Gesunde Ernährung

Brauche ich L-Glutamin als Nahrungsergänzungsmittel?

Veröffentlicht am:04.02.2026

10 Minuten Lesedauer

Die Aminosäure soll positive Effekte auf den Organismus haben und nach intensivem körperlichen Training Vorteile bringen. Doch für wen ist L-Glutamin tatsächlich hilfreich? Und kann die Einnahme auch schaden?

Ein Mann und eine Frau joggen durch einen Wald.

© iStock / EyeEm Mobile GmbH

Welche Wirkung hat L-Glutamin?

Gut für die Muskulatur nach körperlicher Belastung oder für das Immunsystem: Die Werbung für Nahrungsergänzungsmittel mit L-Glutamin verspricht viel, doch wann ist die Aminosäure tatsächlich hilfreich – und wer kann darauf verzichten? L-Glutamin ist die am häufigsten vorkommende Aminosäure im Körper und macht etwa 20 Prozent aller freien Aminosäuren im Blut aus. Sie wird vom Körper selbst hergestellt und gilt daher als nicht-essenzielle Aminosäure. In bestimmten Situationen kann die körpereigene Produktion jedoch nicht ausreichen, beispielsweise im Wachstum oder bei der Wundheilung bei schweren Verletzungen:

Warum L-Glutamin wichtig für die Energieproduktion ist

L-Glutamin liefert Immunzellen wie Lymphozyten, Neutrophilen und Makrophagen wichtige Energie. Die Zellen verbrauchen L-Glutamin in ähnlich hohen oder sogar höheren Mengen als Glukose. Auch von den Zellen der Darmschleimhaut wird L-Glutamin als Energiequelle genutzt – etwa 75 Prozent des aufgenommenen L-Glutamins werden im Darm für die Energieproduktion verstoffwechselt. Gleichzeitig ist die Aminosäure wichtig, um Nukleotiden zur produzieren. Diese benötigt der Organismus für den Aufbau von DNA und RNA. Und L-Glutamin transportiert auch Stickstoff zwischen verschiedenen Geweben und hilft, den Säure-Basen-Haushalt zu regulieren.

Wofür braucht der Körper vermehrt L-Glutamin?

Bei intensivem körperlichen Training sinkt der L-Glutamin-Spiegel in Blut und Skelettmuskulatur. Schon nach der ersten Stunde eines Marathonlaufs sinkt der L-Glutamin-Wert im Blut um etwa 20 Prozent. Entsteht in Stresssituationen, bei schweren Krankheiten, bei einer Sepsis, Verletzungen oder nach einer Operationen, ein erhöhter L-Glutamin-Bedarf, kann es vorkommen, dass die körpereigene Produktion diesen zeitweise nicht deckt. Die Zufuhr von L-Glutamin könnte dann das Risiko von post-operativen Infektionen reduzieren, zeigen Untersuchungen, bei denen L-Glutamin im Krankenhaus über eine Ernährungssonde zugeführt wurde. Allerdings muss dieser Effekt noch weiter untersucht werden.

Sportler und Sportlerinnen: Wann sollte man L-Glutamin einnehmen?

Für professionelle Athleten und Athletinnen ist es wichtig, die Immunfunktion und den Hormonstatus aufrechtzuerhalten, um Infekte der oberen Atemwege und unzureichende Erholung zu vermeiden – beides kann die sportliche Leistung und Gesundheit beeinträchtigen. Eine kleine Studie mit 21 Kampfsportler und -sportlerinnen untersuchte die Wirkung von L-Glutamin nach intensivem Training. Die Teilnehmenden nahmen drei Wochen lang täglich 0,3 Gramm L-Glutamin pro Kilogramm Körpergewicht ein. Dabei erhöhten sich die Konzentrationen von Immunglobulin A und Stickstoffmonoxid im Speichel deutlich. Außerdem sank die Häufigkeit von Atemwegsinfekten. Das Testosteron-Cortisol-Verhältnis, das als Marker für den Erholungszustand gilt, stieg in der L-Glutamin-Gruppe an, während es in der Placebo-Gruppe sank. Auch die Stimmungswerte verbesserten sich. Die Autoren schlussfolgern, dass L-Glutamin für die sportliche Leistung und Erholung von Sportlern und Sportlerinnen vorteilhaft sein könnte. Wichtig zu beachten: Durch die geringe Anzahl der Probanden und Probandinnen ist die Aussagekraft der Studie einschränkt. Auch für Freizeitsportler- und sportlerinnen, die L-Glutamin als Pulver oder Kapsel einnahmen, wurden bislang noch keine eindeutig positiven Effekte gefunden. Daher geben Institutionen wie die Verbraucherzentrale aktuell keine Empfehlung für den Freizeitsport ab.

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Wie gut ist L-Glutamin für die Darmgesundheit?

Eine Meta-Analyse von zehn Studien mit insgesamt 352 Teilnehmenden untersuchte die Wirkung von L-Glutamin auf die Durchlässigkeit der Darmwand. Dabei gab es Unterschiede je nach Dosierung und Dauer: Bei Dosierungen über 30 Gramm pro Tag verringerte sich die Darmdurchlässigkeit deutlich. Auch bei Einnahmedauern von weniger als zwei Wochen konnten die Forschenden einen signifikanten Effekt feststellen. Die Autoren und Autorinnen der Meta-Analyse weisen aber darauf hin, dass weitere Untersuchungen mit unterschiedlichen Dosierungen und verschiedenen Patienten- sowie Patientinnengruppen notwendig sind. Nur so lassen sich weitere Erkenntnisse ableiten und konkrete Empfehlungen zur L-Glutamin-Einnahme bei Darmproblemen geben.

Auch für die Einnahme von L-Glutamin bei Morbus Crohn gibt es bisher keine Therapieempfehlung. Denn die Studienlage zur Wirksamkeit von L-Glutamin bei der entzündlichen Darmerkrankung ist widersprüchlich. In einigen Untersuchungen wurden schützende Effekte einer L-Glutamin-Diät beobachtet. Eine Studie wies jedoch das Gegenteil nach: L-Glutamin aktiviert in höheren Dosen das Immunsystem und dient als Vorläufersubstanz für Stickstoffmonoxid, das im Körper Entzündungsreaktionen auslösen kann. Es könnte also eine Frage der Dosis sein, ob sich L-Glutamin positiv oder negativ auf die Morbus-Crohn-Aktivität auswirkt. Daher sind weitere Untersuchungen notwendig.

Drei Schalen mit Linsen sowie Salat, Kürbis und Keimen.

© iStock / AleksandarGeorgiev

Am meisten L-Glutamin steckt in tierischen Eiweißprodukten. Aber auch Hülsenfrüchte wie Kichererbsen oder Linsen enthalten viel L-Glutamin.

L-Glutamin als Medikament bei Sichelzellkrankheit

In den USA gibt es seit mehreren Jahren ein zugelassenes Medikament mit L-Glutamin gegen die Sichelzellkrankheit. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA erlaubt es, L-Glutamin als Pulverform zur Behandlung der Erbkrankheit des roten Blutfarbstoffes einzusetzen. Das Mittel soll die Häufigkeit von Schmerzkrisen bei Patienten und Patientinnen ab fünf Jahren verringern. Die Zulassung basiert auf einer Studie, in der Patienten, die L-Glutamin einnahmen, im Durchschnitt drei Schmerzkrisen pro Jahr erlitten – verglichen mit fast vier Krisen in der Placebogruppe. Auch die Zahl der Krankenhausaufenthalte sank. Die empfohlene Dosis richtet sich nach dem Körpergewicht. In Europa wird das Medikament dagegen nicht auf den Markt kommen, weil das Unternehmen seinen Zulassungsantrag zurückgenommen habe, erklärt die offizielle AWMF-Leitlinie 025/16 „Sichelzellkrankheit“, die aktuell überarbeitet wird. Es gibt zwar andere europäische Präparate mit L-Glutamin, allerdings ist nicht untersucht, ob diese zu einem ähnlichen therapeutischen Effekt führen.

Doc Felix gibt fünf Tipps, wie Sie Ihren Eiweißbedarf auch ohne tierische Lebensmittel decken können.

Welche Lebensmittel liefern L-Glutamin?

In kritischen medizinischen Situationen kann eine Supplementierung mit L-Glutamin unter Umständen sinnvoll sein. Diese sollte nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder einer Ärztin erfolgen. Denn unter Umständen verändert die Einnahme von L-Glutamin, wie der Körper Aminosäuren verwendet, um Energie zu erzeugen. Zudem kann L-Glutamin weitere Nebenwirkungen auslösen, beispielsweise bei Personen mit eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion. Für gesunde Menschen, die sich ausgewogen ernähren und moderat Sport treiben, ist eine zusätzliche Einnahme meist unnötig, da sie ausreichend Aminosäuren über die Nahrung aufnehmen. Das meiste L-Glutamin stammt dabei aus eiweißreichen tierischen Produkten. Aber die Aminosäure kommt auch in anderen Quellen wie Getreide oder Gemüse vor.

Besonders reich an Glutaminsäure sind:

  • Sojabohnen mit 6,5 Milligramm pro 100 Gramm
  • Erdnüsse mit 5,6 Milligramm pro 100 Gramm
  • verschiedene Käsesorten wie Gouda mit 6,3 Milligramm pro 100 Gramm
  • Rinderfilet mit 4,0 Milligramm pro 100 Gramm

Auch Nudeln, verschiedene Fischsorten und Eier liefern nennenswerte Mengen. Werden Kartoffeln mit Milchprodukten, beispielsweise Quark, kombiniert, erhöht das die biologische Wertigkeit von Aminosäuren. Ein weiteres Beispiel: Bei einer Kombination wie Linsensuppe mit Brot entsteht eine besonders günstige Eiweißzusammensetzung – sie kann die biologische Wertigkeit von Fleisch sogar übertreffen. Deshalb können auch Vegetarier und Vegetarierinnen sowie Veganer und Veganerinnen durch Mahlzeiten mit Getreide, Hülsenfrüchten, Kartoffeln oder Nüssen genügend hochwertiges Protein aufnehmen. Eine Mengen-Empfehlung für die L-Glutamin-Versorgung durch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung liegt aktuell übrigens noch nicht vor.

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