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Kurzsichtigkeit (Myopie) bei Kindern

Ein Mädchen mit Kurzsichtigkeit ist mit ihrem Gesicht nah an einem Laptop.

© iStock / Prostock-Studio

Lesezeit: 4 Minuten24.08.2022

Kurzsichtigkeit, auch Myopie genannt, kann bereits Kinder betreffen. Worauf können Eltern achten, um eine Kurzsichtigkeit bei ihrem Kind zu vermeiden oder zumindest eine weitere Verschlechterung der Sehkraft zu verhindern?

Inhalte im Überblick

    Kurzsichtigkeit bei Kindern: Wenn die Ferne unscharf erscheint

    Mit dem Wachstum entwickeln sich auch die Augen eines Kindes. Kinder können von Geburt an sehen, aber die Sehschärfe und das Zusammenspiel beider Augen müssen sich entwickeln. Ein Neugeborenes sieht noch unscharf und kann vor allem Hell-Dunkel-Kontraste unterscheiden. Ein einjähriges Kind besitzt schon die Hälfte der Sehschärfe eines Erwachsenen. Die Augen wachsen von Geburt an bis in die Pubertät. Bei Kindern mit Kurzsichtigkeit wird angenommen, dass dieses Wachstum nicht richtig reguliert ist.

    Ist ein Kind kurzsichtig, kann es ferne Objekte, wie zum Beispiel die Schultafel im Unterricht oder die Straßenschilder auf dem Schulweg, nur noch unscharf sehen. Die Achsenlänge des Augapfels ist dabei im Verhältnis zur Brechkraft der Linse zu lang. Das bedeutet, dass das (scharfe) Bild eines entfernten Objekts im Auge vor der Netzhaut liegt. Bei betroffenen Kindern entwickelt sich die Kurzsichtigkeit meist, wenn sie zwischen 6 und 13 Jahre alt sind. Bis das Auge ausgewachsen ist, kann sich die Fernsehkraft noch weiter verschlechtern.

    Weltweit betrachtet nimmt Kurzsichtigkeit immer mehr zu. Ergebnisse aus der deutschen KiGGS-Langzeitstudie, der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, zeigen diesen Trend für Deutschland jedoch nicht: Die Myopierate bei Kindern im Alter bis 17 Jahren liegt bei 11 bis 12 Prozent und hat sich in den letzten Jahren nahezu nicht verändert.

    Woran können Eltern erkennen, dass ihre Kinder kurzsichtig sind?

    Es gibt verschiedene Anzeichen für Kurzsichtigkeit bei Kindern. Sollten Sie eines oder mehrere dieser Symptome bei Ihrem Kind bemerken, ist ein Besuch bei einem Augenarzt oder einer Augenärztin oder bei einem Optiker oder einer Optikerin dringend angeraten:

    • Ihr Kind hat Schwierigkeiten, Geschriebenes auf der Schultafel zu lesen.
    • Ihr Kind sitzt häufig mit wenig Abstand am Fernseher oder Computer oder hält sich Smartphone oder Tablet nah vors Gesicht.
    • Ihr Kind kneift beim Lesen die Augen zusammen.
    • Ihr Kind berichtet häufiger von Kopfschmerzen.
    • Ihr Kind reibt sich oft die Augen.

    Außerdem kann Kurzsichtigkeit erblich verursacht sein und kommt deshalb gehäuft innerhalb von Familien vor. Sind nahe Verwandte also bereits kurzsichtig und tragen eine Brille, lohnt es sich umso mehr, die Sehkraft des Kindes im Blick zu behalten.

    Wie wird Kurzsichtigkeit bei Kindern behandelt?

    Wenn ein Kind kurzsichtig ist, kann das Tragen einer Brille oder von Kontaktlinsen dies ausgleichen.

    Um Fehlentwicklungen des Auges frühzeitig zu erkennen, werden bei der U7a- und U8-Früherkennungsuntersuchung im Alter von circa drei bis vier Jahren Sehtests durchgeführt.

    Mehr Informationen zu den Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern erhalten Sie hier.

    Was sind die Ursachen für Kurzsichtigkeit bei Kindern?

    Die genauen Ursachen für die Entwicklung einer Kurzsichtigkeit sind nicht bekannt. Es gibt jedoch verschiedene Einflussfaktoren, die diskutiert werden:

    Mediennutzung und Kurzsichtigkeit

    Im Mittelpunkt kontroverser Diskussionen steht, ob und wie die Nutzung von Fernsehern, Spielkonsolen, Smartphones und Co zur Entwicklung von Kurzsichtigkeit beiträgt. Ein solcher Zusammenhang wurde in der deutschlandweiten KiGGS-Studie nicht deutlich.

    Anders war es beim Thema Lesen, was im Vergleich zu digitalen Medien oftmals als gesünder angesehen wird: Hier konnte ein Zusammenhang zwischen längerem Bücherlesen und Kurzsichtigkeit gezeigt werden. Längeres Lesen kann Kurzsichtigkeit bei Kindern fördern. Nichtsdestotrotz ist Lesen ein wichtiger Baustein für die kindliche Entwicklung und zeigt zahlreiche positive gesundheitliche Vorteile.

    Bildungsjahre und Kurzsichtigkeit

    Interessante Ergebnisse brachte auch eine Studie der Universität Mainz hervor: Kurzsichtigkeit hängt mit dem Bildungsgrad und der Länge der Schulzeit zusammen. Teilnehmende ohne höhere Schulbildung waren zu 24 Prozent kurzsichtig. Unter den Menschen mit Abitur oder abgeschlossener Berufsausbildung, die an der Studie teilgenommen hatten, waren es 35 Prozent. Bei Hochschulabsolventen betrug der Anteil sogar 53 Prozent. Ein Erklärungsansatz der Ergebnisse ist die höhere Belastung durch Naharbeit (Lesen, Schreiben, Computerarbeit) sowie die weniger im Freien verbrachte Zeit bei Betroffenen mit höherem Bildungsgrad.

    Sonnenlicht und Kurzsichtigkeit

    Laut Forschungen ist belegt, dass viel Zeit im Freien der Entstehung und dem Voranschreiten von Kurzsichtigkeit entgegenwirkt. Es wird vermutet, dass das hellere Licht draußen im Vergleich zu Innenräumen dabei der entscheidende Einfluss ist. Demzufolge ist das Risiko für „Stubenhocker“, eine Kurzsichtigkeit zu entwickeln, größer.

    Ein Junge hängt an einem Klettergerüst und hat Spaß.
    Viel Zeit draußen bei Licht zu verbringen, schützt die Augen.

    © iStock / Renata Angerami

    Kurzsichtigkeit bei Kindern stoppen oder verbessern

    Da bisher nicht geklärt ist, wie Kurzsichtigkeit genau entsteht, ist auch nicht klar, wie man sie verhindern kann. Um aber einer Verschlechterung entgegenzuwirken, ist es hilfreich, mit dem Kind möglichst viel Zeit im Freien zu verbringen – denn Licht schützt.

    Eine wirkliche Behandlung der Kurzsichtigkeit gibt es nicht. Man kann aber eine Myopie „optisch korrigieren“ – durch das Tragen einer Sehhilfe. Die Sehfähigkeit der Augen verschlechtert hierdurch nicht. Wenn der Kurzsichtigkeit wachstumsbedingt voranschreitet, kann dies mit oder ohne Brille nicht verhindert werden. Es ist wichtig, Kurzsichtigkeit konsequent zu korrigieren. Geschieht das nicht, ist die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen bei jungen Kindern erhöht. Dazu gehören:

    • Schielen und
    • Schwachsichtigkeit (wobei sich die Sehkraft eines Auges nicht richtig entwickelt und darum das Bild, das in diesem Auge entsteht, vom Gehirn ausgeblendet wird).

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