Zum Hauptinhalt springen
AOK WortmarkeAOK Lebensbaum
Gesundheitsmagazin

Herz & Kreislauf

Der Höhenkrankheit vorbeugen durch richtige Höhenakklimatisation

Veröffentlicht am:15.12.2023

4 Minuten Lesedauer

Kopfschmerzen, Müdigkeit und Schwindel sind Symptome, die ab 2.500 Metern Höhe auftreten können – erste Warnsymptome für eine Höhenkrankheit. Durch richtige Akklimatisation können Sie das Risiko deutlich verringern.

An einem Sommertag macht sich eine dreiköpfige Wandergruppe aus einem Tal auf den Weg zum Gipfel.

© iStock / grafxart8888

Was ist die Höhenkrankheit?

Berge üben auf Menschen eine Faszination aus. Viele reizt es, Gipfel zu erklimmen und die Aussicht von oben zu genießen. Doch der Weg hinauf birgt Risiken, denn mit zunehmender Höhe nehmen Luftdruck und Sauerstoffgehalt ab. Um den Sauerstoffmangel auszugleichen, reagiert der Körper mit beschleunigter Atmung und Herzfrequenz. Gelingt es dem Körper nicht, die Organe ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen, führt das zu einer Gruppe von Symptomen, die als Höhenkrankheit bezeichnet werden.

Das Hauptsymptom sind Kopfschmerzen. Kommen weitere Beschwerden hinzu, wie Übelkeit und Erbrechen, Schwindel, Appetitlosigkeit, Erschöpfung oder Schlafstörungen, deutet dies auf eine akute Höhenkrankheit beziehungsweise Bergkrankheit hin (Acute Mountain Sickness, AMS). Die Symptome können oberhalb von 2.000 bis 2.500 Metern und frühestens sechs bis zwölf Stunden nach Erreichen der neuen Höhe auftreten. Anfangs handelt es sich um leichtere Beschwerden, die innerhalb von 24 bis 48 Stunden wieder verschwinden.

Nehmen Betroffene keine Rücksicht auf die Symptome und unternehmen einen weiteren Aufstieg ohne Ruhephase, verschlechtern sich die beschriebenen Beschwerden. Sie können sich dann zu einer schweren Erkrankung, dem Höhenlungenödem oder Höhenhirnödem, entwickeln. Dabei sammelt sich Flüssigkeit in der Lunge beziehungsweise im Gehirn an – was lebensbedrohlich ist. Typische Anzeichen für ein Höhenhirnödem (high altitude cerebral edema, HACE) sind Verwirrtheit, Bewusstseins-, Seh- oder Gleichgewichtsstörungen. Ein plötzlicher Leistungseinbruch, Herzrasen, schwere Atemnot oder rasselnde Atemgeräusche deuten hingegen auf ein Höhenlungenödem (high altitude pulmonary edema, HAPE) hin. Auch eine Kombination beider Krankheitsbilder ist möglich. Bei allen ist ein sofortiges Handeln notwendig. Dazu gehört der sofortige Abstieg beziehungsweise der Transport der betroffenen Person um mindestens 1.000 Höhenmeter Richtung Tal und wenn möglich eine Sauerstoffgabe.

Was sind die größten Risikofaktoren für die Höhenkrankheit?

Die meisten Freizeitwanderer und -wanderinnen können an einem Tag eine Höhe von 1.500 bis 2.000 Meter ohne gesundheitliche Einschränkungen erreichen. Damit ist eine Höhe über Normalnull gemeint, also oberhalb des Meeresspiegels – Beschilderungen, die Höhenmeter auf Wanderwegen ausweisen, beziehen sich ebenfalls auf Normalnull. Danach erleben Untrainierte einen Leistungsverlust von zehn Prozent bei einer Höhe von 2.500 Metern über Normalnull. Zu einem Leistungsverlust von 65 Prozent kommt es bei etwa 8.000 Höhenmetern. Ob jemand höhenkrank wird oder nicht, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

  • Individuelle Empfindlichkeit: Jeder Körper reagiert anders auf die Herausforderungen der Höhe.
  • Zu schnelles Aufsteigen: Legt jemand in kurzer Zeit zu viele Höhenmeter zurück, hat der Körper nicht genug Zeit, sich auf die veränderten Parameter einzustellen. Das Risiko für eine Höhenkrankheit wächst. Menschen, die anfällig für die Höhenkrankheit sind, sollten sogar rasche Aufstiegsfahrten mit der Seilbahn auf über 3.000 Meter vermeiden.
  • Flüssigkeitsmangel: Dehydration kann das Risiko für die Höhenkrankheit erhöhen. Außerdem steigt die Thrombosegefahr.
  • Schlechte Grundkondition: Bergwandern ist für den Körper anstrengend, ein Mangel des Sauerstoffangebots muss der Körper zusätzlich kompensieren. Ein vorheriges Höhentraining und langsames Aufsteigen ist gegebenenfalls sinnvoll.
  • Vorerkrankungen: Dies betrifft vor allem Menschen mit Herz- und Lungenerkrankungen.
  • Vorherige Höhenkrankheiten: Menschen, die bereits höhenkrank waren, sind anfälliger für eine erneute Erkrankung und sollten besonders vorsichtig sein.
Ein junger Mann mit ersten Symptomen einer Höhenkrankheit stützt sich erschöpft auf seine Wanderstöcke.

© iStock / megaflopp

Erste Symptome einer Höhenkrankheit sollten Sie ernst nehmen, den Aufstieg pausieren und ein bis zwei Ruhetage einlegen.

Vorbeugung der Höhenkrankheit: Was können Sie tun?

Die effektivste Maßnahme, um Symptome der Höhenkrankheit zu vermeiden, ist der langsame Aufstieg. Nur so kann sich der Körper nach und nach auf den sinkenden Luftdruck und den Sauerstoffmangel einstellen. Die langsame Gewöhnung an die Höhe wird auch als Höhenakklimatisation bezeichnet. Für die meisten Menschen wird zur Akklimatisierung oberhalb von 2.500 Metern eine tägliche Steigerung um maximal 300 bis 500 Meter empfohlen. Alle 1.000 Meter sollten Sie einen weiteren Ruhetag einlegen. Um der Höhenkrankheit vorzubeugen, können Sie außerdem folgende Tipps befolgen:

  • Ausreichend Wasser trinken: Je höher Sie steigen, desto mehr muss Ihr Körper arbeiten. Das verbraucht Wasser und Energie. Erhöhen Sie Ihre Trinkmenge um etwa einen Liter pro 1.000 Höhenmeter und nehmen Sie kohlenhydratreiche Kost zu sich.
  • Sich nach dem Zwiebelprinzip kleiden: In höheren Lagen sinkt die Lufttemperatur. Setzen Sie am besten auf mehrere Schichten Funktionskleidung, die Sie je nach Wetterzustand und Höhe an- oder ausziehen können. So belasten Sie den Körper nicht zusätzlich, indem er Energie für den Temperaturausgleich aufbringen muss. Achten Sie außerdem auf Sonnenschutz durch entsprechende Kopfbedeckung und Sonnencreme.
  • Auf den Körper hören: Bei einer sich langsam entwickelnden Höhenkrankheit werden die Symptome erst im späteren Verlauf stärker. Horchen Sie daher immer wieder aufmerksam in sich hinein. Steigen Sie nicht weiter auf, wenn sich Kopfschmerzen oder Erschöpfung ankündigen.

Wie wird die Höhenkrankheit behandelt?

Bei aufkommenden Symptomen der Höhenkrankheit sollten Betroffene den Anstieg sofort unterbrechen. Bei leichten Anfangssymptomen der akuten Bergkrankheit reicht es oft, ein bis zwei Ruhetage einzulegen, bis sich der Körper adaptiert hat. Die Symptome sollten vollständig abgeklungen sein, bevor es weiter nach oben geht. Sonst ist mit einer Verschlechterung und mit einem Übergang zu einem Ödem zu rechnen. Schwerste Beeinträchtigungen wie akute Luftnot und Bewusstseinseintrübungen sind Zeichen eines lebensbedrohlichen Zustands und erfordern sofortiges Handeln. Die erkrankte Person muss umgehend um 1.000 Meter tiefer absteigen beziehungsweise transportiert werden. Begleitpersonen sollten kein Risiko eingehen, sondern umgehend die Bergwacht verständigen. Sie hat viel Erfahrung mit der Höhenkrankheit. Zudem ist eine große Flüssigkeitszufuhr wichtig.

Grundsätzlich sollten Sie sich vor einer Reise in die Berge immer über die Höhenverhältnisse informieren, und die gesundheitliche Voraussetzung im Zweifel mit dem Hausarzt oder der Hausärztin klären. Speichern Sie sich im außereuropäischen Ausland die entsprechenden Notrufnummern in Ihrem Handy ein. Sorgen Sie mit Solarladegeräten dafür, dass Ihr Smartphone für einen Notruf stets ausreichend geladen ist.

Passende Artikel zum Thema

Waren diese Informationen hilfreich für Sie?

Noch nicht das Richtige gefunden?