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Wasser & Luft

Wie kommt es zu hohen Ozonwerten und wie sollte ich mich dann verhalten?

Veröffentlicht am:05.07.2023

8 Minuten Lesedauer

Aktualisiert am: 04.08.2023

Wenn es wärmer und sonniger wird, steigen auch die Ozonwerte. Hohe Ozonwerte in der Luft stellen ein Gesundheitsrisiko dar, insbesondere für ältere Menschen, Babys und Kleinkinder, chronisch Kranke und Menschen, die im Freien körperlich aktiv sind.

Junge Frau hustet in die Hand.

© iStock / Pheelings Media

Was ist Ozon?

Viele Radiosender oder auch der Deutsche Wetterdienst informieren neben der Wettervorhersage auch über die aktuellen Ozonwerte. Diese Werte geben die Konzentration von bodennahem Ozon in der Luft an. Werden hohe Ozonwerte erwartet, wird in der Regel folgender Hinweis gegeben: „Gesundheitlich empfindliche Personen sollten auf anstrengende Tätigkeiten im Freien verzichten.“ Warum wird vor Ozon gewarnt?

Ozon ist ein Molekül, also eine chemische Verbindung aus zusammenhängenden Atomen. Beim Ozon sind das drei Sauerstoffatome (O₃). Der Sauerstoff, den wir zum Atmen brauchen, besteht aus zwei Sauerstoffatomen (O₂). So überlebenswichtig Sauerstoff ist: das dreiatomige Ozon ist ein Reizgas, das die Gesundheit schädigen kann. Allerdings ist Ozon nur in Bodennähe schädlich. In der Stratosphäre – dem Teil der Erdatmosphäre in ungefähr 10 bis 50 Kilometer Höhe – umschließt eine Ozonschicht die Erdkugel und schützt sie vor dem Eindringen von zu viel schädlicher ultravioletter Strahlung der Sonne.

Ozonloch einfach erklärt

In den 1980er Jahren entdeckten Forschende, dass über den Erdpolen die Ozonschicht in der Stratosphäre immer dünner wurde und dadurch mehr UV-Strahlung auf die Erdoberfläche traf. Mit dieser Entdeckung wurde der Begriff Ozonloch geprägt. Es stellte sich heraus, dass vor allem Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) aus Spraydosen und Kühlmitteln für die Zerstörung der Ozonschicht verantwortlich waren. Die FCKW reicherten sich in der Stratosphäre an und führten dort zum Abbau der Ozonmoleküle. 1989 trat das Montreal-Protokoll zum Schutz der Ozonschicht in Kraft. In der Folge wurden weltweit FCKW durch andere Stoffe ersetzt und die Ozonschicht an den Polen regeneriert sich langsam wieder.

Wie entsteht Ozon am Boden?

Rund neunzig Prozent des gesamten Ozons der Erde befindet sich in der Stratosphäre, wo es natürlich – also unabhängig von menschlichen Umwelteinflüssen – vorkommt. Auch in Bodennähe gibt es einen Grundanteil natürlich vorhandenen Ozons. Hier entsteht allerdings zusätzliches von Menschen verursachtes Ozon durch Schadstoffe in der Luft.

Bei der Entstehung von Ozon laufen hochkomplexe photochemische Prozesse ab. Vereinfacht ausgedrückt entsteht bodennahes Ozon durch eine chemische Reaktion von Luftschadstoffen unter dem Einfluss von Sonnenlicht. Präziser: aus einer Reaktion von Stickstoffoxiden und sogenannten flüchtigen organischen Verbindungen. So heißen gasförmige Stoffe in der Luft, die organischen Ursprungs sind (also auf Kohlenstoff basieren). Zu dieser Reaktion kommt es vor allem bei intensiver Sonneneinstrahlung und hohen Lufttemperaturen – also typischerweise im Sommer.

Stickstoffoxide und flüchtige organische Verbindungen werden als Vorläuferstoffe des Ozons bezeichnet. Beide können aus natürlichen Quellen stammen, meist sind sie aber menschengemacht. Stickstoffoxide sind in den Abgasen von Gebäudeheizungen, Kraftwerken, Industrieanlagen oder Verbrennungsmotoren enthalten. Flüchtige organische Verbindungen können ebenfalls aus Motoren und Industrieanlagen stammen, sind aber auch in Produkten wie Klebstoff, Lack, Farbe, Baumaterial oder Reinigungsmitteln enthalten. Durch Verdunstung gelangen sie in die Luft.

  • Was sind hohe und was normale Ozonwerte?

    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, dass 100 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft (μg/m³) als Durchschnittswert über einen Zeitraum von acht Stunden an einem Tag nicht überschritten werden sollen. Deutsche Verordnungen sehen eine absolute Obergrenze von 120 μg/m³ als höchsten 8-Stunden-Mittelwert vor, der langfristig nirgendwo mehr überschritten werden soll. Ab einem 1-Stunden-Mittelwert von 180 μg/m³ wird die Bevölkerung über Medienkanäle über die Werte informiert und ab einem 1-Stunden-Mittelwert von 240 μg/m³ davor gewarnt.

  • Wann sind die Ozonwerte am höchsten?

    Von Mai bis August sind aufgrund der Abhängigkeit von Temperatur und Sonnenlicht die Werte am höchsten, insbesondere nach einer langanhaltenden Schönwetterperiode. Im Tagesverlauf sind die Ozonwerte nachmittags zwischen 14 und 17 Uhr am höchsten.

  • Wo werden die höchsten Werte gemessen

    Die höchsten Werte werden in der Regel am Stadtrand und in den umliegenden ländlichen Gebieten gemessen. Das liegt zum einen daran, dass Ozon durch bestimmte photochemische Prozesse dort wieder abgebaut wird, wo auch die Konzentration der Stickstoffoxide und flüchtig organischen Verbindungen am höchsten ist. Zum anderen können diese Vorläuferstoffe mit der Luft weit transportiert werden und andern Orts zu vermehrter Ozonbildung führen. Deshalb können hohe Ozonwerte noch mehrere Kilometer vom Ort der Emission der Vorläufersubstanzen entfernt gemessen werden.

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Sind Sommersmog und hohe Ozonwerte das Gleiche?

Als Smog bezeichnet man eine erhöhte Ansammlung von Schadstoffen in der untersten Schicht der Atmosphäre, der Troposphäre. Sommersmog unterscheidet sich jedoch vom „normalen“ Smog, der typischerweise im Winter auftritt. Beim Wintersmog sorgen schwacher Wind und eine Warmluftschicht über der bodennahen Kaltluft dafür, dass Schadstoffe aus fossiler Verbrennung nicht abziehen können und wie eine Glocke über dem betroffenen Gebiet liegen.

Bei der sommerlichen Luftverschmutzung handelt es sich um ein Schadstoffgemisch in der Luft, das aus einer Vielzahl von Vorläuferstoffen unter dem Einfluss von Sonnenlicht entsteht. Zu diesen Schadstoffen zählt Ozon, aber auch zum Beispiel Wasserstoffsuperoxid. In diesem Gemisch ist Ozon die Substanz, die in der höchsten Konzentration vorliegt und die stärkste und schädlichste Wirkung entfaltet. Sommersmog und hohe bodennahe Ozonwerte sind also nicht identisch, aber Sommersmog geht immer mit hohen Ozonwerten einher.

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Warum ist Ozon eine Gefahr für die Gesundheit?

Ozon ist ein giftiges Reizgas, weshalb hohe Ozonkonzentrationen in Bodennähe zu körperlichen Beschwerden führen können. Das Ausmaß hängt von der Länge des Aufenthalts in ozonbelasteter Luft, der Intensität der körperlichen Anstrengung und eventuellen Vorerkrankungen ab. Vorübergehende Beschwerden, die meist nach 48 Stunden wieder abklingen, können sein:

  • Augenreizungen mit Tränenfluss
  • Husten oder Halskratzen
  • Atembeschwerden oder Atemnot und eingeschränkte Lungenfunktion
  • eingeschränkte Leistungsfähigkeit

Beim Einatmen kann Ozon wegen seiner geringen Wasserlöslichkeit tief in die Lunge eindringen. Das ist besonders bei körperlicher Anstrengung der Fall, wenn viel und tief eingeatmet wird. Gelangen größere Mengen Ozon in die Lunge, kann es dort das Gewebe schädigen und Entzündungen verursachen. Fachleute gehen davon aus, dass dadurch langfristig Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Allergien begünstigt werden.

Da hohe Ozonwerte an heißen Tagen auftreten, kommen zum Ozon noch Hitzebelastungen hinzu, die unter anderem zu Kreislaufproblemen führen können. Durch Hitze und Ozon ausgelöste Beschwerden können sich gegenseitig verstärken.

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Wer ist besonders gefährdet und wie kann man sich schützen?

Rund 10 bis 15 Prozent der deutschen Bevölkerung reagieren empfindlich auf Ozon – unabhängig von Alter oder Geschlecht. Menschen, die sich für ihre Arbeit lange bei hohen Ozonwerten im Freien aufhalten müssen, sind besonders gefährdet – vor allem bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten. Das gleiche gilt für Menschen, die bereits unter chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma oder COPD leiden. Babys und Kleinkinder sollten besonders geschützt werden. Sie haben ein im Verhältnis zur Körpergröße großes Atemvolumen und nehmen deshalb beim Atmen relativ gesehen mehr Ozon auf.

Die Ozonkonzentration steigt mit den Temperaturen im Verlauf des Tages. Um möglichen Beschwerden durch Ozon vorzubeugen, sollten Sie, wenn erhöhte Werte gemeldet werden:

  • körperliche Anstrengungen wie Sport morgens ausüben
  • vor allem morgens lüften
  • sich nach Möglichkeit mittags und nachmittags wenig draußen aufhalten

Über Ozonwerte und andere Luftbelastungen informiert zum Beispiel das Umweltbundesamt.

Junge Sportlerin leidet unter Kreislaufproblemen an einem heißen Sommertag.

© iStock / Love portrait and love the world

Hitzebeschwerden und ozonbedingte Gesundheitsprobleme können sich gegenseitig verstärken.

Wie beeinflusst der Klimawandel die Ozonwerte?

Das Positive vorweg: Wegen emissionsärmerer Brennstoffe, effizienterer Antriebe oder Abgasfiltertechnik ist der Ausstoß des Vorläuferstoffes Stickstoffoxid seit 1990 in Deutschland zurückgegangen. Seitdem haben auch die sehr hohen Ozonwerte deutlich abgenommen. Der positiven Entwicklung beim Stickstoffoxid wirkt allerdings der Klimawandel entgegen. Mehr Sonne und höhere Temperaturen bedeuten eben auch mehr Ozon – trotz weniger Vorläuferstoffe. Deshalb ist gleichzeitig die durchschnittliche Belastung im Jahresmittel gestiegen. Der 8-Stunden-Mittelwert von 120 μg/m³ wird in großen Teilen Deutschlands überschritten.

Es ist wahrscheinlich, dass es in Zukunft mit mehr Hitzetagen auch zu einer erhöhten Ozonbelastung im Sommer kommen wird. Außerdem kann sich die Zeitspanne, in der es zu hohen Ozonwerten kommt, verlängern, wenn es zum Beispiel bis in den Herbst hinein warm und sonnig bleibt – und auch im April sind schon hohe Ozonwerte gemessen worden. Mit den Temperaturen und Ozonwerten nehmen dann die Gesundheitsrisiken zu – sowohl durch Hitze als auch durch Ozon.

Und auch die Ozonschicht in der Stratosphäre ist offensichtlich vom Klimawandel betroffen. Sie erholt sich zwar an den Polen weiter, wird aber über den mittleren Breitengraden (in denen auch Deutschland liegt) und über den Tropen dünner. Eine mögliche Erklärung liegt in einer veränderten atmosphärischen Zirkulation durch den Treibhauseffekt, wodurch weniger Ozon gebildet wird. Außerdem könnten bestimmte kurzlebige Chemikalien eine Rolle spielen, die zum Großteil natürlich gebildet, aber auch industriell emittiert werden. Welche Folgen diese Entwicklung für das Ökosystem und die Menschen haben könnte, ist aber noch unklar.

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