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Diagnose Asthma – Was nun?

Lesezeit: 5 MinutenAktualisiert: 29.09.2020

Ist das eigene Kind erkrankt, ist das für viele Eltern ein Schock. Der Kinderarzt Professor Philippe Stock möchte Betroffenen die Angst nehmen.

Inhalte im Überblick

    Eine unbeschwerte Kindheit – das ist es, was Eltern sich für ihren Nachwuchs am meisten wünschen. Klar ist dann die Sorge groß, wenn beim Kind eine chronische Erkrankung diagnostiziert wird. Warum ist gerade das eigene Kind betroffen? Da suchen viele Eltern den Fehler bei sich. Die Frage „Was haben wir falsch gemacht?“ kennt auch Professor Philippe Stock, Allergologe und Kinder-Lungenfacharzt des Altonaer Kinderkrankenhauses in Hamburg.

    Dabei trägt im Falle einer Asthmaerkrankung keiner die Schuld: „Gerade im Kindesalter ist der Auslöser für Asthma meist eine Allergie. Und die entsteht oft aufgrund einer genetischen Veranlagung. Sind beide Eltern Allergiker, steigt das Risiko des Kindes beispielsweise um das Doppelte.“

    Vorbeugend rät der Kinderarzt aber, den Nachwuchs nicht zu steril aufwachsen zu lassen. „Es gibt Untersuchungen, dass Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen oder häufige Tierkontakte haben, seltener an Asthma erkranken als jene, die in einer reizarmen Umgebung aufwachsen – vermutlich, weil das kindliche Immunsystem unter dem Einfluss vielfältiger Allergene besser trainiert wird.“

    Wie entsteht Asthma Bronchiale?

    Bei Asthma denken die meisten an Atemnot und die ständige Sorge, das Kind könne einen Anfall erleiden. „Dabei ist Asthma bronchiale eine recht häufige Erkrankung bei Kindern ab dem Schulalter – mit hervorragenden therapeutischen Möglichkeiten“, erklärt der Lungenfacharzt. Dazu kommt: Asthma tritt meist nicht aus heiterem Himmel auf. Oft zeigen Kinder im Säuglings- oder Kleinkindalter schon Allergien. Diese äußern sich zunächst in Form einer Neurodermitis.

    „Manche Säuglinge oder Kleinkinder haben auch ein überempfindliches Bronchialsystem. Das heißt: Infekte werden schneller mal zu einer Bronchitis.“ Wobei das nicht heißt, dass jedes Kleinkind mit einem überempfindlichen Bronchialsystem auch Asthma bekommt. Das kann auch vorüber-gehend sein. „Um das Risiko für die Entwicklung einer chronischen Erkrankung abzuschätzen, könnte man eine Allergietestung vornehmen. Zeigen sich hier bereits Sensibilisierungen, steigt die Wahrscheinlichkeit für Asthma“, betont Professor Stock. 

    „Asthma bronchiale ist eine eine recht häufige Erkrankung bei Kindern ab dem Schulalter – mit hervorragenden therapeutischen Möglichkeiten.“

    Prof. Dr. Philippe Stock
    Kinderarzt für Allergologie und Lungenheilkunde im Altonaer Kinderkrankenhaus, Hamburg

    Was sind die typischen Auslöser für Asthma?

    Es gibt zwei Arten von Asthma: allergisches und nicht allergisches Asthma. Letzteres ist allerdings sehr selten im Kindesalter. Beim allergischen Asthma wird zwischen ganzjährigen und saisonalen Allergieauslösern unterschieden.

    Zu den ganzjährigen zählen Allergene wie Hausstaubmilben oder Tierhaare. Wobei die Katze als stärkster Auslöser gilt, gefolgt von Pferd und Hund. Zu den saisonalen Auslösern gehören gerade im Frühling und Sommer die Baum- und Gräserpollen, im Herbst dann die Schimmelpilze und Kräuter wie Beifuß.

    Ist es nun Heuschnupfen oder Asthma?

    Häufig lässt sich bei Kindern mit Allergien eine Art Symptomgipfel zu einer bestimmten Jahreszeit beobachten. „Hat ein Kind beispielsweise immer im April deutliche Beschwerden und zeigt ein sogenannter Pricktest auch noch eine deutliche Sensibilisierung für Birke, ist es relativ deutlich, dass eine Pollenallergie vorliegt.“ Die Allergie ist also die Ursache, die zu Heuschnupfen, Asthma oder sehr selten auch zu Neurodermitis oder Urtikaria (Nesselsucht) führen kann.

    Wie unterscheidet sich eigentlich die Asthmalunge von der gesunden Lunge?

    „Durch die Allergie ist die Asthmalunge in einem ständigen leichten Erregungszustand. Alles, was die Lunge dann in irgendeiner Form beansprucht – wie Bewegung, Temperaturwechsel oder das Einatmen von Allergenen – kann beim Kind daher Symptome verursachen“, so Professor Stock. Durch diese dauerhafte unterschwellige Entzündung haben Asthmatiker oft auch etwas länger oder schwerer mit Infekten zu tun. Denn die Kompensationsmöglichkeiten der ohnehin gereizten Lunge sind geringer.

    Was passiert bei einem Asthmaanfall?

    Im Akutfall verkrampft sich die Muskulatur rund um die Bronchien und dadurch geht viel weniger Luft rein und raus. „Das kann sehr schnell kommen und sehr plötzlich eintreten“, weiß der Experte. „Daher sollten Eltern, wenn die Situation noch neu ist, sofort zum Arzt oder in die Notaufnahme gehen. Und da gilt: lieber einmal zu viel als zu wenig.

    Akute Atembeschwerden müssen immer abgeklärt werden. Ist die Erkrankung bereits bekannt und Kind und Eltern wissen, wie ein Anfall abläuft und wie die Medikamente wirken, ist das natürlich nicht mehr jedes Mal nötig.“

    Welche Therapien gibt es?

    In der symptomatischen Therapie wird unterschieden zwischen sogenannten Relievern (beruhigenden Bedarfsmedikamenten), die Erleichterung schaffen sollen, und Controllern, die in der Dauertherapie eingesetzt werden. Zu den Relievern zählen auch Notfallmedikamente mit dem Wirkstoff Salbutamol. Der Wirkstoff wird im Notfall inhaliert und lässt die verkrampfte Muskulatur rund um die Bronchien binnen drei bis vier Minuten erschlaffen.

    „Es ist durchaus möglich, dass die kleinen Patienten irgendwann völlig beschwerdefrei sind, weil die dahinterliegende Allergie erfolgreich therapiert wurde.“

    Prof. Dr. Philippe Stock
    Kinderarzt für Allergologie und Lungenheilkunde im Altonaer Kinderkrankenhaus, Hamburg

    Die Controller werden dauerhaft über mindestens drei Monate eingesetzt und sollen die unterschwellige Entzündung in der Lunge und damit die höhere Erregbarkeit kontrollieren. „Hierbei handelt es sich um Kortikosteroide. Die kortisonähnlichen Mittel haben sehr große Moleküle und wirken so ausschließlich in der Lunge. Da sie – anders als Kortison – nicht ins Blut übergehen, haben sie keinen Einfluss auf die Knochen- oder Hautdichte. In schweren Fällen gibt es Antikörper, die man spritzen kann und die super helfen.“

    Ist Asthma auch heilbar?

    „Es ist durchaus möglich, dass die kleinen Patienten irgendwann völlig beschwerdefrei sind, weil die dahinterliegende Allergie erfolgreich therapiert wurde. Darum ist es so wichtig, so früh wie möglich die Ursache für das allergische Asthma herauszufinden und nicht nur die Symptome zu behandeln.“

    Ist der Allergieauslöser bekannt, kann bei Kindern ab fünf Jahren eine Hyposensibilisierungstherapie durchgeführt werden. Dafür erhält das Kind über drei Jahre lang eine Spritzentherapie, bei der alle vier bis sechs Wochen der entsprechende Allergieauslöser unter die Haut gespritzt wird. „Alternativ kann man drei Jahre lang täglich eine Tablette unter die Zunge legen.“ 

    Asthma-Checkliste für Eltern – worauf Sie jetzt achten sollten

    Asthma ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindes- und Jugendalter. Wer die wichtigsten Fakten kennt, fühlt sich im Alltag sicherer. Hier finden Sie die wichtigsten Tipps vom Experten auf einen Blick:

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