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Kampfsport für Kinder: förderlich oder schädlich?

Trainerin und Schülerin schlagen vor dem Kampf ein.

© Nele Martensen

Lesezeit: 4 Minuten03.01.2022

Raufen, toben, rangeln – das Ausprobieren der eigenen Kräfte gehört bei Kindern zum Wachstumsprozess. Es macht sie mental und körperlich stärker. Bei Kampfsporttrainerin Ana Yagües können sie diesen Trieb ausleben und lernen, ihn zu kontrollieren.

Inhalte im Überblick

    Welche Kampfsportarten eignen sich für Kinder am besten?

    Der kindlichen Lust am spielerischen Kräftemessen bietet das Kampfsporttraining einen idealen Raum. „Das beste Einstiegsalter dafür ist mit fünf, sechs Jahren“, sagt Kampfsporttrainerin Ana Yagües. Das hängt aber stark von den Voraussetzungen des Kindes ab. „Es gibt Kids, die mit fünf Jahren schon recht groß und kräftig sind. Andererseits sind manche auch mit sechs Jahren noch eher klein und zierlich. Es kann auch sein, dass ein Kind im Alter von sechs Jahren noch sehr zurückhaltend und schüchtern ist, ein Fünfjähriges hingegen schon sehr forsch und mutig agiert.“

    „Karate und Taekwondo sind für Schüchterne ein guter Anfang. Beides ist weniger körperlich.“

    Ana Yagües
    Kampfsporttrainerin in Hamburg

    Für Kinder ab dem vierten Lebensjahr sei Budo-Turnen ein guter Einstieg. „Dabei lernen die Kleinen viel über Körperkontrolle, beispielsweise, wie man sich richtig nach vorn oder hinten abrollt und fällt, ohne sich wehzutun. Karate und Taekwondo sind für Schüchterne ein guter Anfang. Beides ist weniger körperlich.“ Ana Yagües weiß, wovon sie spricht, denn sie hat selbst zwei Töchter, sieben und elf Jahre alt, die seit einigen Jahren begeisterte kleine Kämpferinnen sind. Manche Kinder kommen mit Sorgen in ihren Unterricht und wollen das kontrollierte Kämpfen lernen. „Sie müssen sich in der Schule oder in der Nachbarschaft gegen Bullying wehren. Sie werden ausgelacht oder sogar bedroht.“

    Welche Rolle spielen Größe, Alter und Stärke der Kinder?

    Selbst kampfsporterprobt, ist es der Hamburgerin eine Herzensangelegenheit, ihre Erfahrungen weiterzugeben. In ihren Gruppen kämpfen Schmale, Kräftige, Kleine, Große, Leichte und Schwere miteinander. Ist das nicht unverhältnismäßig? Die klare Antwort von Trainerin Ana Yagües: „Nein, im Gegenteil. Meine älteste Tochter ist elf Jahre alt und wiegt 42 Kilo. Würde sie immer nur mit ihrer Freundin kämpfen, die dieselben Voraussetzungen hat, dann würde sie nichts lernen, sich nicht weiterentwickeln.“

    Es sei wichtig für die Kinder zu erfahren, wie es ist, sich mit einem stärkeren oder größeren Gegner zu messen. Daher werden die kleinen Sportler in den Gruppen immer wieder mit anderen Partnern zusammengewürfelt: „Der Kampf mit einem körperlich überlegenen Kind trainiert nicht nur die eigene Stärke und Technik, sondern man lernt auch, dass man nicht immer gewinnen kann und wie es sich anfühlt zu verlieren. Das bringt für die jungen Menschen automatisch mehr Respekt vor jeder weiteren Auseinandersetzung mit sich.“

    Es sei ein gutes Training, im Kampf gegen einen stärkeren Gegner auch mal am Boden zu liegen: „Gerade beim Brazilian Jiu-Jitsu steht sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen der Selbstverteidigungsaspekt im Vordergrund. Dazu gehört die Erfahrung, in einer anscheinend aussichtslosen Situation nicht in Angst oder Panik zu verfallen, sondern dem ausgeübten Druck standzuhalten.“ Was man beim Kampfsport nicht lernt, ist, sich zu prügeln.

    Wie gefährlich ist Kampfsport für Kinder?

    Die Youngsters üben zudem, bei schwächeren Gegnern ihre Kraft zu zügeln. Das Thema Fair Play ist Ana Yagües ohnehin besonders wichtig: „Es geht in jedem Alter darum, die Kontrolle über die Situation zu bewahren. „Das gilt für die körperliche Kraft, aber auch für die eigenen Gefühle, die beim Kämpfen hochkommen. Wutausbrüche lassen Kinder zum Beispiel sofort jegliche Konzentration und Technik vergessen.“

    Zwei Mädchen kämpfen miteinander, die Trainerin begleitet den Kampf.
    Kampfsport soll Kindern nicht nur zeigen, wie sie sich im Notfall verteidigen, sondern ihnen auch Demut und Respekt beibringen.

    © Nele Martensen

    Während des Unterrichts gibt es klare Regeln: „Wer nach einem gewonnenen Kampf prahlt oder seinen Gegner gar auslacht, den lassen wir danach mit unserem Mat-Forcer, also dem besten aus der Riege, kämpfen. Es ist von vornherein klar, dass man gegen den nicht gewinnen kann.“ Demut und Respekt sind für die wettkampferprobte Lehrerin wichtige Werkzeuge im Kampfsport: „Wir sind vor einem Kampf Freunde und hinterher sind wir es auch wieder.“

    Welche Kampfsportarten für Kinder gibt es?

    Das Training hilft Kindern beim Abbau von Aggressionen und stärkt sie in Auseinandersetzungen jeder Art. Auch die körperliche Fitness profitiert vom Sport, denn in der Regel werden Muskeln in allen Bereichen des Körpers gefordert. Auf der psychischen Ebene verbessert das Kampftraining Achtsamkeit und Konzentration.

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