AOK Bremen/Bremerhaven
Den Pflegealltag meistern
Veröffentlicht am:31.07.2026
3 Minuten Lesedauer
Pflegebedürftigkeit macht den Alltag oft zu einer Herausforderung. Kostenlose Kurse für Angehörige vermitteln Wissen und geben Sicherheit.

© AOK (Symbolbild)
Viel Erfahrung und viele Tipps
Hatte er seine Tabletten schon genommen? Was hatte er noch gleich aus dem Keller holen wollen? Susanne Becker fiel auf, dass ihr Mann immer vergesslicher wurde. Auch wurde er aggressiver. Dann kam die Diagnose: Der 69-Jährige ist an Demenz erkrankt. Seit 41 Jahren sind die Beckers ein gutes Team. „Jetzt kann er nicht mehr, wie er will“, sagt seine Frau.
Zunächst dachte sie, dass sie die neue Situation alleine meistert. „Ich bin doch eine Starke“, sagt die 61-Jährige. Zehn Jahre lang hatte sie bereits ihren Vater gepflegt. Aber nun ihr kamen Zweifel. „Der tägliche Haushalt ist das eine. Aber ich fragte mich: Wie kann ich am Leben weiter teilhaben, und wer hilft, wenn ich selbst mal krank bin?“
Die Pflegeberatung ihrer Pflegekasse, die AOK Bremen/Bremerhaven, empfahl ihr die Teilnahme an einem Kurs für pflegende Angehörige. Diese Kurse sind kostenfrei und offen für alle Personen, auch für Nicht-AOK-Mitglieder. Susanne Becker meldete sich an – und war sofort begeistert. Von Mitte bis Ende Juni fuhr sie an fünf Nachmittagen mit Bus und Bahn von Bremerhaven in die Bremer Neustadt. Der Kurs fand in den Räumen und in Kooperation mit der Bremischen Schwesternschaft vom Roten Kreuz statt. Sofort habe sie sich gut aufgehoben gefühlt. „Die Kursleiter haben viel Erfahrung, es gab viele Tipps“, berichtet Susanne Becker. Einen Angehörigen zu pflegen bedeute, viel Verantwortung zu übernehmen und auch an seine Grenzen zu stoßen, weiß sie.
Den pflegenden Menschen im Blick
„Viele Pflegende fühlen sich damit unsicher oder überfordert“, bestätigt Jens Stanke, der bei der AOK Bremen/Bremerhaven zusammen mit Ksenija Kocan für die Pflegekurse zuständig ist. Da Jens Stanke selbst mehrere pflegebedürftige Angehörige in seiner Familie hatte, weiß er, mit welchen Herausforderungen Betroffene umgehen müssen. Wie mobilisiert man einen Menschen möglichst rückenschonend? Worauf kommt es bei der Körperpflege an? Die Kurse vermitteln wichtige Grundlagen der häuslichen Pflege, Körperhygiene sowie Ernährung und informieren über die Leistungen der Pflegeversicherung, die Betroffene in Anspruch nehmen können. Die Kursleitenden zeigen, welche Hilfsmittel es gibt und wie man sie anwendet.
Susanne Becker profitiert in dem Kurs speziell von den Tipps, die den Umgang mit der Demenzerkrankung ihres Mannes betreffen. So hat sie zum Beispiel erfahren, dass GPS-Systeme dabei helfen, ihren Mann zu orten, wenn er unbemerkt das Haus verlässt oder draußen unterwegs ist. Diese Tracker gibt es in Kartenform für das Portemonnaie oder als Schuheinlage.
„Für mich ist der Kurs auch eine mentale Unterstützung. Der Austausch mit anderen zeigt mir: Ich bin nicht allein. Zum anderen lerne ich, auf mich zu achten und zu sagen: Bis hierhin und nicht weiter. Denn wer immer sagt, Du musst ja’, geht daran kaputt“, sagt sie. Dank des Kurses weiß sie, dass sie Anspruch darauf hat, dass jemand vom Pflegedienst kommt und sich um ihren Mann kümmert, wenn sie Zeit für sich braucht oder selbst erkrankt ist.
Kostenfreie Angebote erleichtern häusliche Pflege
Um Angehörige bei der Pflege und Betreuung zu unterstützen, bietet die AOK-Pflegekasse nicht nur Pflegekurse in Präsenz, sondern auch Schulungen zu Hause oder kostenfreie Online-Pflegekurse an. „All diese Angebote helfen Angehörigen dabei, den Pflegealltag besser zu bewältigen und die eigene Gesundheit zu schützen“, sagt Jens Stanke. Er wünscht sich, dass mehr Menschen das kostenfreie Angebot nutzen, das auch noch mit weiteren Kooperationspartnern erweitert wird. Der Bedarf ist gegeben: Dem Statistischen Landesamt Bremen zufolge lebten im Jahr 2023 mehr als 47.000 Pflegebedürftige im Land Bremen. Knapp 90 Prozent von ihnen werden zu Hause versorgt, davon mehr als zwei Drittel von ihren Angehörigen.
Autorin: Catrin Frerichs




