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Hörsturz: Plötzlich ist es leise

Eine Frau scheint einen Hörsturz zu haben und hält sich das Ohr zu.
Lesezeit: 5 MinutenAktualisiert: 03.03.2021

Ein Hörsturz kommt wie aus dem Nichts. Doch warum man plötzlich so schlecht hört, können sich Mediziner bisher nicht genau erklären. Professor Stefan Plontke und sein Team forschen für eine bessere Behandlung.

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    Wenn es auf einmal still wird

    Ein mulmiges Gefühl ist das: Plötzlich hört man auf einem Ohr schlecht oder ist sogar fast taub. Es ist, als wäre da Watte im Ohr – und man weiß nicht, warum. Typische Symptome für einen Hörsturz, den jedes Jahr im Schnitt mehr als 100.000 Deutsche erleiden. Hierbei handelt es sich um eine akute, einseitige Hörminderung im Innenohr, die bis zur Taubheit gehen kann. Die medizinische Definition enthält aber noch einen Punkt – und der ist das Kernproblem: „Es gibt keine erkennbare Ursache wie eine Mittelohrentzündung, einen Tumor, eine Fehlbildung oder einen Ohrenschmalz-Pfropf“, sagt Professor Dr. Stefan Plontke.

    Ein Hörsturz ist kein Notfall

    Trotzdem ist ein Hörsturz behandelbar. „Es ist zwar kein Notfall“, sagt der HNO-Facharzt. Die akute Hörminderung kann aber auch ein Symptom schwerwiegender Erkrankungen wie einer Blutdruckkrise sein und sollte daher abgeklärt werden. Der Arzt fragt nach Begleitsymptomen und anderen Krankheiten. Er schaut ins Ohr und macht einen Hörtest. Tritt der Hörverlust im Innenohr auf und andere Ursachen sind ausgeschlossen, stellt er die Diagnose Hörsturz. Behandelt wird dieser unter anderem mit der Gabe von Kortison in Tablettenform oder hochdosiert intravenös, das abschwellend und antientzündlich wirkt. Die Therapie muss aber nicht zwingend sofort eingeleitet werden. Denn die Probleme verschwinden sehr oft von allein. Zwar nimmt man an, dass Kortison wirkt, aber Nebenwirkungen sind möglich: etwa ein veränderter Blutdruck oder Blutzuckerspiegel sowie Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. 

    „Je nach Stärke von Hörverlust und Leidensdruck kann man daher ein, zwei Tage auf Besserung warten, wenn andere behandlungsbedürftige Ursachen ausgeschlossen sind“, sagt Stefan Plontke. Dauert es länger oder hat sich das Gehör stark verschlechtert, wird in der Regel mit der Therapie gestartet. Bislang sind Kortisonpräparate für die Indikation Hörsturz nicht zugelassen. Daher dürfen die gesetzlichen Krankenkassen diese Behandlung nicht bezahlen. Eine Studie soll nun Klarheit über den Nutzen schaffen, ob hochdosiertes Kortison beim Hörsturz wirklich hilft.

    „ Der plötzliche Hörverlust ist also erst mal nur ein Symptom, das mit der Gehörschnecke zu tun hat. Und das bezeichnen wir immer dann als Hörsturz, wenn wir die Ursache nicht kennen.“ Für die Diagnose sucht der Arzt daher nach einer Ursache, die das Symptom erklärt. „Findet er eine, ist es kein Hörsturz mehr. Selbst bei einer gründlichen Untersuchung haben wir in 80 bis 90 Prozent der Fälle aber keine Erklärung.“

    Professor Dr. Stefan Plontke
    Direktor der Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie in Halle (Saale).

    An der Therapie wird weiter geforscht

    Die deutsche Leitlinie zur Behandlung eines Hörsturzes empfiehlt eine Therapie mit einer hohen Kortison-Dosis per Tropf (intravenös). Weltweit sind dagegen niedriger dosierte Tabletten Standard. „Studien haben aber gezeigt, dass diese nicht besser wirken als ein Placebo“, erklärt Professor Stefan Plontke den deutschen Sonderweg. Denn für die Wirksamkeit der Hochdosis-Therapie gibt es Hinweise, auch wenn diese aus wissenschaftlicher Sicht qualitativ nicht optimal sind. Hier kommt nun die sogenannte HODOKORT-Studie ins Spiel, die derzeit unter der Leitung des Halleschen Professors und unter Begleitung des Deutschen Studienzentrums HNO läuft. Ziel sind hochwertige Nachweise zur Wirksamkeit der intravenösen Hochdosis-Therapie. Sicherheit und Nebenwirkungen sollen ebenfalls besser erforscht werden. Zudem testen die Mediziner, ob ein anderer, hochdosierter Wirkstoff in Tablettenform eine ähnlich gute Wirkung bei weniger Nebenwirkungen hat. Mit Ergebnissen rechnet der Professor Ende 2021.

    Hörsturz: Mögliche Ursachen, Symptome und Vorsorge

    Die genauen Ursachen sind bisher nicht geklärt. Laut Leitlinie kommt eine Durchblutungsstörung des Innenohrs infrage, die durch verengte Gefäße oder durch ein Blutgerinnsel verursacht wird, durch Infektionen oder durch Zellstoffwechselstörungen. Auch ein Zusammenhang mit Stress wird immer wieder behauptet, ist aber wissenschaftlich nicht bewiesen. 

    Meist geht der Hörsturz, auch akute Innenohrschwerhörigkeit genannt, mit einer plötzlichen, einseitigen Minderung des Hörvermögens einher. Diese kann unterschiedlich stark sein und verschiedene Frequenzbereiche betreffen. Auch verzerrtes Hören, ein pelziges Gefühl um die Ohrmuschel, Tinnitus, Schwindel oder Angst können auftreten. Wirklich vorbeugen lässt sich einem Hörsturz nicht. Allerdings kann man seine Risikofaktoren reduzieren. Folgende Risikofaktoren können einen Hörsturz verursachen:

    • Bluthochdruck
    • Diabetes
    • Rauchen

    Patienten mit Bluthochdruck oder Diabetes sollten ihre Werte im Blick haben und mit ihrem Arzt eine gute Einstellung anstreben. Das Nikotin verschlechtert die Durchblutung  – auch im Ohr. Außerdem kann auch der Hörsturz selbst ein Risikofaktor sein. Denn danach liegt die Wahrscheinlichkeit für einen erneuten Hörverlust bei bis zu acht Prozent.

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