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„Legal Highs“: Warum die psychoaktiven Substanzen höchst gefährlich sind

Ein Person übergibt jemandem ein Tütchen mit Legal Highs.

© iStock / MachineHeadz

Lesezeit: 4 MinutenAktualisiert: 22.04.2021

White Dove, Jamacain Summer Dream oder Bolivian Bath – sogenannte „Legal Highs“ oder auch „Neue psychoaktive Substanzen“ (NPS) tragen verführerisch klingende Namen und werden oft in kleinen, bunten Tütchen verkauft. Dass der Konsum der synthetisch hergestellten Drogen lebensgefährlich sein kann, steht nicht auf der Verpackung. Welche gesundheitlichen Folgen auftreten können und wie die rechtliche Lage aussieht, erfahren Sie hier.

Inhalte im Überblick

    Was sind „Legal Highs“?

    „Legal High“ heißt übersetzt „legaler Rausch“. Bei diesen Rauschmitteln handelt es sich um künstlich hergestellte Versionen von illegalen Drogen, die chemisch leicht verändert wurden. So versuchen die Hersteller, die Strafvorschriften für illegale Drogen zu umgehen und den Konsumenten den Eindruck einer vermeintlichen Legalität der von ihnen angebotenen Stoffe zu vermitteln. Die Substanzen werden neben „Legal Highs“ oder „Designerdrogen“ auch als „Herbal Highs“ oder „Research Chemicals“ bezeichnet. Verkauft werden sie unter Namen, die ihren eigentlichen Verwendungszweck bewusst verschleiern – etwa unter „Spice“, „Kräutermischungen“, „Räuchermischungen“, „Pflanzendünger“, „Raumlufterfrischer“, „Reiniger“ oder „Badesalze“.

    Die Verpackungen sind comichaft, bunt, auffällig und erinnern an Süßigkeiten. Die Drogen werden leicht zugänglich im Internet oder in Head Shops verkauft. Die Fantasienamen und die kindliche Verpackung sollen über Illegalität und Gefährlichkeit hinwegtäuschen. Eine Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) aus dem Jahr 2015 zeigte: 2,2 Prozent der 18- bis 25-Jährigen hatten solche Substanzen schon einmal verwendet. 

    Welche unterschiedlichen „Legal Highs" gibt es?

    Laut der europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht sind in Europa mehr als 730 verschiedene „Legal Highs“ beziehungsweise „Neue psychoaktive Stoffe“ (NPS) bekannt. 

    Ein Großteil der Substanzen lässt sich diesen drei Kategorien zuteilen:

    • Synthetische Cannabinoide: Sie werden als „Kräutermischungen“ oder „Räuchermischungen“ verkauft. Die Mischungen aus Kräutern oder Gewürzen werden oft mit einer chemischen Substanz besprüht, die Ähnlichkeit mit Tetrahydrocannabiol (THC) hat. THC ist der Bestandteil von Cannabis, der eine bewusstseinsverändernde Wirkung hat. Bekannt ist vor allem „Spice“, das erstmals 2008 in Deutschland für Aufsehen sorgte.
    • Synthetische Cathinone: Sie werden oft unter der irreführenden Bezeichunung „Badesalze“ verkauft und sind chemische Abkömmlinge von Stoffen, die in der Khat-Pflanze vorkommen.
    • Synthetische Phenylethylamine: Sie werden unter anderem als Pillen, in Pulverform, als Flüssigkeit oder als sogenanntes Blotterpapier verkauft. Sie wirken teilweise stark halluzinogen und imitieren die Wirkung von LSD oder Meskalin.

    Warum sind Legal Highs so gefährlich?

    Durch die mit dem Oberbegriff „Legal Highs“ suggerierte Legalität und die bunten, teilweise mit Cartoons bebilderten Verpackungen kann der Eindruck entstehen, dass es sich um ein völlig harmloses Produkte handelt. Der Konsument wird nicht ausreichend darüber informiert, welche Inhaltstoffe in welcher Zusammensetzung sich tatsächlich in der Substanz befinden. Von Produkt zu Produkt sind die Wirkstoffkonzentrationen außerdem völlig unterschiedlich. Das macht „Legal Highs“ unberechenbar. Auf den Produkten befindet sich meist nur die Pseudowarnung „nicht für den menschlichen Konsum bestimmt“.

    „Legal Highs“ imitieren die Wirkung von Cannabis, Kokain, LSD und anderen Drogen, können aber durch die chemischen Veränderungen stärker oder anders wirken. Zudem könnten sie mit anderen schädlichen Substanzen gestreckt oder versetzt sein. Überdosierungen oder Vergiftungen mit zahlreichen schweren Symptomen bis hin zum Tod können die Folge sein.

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    Diese Folgen kann der Konsum haben

    Weil immer neue Stoffe auf den Markt gebracht werden und die Zusammensetzung der Produkte nicht klar deklariert ist, ist das Ausmaß der akuten Nebenwirkungen und Langzeitschäden bisher noch nicht gut untersucht. Die folgenden gesundheitlichen Probleme wurden von NPS-Konsumenten aber häufig beobachtet: 

    • Herzrasen und andere Kreislaufprobleme
    • Übelkeit
    • Magenschmerzen
    • Muskelkrämpfe
    • Schweißausbrüche 
    • Kopfschmerzen
    • Angstzustände 
    • Bewusstlosigkeit

    Zudem wurde im Zusammenhang mit NPS-Konsum berichtet über:

    • Krampfanfälle
    • Herzrhythmusstörungen 
    • Herzinfarkte
    • Nierenversagen 
    • Psychosen 

    Darüber hinaus kann es durch den NPS-Konsum auch zu gefährlichen Unfällen kommen.

    Wie bei anderen Drogen kann es auch bei „Legal Highs“ zu einem starken Substanzverlangen und Toleranzentwicklungen kommen. Bei Aussetzen des Konsums können Entzugserscheinungen auftreten, unter anderem mit Konzentrationsschwierigkeiten, Angstzuständen, Antriebslosigkeit, Erschöpfung oder depressiven Verstimmungen.

    Im Jahr 2018 starben in Deutschland laut Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) 25 Menschen, nachdem sie „Legal Highs“ konsumiert hatten. Das BKA vermutet jedoch eine wesentlich höhere Dunkelziffer, da diese Todesursache schwierig zu erkennen ist.

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    Wieso wurden die Stoffe nicht längst verboten?

    Bis 2016 waren vom Gesetzgeber nur die Substanzen verboten, die im Betäubungsmittelgesetz (BtMG) aufgeführt sind. Es fand ein „Katz-und-Maus-Spiel“ statt: Die Hersteller brachten neue psychoaktive Substanzen auf den Markt, die vom Gesetzgeber erst analysiert und dann verboten wurden. Doch durch geringfügige Veränderungen der chemischen Struktur ihrer Produkte konnten die Hersteller die gesetzlichen Verbote immer wieder für einige Zeit umgehen und weitere, scheinbar legale NPS in Umlauf bringen.

    Ende 2016 wurden dann erstmals ganze Stoffgruppen verboten, das „Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz“ (npSG) trat in Kraft. Der Online-Handel lässt sich allerdings schwer überwachen, weil jeder Stoff neu analysiert werden muss und die Anbieter meist nicht in Deutschland ansässig sind. Deswegen werden weiterhin neue Substanzen auf den Markt gebracht: In Europa etwa ein neuer Stoff pro Woche.

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