Zum Hauptinhalt springen
AOK WortmarkeAOK Lebensbaum
Gesundheitsmagazin

Muskel-Skelett-System

X-Beine: Wann müssen sie behandelt werden?

Veröffentlicht am:05.02.2024

4 Minuten Lesedauer

Bei Kleinkinder sind X-Beine normal und verschwinden von allein wieder. Es gibt jedoch Formen von X-Beinen – sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen – die ein gesundheitliches Problem darstellen und behandelt werden müssen.

Drei Kinder springen im Sommer auf einer Wiese.

© iStock / FamVeld

Was sind X-Beine?

X-Beine sind eine Fehlstellung der Beine, die in der Medizin auch als Genu Valgum bezeichnet wird. Bei X-Beinen liegt eine Abweichung der Beinachse vor, die normalerweise in einer geraden Linie vom Hüftgelenk über das Kniegelenk bis zum Fuß verläuft. Bei X-Beinen sind die Knie nach innen abgewinkelt.

Eine solche abweichende Stellung, bei der das entsprechende Gelenk zur Körpermitte hin geknickt ist, nennt man Valgusstellung. Eine Valgusstellung kommt zum Beispiel auch bei den Zehen (Hallux valgus) oder im Bereich der Hüfte (Coxa valga) vor.

Bei X-Beinen stehen die Unterschenkel nach außen ab und die Fußknöchel sind im Stand voneinander entfernt, während sich die Knie berühren. Die Fehlstellung erinnert optisch an den Buchstaben X. X-Beine können angeboren sein oder im Laufe des Lebens erworben werden. Eine andere Beinachsfehlstellung sind O-Beine (Genu varum).

X-Beine bei Kindern

Bei Kindern im Alter von ungefähr zwei bis sechs Jahren sind X-Beine normal. Während des Wachstums verändert sich die Stellung der Beine. Säuglinge haben meist leichte O-Beine. Nach dem Laufenlernen entwickeln sich die Beine ab dem Alter von zwei Jahren häufig zu X-Beinen, die bis zum Alter von drei bis vier Jahren ihr Maximum erreichen. Spätestens ab dem Alter von fünf Jahren bilden sich die X-Beine zurück. Bis zum Alter von sieben Jahren bleibt eine kleine X-Beinstellung von drei bis fünf Grad, die auch bis ins Erwachsenenalter besteht.

X-Beine bei Erwachsenen

Eine leichte X-Bein-Stellung ist auch bei Erwachsenen normal. Problematisch sind X-Beine, wenn sie ausgeprägt sind, im Erwachsenenalter neu auftreten oder mit Beschwerden verbunden sind – insbesondere mit Schmerzen, Bewegungs- oder Gangstörungen. Ausgeprägte X-Beine führen durch die ungleiche Belastung zu einer Überlastung der äußeren Kniegelenksflächen. Mögliche Folgen sind nicht nur Schmerzen, sondern auch Arthrose.

Ursachen von X-Beinen

Bei Kindern korrigiert sich die Fehlstellung im Laufe des Wachstums fast immer von selbst. Solche unbedenklichen X-Beine nennen Mediziner und Medizinerinnen physiologisches Genu valgum. Nicht physiologische Formen von X-Beinen bei Erwachsenen oder Kindern können unterschiedliche Ursachen haben. Ein Risikofaktor für die Entstehung von X-Beinen ist zum Beispiel eine Rachitis.

Passende Artikel zum Thema

Wann sollten Eltern zum Kinderarzt oder zu Kinderärztin?

Sie sollten Ihren Kinderarzt oder Ihre Kinderärztin aufsuchen, wenn

  • die Lücke zwischen den Füßen im Stand mit sich berührenden Knien breiter als acht Zentimeter ist,
  • eines oder beide Knie schmerzen, geschwollen sind, sich steif oder warm anfühlen,
  • nur ein Bein betroffen ist oder die Beine unterschiedlich lang sind,
  • die Probleme zunehmen,
  • Ihr Kind sehr klein oder untergewichtig ist,
  • das Kind hinkt oder Schwierigkeiten beim Gehen hat oder
  • Ihr Kind jünger als zwei oder älter als fünf Jahre ist.

Die behandelnden Ärzte oder Ärztinnen untersuchen die Position der Beine, Knie und Sprunggelenke. Dabei messen sie meist auch den Abstand zwischen den Fußknöcheln im geraden Stand, um den Schweregrad der X-Beine zu bestimmen: Je größer der Abstand zwischen den Knöcheln, desto schwerwiegender ist die Fehlstellung. Ein kritischer Punkt ist ein Abstand von mehr als acht Zentimetern. Außerdem nehmen sie Ganganalysen vor, um die Auswirkungen der Fehlstellung auf die Beweglichkeit einzuschätzen.

Besteht der Verdacht auf behandlungsbedürftige X-Beine, sind gegebenenfalls Röntgenaufnahmen notwendig. Auf den Röntgenaufnahmen lassen sich Fehlstellungen der Beinknochen und des Kniegelenks eindeutig vermessen. Alternativ erfolgt bei Kindern oft ein genaues Monitoring des Wachstums mit regelmäßigen Kontrollen und Fotodokumentation, um zu erkennen, ob eine Behandlung notwendig ist. Grundsätzlich muss außerdem geklärt werden, ob X-Beine das Symptom einer zugrundeliegenden Erkrankung sind.

Wie werden X-Beine behandelt?

Bei Erwachsenen und Kindern ist gegebenenfalls eine Therapie zugrundeliegender Erkrankungen erforderlich: Eine Rachitis kann zum Beispiel mit einer Vitamin-D- und Kalziumergänzung behandelt werden. Ansonsten werden Kinder und ausgewachsene Menschen unterschiedlich behandelt, weil nach abgeschlossenem Wachstum eine Korrektur, die in den Wachstumsprozess eingreift, nicht mehr möglich ist.

Ein Orthopäde nimmt die Fußabdrücke einer Frau, um orthopädische Schuheinlagen anzufertigen, die ihre Körperhaltung verbessern.

© iStock / FilippoBacci

Bei Erwachsenen mit X-Beinen können orthopädische Einlagen den Gang erleichtern. Nur in schweren Fällen wird eine Umstellungsoperationen der Knochen empfohlen.

Behandlungsformen bei Kindern

Mögliche Behandlungen umfassen die Verordnung von Physiotherapie und die Versorgung mit Schuheinlagen. Eine geeignete Behandlung ermöglicht wieder einen unbelasteten Gang oder beugt einer verstärkten Abnutzung der betroffenen Gelenke und anderen Folgeschäden vor. Während des Wachstums können auch minimalinvasive Operationen erfolgen (wachstumslenkende Chirurgie): Der Chirurg oder die Chirurgin schraubt über einen kleinen Hautschnitt kleine Metallplättchen auf die Wachstumsfugen auf der Innenseite des Knies. Auf dieser Seite wird das Wachstum blockiert. Die nicht gebremste Gegenseite wächst weiter, wodurch sich die Beinachse korrigiert. Ist die Beinachse gerade, werden die Plättchen wieder entfernt. Das ist oft schon nach einem Jahr der Fall.

Behandlung von Erwachsenen

Bei Erwachsenen können orthopädische Einlagen den Gang bei X-Beinen erleichtern. Um schwere Fälle von X-Beinen bei Erwachsenen zu korrigieren, ist eine Umstellungsoperationen der Knochen nötig. Diese Operation wird Osteotomie genannt. Ziel des Eingriffs ist die Streckung der Beine durch Veränderung des Gelenkwinkels. Dafür durchtrennt ein Chirurg oder eine Chirurgin oberhalb oder unterhalb des Knies die Knochen, richtet sie neu aus und fixiert sie abschließend in der gewünschten Position.

Exklusiver Service für AOK-Versicherte mit verständlichen Antworten auf medizinische Fragen

Waren diese Informationen hilfreich für Sie?

Noch nicht das Richtige gefunden?