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So können Sie sich das Fingernägelkauen abgewöhnen

Junger Mann sitzt vor seinem Laptop und kaut nervös an seinen Fingernägeln.

© iStock / diego_cervo

Lesezeit: 4 Minuten20.07.2022

Kauen an den Fingernägeln ist für die meisten Menschen eine lästige Angewohnheit, die jedoch auch gesundheitliche Konsequenzen haben kann. Aber was steckt hinter dem Fehlverhalten – und welche Übungen können dabei helfen, es sich abzugewöhnen?

Inhalte im Überblick

    Was steckt hinter Fingernägelkauen?

    Nägelkauen gehört, wie auch das zwanghafte Ausreißen einzelner Haare, Pulen an der Haut oder Lippen-Wangen-Beißen, zu den sogenannten körperbezogenen Impulskontrollstörungen. Bis zu 90 Prozent der Menschen sind von einzelnen Symptomen dieser Störungen betroffen – das Nägelkauen, auch Onychophagie genannt, ist dabei am weitesten verbreitet. Es bezeichnet das wiederholte Kauen oder Beißen an den eigenen Fingernägeln, beginnt in der Regel in der Kindheit, im Alter zwischen drei und vier Jahren, und kann bis ins Erwachsenenalter andauern.

    Die Ursachen von Onychophagie sind nicht eindeutig geklärt. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass sowohl genetische als auch familiäre und psychiatrische Faktoren eine Rolle spielen: Oft ist das Kauen an den Fingernägeln mit psychischem Stress verbunden und hilft Betroffenen beim Spannungsabbau; häufig ist es auch eine Begleiterscheinung von psychischen Erkrankungen, wie beispielsweise einer Angst- oder Zwangsstörung.

    Passend zum Thema

    Fingernägelkauen ist meist ein automatisches Verhalten, das zur Gewohnheit werden und zahlreiche Komplikationen mit sich bringen kann. Als eine Störung gilt es ab dem Zeitpunkt, zu dem es gewichtige Beschwerden oder Beeinträchtigungen verursacht. Dazu zählen beispielsweise Probleme und Infektionen der Nägel und Nagelhaut, an Zähnen und Zahnfleisch sowie dem Kiefergelenk. Auch das Nagelwachstum kann beeinträchtigt werden. Hinzu kommen psychische Belastungen, wie Schamgefühle, das Umgehen von Situationen wie Händeschütteln oder auch eine Anspannung vor oder während des Versuchs, dem Nägelkauen zu widerstehen.

    Fingernägel kauen bei Kindern

    Vor allem Kinder und Jugendliche sind von Onychophagie betroffen: Im Alter von zehn Jahren bis zur Pubertät kauen Studien zufolge etwa 45 Prozent der Kinder an ihren Nägeln. Im Alter von 3 bis 21 Jahren sind es circa 37 Prozent, bei Jugendlichen zwischen 14 und 20 Jahren ungefähr 29 Prozent. Wird die Störung im Kindesalter nicht oder nicht richtig behandelt, kann dies dazu führen, dass Betroffene auch als Erwachsene weiterhin an ihren Fingernägeln kauen.

    Fingernägelkauen im Kindesalter: Vorteile?

    Eine langjährige multidisziplinäre Studie aus Neuseeland zeigte, dass Fingernägelkauen auch Vorteile mit sich bringen könnte.

    Die Ergebnisse der Langzeitstudie mit über 1.000 Teilnehmenden geben Hinweise darauf, dass daumenlutschende und nägelkauende Kinder möglicherweise weniger anfällig für die Entwicklung von Allergien sind. Trotzdem warnen die Forschenden davor, Kinder zu den Gewohnheiten zu ermutigen, da ein tatsächlicher gesundheitlicher Nutzen weiterhin unklar ist.

    Fingernägel kauen abgewöhnen: So funktioniert’s

    In der Regel kauen Betroffene nicht ununterbrochen an ihren Fingernägeln, sondern in bestimmten Situationen, wie zum Beispiel in Momenten von Nervosität, Stress oder Langeweile. Ein erster Schritt in Richtung Abgewöhnung ist es, diese Situationen bewusst wahrzunehmen und zu protokollieren. Schreiben Sie dazu folgende Punkte regelmäßig in einem Notizbuch auf:

    • An welchem Ort und zu welcher Zeit haben Sie an Ihren Fingernägeln gekaut?
    • Welche Tätigkeit haben Sie in diesem Moment durchgeführt?
    • Wie haben Sie sich in der Situation gefühlt (zum Beispiel gestresst)?
    • Welchen Effekt konnten Sie dabei beobachten? (Haben Sie beispielsweise mehr als sonst an den Nägeln gekaut, weil Sie sich in dem Moment alleine gefühlt haben oder weil Ihnen langweilig war?

    Bei diesem ersten Schritt sollten Sie Ihr Verhalten noch nicht ändern, sondern es neutral beobachten.

    Darauf aufbauend können dann die folgenden Übungen dabei helfen, sich die Angewohnheit abzugewöhnen. Aber Achtung: Zögern Sie nicht, das Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin zu suchen, wenn Sie die Vermutung haben, dass hinter dem Fehlverhalten eine ernstzunehmende Ursache wie beispielsweise eine Angststörung stecken könnte.

    Eine Frau sitzt an einem Schreibtisch und hält in der rechten Hand einen Stift, mit dem sie etwas in ein Buch notiert.
    Ein erster Schritt, um sich das Kauen an den Fingernägeln abzugewöhnen, kann sein, sich dieses Verhalten bewusst zu machen und im Alltag bei jedem nächsten Mal zu protokollieren, wann und unter welchen Umständen Sie es tun.

    © iStock / FreshSplash

    Reaktionsumkehr als Selbsthilfetechnik

    Bei der sogenannten Reaktionsumkehr (auch „Habit-Reversal-Training“) geht es darum, das automatisch ablaufende Nägelkauen durch eine starre Pose zu ersetzen. Durch das genaue Beobachten und Aufzeichnen der Situationen, in denen Sie an Ihren Nägeln kauen, sollten Sie inzwischen sensibler gegenüber Ihrem Verhalten sein und dadurch bewusst merken, wenn Sie Ihre Nägel zum Mund führen. Wann immer Sie sich jetzt in einer solchen Situation wiederfinden, unterbrechen Sie diese sofort und wechseln Sie in eine Bewegungsstarre. Beispielsweise können Sie stattdessen die Hände unter die Oberschenkel schieben. Nun verharren Sie am besten ein bis drei Minuten in dieser Position. Je öfter Sie die Reaktionsumkehr durchführen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie das Nägelkauen durch eine neue Gewohnheit ersetzen.

    Entkopplung als Selbsthilfetechnik

    Ziel des Entkopplungsansatzes ist es, die gewohnte Bewegung nachzuahmen und so umzulenken, dass sie ins Leere verläuft. Einfach gesagt bedeutet das, dass Sie Ihre Finger zwar in Richtung Gesicht führen, sie aber kurz vor Erreichen des Mundes umlenken – zum Beispiel ans Ohrläppchen. So wird dem Drang der Fingerkuppen nachgegeben, ohne sich dabei zu verletzen. Bei diesem Ansatz ist es besonders wichtig, die neue Bewegung regelmäßig über den Tag verteilt und bewusst durchzuführen – am besten dreimal täglich, zehnmal hintereinander. Tipp: Durch Ihre Aufzeichnungen wissen Sie, zu welchen Zeiten Sie meist an den Nägeln kauen. Stellen Sie sich einen Timer oder Wecker, der Sie zu diesen Uhrzeiten an die Entkopplungsübung erinnert.

    In-sensu-Methode als Selbsthilfetechnik

    Bei der In-sensu-Methode wird das Nägelkauen umgelenkt, bevor es überhaupt erst zu einer Bewegung kommt. Das heißt: Sie schließen die Augen und stellen sich vor, dass Sie Ihre Hand zum Mund führen und kurz davor sind, an Ihren Nägeln zu kauen. In diesem Moment unterbrechen Sie Ihre vorgestellte Bewegung durch eine tatsächliche. Sie können beispielsweise die Hand, die Sie in Gedanken gerade zum Mund geführt haben, rasch zu einer Faust ballen, nach vorne weg strecken und anschließend die Finger spreizen. Auch diese Übung zeigt die besten Resultate, wenn Sie sie regelmäßig bewusst durchführen – immer fünfmal hintereinander über drei Minuten hinweg. Stellen Sie sich hierfür ebenfalls einen Wecker zu den Uhrzeiten, zu denen Sie laut Notizbuch am häufigsten an den Fingernägeln kauen. So können Sie dem Impuls entgegenwirken, bevor er einsetzt.

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