Psychologie

Lebenskrise: Vier Menschen erzählen, was ihnen Kraft gab

Veröffentlicht am:18.02.2026

5 Minuten Lesedauer

Viele Menschen erleben mindestens einmal im Leben eine tiefe Krise. Wie geht man mit solchen belastenden Ereignissen um und wie kann man neue Kraft schöpfen? Vier Betroffene erzählen, wie sie diese Herausforderung gemeistert haben.

Eine etwa 60-jährige Frau hält ein etwa 9-jähriges Mädchen im Arm. Beide sitzen nebeneinander auf Steinen am Meer und schauen zur Seite.

© iStock / AleksandarNakic / KI-bearbeitet

Wie findet man nach einem Schicksalsschlag zurück ins Leben?

Krankheit, Trennung, Tod oder Mobbing: Manche Menschen müssen in ihrem Leben einiges ertragen. Solche Schicksalsschläge treffen sie meist völlig unvorbereitet. Wie meistert man Lebenskrisen und blickt wieder positiv in die Zukunft? Vier Menschen erzählen, wie sie es durch schwere Zeiten geschafft haben – und was ihnen auf ihrem Weg Kraft gab.

Saskia Pasing: Wie wichtig sind Akzeptanz und Offenheit?

Offen mit der Krankheit umgehen und sie akzeptieren – das waren die entscheidenden Schritte für Saskia Pasing. Die 32-Jährige ist Art-Direktorin und lebt in Euskirchen. Mit 16 Jahren erkrankte sie an Morbus Crohn – einem chronischen Darmleiden, das ihren Dickdarm fast ganz zerstörte.

Saskia Pasing wurde über 20 Mal operiert und bekam schließlich einen künstlichen Darmausgang. Ihre Ausscheidungen wurden damals in einem externen Beutel aufgefangen, der manchmal verstopfte und überlief. In dieser belastenden Zeit zog sie sich oft zu Hause zurück.

„Aber mit den Jahren holte ich mir mein Leben zurück“, sagt sie. Saskia Pasing erhielt einen Kock-Pouch – einen neuen künstlichen Darmausgang ohne Beutel, der ihr eine viel bessere Kontrolle ermöglichte. „Ich habe jedoch auch gelernt, offen mit der Krankheit umzugehen. Am Arbeitsplatz und in meinem Freundeskreis wissen alle Bescheid.“ Das sorgt für mehr Verständnis, wenn es ihr nicht so gut geht.

„Ich bin viel mehr als meine Behinderung. Sie ist nur ein Teil von mir.“

Porträt von Art-Direktorin Saskia Pasing

Saskia Pasing
Art-Direktorin aus Euskirchen

© privat

Bei der Akzeptanz geholfen hat ihr auch ein Fotoshooting, zu dem sie ihre Zwillingsschwester begleitet hat. „Der Fotograf nahm spontan auch mich auf. Als ich die Fotos sah, fand ich sie sehr schön und verstand plötzlich: Ich bin viel mehr als meine Behinderung. Sie ist nur ein Teil von mir.“

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Dana Heidrich: Warum braucht es Mut?

In Dana Heidrichs Leben lief eigentlich alles super. Sie gab mit ihrem Mann ein tolles Team ab, und der gemeinsame Cateringservice war erfolgreich. „Doch dann erhielt mein Mann die Diagnose Nasenrachenkrebs. Als Steffen starb, brach alles zusammen.

„Diese Abwärtsspirale kannst du nur allein stoppen.“

Porträt von Trauerbegleiterin Dana Heidrich

Dana Heidrich
Trauerbegleiterin und Kochbuchautorin

© privat

Dana Heidrich musste den Betrieb aufgeben, suchte sich einen Job und grub sich abends zu Hause ein. „Mit Fertigpizza und Wein, monatelang. So habe ich die ersten Monate überstanden“, sagt die 48-Jährige. „Irgendwann spürte ich, dass sich etwas ändern muss. Ich begriff: Diese Abwärtsspirale kannst du nur allein stoppen.“

Daraufhin begann Dana Heidrich eine Therapie, rief alte Freunde an und half sich mit „simplen Tricks“. So trug sie zum Beispiel ein Haargummi am Handgelenk, an dem sie zupfte, sobald das Gedankenkarussell einsetzte. Um aus dem Grübeln herauszukommen, fragte sie sich immer selbst: „Hilft dir das? Bringt das Steffen zurück? Nein? Also: Gedankenstopp und aktiv werden!“ Dann trieb Dana Heidrich zum Beispiel Sport oder kochte. Ihr größter Stolz: „Ich hatte den Mut, nach Zypern auszuwandern, schreibe Kochbücher und arbeite jetzt als Trauerbegleiterin. Das macht mich glücklich.“

Jan Müller: Was macht Achtsamkeit so wichtig?

Als seine Tochter Amina auf die Welt kam, war Jan Müller erst 20 Jahre alt. Nach der Trennung von Aminas Mutter erhielt er das alleinige Sorgerecht. „Das war eine große Herausforderung: weiterstudieren, Geld verdienen und gleichzeitig für Amina da sein“, sagt der heute 35-Jährige.

Denn seine Tochter hat einen seltenen Gendefekt und braucht ständig Unterstützung. „Ohne die Hilfe ihrer Großeltern, die sie mit großgezogen haben, hätte ich das nie geschafft.“ Anfangs wollte er alles perfekt machen, jede Minute mit Amina verbringen und sie bestmöglich fördern.

„Ein guter Vater kann ich nur sein, wenn ich auch auf mich selbst achte.“

Porträt von Model Jan Müller

Jan Müller
Model

© privat

Jan Müller musste jedoch lernen: „Ein guter Vater kann ich nur sein, wenn ich auch auf mich selbst achte.“ Also begann er wieder mit dem Sport und widmete sich einer seiner Leidenschaften, der Philosophie. Vor fünf Jahren erfüllte er sich einen Traum: Jan Müller reiste eine Zeit lang allein im Van durch die Welt, während Amina bei ihren Großeltern blieb. „Das hat meine Kraftreserven wieder aufgefüllt.“

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Norman René Wolf: Welche Rolle spielen Angehörige?

Mut machen, zuhören und einfach nur da sein: Damit hat der Großvater Norman René Wolf gestärkt. Der 32-Jährige lebt als Buchautor in Frankfurt. In der Schule wurde er ab der fünften Klasse gemobbt. „Zu Hause habe ich aber nichts erzählt – die Scham war zu groß“, erzählt Norman René Wolf. „Ich wollte sie nicht belasten.“ Zum Glück wohnte sein Großvater mit im Haus und merkte, dass mit seinem Enkel etwas nicht stimmte. 

„Keine Fragen – einfach nur zuhören und da sein. Das war genau das Richtige.“

Porträt von Buchautor Norman René Wolf

Norman René Wolf
Buchautor

© privat

„Wenn mein Opa nicht gewesen wäre, hätte ich die schlimmste Zeit in meinem Leben vielleicht nicht überstanden“, sagt Norman René Wolf. Als er fragte: „Was ist los, Norman?“, fing er an zu weinen. „Er hat mir die ganze Zeit den Kopf gestreichelt und mich weinen lassen. Keine Fragen – einfach nur zuhören und da sein. Das war genau das Richtige.“

Besser wurde die Situation für Norman René Wolf jedoch erst, als sein Mobber die Schule verließ. Bis dahin wusste er jedoch, dass sein Opa für ihn da ist. „Das hat mich unheimlich gestärkt“, sagt er rückblickend.

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