Immunsystem
Rotaviren: Symptome, Infektionswege, Impfung
Veröffentlicht am:11.03.2026
6 Minuten Lesedauer
Rotaviren sind die häufigste Ursache für virale Darminfektionen bei Kindern. Für Babys kann die Infektion besonders gefährlich werden, denn sie haben noch keine Immunität gegen die Viren aufgebaut. Eine Impfung wird deshalb schon sehr früh empfohlen.

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Inhalte im Überblick
- Was sind Rotaviren und was lösen sie aus?
- Wie steckt man sich mit Rotaviren an?
- Welche Symptome treten bei einer Rotavirusinfektion auf?
- Was hilft bei einer Infektion mit dem Rotavirus?
- Gibt es eine Impfung gegen Rotaviren?
- Wie sicher ist die Impfung gegen Rotaviren?
- Wie verläuft die Impfung gegen Rotaviren?
Was sind Rotaviren und was lösen sie aus?
Rotaviren können heftige Durchfälle und Erbrechen verursachen – und tun dies ausgesprochen häufig. Sie sind weltweit die häufigste Ursache viraler Darminfektionen bei Kindern. Die Infektion kann in jedem Lebensalter auftreten, Säuglinge und Kleinkinder bis zu zwei Jahren zeigen aber meist besonders intensive Symptome, weil sie noch keine Immunität gegen die Viren aufgebaut haben.
Die Viren sind sehr robust und können auf kontaminierten Händen und Oberflächen mehrere Tage überleben. Eine Ansteckung kann auch über Gegenstände wie Türklinken oder Spielsachen erfolgen. Daher ist es kaum möglich, den Kontakt mit Rotaviren zu vermeiden.
Wie steckt man sich mit Rotaviren an?
Rotaviren sind hochansteckend; Infizierte scheiden jede Menge Viren mit dem Stuhl aus (unabhängig von der Schwere der Symptome oder davon, ob überhaupt Symptome vorhanden sind) – und schon sehr wenige Viren genügen für eine Ansteckung. Diese passiert vor allem als sogenannte Kontaktinfektion: Die Viren werden durch kleinste Stuhlreste an den Händen weitergegeben und gelangen von dort in den Mund.
Mit den winzigen Viren kommen wir alle schon in den ersten Lebensjahren in Kontakt: Bis zum Alter von fünf Jahren haben fast alle Kinder eine Rotavirusinfektion durchgemacht. Durch den wiederholten Kontakt lernt unser Immunsystem den Erreger kennen und kann ihn schneller bekämpfen; spätere Infektionen verlaufen deshalb in der Regel weniger schwer.
Die Erkrankung hat in Deutschland Anfang des Jahres ihren Höhepunkt: Am häufigsten sind Infektionen in den Monaten Februar bis April, denn die Erreger breiten sich in der warmen, trockenen Luft der geheizten Wohnungen besonders gut aus.
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Welche Symptome treten bei einer Rotavirusinfektion auf?
Manche Infizierte bemerken gar nichts von den Viren in ihrem Magen-Darm-Trakt. Andere leiden unter wässrigen Durchfällen und Erbrechen, manchmal kommen Fieber und Bauchschmerzen dazu. Ob die Gastroenteritis, oft auch als Magen-Darm-Grippe bezeichnet, durch Rotaviren oder andere Erreger hervorgerufen wurden, lässt sich anhand der Symptome nicht unterscheiden. Rotavirus-Infektionen verlaufen bei Kleinkindern allerdings oft schwerer als andere Durchfallerkrankungen.
Die Magen-Darm-Beschwerden halten im Schnitt zwei bis sechs Tage an. Mehr als die Hälfte der Patientinnen und Patienten hat auch unspezifische Symptome der Atemwege.
Gefährlich wird es, wenn Durchfall und Erbrechen zu einem ausgeprägten Flüssigkeitsverlust führen. Dann sollten Sie einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen – besonders mit einem erkrankten Kind, auf jeden Fall mit einem erkrankten Säugling. Denn häufig ist eine Behandlung im Krankenhaus notwendig, um den Flüssigkeitsverlust über Infusionen auszugleichen.
Eine Dehydratation (Austrocknung) erkennen Sie an dunklem Urin, wenn weniger als drei bis vier nasse Windeln pro Tag auffallen, trockenem Mund und trockenen Lippen sowie fehlenden Tränen beim Weinen bzw. in ausgeprägtem Fall auch einer Lethargie. Bei Babys ist außerdem eine eingesunkene Fontanelle ein Warnsignal.
Was hilft bei einer Infektion mit dem Rotavirus?
Sind Durchfall und Erbrechen nach einer Infektion mit dem Rotavirus erst einmal da, ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr die wichtigste Maßnahme: durch Trinken oder, falls das nicht hinreichend möglich ist (etwa weil das Kind nicht trinkt oder Getrunkenes wieder erbricht), im Krankenhaus mit Infusionen. Gegen die Viren selbst gibt es keine Medikamente.
Eine Dehydratation (Austrocknung) muss unbedingt ärztlich behandelt werden. Unbehandelt kann die Dehydratation zum Tod führen, was in Deutschland allerdings nur sehr selten passiert. In Entwicklungsländern tragen Rotavirusinfektionen jedoch maßgeblich zur Kindersterblichkeit bei; Schätzungen zufolge sterben in Afrika, Asien und Lateinamerika jährlich etwa 350.000 bis 600.000 Kinder unter fünf Jahren an einer Rotavirusinfektion.
Rotaviren: winzige Räder
Rotaviren bestehen aus mehreren Proteinschichten, in denen ihr Erbgut verpackt ist. Unter dem Elektronenmikroskop sehen sie aus wie ein Rad mit Speichen. Das hat ihnen den Namen „Rota“ eingebracht – das lateinische Word für „Rad“. Ungefähr 70 Nanometer ist so ein Rad groß, also 70 Millionstel Millimeter.
Gibt es eine Impfung gegen Rotaviren?
Seit 2006 existieren Impfstoffe gegen Rotaviren. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut, die die offiziellen Impfempfehlungen für Deutschland herausgibt, empfiehlt seit 2013 die Impfung für alle Säuglinge unter sechs Monaten. Am besten sollte die erste Impfung (von zwei oder drei notwendigen Dosen – je nach Präparat) im Alter von sechs bis zwölf Wochen verabreicht werden, damit die Kinder auch in den ersten Lebensmonaten geschützt sind.
Es handelt sich um eine Schluckimpfung, bei der abgeschwächte Rotaviren geschluckt werden, die selbst die Erkrankung nicht auslösen, aber eine entsprechende Immunreaktion hervorrufen. Geimpfte Kinder können sich zwar weiterhin mit Rotaviren infizieren, die Krankheit verläuft dann aber in der Regel milder; schwere Krankheitsverläufe und stationäre Behandlungen sind bei Geimpften sehr viel seltener.
Wie lange der Schutz durch die Impfung anhält, weiß man nicht genau. Fachleute vermuten, dass die Immunität ähnlich wie nach einer Erkrankung im Lauf der Zeit nachlässt. In Studien zeigte sich ein guter Schutz für zwei bis drei Jahre – also in der Zeit, in der die Kleinstkinder am gefährdetsten sind, einen schweren Krankheitsverlauf zu erleiden.
Wie sicher ist die Impfung gegen Rotaviren?
Die beiden zugelassenen Impfstoffe gegen Rotaviren haben in den Zulassungsstudien insgesamt ein gutes Sicherheitsprofil gezeigt. Allerdings steigt die Wahrscheinlichkeit einer Darminvagination durch die Impfung geringfügig. Bei einer Invagination stülpt sich ein Darmabschnitt wie ein Teleskop in einen anderen. Sie kann zu einem Darmverschluss (Ileus) führen – eine lebensgefährliche Komplikation.
Darminvaginationen gibt es im Säuglingsalter auch ohne eine Impfung. Nach den bislang vorliegenden Daten treten in der ersten Woche nach der ersten Impfdosis eine bis zwei zusätzliche Darminvaginationen pro 100.000 geimpfte Kinder auf. Je jünger das Kind, desto geringer das Risiko für eine Darminvagination; auch deshalb empfiehlt die STIKO, die Impfserie frühzeitig zu beginnen und abzuschließen.
Kinder, bei denen in der Woche nach der ersten Schluckimpfung gegen Rotaviren Symptome wie starke Bauchschmerzen, anhaltendes Erbrechen oder blutiger Stuhlgang auftreten, sollten umgehend einer Ärztin oder einem Arzt vorgestellt werden. Säuglinge, die bereits eine Darminvagination hatten, sollten keine Impfung gegen Rotaviren erhalten.

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Wie verläuft die Impfung gegen Rotaviren?
Zwei verschiedene Impfstoffe gegen Rotaviren sind in Deutschland zugelassen: Rotarix® und RotaTeq®. Geimpft wird je nach Impfstoff zweimal (Rotarix®) oder dreimal (RotaTeq®) im Abstand von mindestens vier Wochen. Das kann gleichzeitig mit anderen Impfungen passieren; Studien zeigen, dass die Rotavirenimpfung dann genauso wirksam und sicher ist.
Auch Frühgeborene sollten geimpft werden, denn sie haben ein besonders hohes Risiko, wegen einer Erkrankung ins Krankenhaus zu müssen. Kinder, die nach der 25. (RotaTeq®) beziehungsweise 27. Schwangerschaftswoche (Rotarix®) zur Welt gekommen sind, sollen dieselbe Dosis erhalten wie reifgeborene Babys – ebenfalls ab sechs Wochen nach der Geburt.
Hat das Kind vor der Impfserie bereits eine Infektion mit Rotaviren durchgemacht, sollte es trotzdem geimpft werden, denn der Erstinfekt bietet nur einen teilweisen Schutz vor den Viren. Nur wenn das Kind gerade akut an Durchfall oder Erbrechen leidet oder eine andere schwere Erkrankung mit Fieber hat, sollte die Impfung verschoben werden. Bei leichten Infekten kann die Impfung wie geplant erfolgen.
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