Psychologie
Resilienz im Alter: Was macht Senioren und Seniorinnen stark?
Veröffentlicht am:06.02.2026
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Älterwerden bedeutet nicht zwangsläufig, in jeder Hinsicht schwächer zu werden. Viele ältere Menschen besitzen eine gute psychische Widerstandskraft. Woher kommt diese Stärke – und haben alle im Alter die gleichen Chancen, resilient zu bleiben?

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Wächst die Resilienz im Alter?
Wenn man ans Altern denkt, steht oft der körperliche und geistige Abbau im Vordergrund. Doch wie sieht es eigentlich mit der Psyche aus? Eine aktuelle Analyse von 21 internationalen Studien zeigt: Es gibt einen positiven Zusammenhang zwischen Resilienz und gesundem Altern. Die Forschenden untersuchten Menschen ab 60 Jahren und fanden heraus, dass mentale Widerstandskraft wie ein Schutzschild gegen psychische und körperliche Belastungen wirkt. Dieser Effekt zeigte sich unabhängig davon, wo die Menschen lebten. Egal ob in Asien, Europa oder Amerika, überall war der Zusammenhang nachweisbar. Zudem spielte es keine Rolle, ob die älteren Menschen in Altersheimen wohnten oder nicht. Doch was genau ist es, das Menschen im Alter resilient macht? Eine kleine Studie mit 87 Hochbetagten im Alter zwischen 95 und 107 Jahren gibt einen Einblick, wie die Probanden und Probandinnen mit Schwierigkeiten umgehen. Das Durchschnittsalter lag dabei bei 99 Jahren.
Wie gehen um die Hundertjährige mit Problemen um?
Die Forschenden fanden zwei deutlich unterschiedliche Gruppen: Eine Gruppe von 56 Personen mit hoher Bewältigungskompetenz und eine mit niedriger (31 Personen). Beide Gruppen setzten vor allem auf Akzeptanz und Emotionskontrolle als Bewältigungsstrategien. Doch die Hochbetagten mit hoher Bewältigungskompetenz nutzte zusätzlich noch aktive Problemlösung und vorbeugende Strategien. Diese widerstandsfähigeren Personen zeigten zudem bestimmte psychologische Stärken. Sie waren extrovertierter, offener, gewissenhafter und verfügten über eine höhere Selbstwirksamkeit, also das Gefühl, Dinge beeinflussen zu können. Gleichzeitig zeigten sie geringere Ausprägungen von Neurotizismus.
Ein wichtiger Punkt: Die beiden Gruppen unterschieden sich nicht in ihrer körperlichen oder geistigen Gesundheit. Es waren also nicht die Fitteren, die besser mit Problemen umgingen. Vielmehr machten psychologische Eigenschaften und innere Überzeugungen den Unterschied. Gleichzeitig berichtete die Gruppe mit hoher Bewältigungskompetenz über eine größere Zufriedenheit mit ihrem Leben. Das legt nahe: Insbesondere die Kombination unterschiedlicher Bewältigungsstrategien, wie Akzeptanz und auch aktives Handeln, trägt dazu bei, auch im sehr hohen Alter Belastungen besser bewältigen zu können.
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Die Schweizer Studie zeigt zudem: Menschen mit vielfältigen sozialen Beziehungen sind zufriedener mit ihrem Leben. Allerdings darf man nicht vergessen, dass nicht alle älteren Menschen die gleichen Voraussetzungen haben. Bildung, soziale Netzwerke und finanzielle Ressourcen beeinflussen, welche Möglichkeiten älteren Menschen zur Förderung von Resilienz und Lebenszufriedenheit zur Verfügung stehen.
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