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E-Zigaretten: Wie schädlich sind sie wirklich?

Ein junger Mann raucht eine E-Zigarette.

© iStock / RealPeopleGroup

Lesezeit: 3 MinutenAktualisiert: 06.08.2021

Seit einigen Jahren wird darüber diskutiert, ob E-Zigaretten genauso gesundheitsschädlich sind wie Tabak-Zigaretten. Inzwischen weiß man: Sie enthalten zwar weniger kritische Inhaltsstoffe, doch auch von ihnen gehen Gesundheitsgefahren aus.

Inhalte im Überblick

    Was sind E-Zigaretten?

    E-Zigaretten ist die Abkürzung für elektrische oder elektronische Zigaretten. Sie werden auch Vaporizer genannt. Elektrische Zigaretten bestehen aus einem Verdampfer mit einem Heizelement, einem kleinen Tank beziehungsweise Depot mit der zu verdampfenden Flüssigkeit (Liquid), einem passenden Akku als Energiequelle sowie einem Mundstück mit Mikroprozessor. Die Zusammensetzung des Liquids unterscheidet sich je nach Produkt.

    In der Regel enthält die Flüssigkeit Propylenglykol und/oder Glycerin als Hauptbestandteile. Diese dienen als Verneblungsmittel und Träger für weitere Inhaltsstoffe. Hierzu zählen neben Nikotin verschiedene Duft- und Aromastoffe wie Ethylacetat, Linalool oder Zimtaldehyd, Vanilleextrakt, Menthol oder Apfelsäure. Da beim Gebrauch von E-Zigaretten – anders als bei herkömmlichen Tabak-Zigaretten – keine Verbrennungsprodukte entstehen, spricht man auch von Dampfen statt von Rauchen.

    Wie funktionieren E-Zigaretten?

    Im Gegensatz zu herkömmlichen Zigaretten wird bei E-Zigaretten kein Tabak verbrannt, sondern das Liquid erhitzt und mit den entsprechenden Inhaltsstoffen verdampft. Zieht man am Mundstück und drückt – wie bei den meisten E-Zigaretten – gleichzeitig den Power-Button, aktiviert dies den Akku und versorgt den Verdampfer mithilfe von Sensoren, die den Unterdruck registrieren, mit Spannung. Im Verdampfer wiederum befinden sich kleine Heizspiralen, die sich durch den Strom erhitzen. Das Liquid verdampft bei den meisten Geräten bei einer Temperatur von 150 bis 200 Grad Celsius.

    Helfen E-Zigaretten bei der Rauchentwöhnung?

    E-Zigaretten werden oft als Hilfe zur Rauchentwöhnung beworben. Ob sie Rauchern tatsächlich dabei helfen, weniger zu rauchen oder auf Nikotin zu verzichten, wird unter Experten kontrovers diskutiert. Eine aktuelle Studienübersicht der Cochrane Collaboration, einem globalen, unabhängigen Netzwerk aus Wissenschaftlern, Ärzten, Angehörigen anderer Gesundheitsberufe und Patienten, hat in 50 Studien die Wirksamkeit von E-Zigaretten beim Rauchstopp untersucht.

    Ergebnis: Aufhörwilligen Rauchern gelang die Tabakentwöhnung mit nikotinhaltigen E-Zigaretten etwas besser als mit herkömmlichen Nikotinersatz-Produkten oder nikotinfreien E-Zigaretten. Mithilfe von nikotinhaltigen E-Zigaretten schafften 10 von 100 Rauchern den Ausstieg. Bei herkömmlichen Nikotinersatz-Produkten und nikotinfreien E-Zigaretten waren es dagegen 6 von 100. Die Aussagekraft der Ergebnisse stufen die Studienautoren als moderat ein.

    Wie schädlich sind E-Zigaretten?

    Nach bisherigem Kenntnisstand enthalten E-Zigaretten im Vergleich zu Tabak-Zigaretten deutlich weniger gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe. Dennoch können von E-Zigaretten verschiedene Gesundheitsgefahren ausgehen, auch wenn sich die längerfristigen Auswirkungen noch nicht abschließend beurteilen lassen. So entsteht beim Erhitzen der Liquids ein Aerosol. Die darin enthaltenen feinen und ultrafeinen Flüssigkeitspartikel gelangen über die Atemwege in den Körper und können das Herz-Kreislauf-System schädigen. Das gilt auch für nikotinfreie Liquids.

    Das häufig verwendete Verneblungsmittel Propylenglykol kann bei empfindlichen Menschen die Augen reizen und Atembeschwerden auslösen. Die langfristigen Folgen sind dabei noch nicht ausreichend untersucht. Einige der in Liquids verwendeten Aromen können Allergien auslösen. Nikotin birgt nicht nur ein gewisses Abhängigkeitspotenzial, sondern erhöht auch den Blutdruck, das Thromboserisiko, die Magensäureproduktion sowie die Ausschüttung von Stresshormonen. Eine weitere Gefahr stellt das versehentliche Verschlucken von Liquids dar – insbesondere nach dem Selbstmischen. In diesem Fall drohen schwere Vergiftungen. In den USA sollen illegale Produkte auch zu Todesfällen geführt haben.

    Ein Mann hält eine E-Zigarette in der Hand und bläst Rauch aus.
    Auch beim Konsum von E-Zigaretten können potenziell gesundheitsschädigende Partikel in die Raumluft gelangen.

    Wie schädlich ist Dampfen für die Lunge?

    In den USA kam es nach dem Einatmen von Dampf aus elektrischen Zigaretten bis Februar 2020 bei mehr als 2.800 Menschen zu teilweise schweren Lungenentzündungen. Weitere 68 Menschen starben. Im Verdacht steht öliges Vitamin-E-Acetat, das dem Liquid beigemischt wurde. Diese Substanz reichert sich vermutlich in den Lungenbläschen an und behindert die Aufnahme von Sauerstoff. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat in einer Stichprobe 57 E-Liquids vom deutschen Markt und aus Online-Shops überprüft. Dabei fanden die Wissenschaftler allerdings nur in einem Fall sehr geringe Mengen Vitamin-E-Acetat, von denen keine gesundheitlichen Auswirkungen zu erwarten sind.

    Ist die E-Zigarette krebserregend?

    Das beim Erhitzen entstehende Aerosol kann Substanzen enthalten, die als krebserregend gelten. Hierzu zählt vor allem Formaldehyd. Acetaldehyd gilt als möglicherweise krebserzeugend. Auch Metalle wie Nickel, Chrom und Blei gelten bei Inhalation als krebserzeugend beziehungsweise möglicherweise krebserzeugend, und können teilweise als Kontamination in den Liquids nachgewiesen werden. Zwar liegen die Schadstoffmengen im Aerosol in der Regel meist deutlich unter denen im Tabakrauch und die schädlichen Verbrennungsprodukte entstehen nicht. Dennoch können bei Überhitzung krebserregende Verbindungen entstehen.

    Dazu kommt, dass beim Konsum von E-Zigaretten potenziell gesundheitsschädigende Partikel in die Raumluft gelangen. Mögliche Risiken für Dritte können deshalb nicht ausgeschlosen werden.

    Fazit

    Ist Dampfen besser als Rauchen?

    Aufgrund des reduzierten Schadstoffgehalts von E-Zigaretten im Vergleich zu Tabak-Zigaretten ist Dampfen möglicherweise weniger gefährlich als Rauchen. Dies gilt für die bestimmungsmäßige Anwendung. Daher können E-Zigaretten für Raucher, denen es schwerfällt, ohne Nikotin auszukommen, das kleinere Übel sein. Zudem können elektrische Zigaretten im Einzelfall die Rauchentwöhnung erleichtern. Nicht vergessen werden sollte jedoch, dass auch der Konsum von E-Zigaretten keineswegs harmlos ist und langfristige Folgen für die Gesundheit haben kann, die teilweise noch nicht abzusehen sind.

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