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Waldbaden: Urlaub für die Seele

Eine junge Frau meditiert beim Waldbaden

© iStock / Marcin Wiklik

Lesezeit: 3 Minuten30.09.2020Aktualisiert: 12.09.2022

Schattige Wälder, grüne Natur: Waldbaden bedeutet, unter Bäumen gemütlich spazieren zu gehen und dabei die natürliche Atmosphäre mit allen Sinnen bewusst wahrzunehmen. Wie Waldbaden funktioniert und warum es die Gesundheit stärkt.

Inhalte im Überblick

    Was ist Waldbaden?

    In Japan gilt das Prinzip des Shinrin Yoku, übersetzt „heilsames Waldbaden“, bereits seit Jahren als bewährtes Mittel gegen Stress-Symptome. Mittlerweile gibt es auch in Deutschland immer mehr Anhängerinnen und Anhänger der fernöstlichen Entspannungsmethode.

    Waldbaden bedeutet, in die Atmosphäre des Waldes einzutauchen: den würzig-holzigen Geruch zu riechen, die sauerstoffreiche und saubere Luft zu atmen und die Tiere im Wald zu beobachten.

    Eintauchen bedeutet, dass man gemütlich unterwegs ist. Man flaniert regelrecht durch die Natur. Immer wieder bleibt man stehen oder setzt sich hin, ruht und rastet. Das raten zumindest Expertinnen und Experten auf diesem Gebiet, wie „Waldbade-Meisterin“ Annette Bernjus. Ihrer Aussage nach sollte ein Waldbad idealerweise mindestens zwei Stunden dauern. Dabei ist man dann aber nie mehr als zwei oder drei Kilometer unterwegs. Auch Bäder von einer Dauer von drei bis vier Stunden sind unbedingt zu empfehlen.

    Anleitung zum Waldbaden

    In den ersten fünf Minuten im Wald ist es ratsam, erst einmal anzukommen. Dafür bietet es sich an, im Stehen oder im Sitzen die Augen zu schließen und sich komplett auf das Waldbaden einzustellen. Ist das getan, kann man langsam und gemütlich einen Weg entlangschlendern, den man sich vorher überlegt hat, oder man spaziert einfach drauflos.

    Unterwegs wird empfohlen, immer wieder stehen zu bleiben, sich hinzusetzen oder hinzulegen und die Eindrücke, die die Natur bietet, komplett aufzusaugen. Man fängt tatsächlich ein bisschen an zu schwimmen. Zwar nicht im Wasser, wohl aber in einem Meer aus Bäumen, das einen für ein paar Stunden vom Ufer des stressigen Alltags fortträgt.

    Doch wer all dies erreichen und erfolgreich waldbaden möchte, sollte vor allem eines machen: Das Handy einfach mal zu Hause lassen. Denn das Checken von Mails und Lesen von Nachrichten stört dabei, die Eindrücke des Waldes wirken zu lassen. Auch auf verbale Konversationen sollte verzichtet werden. Die gesamte Aufmerksamkeit gilt zu jeder Zeit der Natur.

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    Was bewirkt ein Waldspaziergang?

    Der Frage, warum und ob der Wald wirklich mehr kann als Wellness, ging der Japaner Yoshifumi Miyazaki auf den Grund. Der Medizin-Professor, der sich seit den 1990er-Jahren auf Wald-Therapie spezialisiert hat, führte in Zusammenarbeit mit dem Center for Environment, Health and Field Science an der Universität Chiba Experimente mit 756 Probanden durch.

    Er fand heraus, dass beim Waldbaden die Stresshormone Adrenalin und Cortisol abnehmen. Außerdem sinken der Blutdruck und die Pulsfrequenz. Die Anzahl der Killerzellen und Anti-Krebs-Proteine steigt unterdessen. Das bedeutet, dass das Immunsystem durch das Waldbaden gestärkt wird.

    Frau steht mit ausgebreiteten Armen im Wald.
    Es wird empfohlen, immer wieder stehen zu bleiben und die Eindrücke aus der Natur aufzunehmen.

    © iStock / Zbynek Pospisil

    Funktioniert Waldbaden in Deutschland?

    In Deutschland ist mit 11,4 Millionen Hektar knapp ein Drittel der Gesamtfläche mit Wald bedeckt. Genug Möglichkeiten, um ein ausgiebiges Bad im Grünen zu nehmen, gäbe es also. Doch auch wenn die japanischen Waldmedizinerinnen und -mediziner mit ihren Studien recht haben, ist ja noch lange nicht gesagt, dass Eichen, Buchen und Birken dieselbe Wirkung haben wie die in Japan verbreiteten Pinien, Zedern und Lärchen.

    Unbestritten aber ist, dass der Wald dem Menschen guttut. „Biophilia“ nannte das vor 40 Jahren der Evolutionsbiologe Edward Wilson. Seine Idee: Der Mensch ist quasi genetisch dazu „bestimmt“, die Natur zu lieben.

    Diesen Punkt bekräftigt auch Angela Schuh vom Lehrstuhl für Public Health und Versorgungsforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität in München: „Ein Blick auf Berggipfel, ins Grün eines Waldes oder aufs Wasser führt uns zu unseren Ursprüngen zurück. Wir wissen, dass Menschen im grünen Umfeld schneller gesund werden. Wir fühlen uns weniger gestresst, erholen uns und schlafen besser. Der Wald wirkt entschleunigend, die frische, kühle Luft stärkt und vitalisiert.“

    Gibt es Alternativen zum Waldbaden?

    Doch was tun, wenn kein Wald in der Nähe ist? Schließlich haben vor allem Menschen in urbanen Räumen das Problem, dass in nächster Nähe kein Wald vorhanden ist. Doch keine Sorge, auf die Jungbrunnenwirkung der Natur muss trotzdem nicht verzichtet werden.

    Auch schon eine kurze Zeit in einer begrünten Parkanlage oder am Ufer eines Sees wirken entschleunigend. Denn wie unsere Mütter schon früher immer sagten: „Ein bisschen frische Luft würde dir schon guttun.“ Und diese Regel hat auch heute noch Bestand.

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