AOK Bremen/Bremerhaven

Segeln verbindet

Veröffentlicht am:01.07.2026

3 Minuten Lesedauer

Der Förderverein PEGASUS-Bremen ermöglicht Kindern und Jugendlichen, in deren Familie es eine Krebserkrankung gibt, eine Auszeit auf dem Wasser. Für ein Wochenende gehen sie gemeinsam segeln.

© PEGASUS-Bremen

Auszeit vom belastenden Alltag

Clara* war schon dreimal mit an Bord des Plattbodenseglers „Verandering“, zuletzt Ende Mai. So wie die anderen Kinder und Jugendlichen auch, hat die Elfjährige beim Ankern, Steuern und Segelsetzen geholfen. Am meisten aber hat ihr gefallen, ein Vorsegel am Klüverbaum zu befestigen. „Es ist lustig, wenn man an den Seilen ziehen kann“, sagt die Bremerin. 

Viele an Bord des Traditionsschiffes kannte sie bereits, denn auch andere waren nicht das erste Mal dabei. Den Kindern und Jugendlichen ab zehn Jahren ist gemeinsam, dass jemand aus ihrer Familie an Krebs erkrankt oder daran gestorben ist. Das regelmäßig vom Förderverein Pegasus-Bremen organisierte Segelwochenende soll ihnen eine Auszeit vom belastenden Alltag verschaffen. „Solch unbeschwerte Momente sind Gold wert“, sagt Claras Mutter, deren Mann an einer Krebserkrankung gestorben ist. „Ich kann das meiner Tochter zurzeit nicht bieten.“

Eine starke Gemeinschaft bilden

Seit neun Jahren bietet der Förderverein mit Unterstützung der AOK Bremen/Bremerhaven die Segeltouren auf der Nordsee an. Fünf Ehrenamtliche sind stets mit dabei. Sie segeln, kochen, basteln, spielen mit den jungen Gästen und hören ihnen zu. Eine Krebsdiagnose erschüttert nicht nur das Leben des Betroffenen. Auch Angehörige sind belastet, vor allem Kinder. „In vielen Familien fehlt oft einfach die Zeit oder die Kraft, den Kindern und Jugendlichen Aufmerksamkeit zu schenken“, sagt der Vereinsvorsitzende Olaf Langenbuch. Weil alle Hände an Bord bei der Reise gebraucht würden, entstehe schnell eine Gemeinschaft. „Im Alltag der Kinder und Jugendlichen ist die Krankheit oder die Trauer im Vordergrund. Hier sind sie Teil eines Teams.“ Das gemeinsame Handeln schaffe innerhalb kürzester Zeit Bindungen, die über das Wochenende hinaus hielten. Auch Clara hat Freundinnen gefunden, mit denen sie regelmäßig etwas unternimmt. Die Aussage „Seefahrt verbindet“ werde sichtbar, so Langenbuch. Nützlich sei dabei auch, dass die Handys der Kids zu Beginn der Reise eingesammelt und erst am Ende wieder zurückgegeben werden.

An Bord darf gelacht werden

„Auf dem Schiff können sich die Kinder und Jugendlichen in einem sicheren Raum frei austauschen, ohne Rücksicht auf die Wirkung auf Familienmitglieder“, betont Olaf Langenbuch. Jeder wisse, dass alle dasselbe Schicksal teilen. „Man begegnet sich auf einer ganz anderen Ebene.“ Niemand müsse sich erklären, alle dürften auch mal traurig sein. Aber es sei auch wichtig, dass trotz der schweren Erkrankung oder des Todes eines Elternteils an Bord natürlich auch gelacht werden dürfe. „Die Kinder und Jugendlichen sehen, dass das Leben auch noch schöne Momente bereithält.“

Manchmal sei ihr Selbstvertrauen durch die belastende Situation geschwächt. Das Leben an Bord der „Verandering“ biete viele Möglichkeiten für positive Effekte. So habe er es schon erlebt, dass junge Gäste sichtlich Selbstvertrauen gewannen, als ihnen das Steuer des Schiffes anvertraut wurde, sagt Langenbuch.

Claras Mutter weiß die Segelwochenenden sehr zu schätzen. Leicht falle ihrer Tochter der Moment des Abschieds nie, es sei für sie jedes Mal eine kleine Mutprobe. Aber Clara wachse bei der Reise stets über sich hinaus: „Sie kommt immer ganz beseelt zurück.“

*Name geändert

Autorin: Janet Binder, Fotos: PEGASUS-Bremen

Weitere Informationen

Die Bremer Krebsgesellschaft bietet in ihrem „PEGASUS“-Programm Gruppentreffs mit pädagogischer Begleitung für Kinder und Jugendliche aus von Krebs betroffenen Familien an. Der Förderverein PEGASUS-Bremen ergänzt das Angebot mit kostenlosen Aktivitäten wie Spieletage, Bouldern und Segeltouren.

Mehr Informationen gibt es beim hier.

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