Beziehung

Lachen und Humor: Wie sie Körper und Psyche stärken können

Veröffentlicht am:07.05.2021

aktualisiert am 20.05.2026

6 Minuten Lesedauer

Lachen ist die beste Medizin – das ist nicht nur eine Redensart. Die Wissenschaft zeigt, dass Lachen bei der Stressbewältigung helfen und sogar unser Immunsystem aktivieren kann. Tipps für mehr Humor im Alltag.

Teenagerin lacht beherzt mit ihren Freunden, weil sie weiß, Lachen ist gesund.

© AOK

Lachen ist gesund: Stimmt das?

Der Volksmund sagt, Lachen ist gesund. Tatsächlich zeigt eine Metanalyse von 45 Studien, dass Lachen positive Effekte auf die psychische und körperliche Gesundheit haben kann. Lachen kann dazu beitragen, Stress, Angst und Depression zu verringern und die Lebensqualität zu verbessern.

Mit den möglichen positiven Effekten des Lachens beschäftigt sich auch die Wissenschaft. Die Gelotologie, die Lehre vom Lachen, untersucht, welche Auswirkungen das Lachen auf Körper und Geist hat. Der Begriff „gelos“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Gelächter“.

Schon seit Jahren erforscht der Pariser Neurologe Henri Rubinstein das Phänomen des Lachens. Für ihn ist Lachen eine „unwillkürliche Körperreaktion auf eine als angenehm empfundene Emotion”.

Lachen Menschen spontan und was passiert dabei?

Lachen wirkt zwar spontan und chaotisch, ist aber ein koordinierter Prozess. Lachen aktiviert im Gesicht und im ganzen Körper verschiedene Muskeln – allein an Zwerchfell und Bauch sind es etwa 80. Wer laut lacht, atmet stoßweise schnell aus und sehr tief wieder ein.

Typisch beim Lachen ist auch die Mimik mit hochgezogenen Mundwinkeln und zusammengekniffenen Augen. Ausdauerndes Lachen kann sogar zu einem Muskelkater führen. Lachen an sich hat keinen eindeutig geklärten biologischen Nutzen, es ist aber zutiefst menschlich.

Was bewirkt Lachen im Körper?

Lachen aus vollem Herzen wirkt sich auf den ganzen Körper aus.

  • Besonders die Atmung wird intensiviert. In der Lunge reichert sich das Blut durch den starken Gasaustausch mit Sauerstoff an. Lachen kann die Verbrennungsvorgänge des Körpers anregen und den Fettstoffwechsel sowie die Ausscheidung von Cholesterin beeinflussen.
  • Auch Kohlendioxid, ein Abfallprodukt dieses Verbrennungsvorgangs, wird bei der Lachatmung komplett ausgestoßen. Die Vorratsluft, die in den Lungen steckt, entleert sich dabei fast vollständig. Ähnlich wie beim Husten werden die oberen Luftwege durch starkes Lachen von störenden Sekreten befreit.
  • Durch die tiefe Atmung wird etwa dreimal so viel Sauerstoff aufgenommen wie normalerweise. Zuerst erhöht sich der Puls und der Blutdruck steigt. Nach der Lachattacke verlangsamt sich der Herzschlag aber wieder und bleibt auf einem niedrigen Niveau. Die Muskulatur der Arterien entspannt und der Blutdruck sinkt.

Ist Lachen gut fürs Herz?

Kinder lachen etwa 400-mal am Tag, Erwachsene dagegen nur etwa 20-mal. Damit verschenken sie möglicherweise ein wichtiges Potenzial für ihre Gesundheit. Studien legen nahe, dass sich intensives und häufiges Lachen positiv auf das Herz-Kreislauf-System auswirken kann.

Aktiviert Lachen das Immunsystem?

Unser Immunsystem kann vom Lachen profitieren. Einer Studie aus dem American Journal of the Medical Sciences zufolge erhöhen sich dabei Anzahl und Aktivität einiger Immunzellen wie der natürlichen Killerzellen, die infizierte oder entartete Zellen erkennen und zerstören können.

Auch ein Anstieg von Antikörpern der Immunglobulin-Klasse A durch Lachen wurde beobachtet. Das sind Antikörper, die in den Schleimhäuten im Körper (wie Mund, Darm und Lunge) vorkommen und einen Teil der Schutzbarriere gegen eingedrungene Erreger bilden.

Selbst das sogenannte Gamma-Interferon, welches die Zellen im Normalfall zur Bekämpfung einer Virusinfektion benötigen, ist nach dem Lachen im Blut nachweisbar. Zudem wurde ein Sinken der Stresshormone beobachtet. Dazu gehört neben dem Adrenalin auch Cortisol.

Eine Mutter sitzt auf einem Hügel im Gras und hat ihre kleine Tochter auf dem Schoß. Beide lachen vor Freude.

© iStock / Halfpoint

Lachen ist gesund – und gemeinsames Lachen macht noch viel mehr Spaß.

Lassen sich Krisen mit Humor leichter bewältigen?

Humor kann ein Schlüssel zur seelischen Gesundheit und eine Bewältigungsstrategie sein. In der Positiven Psychologie gilt Humor als Charakterstärke und Fähigkeit, mit mehr Leichtigkeit dem Alltag, sozialen Beziehungen und Belastungen zu begegnen. Mit Humor gelingt es oft leichter, die Perspektive zu wechseln.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Australian National University fanden heraus, dass schon ein bisschen Humor und witzige Stimuli am Arbeitsplatz dazu beitragen können, besser mit Aggression umzugehen und mit stressigen Situationen. Humor kann jenen, die angegriffen werden, zusätzliche Kraft und Stärke verleihen.

Mit Humor lässt sich die Stimmung positiv beeinflussen. Der Psychologe Paul McGhee entwickelte ein Humortraining, das aus sieben Schritten besteht. Menschen mit psychischen Erkrankungen oder einer Tumor- oder Herzkrankheit lernten dadurch, besser mit ihrer Erkrankung umzugehen.

Wie lässt sich Humor in den Alltag integrieren?

Denken Sie darüber nach, was Sie zum Lachen bringt.

  • Das können Witze, lustige Videos, aber auch eigene Fehler und Missgeschicke sein.
  • Hängen Sie in der Wohnung Bilder mit lustigen Sprüchen auf und halten Sie im Alltag bewusst Ausschau nach heiteren Momenten, etwa einem Tippfehler auf einem Plakat.
  • Mit Techniken wie Lachyoga können Sie Lachen provozieren, psycho-emotionale Vorteile erzielen und die Zufriedenheit verbessern.

Suchen Sie in stressigen Situationen nach etwas Positivem.

  • Machen Sie lustige Fotos und verschicken Sie diese an Freundinnen, Freunde und Familie.
  • In den sozialen Medien erreichen sogenannte Memes ein großes Publikum. Es handelt sich dabei meist um lustige Bilder, Texte oder Videoausschnitte, die von Nutzenden massenhaft geteilt werden. Memes können auch in Krisensituationen helfen.

Die Professorin Judith Ackermann hat untersucht, welche Wirkung Videomemes während der Corona-Pandemie hatten. Sie trugen dazu bei, Ängste zu überwinden und das Gefühl zu vermitteln, mit den Sorgen nicht allein zu sein. So entwickelte sich ein Gemeinschaftsgefühl.

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Sinkt durch beherztes Lachen das Schmerzempfinden?

Medizinerinnen und Mediziner nehmen an, dass beim Lachen auch die Schmerzempfindlichkeit sinkt. Viele Schmerzen können zu einer verspannten Muskulatur führen. Deshalb kann Lachen für die Schmerztherapie von Bedeutung sein. Beim Lachvorgang ist die gesamte Skelettmuskulatur zunächst stark angespannt, um sich danach wieder zu lösen.

Schauen sich Schmerzpatientinnen und -patienten zum Beispiel lustige Videos an, verschiebt sich die Schmerzgrenze nach oben, so das Ergebnis des Psychologen Paul McGhee.

Eine Studie der Oxford University kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Durch 15-minütiges Lachen nahm die eigene Schmerzempfindlichkeit ab. Eine mögliche Erklärung: Da sich der Körper beim Lachen anstrengen muss, kommt es zur Freisetzung von sogenannten Endorphinen. Dabei handelt es sich um Botenstoffe, die nicht nur die Wirkung von Schmerz blockieren, sondern auch Glücksgefühle hervorrufen können.

Macht Lachen glücklich?

Lachen kann glücklich machen. Das legen Studien finnischer und britischer Forschender nahe. Sie zeigen, dass Lachen nicht nur mit dem eigenen Wohlbefinden zusammenhängt, sondern auch die Stimmung anderer positiv beeinflussen kann. Wer oft lacht, verbreitet Lebensfreude. Lachen ist eben ansteckend.

„Lachen ist die beste Medizin“ – in dieser Redensart steckt auf jeden Fall ein wahrer Kern. Lachen wird aufgrund möglicher positiver Effekte zunehmend auch als Therapie eingesetzt. Laut einer Studie aus der Fachzeitschrift Social Science & Medicine kann eine „Lachtherapie“ insbesondere bei Depressionen unterstützend wirken.

Forschende an der Universität Jena fanden in einer Metaanalyse heraus, dass simuliertes Lachen größere Auswirkungen auf die psychische Gesundheit hat als spontanes Lachen. Wenn lachfördernde Interventionen in Gruppen angewendet werden, sind die Effekte für die körperliche Gesundheit größer.

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