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Vorzeitiger Samenerguss: Welche Übungen helfen?

Ein Mann, der gerade einen vorzeitigen Samenerguss hatte, sitzt an der Bettkante und hält sich die Hände vor das Gesicht.

© iStock / South_agency

Lesezeit: 4 Minuten22.02.2022

Kommt ein Mann fast immer zu früh zum Höhepunkt und leidet deshalb sein Sexualleben darunter, spricht man in der Medizin von einem vorzeitigen Samenerguss. Die Ursachen sind weitgehend unerforscht. Wird die psychische Belastung dadurch zu groß, können neben Medikamenten und einer Sexualtherapie auch verschiedene Übungen helfen.

Inhalte im Überblick

    Was ist ein vorzeitiger Samenerguss?

    Das Thema vorzeitiger Samenerguss (lat. Ejaculatio praecox) ist für viele Männer ein Tabu. Mediziner bezeichnen mit diesem Begriff eine sexuelle Funktionsstörung, bei der der Mann beim Geschlechtsverkehr sehr schnell einen Samenerguss bekommt, sodass der Mann und/oder das Paar den Akt nicht als sexuell befriedigend empfindet. Wissenschaftlichen Schätzungen zufolge sind etwa vier Prozent aller Männer von einem vorzeitigen Samenerguss betroffen. Beim Geschlechtsverkehr tritt er also immer oder fast immer zu früh ein, beispielsweise noch bevor oder direkt nachdem der Mann den Penis eingeführt hat.

    Darüber, welche Zeit als „normal“ gilt, bis ein gesunder Mann beim Sex einen Samenerguss hat, kursieren (vor allem unter Männern) viele Mythen. Studien zeigen jedoch, dass es im Schnitt nicht länger als fünf bis sieben Minuten dauert.  Die Zeitspanne kann aber – etwa abhängig von der Situation oder dem Geschlechtspartner – selbst bei sexuell erfahrenen Männern erheblich schwanken. So ist es völlig normal, nach längerer sexueller Abstinenz schneller erregt zu sein und so auch früher zum Höhepunkt zu kommen. Generell ist die Dauer bis zum Samenerguss eine sehr subjektive Beobachtung. Männer überschätzen sie laut Studien um etwa 25 bis 50 Prozent der tatsächlichen Zeit.

    Aus medizinischer Sicht liegt die Diagnose des vorzeitigen Samenergusses erst vor, wenn:

    1. … es nach dem Eindringen mit dem Penis fast immer ungewollt innerhalb einer Minute zum Samenerguss kommt,
    2. … das vorzeitige ejakulieren mehr als sechs Monate vorkommt,
    3. … die vorzeitigen Samenergüsse für den Mann oder die Sexualpartnerin beziehungsweise den Sexualpartner stark belastend sind,
    4. … keine anderen Erkrankungen als Auslöser in Betracht kommen.

    Welche Ursachen hat der vorzeitige Samenerguss?

    Es ist aus medizinischer Sicht umstritten, wie ein vorzeitiger Samenerguss verursacht wird. Mögliche Ursachen sind zum einen biologische Faktoren, etwa ein überempfindlicher Penis oder Veränderungen beim Zusammenspiel von Nerven und Hormonen. Zum anderen werden auch psychische Faktoren ursächlich für einen vorzeitigen Samenerguss angesehen. Beispielsweise können Beziehungsprobleme mit dem Partner oder auch Versagensängste die Sexualfunktion des Mannes beeinflussen. Biologische und psychologische Faktoren können aber auch gemeinsam verantwortlich sein und sich gegenseitig beeinflussen.

    Mediziner unterscheiden zwischen einer lebenslangen (primären) und einer erworbenen (sekundären) Form der Ejaculatio praecox:

    • Lebenslanger (primärer) vorzeitiger Samenerguss: In diesem Fall leidet der Mann bereits vor beziehungsweise seit seinen ersten sexuellen Erfahrungen unter einem zu frühen Höhepunkt. Diese Form tritt deutlich häufiger auf als die erworbene.
    • Erworbener (sekundärer) vorzeitiger Samenerguss: Dieser tritt erst im Lauf des Lebens auf. Oft handelt es sich dabei um eine Begleiterscheinung anderer Erkrankungen (zum Beispiel eine erektile Dysfunktion, Entzündung der Prostata oder Funktionsstörung der Schilddrüse).

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    Wie kann man einen vorzeitigen Samenerguss verhindern?

    Ein vorzeitiger Samenerguss kann den betroffenen Mann und seine Partnerschaft extrem belasten. Vermindertes Selbstwertgefühl, Vermeidungsverhalten oder auch Stress und Anspannung beim Geschlechtsverkehr können die Beschwerden zusätzlich verstärken. Auch kann es mit der Zeit zu weiteren Problemen wie etwa Erektionsstörungen kommen.

    Als erster Schritt empfiehlt es sich, mit der Partnerin oder dem Partner über das Problem offen zu sprechen. Zudem sollten Betroffene eine hausärztliche oder urologische Praxis aufsuchen. Der Arzt oder die Ärztin können körperliche Ursachen für den vorzeitigen Samenerguss eingrenzen oder ausschließen und die zur Verfügung stehenden Therapieansätze mit dem Patienten besprechen.

    Medikamente gegen vorzeitigen Samenerguss

    Für eine medikamentöse Behandlung steht zum Beispiel Dapoxetin, ein sogenannter selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), zur Verfügung, der die Zeit bis zum Samenerguss etwas verlängern kann. Zudem gibt es betäubende Cremes, die direkt auf die Spitze des Penis auftragen werden, und die so den Samenerguss um etwa drei bis sechs Minuten verlängern können.

    Belastungen abbauen

    Abgesehen von der physischen Behandlung kann auch eine sexualtherapeutische Behandlung für einige Männer und Paare hilfreich sein. Sie kann Ängste vermindern, Beziehungsprobleme zur Sprache bringen und auch dabei helfen, die Sexualität vielfältiger zu leben.

    Ein Mann trainiert seinen Beckenboden, um einem vorzeitigen Samenerguss vorzubeugen.
    Eine gestärkter Beckenboden kann dabei helfen, vorzeitige Samenergüsse zu verhindern.

    © iStock / Maridav

    Vorzeitiger Samenerguss: Welche Übungen helfen?

    Es gibt bestimmte Techniken beim Geschlechtsverkehr, mit denen es möglich ist, den Samenerguss bewusst hinauszögern und mit deren Hilfe manche Männer den Samenerguss besser kontrollieren können:

    • Start-Stopp-Methode: Dabei stimuliert man den Penis bis kurz vor den Höhepunkt und macht dann eine Pause, bis der Drang zum Samenerguss vorüber ist. Dies wird mehrmals wiederholt, um ein Gefühl für den mittleren Erregungsbereich zu entwickeln und ihn so besser kontrollieren und die Ejakulation für eine gewisse Zeit hinauszögern zu können.
    • Drück-Methode: Hier stimuliert man den Penis ebenfalls bis kurz vor den Höhepunkt. Dann legt man den Zeigefinger auf die Unterseite der Eichel und den Daumen auf die Oberseite und drückt die Finger leicht zusammen. Das soll die Erregung verringern. Nach dem Zusammendrücken etwa 30 Sekunden warten und die Übung mehrmals hintereinander wiederholen.
    • Beckenbodentraining: Der Beckenboden ist eine Muskelplatte, die den Bauchraum und die Beckenorgane von unten abschließt. Mit speziellen Übungen kann man die Beckenbodenmuskulatur gezielt stärken und lernen, sie bewusst zu bewegen. Manchen Männern hilft diese Methode, den vorzeitigen Samenerguss zu verhindern.

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