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Gesundheitsmagazin

Schwangerschaft

Sex während der Schwangerschaft

Veröffentlicht am:26.08.2022

6 Minuten Lesedauer

Paare können ihre Sexualität während einer gesunden Schwangerschaft weiterhin ausleben. Doch die körperlichen Veränderungen schaffen so manche Hürden. Welche Sex-Positionen dann bequem sind und wann Schwangere besser auf Geschlechtsverkehr verzichten.

Ein Mann und eine schwangere Frau kuscheln im Bett und schauen sich in die Augen.

© iStock / miljko

Inhalte im Überblick

    Porträt von Prof. Dr. Annette Hasenburg, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Frauengesundheit an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

    © Prof. Dr. Annette Hasenburg

    Univ. Prof. Dr. Annette Hasenburg ist Direktorin der Klinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Frauengesundheit an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

    Im Interview gibt sie Tipps für Sex während der Schwangerschaft.

    Darf man während der Schwangerschaft Sex haben?

    In einer gesunden Schwangerschaft dürfen Frauen Geschlechtsverkehr haben. Es gibt allerdings Situationen, in denen Sex nicht empfehlenswert ist. Zum Beispiel dann, wenn Frauen in der Schwangerschaft Blutungen oder vorzeitige Wehen haben – beides kann sich durch den Geschlechtsverkehr verstärken und das Risiko für eine Frühgeburt erhöhen. Auch bei einem vorzeitigen Blasensprung sollten Paare auf Geschlechtsverkehr verzichten, denn dabei besteht die Gefahr, dass Bakterien in die Gebärmutter gelangen und eine Infektion auslösen. Stellt der Gynäkologe oder die Gynäkologin fest, dass der Muttermund bereits vorzeitig geöffnet ist, darf kein Geschlechtsverkehr durchgeführt werden, um das Risiko für eine Frühgeburt nicht zu erhöhen.

    Der innigen Form der Zweisamkeit kann auch eine Mangeldurchblutung der Plazenta oder eine Positionierung der Plazenta vor dem Muttermund im Weg stehen. Des Weiteren sollten Frauen auf Sex verzichten, wenn sie aufgrund eines verkürzten Gebärmutterhalses eine Cerclage (Gebärmutterhalsumschlingung) haben. So verhindern sie eine zusätzliche Belastung des Muttermundes und reduzieren das Risiko für eine Infektion. Bei Frauen, die in ihrer Vergangenheit Fehlgeburten oder Frühgeburten durchlebten, ist Vorsicht geboten – hier kann der Frauenarzt oder die Frauenärztin eine Empfehlung geben.

    Ob Geschlechtsverkehr in der Schwangerschaft ratsam ist oder nicht, hängt also von vielen Faktoren ab. Am besten fragen Frauen ihren Gynäkologen oder ihre Gynäkologin. Sie geben gerne Auskunft darüber, ob bei ihnen etwas gegen Sex in der Schwangerschaft spricht.

    Kann Sex in der Schwangerschaft dem Baby schaden?

    Nein, Geschlechtsverkehr schadet dem Baby nicht. Beim Sex kann der Penis das Baby weder berühren noch verletzen. Dafür sorgen gleich mehrere Schutzmechanismen. Das ungeborene Kind befindet sich in der Fruchtblase und ist von Fruchtwasser umgeben. Dort ist es vor Stößen gut geschützt. Die Fruchtblase sitzt wiederum in der Gebärmutter. Auf dem Weg zwischen Scheide und Gebärmutter liegt der Muttermund, der während der gesamten Schwangerschaft durch einen Schleimpfropf verschlossen ist. Der Schleimpfropf hat die Aufgabe, die Gebärmutter vor Bakterien und damit vor Infektionen zu schützen. Übrigens können Frauen nach dem Sex sogenannte Übungswehen haben. Sie entstehen dadurch, dass sich die Gebärmutter während des Orgasmus zusammenzieht. Das ist kein Grund zur Sorge, solange die Wehen nicht in regelmäßigen Abständen erfolgen. Sollte das der Fall sein, begeben sich Schwangere am besten umgehend zu ihrem Gynäkologen, ihrer Gynäkologin oder ins Krankenhaus.

    Welche Vorteile hat Sex in der Schwangerschaft?

    Für viele Paare ist Sex in der Schwangerschaft wichtig. Sie erfüllen damit ihr Bedürfnis nach Nähe und Zärtlichkeit. Der Geschlechtsverkehr ist eine wunderbare Möglichkeit, um dem Partner oder der Partnerin Zuneigung zu zeigen. Außerdem kann Sex die Entspannung fördern und ist daher eine willkommene Abwechslung zum anstrengenden Schwangerschaftsalltag. Frauen können eine Schwangerschaft nämlich durchaus als anstrengend empfinden, zum Beispiel durch die zunehmende Unbeweglichkeit oder durch eine hormonell bedingte Achterbahnfahrt der Gefühle.

    „Sex kann die Entspannung fördern und ist daher eine willkommene Abwechslung zum anstrengenden Schwangerschaftsalltag.“

    Univ. Prof. Dr. Annette Hasenburg
    Direktorin der Klinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Frauengesundheit an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

    Kann die Schwangerschaft die Lust auf Sex verringern oder erhöhen?

    In der Schwangerschaft finden viele Veränderungen im weiblichen Körper statt. Manche davon können tatsächlich die Lust auf Sex steigern. Durch die Schwangerschaftshormone sind die Geschlechtsorgane besser durchblutet – die Klitoris und die Schamlippen reagieren nun verstärkt auf Berührungen. Auch die Brustwarzen sind empfindsamer und können zu einer leichteren Erregung der Frau beitragen. Die stärkere Durchblutung im Genitalbereich ist übrigens auch der Grund dafür, warum es nach intimen Momenten manchmal zu leichten Blutungen kommen kann. Diese sind in der Regel nur dann ein Grund zur Sorge, wenn sie länger anhalten oder stark sind. In dem Fall sollten sich Frauen an ihren Gynäkologen oder ihre Gynäkologin wenden.

    Die Lust auf Sex hängt aber stark von dem Wohlbefinden der Schwangeren ab. Im ersten Schwangerschaftsdrittel kämpfen Frauen häufig mit Übelkeit, Schwindel oder Erschöpfung. Die eingeschränkte Beweglichkeit, häufiger Harndrang oder Kurzatmigkeit gestalten das letzte Schwangerschaftsdrittel oft anstrengend. Daher leben Paare ihre Sexualität meist verstärkt im zweiten Schwangerschaftsabschnitt aus – hier sind die Schwangerschaftsbeschwerden in der Regel am geringsten. Möchte ein Partner oder eine Partnerin keinen Sex haben, ist das natürlich auch in Ordnung. In einem offenen Gespräch finden Paare heraus, welche Bedürfnisse sie während der Schwangerschaft haben und wie sie ihren Wunsch nach Nähe erfüllen können.

    Ist es besser, in der Schwangerschaft Sex mit Kondom zu haben?

    Liegt bereits eine Schwangerschaft vor, können Frauen selbstverständlich nicht noch einmal schwanger werden. Die Nutzung eines Kondoms kann aber trotzdem sinnvoll sein, um eine Infektion mit sexuell übertragbaren Erkrankungen zu vermeiden. In einer langjährigen Beziehung, in der Vertrauen herrscht und Paare auch ansonsten kein Kondom benutzen, ist der Einsatz des Verhütungsmittels in der Schwangerschaft nicht nötig. Manchmal gibt ein Kondom dem Partner oder der Partnerin ein besseres Gefühl.

    „In einer langjährigen Beziehung, in der Vertrauen herrscht und Paare auch ansonsten kein Kondom benutzen, ist der Einsatz des Verhütungsmittels in der Schwangerschaft nicht nötig.“

    Univ. Prof. Dr. Annette Hasenburg
    Direktorin der Klinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Frauengesundheit an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

    Kann man mit Sex die Geburt auslösen?

    Diese Frage sorgt für viel Gesprächsstoff und ist nicht abwegig. Schließlich befinden sich im Sperma Prostaglandine. Die Hormone setzen Mediziner und Medizinerinnen ein, um die Geburt auszulösen. Beispielsweise dann, wenn die Frau den Entbindungstermin deutlich überschritten hat. Die Menge an Prostaglandinen, die im Sperma steckt, ist in einer gesunden Schwangerschaft aber nicht in der Lage, die Geburt auszulösen. Es sei denn, der Körper ist kurz vor der Entbindung. Dann könnte der weibliche Organismus tatsächlich so empfindlich auf die Prostaglandine reagieren, dass Sex zum natürlichen Geburtshelfer wird. Die Hormone machen den bereits leicht geöffneten Muttermund nämlich weicher – durch die Wehen weitet sich der Muttermund dann leichter.

    Welche Sex-Positionen eignen sich für die letzten Schwangerschaftswochen?

    Oft empfinden Paare Stellungen am angenehmsten, bei denen der Bauch aus dem Weg ist. Paare können sich beispielsweise von hinten lieben oder die sogenannte Löffelchenposition, bei der der Penis von der Seite in die Scheide eindringt, bevorzugen. Empfehlenswert ist auch die Reiterposition, denn hier sitzt die Frau oben und bestimmt die Tiefe der Penetration. Die klassische Missionarsstellung verschmähen die meisten Paare mit zunehmendem Schwangerschaftsfortschritt, weil dabei das Gewicht des Partners oder der Partnerin auf die Gebärmutter drückt – das empfinden Schwangere oft als unangenehm. Liebende, denen der Arzt oder die Ärztin aus gesundheitlichen Gründen von Sex während der Schwangerschaft abrät, können auf Streicheleinheiten oder sanfte Massagen setzen. Schließlich gibt es viele Möglichkeiten, Sexualität gemeinsam auszuleben.

    Ein lesbisches Paar erwartet ein Kind und umarmt sich.

    © iStock / JLco - Julia Amaral

    Wenn Sex während der Schwangerschaft nicht möglich oder angenehm ist, sind Kuscheln und Streicheln eine andere Möglichkeit, um Nähe zu erleben.

    Was sollten Paare bei verschiedenen Sexualpraktiken beachten?

    Sexualpraktiken sollten in der Schwangerschaft keine Verletzungen oder Schmerzen bereiten. Paare, bei denen es im Bett härter zugeht, die zum Beispiel eine Vorliebe für Sadomasochismus (SM) haben, sind in der Schwangerschaft besser etwas vorsichtiger. Oralsex dürfen Partnerinnen und Partner aber ohne Einschränkungen genießen, der Speichel führt nicht zu einem erhöhten Infektionsrisiko. Auch Analsex ist in der Schwangerschaft kein Problem, solange es beiden gefällt. Hier ist es allerdings wichtig, dass der Penis danach nicht in die Scheide eingeführt wird. Dadurch kann es zu einer Keimverschleppung und Infektion kommen – auch außerhalb der Schwangerschaft ist ein Wechsel vom analen zum vaginalen Sex keine gute Idee. Paare, die gerne Sexspielzeuge nutzen, können das auch in der Schwangerschaft tun. Die Spielzeuge reinigen sie zuvor am besten mit Wasser und Seife – auch das beugt Scheideninfektionen vor.

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