Gesundes Wohnen
Infektion mit Legionellen: Symptome und Auslöser
Veröffentlicht am:23.10.2023
9 Minuten Lesedauer
Aktualisiert am: 14.01.2026
Um warmes Wasser aufzubereiten, wird viel Energie benötigt. Um Energiekosten zu sparen, senken viele Haushalte die Warmwassertemperatur. Kann das Folgen für die Gesundheit haben und zu einem Anstieg der Legionärskrankheit führen?

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Inhalte im Überblick
- Welche Rolle spielt die Wassertemperatur bei einer Legionellen-Infektion?
- Was ist die Legionärskrankheit?
- Legionellen Infektion: Symptome der Legionärskrankheit
- Wer erkrankt an der Legionärkrankheit?
- Wie wird die Legionärskrankheit diagnostiziert und behandelt?
- Einer Infektion mit Legionellen vorbeugen und Energie sparen
Welche Rolle spielt die Wassertemperatur bei einer Legionellen-Infektion?
Viele Menschen denken aufgrund steigender Energiekosten darüber nach, wie sie Energie sparen können. Eine Möglichkeit sehen sie darin, einfach die Temperatur für die Warmwasseraufbereitung herunterzuregeln. Wird die Temperatur jedoch zu stark abgesenkt, besteht das Risiko, dass sich die Erreger der Legionärskrankheit, die Legionellen, im Wasser vermehren. Eine Infektion mit Legionellen kann zu einer lebensbedrohlichen Lungenentzündung führen, der Legionärskrankheit. Außerdem können Legionellen das Pontiac-Fieber mit grippeähnlichen Symptomen auslösen.
Legionellen sind Bakterien, die sich am besten bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad Celsius vermehren. Ab einer Temperatur von 55 Grad wird ihr Wachstum gehemmt und bei über 60 Grad sterben sie ab. Legionellen sind weltweit verbreitet und kommen in der Natur in Seen, Teichen und Flüssen vor, sowie in feuchter Erde und im Grundwasser. Aber auch technische Wassersysteme können sie besiedeln: zum Beispiel Rohrleitungssysteme, Rückkühlwerke und Kläranlagen. Über Duschen, Luftbefeuchter, Wasserhähne, Kühltürme, Klimaanlagen oder Whirlpools ist eine Übertragung auf den Menschen möglich, wenn die Legionellen über fein zerstäubtes Wasser in die Luft und anschließend in die Lunge gelangen.
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Was ist die Legionärskrankheit?
Die Legionärskrankheit ist eine schwere Lungenentzündung (Pneumonie). Sie wird auch als Legionellose oder Legionellen-Pneumonie bezeichnet und gehört zu den umweltbedingten Infektionserkrankungen. Denn die auslösenden Bakterien, Legionella pneumophila, vermehren sich im Wasser und die Erkrankung wird ausschließlich durch Inhalation von infiziertem Wasser ausgelöst. Häufig verläuft die Legionärskrankheit schwer. Sie kann etwa vier Wochen andauern. Etwa neun Prozent der Erkrankten versterben daran.
Seit 2001 besteht in Deutschland eine Meldepflicht, wenn Bakterien der Gattung Legionella nachgewiesen wurden. Im Jahr 2023 wurden 2.162 Fälle von Legionellosen bei den Gesundheitsämtern gemeldet – das waren 32,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Zahl der Erkrankten stieg vor allem in den Sommermonaten, insbesondere bei Männern ab einem Alter von 50 Jahren. Meist haben sie sich im privaten oder beruflichen Umfeld infiziert, manchmal auch auf Reisen. Vermutet wird, dass klimatische Veränderungen eine große Rolle spielten. Höhere Wasser- und Lufttemperaturen in Verbindung mit einem feuchten, niederschlagsreichen Klima begünstigen das Wachstum von Legionellen in der Umwelt. Mögliche Ansteckungsquellen auf Reisen waren Aufenthalte in Hotels oder anderen Unterkünften.
Legionellen Infektion: Symptome der Legionärskrankheit
Bei einer Infektion mit Legionellen treten schnell die ersten Symptome bei Erwachsenen auf. Dazu gehören:
- Brust- und Kopfschmerzen
- Husten
- Schüttelfrost
- hohes Fieber
Seltener auch:
- Bauchschmerzen
- Durchfall
- Erbrechen
- Verwirrtheit
Der Husten ist typischerweise zunächst trocken, später wird Schleim abgehustet.
Die Legionärskrankheit verdankt ihren Namen übrigens dem Anlass ihrer Entdeckung: 1976 erkrankten während und kurz nach einer Tagung der Kriegsveteranenvereinigung „The American Legion“ in Philadelphia, USA, 221 Männer an einer untypischen Lungenentzündung. 34 Menschen starben. Ursache der Erkrankung waren Legionellen in der Klimaanlage des Hotels. Zu Infektionen kann es auch in Krankenhäusern und Pflegeheimen kommen. Sie sind aber eher selten.
Was ist das Pontiac-Fieber?
Legionellen sind auch Auslöser des Pontiac-Fiebers. Es tritt viel öfter auf als die Legionärskrankheit. Nach Angaben von Fachleuten sogar etwa zehn- bis hundertmal häufiger. Dabei handelt es sich nicht um eine Lungenentzündung, sondern um einen fiebrigen Infekt. Die Symptome erinnern häufig an eine leichte Grippe. Typische Symptome sind Kopf-, Brust- und Gliederschmerzen sowie trockener Husten. In der Regel ist das Pontiac-Fieber nach wenigen Tagen von selbst ausgeheilt.
Wie kommt es zur Legionellen-Infektion?
Zu einer Infektion mit Legionellen kommt es, wenn Betroffene fein zerstäubten, legionellenhaltigen Wassernebel eingeatmet haben. Solche Aerosole können beispielsweise beim Duschen, am Wasserhahn, durch Klimaanlagen, in unmittelbarer Nähe zu Warmwasser-Schwimmbecken, Whirlpools, an künstlichen Wasserfällen und Kühltürmen entstehen. Es ist aber nicht möglich, sich bei einer erkrankten Person anzustecken. Sehr viel seltener kommt es zu einer Infektion, wenn mit Legionellen verunreinigtes Wasser versehentlich in die Luftröhre gelangt. Das Wasser zu schlucken, ist ungefährlich. Die Magensäure tötet die Keime ab. Größere Ausbrüche sind jedoch selten.
Wer erkrankt an der Legionärkrankheit?
Die Legionärskrankheit ist eine Legionellen-Pneumonie, von der vor allem ältere Männer betroffen sind, Immunsupprimierte, also Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, Diabetiker und Menschen mit chronischen Erkrankungen von Herz- und Lunge sowie Raucher und Raucherinnen. Ohne die richtige medizinische Behandlung kann die Legionärskrankheit zum Tode führen. Bei gesunden Menschen hingegen verlaufen die Infektionen meistens ohne erkennbare Symptome. Sie bleiben dann in der Regel unbemerkt und klingen ohne Behandlung wieder ab.
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Wie wird die Legionärskrankheit diagnostiziert und behandelt?
Bemerken Sie Symptome einer Lungenentzündung (wie hohes Fieber und Schüttelfrost, Husten mit Auswurf, Atemnot und Schwächegefühl) , sollten Sie unbedingt einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen. Anhand der Symptome allein können Fachleute nicht auf Legionellen als Erreger schließen, der Nachweis ist jedoch mit verschiedenen Verfahren im Labor möglich. Dazu kann Sputum (Auswurf) oder Urin benötigt werden.
Da die Legionärskrankheit in unseren Breiten relativ selten vorkommt, wird sie häufig nicht gleich erkannt. Das führt dazu, dass sie mitunter erst spät oder falsch behandelt wird. Denn bestimmte Antibiotika (Betalaktam-Antibiotika), die mitunter bei einer Lungenentzündung anderer Ursache eingesetzt werden, helfen bei einer Infektion mit Legionellen nicht. Wenn die Erkrankten jedoch ein Antibiotikum erhalten, welches das Spektrum der Legionellen mit abdeckt, kann die Legionärskrankheit gut behandelt werden.
Einer Infektion mit Legionellen vorbeugen und Energie sparen
Mit diesen Tipps können Sie beim Warmwasser Energie sparen, ohne Angst vor einer Legionellen-Infektion haben zu müssen.
Welche Temperatur sollte das warme Wasser haben?
Um auf Nummer sicher zu geben, sollte das warme Wasser im Leitungssystem immer eine Temperatur von mindestens 55 Grad Celsius haben, empfiehlt das Bundesumweltamt. Die Vorlauftemperatur sollte auf mindestens 60 Grad Celsius gestellt werden. Wer Kosten für Energie und Wasserverbrauch sparen möchte, sollte auf wassersparende Armaturen setzen.

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Boiler und Wärmepumpen: Worauf Sie achten sollten
- Bei dezentralen Geräten wie Untertischgeräten (Boilern) und Durchfluss-Trinkwassererwärmern sind 55 Grad Celsius ausreichend, da das Speichervolumen klein ist und das Wasser keine längeren Leitungswege zurücklegen muss.
- Wärmepumpensysteme sind anfälliger für Legionellen, da sie häufig mit zu niedrigen Wassertemperaturen arbeiten. Wer sich für eine nachhaltige Wärmepumpe im Haus entscheidet, sollte darauf achten, dass das Gerät die nötige Temperatur von mindestens 55 Grad Celsius erreichen kann. Die Temperatur kann auch mit einem Elektroheizstab erzeugt werden – die zusätzlichen Stromkosten können aber hoch sein.
- Lassen Sie die Anlagen in den vorgeschriebenen Abständen von Fachleuten warten. Mieter und Mieterinnen können sich bei Fragen oder Unsicherheiten an die Verwaltung oder vermietenden Personen des Hauses wenden.
- Wenig genutzte Leitungsabschnitte sollten regelmäßig durchspült werden. Dazu öffnen Sie hin und wieder die entsprechenden Wasserhähne.
- Wenn Sie aus dem Urlaub zurückkommen, sollten Sie das Wasser ablaufen lassen, das während Ihrer Abwesenheit in den Leitungen gestanden hat. In einem durchschnittlichen Einfamilienhaus werden an allen Wasserhähnen etwa zehn Liter empfohlen.
Wo Legionellen sich noch verstecken
Legionellen finden nicht nur in schlecht gewarteten Warmwassersystemen einen idealen Nährboden, sondern auch in großen Klimaanlagen, zum Beispiel in Büros. Wenn die Kühlgeräte nicht fachgerecht installiert, gereinigt oder gewartet werden, können sich aus dem Kondenswasser Wasserlachen bilden. Dort können sich dann Legionellen sowie Schimmelpilze bilden. Weitere mögliche Infektionsquellen sind Luftbefeuchter und Inhalatoren.
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