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AOK – Die Gesundheitskasse

Sind keimende Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch noch essbar?

Mehrere keimende Kartoffeln liegen in einer Kiste.

© iStock / Viktoriia Oleinichenko

Lesezeit: 4 Minuten03.05.2022

Wenn Kartoffeln keimen, bilden sie den Stoff Solanin aus. Sind die Nachtschattengewächse dann noch genießbar? Wie steht es mit Tomaten, Zwiebeln und Knoblauch? Ob Sie die Lebensmittel noch essen können und wie Sie den grünen Trieben zuvorkommen.

Inhalte im Überblick

    Sind Kartoffeln mit Trieben noch genießbar?

    Kartoffeln sind schmackhaft und stecken voller gesunder Nährstoffe. Lagern sie zu lange oder zu hell, fangen sie jedoch an zu keimen und entwickeln weiß-grünliche Austriebe. Dann heißt es: Vorsicht! Kartoffeln mit vielen und langen Keimen sollten Sie nicht mehr essen, sondern wegwerfen. Auch Kartoffeln, deren Schale grün geworden ist, müssen aussortiert werden.

    Hat die Kartoffel nur wenige und kurze Keime, besteht keine Gesundheitsgefahr. Keimansätze, die sogenannten Augen, sollten Sie großzügig herausschneiden. Dann steht einer Zubereitung nichts im Wege. Als Faustregel gilt: Triebe bis zu einem Zentimeter können entfernt werden; die Kartoffel ist noch essbar. Hat die Knolle längere Keime oder grüne Stellen, sollten Sie die Kartoffel sicherheitshalber entsorgen.

    Was passiert, wenn Kartoffeln keimen?

    Kartoffeln zählen zu den Nachtschattengewächsen. Diese enthalten Giftstoffe, die der Gesundheit schaden: Glykoalkaloide, vor allem Solanin. Die Pflanze setzt es zur Abwehr gegen Schädlinge und Krankheitserreger ein. Solanin steckt größtenteils in der Schale der Knollen. Wenn Kartoffeln keimen, konzentriert sich der Giftstoff in den Sprossen und deren Ansätzen. Gleichzeitig verliert die Knolle wertvolle Vitamine und Mineralien. Grünlich gefärbte Stellen an der Knolle deuten auf einen höheren Alkaloidgehalt hin und sollten daher vor dem Verzehr entfernt werden.

    So verhindern Sie, dass Kartoffeln keimen

    • Kartoffeln sollten dunkel, kühl (zwischen sechs und acht Grad Celsius) und trocken lagern, etwa in einem trockenen Keller. Ab etwa zehn Grad Celsius beginnen die Knollen zu keimen. Solanin bildet sich unter Lichteinfluss.
    • Kartoffeln gehören nicht in den Kühlschrank: Unter vier Grad Celsius reagiert die Kartoffel empfindlich und beginnt, Stärke in Zucker umzuwandeln. Dann schmecken die Kartoffeln süß.
    • Raus mit der Kartoffel aus dem Folienbeutel – bei Luftabschluss kann sich Feuchtigkeit bilden, die Schimmelbefall begünstigt. Ein Netz oder eine Kiste sind für die Aufbewahrung besser geeignet.

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    Wie schädlich ist Solanin für die Gesundheit?

    Je länger Kartoffeln keimen, desto gefährlicher ist ihr Verzehr. In den letzten 100 Jahren sind jedoch nur wenige Vergiftungsfälle durch den Verzehr von Kartoffeln dokumentiert worden. Dies könnte daran liegen, dass gekeimte Kartoffeln aufgrund des bitteren Geschmacks des Solanins selten verzehrt werden. Eine leichte Vergiftung durch Solanin kann sich durch mehrere Faktoren äußern:

    • Übelkeit
    • Bauchschmerzen
    • Erbrechen
    • Durchfall
    • Fieber

    Bei starken Vergiftungen können zusätzlich eine Störung der Kreislauf- und Atemtätigkeit sowie eine Schädigung des zentralen Nervensystems auftreten.

    Wie viel Solanin steckt in Kartoffeln?

    Sachgerecht angebaute und gelagerte Kartoffeln haben einen Glykoalkaloidgehalt von 20 bis 100 Milligramm (mg) pro Kilogramm (kg). Das ist gesundheitlich unbedenklich. Beim Keimen steigt die Konzentration auf mehr als das Doppelte. Vergiftungserscheinungen sind ab einem Wert von über 200 mg Glykoalkaloiden pro kg Kartoffel möglich, gesundheitliche Folgen bereits ab einer Menge von 100 mg. Dennoch ist eine Solaninvergiftung selten.

    Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gibt als höchste Dosis ohne unerwünschte gesundheitliche Wirkungen 0,5 mg Glykoalkaloide pro kg Körpergewicht und Tag an. Vergiftungserscheinungen treten ab einer Dosis von etwa 1 mg pro kg Körpergewicht auf. Solaninvergiftungen sind dennoch selten.

    Wie schütze ich mich vor zu viel Solanin?

    Etwa 95 Prozent der Glykoalkaloide sitzen ganz außen in der Kartoffelschale. Durch Schälen oder Pellen lässt sich also der Großteil der Giftstoffe entfernen. Generell sollten jedoch Kinder und Erwachsene die Schale der Kartoffel nicht mitessen, denn: Dass Kartoffeln mit Schale gesünder seien als geschälte, ist ein Ammenmärchen. Gesund ist es hingegen, die Kartoffeln mit Schale zu kochen und anschließend zu pellen. So bleiben viele gute Mineralien erhalten, die sich direkt unter der Schale befinden.

    Solanin verschwindet weder beim Kochen, noch beim Braten oder Frittieren; es ist enorm hitzebeständig. Verwenden Sie das Kochwasser nicht weiter und wechseln Sie das Frittierfett regelmäßig aus. Wenn Ihnen beim Verzehr von Kartoffeln ein bitterer Geschmack auffällt, sollten Sie nicht weiteressen – es könnte ein Hinweis auf einen höheren Solaningehalt sein.

    An einem Tomatenstrauch hängen rote und grüne Tomaten.
    Wenn es sich nicht um spezielle Sorten handelt, sind grüne Tomaten unreif und sollten daher weder roh noch gekocht verzehrt werden.

    © iStock / Gabriele Grassl

    Gekeimte Tomaten: ein Fall für den Kompost?

    Als Nachtschattengewächs enthält die Tomate die Glykoalkaloide α-Tomatin und Dehydrotomatin, die in Trieben, Blättern, Blüten und unreifen Früchten vorkommen.Auch Tomaten bilden Sprossen aus. Die grünen Keimlinge werden allerdings erst sichtbar, wenn man die Frucht aufschneidet. Ob man gekeimte Tomaten unbesorgt essen kann oder nicht, ist bei Experten umstritten. Wenn Sie Tomaten mit Austrieb auf dem Kompost oder in der Biotonne entsorgen, sind Sie auf der sicheren Seite.

    • Reife Tomaten sind unbedenklich. Den grünen Stielansatz entfernen Sie am besten.
    • Unreife grüne Tomaten sollten weder roh noch gekocht verzehrt werden. Auch hier gilt: Der Giftstoff ist hitzebeständig.

    Spezielle Tomatensorten sind auch in reifem Zustand grün und unbedenklich, dazu zählen die Sorten „Evergreen“, „Green Zebra“ oder „Green Grape“.

    Wie schädlich sind keimende Zwiebeln oder Knoblauch?

    Die Vorgänge beim Keimen sind bei Pflanzen unterschiedlich. Nicht alles muss nach dem Keimen in die Biotonne.

    • Keimende Zwiebeln entwickeln keine giftigen Stoffe. Ganz im Gegenteil: Den grünen Austrieb kann man wie Schnittlauch dünn schneiden, um Speisen damit zu verfeinern. Oft zeigt der grüne Trieb allerdings an, dass die Zwiebeln schon älter und innen weich sind. Schauen Sie sich die Knolle genau an! Verwenden Sie gekeimte Zwiebeln nur noch dann, wenn sie knackig sind und scharf riechen.
    • Auch Knoblauch kann bei längerem Lagern an der Spitze grün austreiben, jedoch entstehen dabei keine gesundheitsschädlichen Stoffe. Der Knoblauch ist bedenkenlos essbar. Riecht der Knoblauch modrig, ist er schrumpelig oder eingetrocknet, sollte er nicht mehr verwendet werden.

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