lesedauer

Wenn ein Mensch aufgrund seines Alters beruflich, medizinisch oder in einem anderen Bereich benachteiligt wird, kann das weitreichende Folgen haben. Wo Altersdiskriminierung beginnt, was sie mit Betroffenen macht und welche Hilfe es gibt.

Ein älterer Mann sitzt mit besorgtem Blick im Wartebereich einer Arztpraxis oder eines Krankenhauses.

© iStock / Drazen Zigic

Was ist Altersdiskriminierung und wen betrifft sie?

Von Altersdiskriminierung spricht man, wenn Menschen wegen ihres Alters benachteiligt oder ungleich behandelt werden. Oft zeigt sich Altersdiskriminierung über Vorurteile, Klischees und Verallgemeinerungen, beispielsweise in verbalen Äußerungen oder in Beschränkungen, die Menschen wegen ihres Alters von bestimmten Bereichen des Alltags ausschließen.

Laut einer repräsentativen Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) unter Männern und Frauen ab 16 Jahren haben 45 Prozent der Befragten bereits Benachteiligungen aufgrund ihres Alters erfahren. Demnach erlebten sie eine Diskriminierung vor allem im Gesundheitsbereich (27 Prozent) und im beruflichen Umfeld (39 Prozent).

Altersdiskriminierung kann nicht nur ältere Menschen treffen, sondern auch junge: Beispielsweise traut jemand einem jüngeren Menschen bestimmte Fähigkeiten oder berufliche Tätigkeiten nicht zu und denkt: „Er oder sie ist zu jung dazu.“ Oder jemand nimmt an, ein älterer Mensch sei wegen seines fortgeschrittenen Alters zu etwas nicht mehr in der Lage. In beiden Fällen handelt es sich um verallgemeinernde Altersbilder.

Wie kommt es zur Altersdiskriminierung?

Dass Menschen wegen ihres Alters diskriminiert werden, hängt mit Vorurteilen, Stereotypen und einem negativen Altersbild zusammen. Solche Vorstellungen vom Alter werden oft verallgemeinernd angewendet, unter anderem, weil vielen Menschen genaueres Wissen über das Alter fehlt. Und so prägt ein bestimmtes Altersbild auch die Art, wie sich jüngere Menschen gegenüber Älteren verhalten.

Dabei kann die verbreitete Annahme bestehen, dass ältere Menschen körperlich schwächer, krankheitsanfälliger oder geistig eingeschränkter seien als Jüngere. Daraus leiten manche Jüngere ab, dass ältere Menschen im Beruf weniger produktiv seien, mit moderner Technik nicht klarkommen würden und Schwierigkeiten hätten, Neues dazu zu lernen.

Viele Jüngere nehmen ältere Menschen mitunter als „Blockierer“ wahr und erwarten von ihnen, wichtige Positionen im Job oder in der Gesellschaft für jüngere Menschen freizugeben. Laut einer österreichischen Forschungsarbeit der Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften in Krems verinnerlichen viele Menschen bereits in jungen Jahren – vorwiegend negative – Bilder vom Alter und versuchen sich davon abzugrenzen.

Und: Unter Studierenden verschiedener Fakultäten seien vor allem Medizinstudentinnen und -studenten negativ gegenüber älteren Menschen eingestellt. Darüber hinaus werde medizinisches Fachwissen über diese Altersgruppe, die Geriatrie, nicht ausreichend im Studium vermittelt, so die Auswertung.

In welchen Bereichen findet Diskriminierung gegenüber Älteren statt?

Laut Umfrage der Antidiskriminierungsstelle berichten jüngere Menschen häufiger von wahrgenommener Ungleichbehandlung als ältere. Eine mögliche Erklärung ist, dass sie Benachteiligungen im Alltag sensibler wahrnehmen oder eher als Diskriminierung einordnen. Demgegenüber bewerten viele ältere Menschen entsprechende Erfahrungen nicht unbedingt als Altersdiskriminierung. Dennoch geben in der genannten Studie 35 Prozent der über 65-Jährigen an, sich von Altersdiskriminierung betroffen zu fühlen.

Wie sieht Altersdiskriminierung aus? Beispiele aus dem Alltag

Eine Diskriminierung älterer Menschen zeigt sich laut Studie der Antidiskriminierungsstelle in vielen Bereichen des täglichen Lebens:

  • auf dem Wohnungsmarkt: Ablehnung der Vermietung an ältere Menschen oder fehlende altersgerechte Ausstattung von Wohnungen
  • im Versicherungswesen: Versicherungsprämien nach Alter gestaffelt, beispielsweise bei Kfz- oder Lebensversicherungen
  • fortschreitende Digitalisierung bei Dienstleistungen, Banken und im Freizeitbereich: Online-Terminvergabe, digitale Konzerttickets, Kontaktmöglichkeit und Kontozugang nur über Webseiten und Apps. Dies setzt eine entsprechende technische Ausrüstung und Routine im Umgang damit voraus, die nicht jeder oder jede hat.

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Wieviel Altersdiskriminierung gibt es im beruflichen Umfeld?

Von einer Altersdiskriminierung im beruflichen Bereich berichten laut Erhebung der Antidiskriminierungsstelle 39 Prozent der Befragten über 45 Jahren. Besonders betroffen seien demnach Frauen ab 40 und Männer ab 50 Jahren. Beispiele:

  • Ältere Menschen werden im Bewerbungsprozess ohne Beachtung ihrer Qualifikation frühzeitig „aussortiert“.
  • Firmen nutzen in Stellenausschreibungen bewusst Formulierungen wie: „Wir suchen Dich für unser junges dynamisches Team,“ was gezielt jüngere Menschen ansprechen soll.
  • Betroffene erhalten keine Möglichkeit (mehr), sich im Job fortzubilden.
  • Älteren wird Verantwortung entzogen und Jüngeren übertragen.
  • Älteren Mitarbeitenden wird unterstellt, sie kämen mit neuen technischen Tools oder Abläufen nicht so gut zurecht wie die jüngeren Kolleginnen und Kollegen.
Zwei Personen im Business-Outfit geben sich in einem modernen Büro mit großen Fenstern die Hand.

© iStock / VioletaStoimenova

Gerade Menschen mit langjähriger Berufserfahrung werden oft von Altersdiskriminierung ausgebremst. Stattdessen können sie mit Fachkenntnis und sozialen Kompetenzen punkten.

Gibt es Alltagsdiskriminierung in der Medizin und im gesundheitlichen Bereich?

Ja. Auch im Gesundheitsbereich haben laut Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes bereits 27 Prozent der Befragten eine Ungleichbehandlung wegen ihres Alters erfahren. Betroffene berichten von unterschiedlichen Ausprägungen, so das Institut für Menschenrechte und die österreichische Privatuni Krems:

  • Medizinische Leistungen und Behandlungen werden älteren Menschen mitunter seltener verabreicht, besonders bei knapper Zeit und teuren Medikamenten.
  • Körperliche Beschwerden werden teilweise vorschnell als alterstypisch abgetan, anstatt nach einer behandelbaren Ursache zu suchen.
  • Falsche Diagnosen und Behandlungen können auftreten, weil geriatrisches, also spezifisch auf ältere Menschen ausgerichtetes, Fachwissen fehlt oder nicht ausreichend berücksichtigt wird.
  • Ärzte und Ärztinnen sprechen teilweise besonders laut, deutlich und langsam mit den Patientinnen und Patienten – im sogenannten Elderspeak.
  • Das medizinische Fachpersonal im Krankenhaus oder Pflegeheim wendet sich direkt an die Angehörigen, anstatt mit den Betroffenen selbst zu sprechen.

Das Deutsche Institut für Menschenrechte berichtet auch von Problemen mit der Barrierefreiheit im Gesundheitsbereich sowie von verbaler und körperlicher Gewalt gegenüber älteren Menschen, insbesondere in der Pflege.

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Wenn sich ältere Menschen „selbst diskriminieren“

Das Paradoxe: Viele ältere Menschen haben eine Ungleichbehandlung im medizinischen Bereich bereits soweit verinnerlicht, dass sie sie als selbstverständlich ansehen und sich gar nicht diskriminiert fühlen, wie es das Deutsche Institut für Menschenrechte in der Dokumentation eines Fachgesprächs zu den Rechten älterer Menschen beschreibt.

In einer Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes stimmten sogar mehr Menschen ab 65 Jahren als jüngere Befragte der Aussage zu, dass Ältere der Gesellschaft nicht zur Last fallen sollen.

Um dies abzubilden, umfasst der englische Begriff Ageism nicht nur diskriminierendes Verhalten gegenüber älteren Menschen. Er schließt auch die Verinnerlichung negativer Altersbilder durch die Betroffenen selbst ein.

Was macht Altersdiskriminierung mit den Menschen?

Wenn sich Menschen aus bestimmten gesellschaftlichen Bereichen ausgeschlossen fühlen oder eine schlechtere Behandlung erfahren als jüngere Leute, kann das verschiedene Auswirkungen haben:

  • Betroffene ziehen sich möglicherweise zurück, soziale Isolation kann Einsamkeit im Alter begünstigen.
  • Einsamkeit steht mit erhöhtem Stress, höherem Blutdruck und einer geschwächten Immunfunktion in Zusammenhang.
  • Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Entzündungen im Körper kann steigen.
  • Auch depressive Symptome können begünstigt werden.
  • Nicht erkannte oder falsch diagnostizierte Krankheiten können zu längerem Leiden, anhaltenden Schmerzen und einer Verschlechterung akuter Beschwerden führen.

Betroffene von Diskriminierung im Gesundheitswesen sind zudem oft auf sich allein gestellt. Das zeigt die Studie „Diagnose Diskriminierung“, die im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes erstellt wurde.

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Wie können wir bei Altersdiskriminierung helfen und sie vermeiden?

Altersdiskriminierung lässt sich generell durch eine bessere Aufklärung minimieren. Dazu sollte auch das gesellschaftlich vorherrschende negative Altersbild korrigiert werden. Was wir selbst tun können:

  • Altersbilder hinterfragen: Wenn sich jüngere Menschen mit ihren Vorstellungen vom Alter auseinandersetzen und Kontakt zu älteren Menschen in ihrem Umfeld halten, können sie negative Altersbilder abbauen. Auch die Initiative „Altersbilder“ des Bundesfamilienministeriums setzt sich für ein neues und differenzierteres Bild vom Alter ein.
  • Darüber reden und zuhören: Menschen, die Altersdiskriminierung erfahren, sollen und dürfen mit Freunden, Familie, aber auch mit Verantwortlichen darüber sprechen, um auf Missstände aufmerksam zu machen.
  • Beratung nutzen: Betroffene können sich professionell über ihre Rechte informieren und auf erlebte Altersdiskriminierung aufmerksam machen.

Im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ist seit 2006 gesetzlich geregelt, dass Menschen aus verschiedenen Gründen – unter anderem auch wegen ihres Alters – nicht benachteiligt werden dürfen. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes fordert jedoch noch weitere, präzisere Anpassungen sowie die Aufnahme des Merkmals „Lebensalter“ in Artikel 3 des Grundgesetzes, der Benachteiligung aufgrund bestimmter Merkmale verbietet – das Alter fehlt dort bisher.

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