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Gesundheitsmagazin

Immunsystem

Antibiotika mit Bedacht einsetzen

Veröffentlicht am:02.06.2022

3 Minuten Lesedauer

Im Jahr 1928 entdeckte Alexander Fleming das erste Antibiotikum Penicillin. Damit legte er den Grundstein für die wirksame Bekämpfung von bakteriellen Infekten. Trotz ihrer guten Wirkung sollten Antibiotika jedoch mit Bedacht eingesetzt werden.

Eine Person hält orale Antibiotika in der Hand, die Packung liegt auf dem Tisch.

© iStock / Vasil Dimitrov

Inhalte im Überblick

    Was sind Antibiotika und wie wirken sie?

    Antibiotika sind eine Reihe von Medikamenten, die Bakterien entweder abtöten oder deren Vermehrung hemmen. Bestimmte Krankheiten, die durch Bakterien verursacht werden, können deshalb mit Antibiotika behandelt werden.

    Wenn Bakterien von außerhalb in den menschlichen Körper gelangen, kann ein gesundes Immunsystem diese oft sofort bekämpfen und abtöten. Selbst bei einer Infektion mit Symptomen schaffen es die weißen Blutkörperchen meist nach wenigen Tagen, die Infektion zu bewältigen.

    In manchen Fällen ist das Immunsystem jedoch entweder so schwach oder die Anzahl der eingedrungenen Bakterien so groß, dass eine Abwehr nicht funktioniert. Dann können die Bakterien sich kontinuierlich weiter vermehren und einen immer größeren Schaden im Organismus anrichten. Im schlimmsten Falle, etwa bei einer Lungenentzündung, kann dies sogar zum Tod führen. Antibiotika sind eine wichtige und häufig sogar die wichtigste Therapie bei schweren bakteriellen Infektionen.

    Es gibt verschiedene Arten von Antibiotika, die entweder einzeln oder in Kombination für die Behandlung bestimmter Bakterien verordnet werden. Welche Antibiotika sinnvoll sind, entscheidet in jedem Fall der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin. Sie sind in Deutschlands grundsätzlich verschreibungspflichtig.

    Helfen Antibiotika gegen Viren?

    Unter vielen Menschen besteht der Irrglaube, dass ein Antibiotikum auch bei grippalen Infekten, also Erkältungen, wirksam ist. Das ist jedoch nicht korrekt, da diese Krankheiten in der Regel durch Viren und nicht durch Bakterien verursacht werden und Antibiotika gegen Viren nicht wirken. Zwar kann eine Erkältung zusätzlich durch bakterielle Folgeinfektionen entstehen, doch kommt das Immunsystem auch damit in der Regel gut allein zurecht.

    Forschende des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration haben elf Studien untersucht, in denen ansonsten gesunde Menschen mit einer einfachen Erkältung Antibiotika zu sich genommen hatten. Die Schlussfolgerung war, dass die Behandlung mit Antibiotika bei Erkältungen keinen Nutzen bringt. Die Erkältungssymptome wurden durch die Einnahme nicht verbessert oder verkürzt. In zehn Prozent der Fälle führten sie durch die Entstehung von Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit und weiteren Magen-Darm-Beschwerden sogar zu einer Verschlechterung des Wohlbefindens. Weitere häufige Nebenwirkungen von Antibiotika sind Hautausschläge und bei Frauen Entzündungen der Scheide.

    Diese Forschungsergebnisse zeigen klar, dass Antibiotika bei Erkältungen nicht sinnvoll sind. Nur in sehr seltenen Fällen können sie bei Komplikationen durch bakterielle Folgeinfektionen einen Nutzen bringen.

    Eine Ärztin tastet den Hals einer Patienten ab und überlegt, ob es sinnvoll wäre, Antibiotika zu verschreiben.

    © iStock / LaylaBird

    In einigen Fällen müssen bakterielle Infektionen mit Antibiotika behandelt werden. Ihr behandelnder Arzt oder ihre behandelnde Ärztin wird Sie untersuchen und dazu aufklären.

    Antibiotika können zu einer Resistenz führen

    Auch wenn es sich um eine durch Bakterien bedingte Krankheit handelt, ist der Einsatz von Antibiotika nicht immer ratsam. Werden sie unnötig verschrieben, steigt das Risiko, dass Bakterien mit der Zeit eine Resistenz gegenüber dem Antibiotikum entwickeln. Diese entsteht durch Selektionsdruck und kleine Veränderungen im Erbgut der Bakterien, wodurch manche der Bakterien die Antibiotika-Therapie überleben können. Selektionsdruck bedeutet, dass nur die resistenten Bakterien sich vermehren und die anderen Bakterien absterben.

    Geschieht dies häufig, indem ohne Bedacht Antibiotika verschrieben werden, führt das einerseits dazu, dass die Wirkung bei den Betroffenen selbst nachlässt. Andererseits können die resistenten Keime sich weiter vermehren und sich beispielsweise in Krankenhäusern ausbreiten. Das hat zur Folge, dass Antibiotika schnell unwirksam werden und bei lebensbedrohlichen bakteriellen Infektionen nicht mehr helfen können. Es ist demnach wichtig und notwendig, dass Antibiotika nur dann eingesetzt werden, wenn sie erforderlich sind, etwa bei ernsten Lungen-, Hirnhaut-, Blasen- sowie eitrigen Mandel- und Hautentzündungen.

    Antibiotika-Einnahme: bitte genau nach Vorschrift

    Sollte es dazu kommen, dass ein Arzt oder eine Ärztin Ihnen Antibiotika verschreibt, ist es wichtig, diese korrekt einzunehmen. Informationen dazu erhalten Sie in aller Regel in der Arztpraxis oder Apotheke, aber auch in der Packungsbeilage stehen entsprechende Hinweise. Um die beste Wirksamkeit zu gewährleisten, ist es besonders wichtig, das Antibiotikum für die gesamte Dauer des angeordneten Zeitraums regelmäßig einzunehmen – und zwar auch bei einer Besserung der Symptome.

    Vor Beginn der Einnahme sollte klar sein:

    • warum das Antibiotikum verordnet wurde.
    • wie viele Tage am Stück und wie oft am Tag es eingenommen werden muss.
    • ob es zu einer Mahlzeit oder im zeitlichen Abstand dazu eingenommen wird.
    • was unternommen werden sollte, wenn das Antibiotikum mal vergessen wird.
    • was mögliche Nebenwirkungen sind.
    • falls andere Medikamente eingenommen werden: ob es zu Wechselwirkungen kommen kann.
    • bei Schwangerschaft oder Stillzeit: ob das Antibiotikum dafür geeignet ist.

    Nur bei einer Anwendung nach Vorschrift können Antibiotika richtig wirken.

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