Herz & Kreislauf

Warum Armut ein Gesundheitsrisiko sein kann

Veröffentlicht am:19.02.2026

6 Minuten Lesedauer

Wer wenig Geld hat, lebt häufiger mit mehr Stress, schlechteren Wohnbedingungen und weniger Möglichkeiten zur Vorsorge – das kann auf Dauer krank machen. So hängen Armut und Gesundheit zusammen.

Eine Frau schiebt einen Einkaufswagen und schaut kritisch auf die Supermarktregale.

© iStock / Drazen Zigic / KI-bearbeitet

Wie hängen Armut und Gesundheit zusammen?

Soziale Unterschiede spiegeln sich oftmals auch in der Gesundheit wider: Studien zeigen, dass Menschen in schwierigen finanziellen Lebenslagen ein höheres Krankheitsrisiko aufweisen und insgesamt schlechtere Gesundheitschancen haben. Selbst in einem wohlhabenden Land wie Deutschland zeigt sich dieser Zusammenhang. Nur ein Grund dafür: Wer wenig Einkommen hat, trifft oft auf mehr Hürden im Gesundheitswesen. Betroffene können sich Spezialbehandlungen häufig nicht leisten und manchmal fehlt es sogar an der Grundversorgung, weil sie keine Krankenversicherung oder Gesundheitskarte besitzen – das kann zum Beispiel auf Menschen ohne festen Wohnsitz zutreffen, die ihre Papiere verloren haben. Beim Thema Armut und Gesundheit sprechen Experten und Expertinnen aber nicht nur von Geld, sondern vom sozioökonomischen Status: Die Kombination aus Bildung, Beruf und Einkommen beeinflusst maßgeblich, wie stark Menschen gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt sind. Menschen aus niedrigen Statusgruppen leiden häufiger unter Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Leiden, Lungenkrebs oder Schlaganfällen. Kurz gesagt: Wer sozial benachteiligt ist, hat geringere Chancen auf eine stabile Gesundheit und ein höheres Risiko, körperlich oder psychisch zu erkranken.

Der Begriff „Gesundheit“ bedeutet mehr als nicht krank zu sein

Gesundheit meint nicht nur die Abwesenheit von Symptomen. Sie schließt das komplette Wohlbefinden mit ein – körperlich, seelisch und sozial. Jeder Mensch hat Anspruch auf diese bestmögliche Gesundheit. Daraus entsteht ein klarer Auftrag: Gesellschaft und Staat müssen Bedingungen schaffen, die ein gesundes Leben ermöglichen. Dazu gehören faire Chancen, ein gesundheitsförderliches Lebensumfeld und ein Zugang zur medizinischen Versorgung, der nicht vom Geldbeutel abhängt. Gesundheit ist damit nicht nur eine persönliche Angelegenheit, sondern auch eine Frage sozialer Gerechtigkeit.

Gründe für den Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheit

Die Auswirkungen von Armut auf die Gesundheit beruhen auf einem recht komplizierten Zusammenspiel. Anders als bei Infektionskrankheiten, die durch einen bestimmten Erreger ausgelöst werden, entstehen viele moderne Erkrankungen durch unterschiedlichste soziale und wirtschaftliche Faktoren.

Wie hängen Armut und Gesundheit zusammen?

  • Das monatliche Einkommen

    Wer mehr verdient, lebt meist sicherer – in einem gesundheitsförderlichen Wohnraum und mit besserem Zugang zu Medizinern und Medizinerinnen. Wenig Geld dagegen bedeutet oft ständigen Alltagsdruck: Reicht es für die Miete, für Rechnungen, fürs Nötigste? Dieser chronische Stress belastet Körper sowie Psyche und kann auf Dauer krank machen.

  • Die Wohnumgebung

    Menschen, die über weniger Geld verfügen, leben aufgrund der geringeren Mieten oft an Hauptverkehrsstraßen – das bedeutet in vielen Fällen mehr Schadstoffe in der Luft und größeren Lärm. Beides kann der Gesundheit zusetzen. Untersuchungen deuten sogar darauf hin, dass ein Leben im Problemviertel das Risiko für ein früheres Versterben erhöhen kann.

  • Die Ernährung

    Gesunde Ernährung hängt auch vom Geldbeutel ab. Wer frisches Obst und Gemüse in Bio-Qualität kaufen möchte, zahlt oft deutlich mehr als für Fertigprodukte.

  • Die Bildung

    Vielen Menschen öffnet die Bildung Türen zu besseren Jobs. Wer gut qualifiziert ist, verdient in der Regel mehr und kann sich auch zusätzlich absichern, etwa mit einer Zusatzversicherung. Geringere Bildungsabschlüsse sind dagegen oft mit ungünstigeren Gesundheitschancen und einer kürzeren Lebenserwartung verbunden.

Einige Faktoren beeinflussen sich auch gegenseitig, etwa die Bereiche Bildung und Ernährung. In Familien mit niedrigem Bildungsniveau ist das Risiko für Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen deutlich höher – etwa 3,5- bis 4-mal so hoch wie bei Gleichaltrigen aus Haushalten mit höherem Bildungsniveau.

Gesellschaftliche Normen können den Zugang zur Gesundheit erschweren

Bei der Frage, welche Auswirkungen Armut auf die Gesundheit haben kann, sollte auch der soziale Aspekt nicht zu kurz kommen. Gesellschaftlicher Druck und Diskriminierung, etwa wegen Armut, Geschlecht, Alter oder Herkunft, können den Zugang zu medizinischer Versorgung erschweren. Wer Rassismus, Sexismus oder Queerfeindlichkeit erlebt, sieht sich oft Vorurteilen oder Benachteiligung ausgesetzt. Das passiert nicht nur „auf der Straße“ oder im Job, sondern manchmal ebenso in ärztlichen Praxen.

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Der soziale Auf- und Abstieg als Gesundheitsfaktor

Auch die eigene soziale Position spielt eine wichtige Rolle für die Gesundheit. Soziale Auf- oder Abstiege, etwa durch Bildung, Beruf oder Einkommen, können nicht nur den Lebensstil, sondern auch das Krankheitsrisiko beeinflussen. Wer aufsteigt, profitiert oft von besserer psychischer Gesundheit und neuen Chancen, muss sich aber an die Erwartungen der neuen sozialen Umgebung anpassen, was körperlich belasten kann. Umgekehrt kann ein sozialer Abstieg die Gesundheit schwächen. Erkrankungen selbst können zudem einen Abstieg begünstigen, zum Beispiel durch Jobverlust oder eingeschränkte Aufstiegsmöglichkeiten – besonders bei psychischen Erkrankungen. Auf diese Weise verstärken sich soziale und gesundheitliche Ungleichheiten gegenseitig.

Eine Mutter und drei Kinder schnippeln in der Küche Tomaten und Käse.

© iStock / Imgorthand

Mit regionalem Gemüse selbst kochen schont nicht nur den Geldbeutel, sondern ist häufig auch gesünder und macht Spaß.

Gesundheit: auch abhängig von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen

Gesundheitsrisiken wie Rauchen, Bewegungsmangel oder ungesunde Ernährung sind bei Menschen mit niedrigerem Bildungs- und Einkommensniveau häufiger verbreitet. Hinzu kommt, dass sie oft weniger Unterstützung aus ihrem sozialen Umfeld haben, um ihre Gesundheit zu fördern und Herausforderungen zu meistern. Auch die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu verstehen und anzuwenden, die sogenannte Gesundheitskompetenz, ist in diesen Gruppen nachweislich niedriger. Auffällig ist, dass Gesundheit in unserer Gesellschaft aber häufig als primär persönliche Verantwortung gesehen wird. Erkrankte werden nicht selten gefragt, was sie selbst falsch gemacht haben – soziale und strukturelle Ursachen geraten dabei leicht aus dem Blick. Dabei zeigen zahlreiche Studien, dass schlechtere Bildung, weniger Einkommen oder eingeschränkte gesellschaftliche Chancen das Krankheitsrisiko systematisch erhöhen. Gesundheit ist also nicht nur eine Frage des persönlichen Verhaltens, sondern hängt auch in hohem Maße von den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ab.

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Einkommensunabhängige Gesundheit: Was Betroffene selbst tun können

Damit Menschen, unabhängig vom Einkommen, die gleichen Chancen auf ein gesundes Leben haben, müssen strukturelle Hürden beseitigt werden. Ein wichtiger Anfang ist der Abbau von sozialen Ungleichheiten. Hier ist in erster Linie die Politik gefordert.

Betroffene können aber auch selbst etwas tun. Diese Tipps helfen:

  1. Kostengünstig und gesund essen: Gesunde Ernährung muss nicht teuer sein. Saisonales Obst und Gemüse, Hülsenfrüchte wie Linsen oder Bohnen, Haferflocken, Vollkornnudeln und Tiefkühlgemüse sind preiswert und nährstoffreich. Günstig selbst kochen schont nicht nur den Geldbeutel, Sie können damit auch Zucker, Salz und Fertigprodukte reduzieren. Leitungswasser ist in Deutschland zudem ein günstiges und empfehlenswertes Getränk.
  2. Bewegung in den Alltag integrieren: Für Bewegung braucht es kein Fitnessstudio. Spazierengehen, Treppensteigen, Radfahren oder kurze Kräftigungsübungen zu Hause fördern die Gesundheit und kosten nichts. Viele Kommunen bieten zudem kostenlose Bewegungsangebote, Parks mit Fitnessgeräten oder offene Sporttreffs an. Schon regelmäßige, kleine Bewegungseinheiten wirken sich positiv auf Körper und Wohlbefinden aus.
  3. Gesundheitsangebote und Bonusprogramme nutzen: Die AOK unterstützt aktiv gesundheitsbewusstes Verhalten, etwa mit Bonusprogrammen, bei denen Vorsorgeuntersuchungen, Sport oder Impfungen mit Punkten oder Geldprämien belohnt werden. Diese Programme sind für Versicherte kostenlos und helfen, gesundes Verhalten finanziell attraktiver zu machen.
Fachlich geprüft
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