Lebensmittel
Ist Vitaminwasser wirklich gesund?
Veröffentlicht am:27.02.2026
5 Minuten Lesedauer
Vitaminwasser wird als Lifestyle-Getränk mit gesundheitlichem Nutzen beworben. Aber stimmt das tatsächlich? Ob die zusätzlichen Vitamine einen Effekt haben, wieviel Zucker Vitaminwasser enthält und was dran ist am Gesundheitsversprechen.

© iStock / Capuski / KI-bearbeitet
Was ist Vitaminwasser und was kann es angeblich?
Schöne Flaschen, buntes Design – die meisten Supermärkte haben inzwischen das in den sozialen Medien gehypte Vitaminwasser im Angebot. Bei diesen Getränken handelt es sich um aromatisiertes Wasser, dem neben Geschmacksstoffen und manchmal Koffein auch Mikronährstoffe und Vitamine zugesetzt sind: Darunter sind neben Vitamin C, das wichtig für das Immunsystem ist, und Vitamin A für starke Augen häufig auch die Vitamine E und K, die freie Radikale abfangen und die Knochen stärken. Vitaminwasser sind zudem mit Zucker oder Süßstoffen gesüßt.
Die Hersteller bewerben ihre Produkte als funktionale Getränke. Vitaminwasser sollen durch die enthaltenen Vitamine und Elektrolyte für den Körper effektiver sein als reines Wasser und mehr können als lediglich den Durst zu stillen. Doch ist Vitaminwasser wirklich gesund?
Haben die Vitamine im Vitaminwasser einen Effekt?
Kann Vitaminwasser bei einem Vitaminmangel helfen? Dies legt zumindest eine Studie des University College Dublin und der Ulster Universität nahe: Hier tranken ältere Erwachsene, die unter einem Vitamin B-Mangel litten, mit Vitamin B versetztes Wasser. Die Vitamine aus dem Wasser konnten gut aufgenommen werden, der Mangel verschwand.
In der Studie wurde allerdings kein im Supermarkt erhältliches Produkt verwendet. Zudem liegt bei den meisten Menschen in Deutschland gar kein Mangel an B-Vitaminen und Vitamin C, den am häufigsten in Vitaminwasser vorkommenden Nährstoffen, vor. Zusätzlich aufgenommene wasserlösliche Vitamine haben keinen Extranutzen, sondern werden vom Körper über die Niere mit dem Urin einfach wieder ausgeschieden.
Vitaminwasser ist kein geeignetes Mittel, um einen ärztlich diagnostizierten Vitaminmangel zu beheben. Stattdessen sollten die benötigten Nährstoffe über eine ausgewogene Ernährung mit Gemüse und Obst aufgenommen werden, da diese auch wertvolle Ballaststoffe, Eiweiße, Fette und sekundäre Pflanzenstoffe enthalten. Bei einem konkreten Mangel ist eine gezielte Substitution der entsprechenden Vitamine ratsamer, statt eine Flasche Vitaminwasser mit mehreren Vitaminen zu trinken.
Zudem können nicht alle Vitamine aus dem Vitaminwasser vom Körper verwertet werden, denn Vitamin D und Vitamin E zum Beispiel sind fettlöslich. So können sie nur aufgenommen werden, wenn das Vitaminwasser zu einer fetthaltigen Mahlzeit getrunken wird.

© iStock / Ivan Bajic / KI-bearbeitet
Halten Vitaminwasser das, was sie versprechen?
Die Werbung für Vitaminwasser inszeniert die Getränke als Trend- und Lifestyle-Produkte für eine junge, sportliche und dynamische Zielgruppe und erweckt den Eindruck, dass der Verzehr von Vitaminwasser gesundheitliche Vorteile bietet. Diese sind jedoch nicht belegbar. Für die Werbung mit Gesundheitsversprechen gibt es strenge Richtlinien und Vorgaben, um Verbraucher und Verbraucherinnen zu schützen. Die unabhängige Verbraucherorganisation foodwatch hat bereits sieben Hersteller von Vitaminwasser für ihre nicht belegten Gesundheitsversprechen im Marketing kritisiert und einen Hersteller abgemahnt, weil er mit einer Wirkung seines Produkts gegen Müdigkeit und Kopfschmerzen warb. Der Verbraucherzentrale Bundesverband ging sogar so weit, gegen einen weiteren Hersteller funktionaler Drinks zu klagen, da der Name des Produkts ein Gesundheitsversprechen suggerierte. Dieses war weder haltbar noch zugelassen, der Hersteller darf den Namen nicht mehr verwenden.
Diese Beispiele zeigen: Vitaminwasser verdankt seinen Ruf als gesundes Getränk primär raffiniertem Marketing – weniger seinem tatsächlichen Nutzen für den Körper.
Passende Artikel zum Thema
So hoch ist der Zuckergehalt von Vitaminwasser
Die Vitaminwasser enthalten neben den zugesetzten Aromen häufig auch Zucker in nicht zu unterschätzenden Mengen. Ein Wasser schnitt in der Untersuchung von foodwatch besonders schlecht ab: Es enthielt 4,5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Eine Halbliter-Flasche enthalte so etwa siebeneinhalb Stück Würfelzucker. Das ist weniger als ein Soft Drink wie Coca Cola, die 10,8 Gramm Zucker pro 100 ml enthält, aber nicht ideal: Die WHO empfiehlt Erwachsenen maximal 50 Gramm Zucker pro Tag und möchte die empfohlene Menge langfristig sogar noch auf 25 Gramm Zucker pro Tag reduzieren – dieser Wert wäre mit einer Flasche Vitaminwasser bereits komplett erreicht.
Manche funktionalen Drinks sind statt mit Zucker mit Süßstoffen versetzt. Doch auch Süßstoffe stehen in der Kritik: Sie können den Appetit auf Süßes steigern und der Körper gewöhnt sich an den süßen Geschmack.
Passende Angebote der AOK
Ernährungskurse
Ausgewogene Ernährung und gesund kochen lernen: Mit den Ernährungs- und Kochkursen der AOK lernen Sie genussvoll, wie Sie Ihrem Körper das geben, was er tatsächlich braucht.
Aromatisiertes Vitaminwasser: hoher Preis, geringer Nutzen
Neben den fraglichen gesundheitlichen Vorteilen und dem zugesetzten Zucker der Vitaminwasser steht auch der Preis der Produkte in der Kritik: Laut foodwatch lägen diese je nach Hersteller zwischen 1,72 Euro und 4,50 Euro pro Liter. Auch im Discounterbereich liegt der Preis für ein Vitaminwasser etwa fünf Mal so hoch wie für ein günstiges Mineralwasser. Damit liegt der Preis deutlich höher als für Soft Drinks oder andere Erfrischungsgetränke – und das bei zweifelhaftem Nutzen.
Hinzu kommt, dass Vitaminwasser oft in Einweg-Plastikflaschen angeboten wird, was nicht nachhaltig ist.
Passende Artikel zum Thema
Fazit: Lieber selbstgemachtes aromatisiertes Wasser als Vitaminwasser trinken
Abgesehen vom hohen Zuckergehalt sind Vitaminwasser nicht schädlich, aber auch nicht gesundheitsförderlich, wie es das Marketing dieser Produkte suggeriert.
Die besten Alternativen bleiben Wasser und ungesüßte Tees. Wem das auf Dauer zu langweilig ist, kann aromatisiertes Wasser oder Infused Water selbst machen: Dafür werden Früchte oder Ingwer und Kräuter mit Mineralwasser aufgegossen und dürfen einige Sunden ziehen. Gut eignen sich zum Beispiel Himbeeren, Aprikosen oder Limette, aber auch Gurke wirkt erfrischend. Dabei gehen zwar auch nur geringe Mengen der Vitamine und Nährstoffe auf das Wasser über, jedoch kommen diese Getränke vollkommen ohne Zucker aus.
Die Inhalte unseres Magazins werden von Fachexpertinnen und Fachexperten überprüft und sind auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.










