Zum Hauptinhalt springen
AOK – Die Gesundheitskasse

Was tun gegen Parodontitis? Ursachen, Vorsorge und Behandlung

Eine Frau ist beim Zahnarzt und lacht.

© iStock / Geber86

Lesezeit: 5 Minuten09.05.2022

Parodontitis ist unter Erwachsenen so weit verbreitet, dass manche Experten sie als Volkskrankheit bezeichnen. Wie diese entzündliche Erkrankung im Mundraum verläuft, wie man sie behandeln kann und wie Sie ihr vorbeugen können, erfahren Sie hier.

Inhalte im Überblick

    Was ist Parodontitis?

    In der Umgangssprache wird Parodontitis häufig noch Parodontose genannt. Wenn ein medizinischer Fachbegriff für eine Erkrankung auf „-itis“ endet, handelt es sich um eine Entzündung. Bei der Parodontitis ist das Zahnbett betroffen. Als Zahnbett – man spricht auch vom Zahnhalteapparat oder Parodontium – wird das Gewebe bezeichnet, das den Zahn umgibt und dafür sorgt, dass er fest im Kieferknochen sitzt. Wenn der Zahnhalteapparat dauerhaft entzündet ist, können sich die Zähne lockern. Unbehandelt führt Parodontitis zu Zahnverlust.

    Die Parodontitis hat eine Vorstufe: die Zahnfleischentzündung oder Gingivitis. Bei vielen Menschen entzündet sich ab und an das Zahnfleisch, was meist keine Probleme bereitet. Denn oft ist eine Gingivitis harmlos und klingt von selbst wieder ab. Aber die Entzündung kann auch auf den gesamten Zahnhalteapparat übergreifen – und dann kommt es zur viel schwerwiegenderen Parodontitis. Deshalb sollte man schon der Zahnfleischentzündung vorbeugen.

    Parodontitis – Ursachen und Häufigkeit

    Auslöser für Parodontitis sind Bakterien, die in der sogenannten Plaque vorkommen. Das ist ein dünner, zunächst kaum sichtbarer Belag auf dem Zahn, der vor allem im Übergangsbereich zum Zahnfleisch entsteht. Plaque setzt sich aus Bakterien, Nahrungsresten und Bestandteilen des Speichels zusammen. Wird sie nicht vollständig entfernt, verhärtet sie und es bildet sich Zahnstein, der sich auch unter das Zahnfleisch schieben kann. Ablagerungen unterhalb des Zahnfleischrandes nennt man Konkremente.

    Bakterien im Mund sind an sich nichts Schlimmes: Ein Milliliter Speichel enthält rund 60 Millionen Bakterien und viele erfüllen sinnvolle Aufgaben. Gesundes Zahnfleisch sitzt fest am Zahn und verhindert das Eindringen der Bakterien. Vor allem über die Ablagerungen unterhalb des Zahnfleischrandes kann es ihnen aber gelingen, auf den Zahnhalteapparat und die Knochen überzusiedeln und in den Blutkreislauf zu gelangen. Dann kommt es zu einer Abwehrreaktion des Körpers: einer Entzündung. Um die Bakterien zu besiegen, nimmt der Körper gewissermaßen auch Opfer in Kauf: Infizierte Knochen- und Gewebeteile werden abgestoßen – am Ende steht im schlimmsten Fall der Zahnverlust.

    Ausmaß und Fortschritt der Parodontitis hängen immer mit Plaque und Zahnstein zusammen. Aber es gibt begünstigende Faktoren:

    Wie häufig ist Parodontitis und ab wann tritt sie auf?

    Zu einer Entzündung des Zahnhalteapparats kommt es meist erst nach dem 30. Lebensjahr. Parodontitis ist eine der häufigsten Entzündungserkrankungen. Eine internationale Studie weist sie als weltweit sechsthäufigste Erkrankung aus. In Deutschland ist unter den 35- bis 44-Jährigen rund die Hälfte betroffen, unter den 65- bis 74-Jährigen sind es rund 65 Prozent und bei den über 74-Jährigen 90 Prozent.

    Symptome und Diagnose bei einer Entzündung des Zahnhalteapparates

    Zunächst verursacht Parodontitis wenig spürbare Beschwerden. Da die ersten Parodontitis-Symptome nicht eindeutig sind, kann zu einem frühen Zeitpunkt der Erkrankung nur der Zahnarzt eine zuverlässige Diagnose stellen. Mögliche Frühsymptome, die sich weitgehend mit der Zahnfleischentzündung decken, sind:

    • geschwollenes und/oder gerötetes Zahnfleisch
    • Zahnfleischbluten
    • Schmerzen beim Essen
    • Mundgeruch

    Erst bei fortgeschrittener Entzündung bildet sich das Zahnfleisch sichtbar zurück und löst sich vom Zahn. Dadurch entstehen Zahnfleischtaschen, in denen sich der Zahnbelag weiter ausbreitet. Der Zahnhalteapparat entzündet sich mehr und mehr, wird schrittweise abgebaut und schließlich lockert sich der Zahn.

    Zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen sind die beste Möglichkeit, Parodontitis frühzeitig zu erkennen. Gesetzlich Krankenversicherte haben zweimal im Jahr darauf Anspruch. Außerdem können sie alle zwei Jahre eine besondere Parodontitis-Untersuchung durchführen lassen, den Parodontalen Screening Index (PSI).

    Wie kann ich vorbeugen?

    Gute Mundhygiene und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen sind das A und O, um Parodontitis so gut wie möglich entgegenzuwirken. Entscheidend ist, Zahnbeläge und Zahnstein möglichst früh zu beseitigen, um die Bakterienentwicklung einzudämmen. Weiche Beläge können Sie durch gründliches Zähneputzen selbst entfernen. Weil die Zahnbürste nur schwer in die Zahnzwischenräume gelangt, empfiehlt sich die zusätzliche Verwendung von Interdentalbürsten, Zahnseide oder Mundspülungen. Ihr Zahnarzt empfiehlt Ihnen gerne die für Sie geeigneten Hilfsmittel und zeigt die richtige Putztechnik.

    Ein Zahnarzt zeigt einer Frau, wie sie Zahnseide richtig andwendet, um Parodontitis vorzubeugen.
    Lassen Sie sich von Ihrem Zahnarzt beraten und zeigen, wie man Zahnseide richtig anwendet, um eine Parodontitis vorzubeugen.

    © iStock / PJPhoto69

    Wenn Sie Kronen oder Füllungen haben, können Ränder überstehen, an denen sich bevorzugt Belag bildet. Der Zahnarzt wird diese Ränder bei Bedarf korrigieren. Auch Zahnstein und Konkremente lassen sich nur in der Arztpraxis entfernen, am besten bei einer professionellen Zahnreinigung (PZR), deren Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen zwar nicht vollständig übernommen, von den meisten aber bezuschusst werden. Bei einer PZR werden Zahnbeläge mit unterschiedlichen Maßnahmen entfernt und die Zahnzwischenräume gereinigt.

    Parodontitis-Behandlung

    Bei der Entzündung des Zahnhalteapparats gilt: Je eher erkannt, desto leichter lässt sie sich behandeln. Im Anfangsstadium können mehrere PZR ausreichen. Danach beurteilt der Zahnarzt den Behandlungserfolg, indem er die Tiefe der Zahnfleischtaschen misst. Wenn diese Behandlung nicht erfolgreich war, müssen die Oberflächen der Zahnwurzeln und die Zahnfleischtaschen gereinigt werden. Dabei werden unter lokaler Narkose verbliebene Konkremente entfernt und oberflächlich gelegene Entzündungen ausgeschält. Nur bei sehr schweren Fällen sind später noch operative Eingriffe nötig, bei denen zum Beispiel Knochenersatzmaterialien implantiert werden.

    Nach der Behandlung, egal wie schwerwiegend sie war, ist gute Mundhygiene erst recht wichtig, um die Parodontitis einzudämmen. Ihr Zahnarzt wird Sie dazu anleiten. Außerdem haben Sie als gesetzlich Versicherter im Anschluss an die Behandlung mindestens zwei Jahre lang Anspruch auf ein spezielles zahnmedizinisches Nachsorgeprogramm.

    War dieser Artikel hilfreich?

    Eine Frau sucht im Supermarkt nach einem Waschmittel, das keine Allergie auslöst.
    Allergien

    Eine Ärztin nimmt einer Person Blut ab. Die Person ist nüchtern zum Arzt gegangen.
    Verdauungssystem
    Eine Frau mit Diabetes und Depressionen treibt Sport und dehnt sich die Arme.
    Stoffwechsel
    Eine Frau sucht im Supermarkt nach einem Waschmittel, das keine Allergie auslöst.
    Haut & Allergie