Zum Hauptinhalt springen
AOK – Die Gesundheitskasse

Restless-Legs-Syndrom: Was ist das?

Eine Frau sitzt auf dem Bett und hält ihre unruhigen Beine.

© iStock / sopradit

Lesezeit: 4 MinutenAktualisiert: 17.06.2021

Das Restless-Legs-Syndrom beschreibt das Phänomen der unruhigen Beine. Betroffene spüren in Ruhephasen – vor allem abends und nachts – einen oftmals quälenden Bewegungsdrang mit Unruhe-, Spannungs- oder Druckgefühl. Wie entsteht ein Restless-Legs-Syndrom, und was können Betroffene dagegen tun?

Inhalte im Überblick

    Was ist das Restless-Legs-Syndrom?

    Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Zwischen drei und zehn Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen. Dabei können die sogenannten unruhigen Beine prinzipiell in jedem Alter auftreten, ihre Häufigkeit steigt aber mit dem Lebensalter an. Frauen haben RLS etwa doppelt so oft wie Männer. Grundsätzlich ist der Schweregrad der Erkrankung sehr unterschiedlich ausgeprägt. Während einige Patienten ihre Beschwerden kaum wahrnehmen, stellen sie für andere eine große Belastung dar.

    Laut der International RLS Study Group kennzeichnen diese fünf Symptome das Restless-Legs-Syndrom:

    1. Das Leitsymptom des RLS ist ein unangenehmer Bewegungsdrang, oft, aber nicht immer, begleitet von Missempfindungen oder einem Druckgefühl. Diese Beschwerden sind meistens auf die Beine konzentriert, woher der alternative Begriff „unruhige Beine“ stammt. Die Anzeichen können sich bei einem schweren Verlauf aber auch auf die Arme ausbreiten und sogar die Brustwand betreffen.
    2. Typischerweise verstärken sich die Beschwerden in Ruhe, also beim Sitzen oder Liegen. Manche Betroffenen vermeiden daher Situationen wie lange Reisen, Konzerte oder Sitzungen.
    3. Umgekehrt nehmen sie in der Regel durch Bewegung ab, zumindest solange man in Bewegung ist.
    4. Die Symptome des Restless-Legs-Syndroms treten nur abends oder nachts auf beziehungsweise sind zu dieser Zeit schlimmer als tagsüber.
    5. Das Auftreten der Symptome ist nicht auf eine andere bestehende Krankheit zurückzuführen.

    Welche Ursache hat das Restless-Syndrom?

    In den allermeisten Fällen gibt es keine Ursache für das Restless-Leg-Syndrom. Es kann als Begleiterscheinung einer anderen Grunderkrankung auftreten oder als eigenständige Diagnose. Krankheiten oder Situationen, die als Symptom ein RLS auslösen können, sind zum Beispiel:

    • Nierenschwäche
    • Eisenmangel
    • An unruhigen Beinen leiden einige Frauen auch während einer Schwangerschaft und kurz nach der Geburt. Zeigt sich das RLS in dieser Zeit zum ersten Mal, verschwindet es in der Regel von selbst wieder.
    Eine Schwangere sitzt auf der Couch und hält sich den Bauch und das Bein

    © iStock / m-gucci

    Zudem scheint auch die Vererbung eine Rolle zu spielen – bei mehr als jedem zweiten Betroffenen treten die unruhigen Beine familiär gehäuft auf. Die Mechanismen im Körper, die zum RLS führen, sind weiterhin nicht bekannt, es werden jedoch viele verschiedene Erklärungsmodelle diskutiert. So spielen unter anderem der Nervenbotenstoff Dopamin und Eisen eine Rolle beim RLS.

    Mehr zum Thema

    Wie wird das Restless-Legs-Syndrom diagnostiziert?

    Die Diagnose des Restless-Legs-Syndroms wird in erster Linie durch die typischen Symptome gestellt, die der Arzt mit einem ausführlichen Gespräch erfragt. Dann werden durch Blutuntersuchungen äußere Ursachen wie Eisenmangel oder Nierenschwäche ausgeschlossen.

    Liegt keine äußere Ursache vor, kann der Arzt weitere Tests durchführen, um den Verdacht auf das Restless-Legs-Syndrom zu bestärken. Beim Dopamintest nehmen die Patienten dafür einmalig 100200 Milligramm des Wirkstoffs L-Dopa ein, der auch zur Behandlung der Erkrankung eingesetzt wird. In 90 Prozent der RLS-Fälle bessern sich daraufhin die Beschwerden. Allerdings nicht bei allen Patienten, das heißt: Wenn L-Dopa nicht wirkt, kann der Arzt trotzdem nicht ausschließen, dass es sich um das Restless-Legs-Syndrom handelt.

    Eine weitere Möglichkeit zur Diagnose ist ein Besuch im Schlaflabor, etwa 80 Prozent der Betroffenen zeigen dort wiederkehrende Bewegungen der Beine im Schlaf. Diese Beinbewegungen im Schlaf treten jedoch auch bei Menschen ohne RLS auf und finden sich auf der anderen Seite bei jedem fünften RLS-Patienten nicht.

    Was können Sie gegen unruhige Beine tun?

    Das Restless-Legs-Syndrom ist individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt. Zur Behandlung gibt es medikamentöse Therapien, aber auch sehr viele nichtmedikamentöse Dinge, die man tun kann, um die unruhigen Beine in den Griff zu bekommen. Ausprobieren heißt die Devise. Das können Sie tun:

    • Gute Schlafgewohnheiten sind wichtig, also regelmäßig zu Bett gehen und ausreichend schlafen.
    • Vermeiden Sie Zigarettenrauchen und Alkohol.
    • Alles, was die Durchblutung anregt, gilt als positiv. Das können zum Beispiel Wechselduschen sein, Fußbäder sowie kalte und warme Wickel. Es kann auch helfen, unruhige Beine zu massieren und zu bürsten.
    • Bewegung trägt beim Restless-Legs-Syndrom dazu bei, die Beschwerden zu lindern, etwa spazieren gehen, Fahrradfahren, Kniebeugen und Dehnübungen.
    • Versuchen Sie, zwischen Ihren täglichen Aufgaben, schwerer körperlicher Arbeit und der Schlafenszeit zur Ruhe zu kommen. Für einen angenehmen Schlaf in der Nacht kann es hilfreich sein, auf einen eventuellen Mittagsschlaf zu verzichten.

    Das sollten Sie nach Möglichkeit vermeiden:

    • Verzichten Sie auf Alkohol und koffeinhaltige Getränke in den Mittags- oder Abendstunden. Das verbessert bei manchen Patienten die RLS-Symptome.
    • Vermeiden Sie Stress, vor allem vor der Schlafenszeit.

    Wie kann ein Arzt das Restless-Legs-Syndrom therapieren?

    Die Maßnahmen zur Selbsthilfe reichen beim Restless-Legs-Syndrom nicht immer aus, um die Beschwerden zu lindern. Der Arzt wird zunächst klären, ob eine Grunderkrankung die Ursache der Symptome ist. Die wird er gegebenenfalls behandeln.

    Handelt es sich bei den unruhigen Beinen um eine Nebenwirkung von Medikamenten, gilt es abzuwägen, ob die Medikation geändert werden soll. Liegt ein Eisenmangel vor, wird dieser behandelt.

    Wird das RLS diagnostiziert, gibt es einige medikamentöse Behandlungen. Die Medikamente L-Dopa sowie Dopamin-Agonisten sind bewährte Mittel bei dem Restless-Legs-Syndrom. Sie sorgen dafür, dass Dopamin, ein Botenstoff  im Gehirn, ersetzt wird. Es gibt verlässliche Studien, die eine beschwerdelindernde Wirkung belegen. Jedoch können diese Medikamente auch unerwünschte Nebenwirkungen haben, zum Beispiel Übelkeit und auch Schlafstörungen.

    In einer höheren Dosis können die Mittel sogar Einfluss auf unser Verhalten nehmen – beispielsweise eine vermehrte Lust nach Essen oder Sex bewirken. Spiel- oder Kaufsucht und Zwangshandlungen sind ebenfalls mögliche Nebenwirkungen.

    Wenn diese Arzneimittel mehr Nebenwirkungen als Wirkungen haben, können andere Medikamente helfen. Möglich sind zum Beispiel einige Therapeutika gegen epileptische Anfälle,  bestimmte Schlafmittel (Benzodiazepine) oder starke Schmerzmittel (Opioide).

    War dieser Artikel hilfreich?

    Mehr zu Nervensystem

    Eltern hören ihrem Kind zu, das von Kopfschmerzen und Migräne berichtet.
    Nervensystem
    Junger Mann mit amputiertem Bein bei Training mit seiner Prothese gegen Phantomschmerz.
    Operation

    Patient beim Aufklärungsgespräch für eine Darmspiegelung.
    Verdauungssystem
    Eine Person hält eine Spritze für eine HPV-Impfung in der Hand, im Hintergrund ist ein junges Mädchen.
    Krebs
    Ein Mann sitzt mit Freunden auf der Couch und checkt sein Smartphone aus Angst, etwas zu verpassen.
    Psychologie