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Wie giftig ist Mikroplastik in (schwarzen) Küchenutensilien?
Veröffentlicht am:16.02.2026
4 Minuten Lesedauer
Pfannenwender, Schneidebretter, Aufbewahrungsbehälter –Küchenutensilien bestehen oft aus Kunststoff, manche enthalten schädliche Flammschutzmittel. Welche Gefahr wirklich von schwarzen Küchenhelfern ausgeht.

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So gelangt Kunststoff von Küchenutensilien in den Körper
Sie sind leicht, erschwinglich und gut zu transportieren – Küchenutensilien und Geschirrteile aus Kunststoff haben einige Vorteile gegenüber denen aus traditionellen Materialien wie Edelstahl oder Keramik. Daher ist es kaum verwunderlich, dass viele Produkte aus Plastik bestehen. Beliebte Kunststoffe wie Polyethylen, Polypropylen, Polystyrol und Polyethylenterephthalat sind Ausgangsmaterialien für Schneidebretter, Pfannenwender, Essstäbchen, Kunststoffschüsseln und vieles mehr. Modellrechnungen zufolge könnte sich insgesamt der weltweite Kunststoffverbrauch von 2019 bis 2060 verdreifachen. Experten und Expertinnen sehen das kritisch – für die Umwelt und die Gesundheit. Beim Gebrauch von Küchenutensilien etwa können sich winzige Partikel lösen, beispielsweise wenn Schneidebretter häufig genutzt werden. Mit der Zeit zersetzt sich der Kunststoff oder baut sich durch Abrieb oder Umwelteinflüsse wie Hitze nach und nach ab. Die meist mit dem Auge nicht sichtbaren Plastikpartikel können dann in die Lebensmittel übergehen und beim Essen oder Trinken in den Körper gelangen.
Welche Folgen hat Mikroplastik aus Plastik-Schneidebrettern und Co.?
Bei Kunststoffpartikeln, die kleiner als fünf Millimeter sind, handelt es sich definitionsgemäß um Mikroplastik. Vor allem über die Nahrung, Wasser und Luft nehmen Menschen Mikroplastik auf. Laut Schätzungen finden täglich etwa 883 Mikroplastikpartikel den Weg in den Körper eines Erwachsenen, bei Kindern sind es bis zu 553 Kunststoffteilchen. Forschende haben Mikroplastik in Blut, Darmgewebe, Speichel, Muttermilch, Fäkalien und anderen biologischen Proben festgestellt. Welche Auswirkungen Mikroplastik auf den Körper hat, ist nicht abschließend geklärt. Studien zeigen zwar, dass die Kunststoffteilchen oxidativen Stress begünstigen, den Energiestoffwechsel stören und Entzündungsprozesse fördern können, doch die Ergebnisse beruhen beinahe ausschließlich auf Tierstudien. Ob und wie sich die Hinweise auf den Menschen übertragen lassen, ist derzeit unklar.
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Diese Küchenhelfer aus Kunststoff geben besonders viel Mikroplastik frei
Überall dort, wo thermische oder mechanische Kräfte auf Kunststoffartikel in der Küche einwirken, ist Mikroplastik ein besonderes Thema. Das gilt beispielsweise bei Schneidebrettern aus Kunststoff und Antihaftpfannen. Zerkratzen Kochende die Oberfläche versehentlich, etwa mit einem Messer oder einem Bratenwender aus Metall, lösen sich Kunststoffpartikel. Plastikbehälter wie Brotdosen oder Rührschüsseln altern sowohl bei hohen als auch bei niedrigen Temperaturen schneller – etwa beim Erhitzen in der Mikrowelle setzen Behälter Mikroplastik frei. Spülschwämme, auch im trockenen Zustand und ohne Spülmittel, sind ebenfalls eine Mikroplastik-Quelle. Sie geben winzige Kunststoffteilchen ab, wenn sie an Geschirr gerieben werden. Selbst aus Mixern sowie Gewürzmühlen kann durch die verarbeiteten Kunststoffteile Plastik austreten und in Lebensmittel übergehen.

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Wie giftig sind schwarze Küchenutensilien wirklich?
Ein schwarzer Pfannenwender sieht elegant aus – aber ist er giftig? Das fragen sich viele Menschen, weil die Küchenhelfer das Flammschutzmittel Decabromdiphenylether (DecaBDE) enthalten können. Die Substanz ist schwer abbaubar und reichert sich in Lebewesen an. Auch wenn der Stoff durch die Verwendung von schwarzem Plastik nicht unmittelbar giftig ist, besteht der Verdacht auf langfristige Schäden, etwa für das Nervensystem. Deshalb sind innerhalb der Europäischen Union (EU) DecaBDE seit dem Jahr 2008 in Elektro- und Elektronikgeräten verboten. In recyceltem Kunststoff darf es weiterhin in festgelegten Grenzen enthalten sein. So kann das Flammschutzmittel noch immer in die Küche gelangen, auch durch Geräte aus dem nicht europäischen Ausland. Eine weitere Schadstoffquelle können importierte Recyclingmaterialien sein, die zu Kochlöffeln, Pfannenwendern oder Grillzangen aus Kunststoff verarbeitet werden. Ob ein Küchenutensil das Flammenschutzmittel enthält, ist für Verbraucher und Verbraucherinnen nicht ersichtlich. Am besten tauschen Sie Ihre schwarzen Kunststoffhelfer gegen umweltfreundliche Alternativen aus.
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Angesichts der Studienlage gilt: Sie müssen nicht gleich alle Gegenstände aus Plastik aus Ihrer Küche verbannen. Wenn Sie jedoch mit weniger Kunststoff in der Küche ein besseres Gefühl haben, helfen Ihnen diese Tipps:
- Wählen Sie Alternativen: Noch gibt es viele Wissenslücken zu den Auswirkungen von Mikroplastik auf die Gesundheit. Einige Forschende sowie Experten und Expertinnen raten daher zu traditionellen Materialien. Ein Pfannenwender aus Holz ist vermutlich weniger bedenklich als einer aus Kunststoff.
- Behalten Sie die Oberfläche im Auge: Da die Molekülketten der Kunststoffartikel mit der Zeit auseinanderfallen, werden die Produkte spröde und anfälliger für Beschädigungen – das begünstigt die Abgabe von Mikroplastik. Ersetzen Sie daher Pfannen mit einer sich ablösenden Beschichtung und andere Küchenutensilien aus Plastik, wenn sie abgenutzt sind.
- Verlängern Sie die Lebensdauer der Küchenhelfer: Vermeiden Sie das Schaben und Schneiden mit metallischen Küchenutensilien in kunststoffbeschichteten Pfannen.
- Nutzen Sie geeignete Materialien für die Mikrowelle: Gefäße aus Glas, Keramik oder Porzellan sind besonders gut als Mikrowellengeschirr geeignet. Achten Sie darauf, dass die Gefäße keine Risse aufweisen, da sie ansonsten unter Hitzeweinfluss platzen können. Wenn Sie Gefäße aus Plastik verwenden möchten, prüfen Sie, ob diese als geeignet für Mikrowellen gekennzeichnet sind. Dies ist häufig mit drei Wellenlinien angegeben. Solches Plastikgeschirr besteht in der Regel aus Polypropylen. Andere Plastikarten können in der Mikrowelle schmelzen.
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