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Lockdown und Kontaktbeschränkung: So vermeiden Sie einen Lagerkoller

Zwei Freundinnen telefonieren miteinander per Videocall, um einen Lagerkoller während der Coronapandemie zu vermeiden.

© iStock / MesquitaFMS

Lesezeit: 7 MinutenAktualisiert: 02.03.2021

Zu Beginn der Coronakrise empfand man es noch als ungewohnt und angenehm, mal mit der Trainingshose am Schreitisch zu sitzen, nicht in der Dunkelheit zum Job hetzen zu müssen und statt langweiliger Büro-Meetings mit den Kindern zu spielen. Doch je länger die Pandemie dauert, desto mehr wird sie auch für Familien zur Belastung. Der sogenannte Lagerkoller droht – und das kann nicht nur zu Konflikten führen. Wie Sie ein Lagerkoller entsteht und wie Sie ihm entgehen, lesen Sie hier.

Inhalte im Überblick

    Was ist ein Lagerkoller eigentlich?

    Jetzt in Corona-Zeiten leiden viele Menschen unter Quarantäne, Lockdown und Ausgangssperre. Hinzu kommt eventuell ständiges Beisammensein mit dem Partner, ganztägige Kindererziehung, Home-Schooling und vieles mehr. Als Reaktion auf diese Situation kann sich der sogenannte "Lagerkoller" einstellen.

    Ursprünglich bezog sich der Begriff auf den Zustand, den Menschen erleiden, wenn sie notgedrungen oder erzwungenermaßen in Gemeinschaftsunterkünften wie Lagern, Kasernen oder Gefängnissen leben mussten.

    Die Reaktionen sind dabei von Mensch zu Mensch verschieden: Der eine wird ängstlich oder depressiv, der andere ist gereizt und wird bei jeder Kleinigkeit aggressiv. Bei Krankheiten, die Patienten lange ans Bett oder an die eigene Wohnung fesseln, kann Lagerkoller ebenfalls beobachtet werden. 

    Achten Sie auf einen regelmäßigen Tagesablauf

    Anfangs ist es sehr verlockend, lange zu schlafen und ganz nach Belieben mit dem Homeoffice-Tag zu starten. Ein regelmäßiger Tagesablauf mit festen Aufsteh-, Essens-, Arbeits- und Schlafenszeiten ist allerdings essenziell für unsere emotionale Stabilität. Besonders viel Organisationstalent erfordert es bei der Planung, wenn Kinder in der Familie leben.

    Ein fester Rhythmus ist für Kinder wichtig, damit sie sich innerhalb dieses Rahmens frei bewegen können und Pflichten nicht vernachlässigen. Wie Sie Ihren Arbeitstag gestalten, spielt dabei eine nebensächliche Rolle. Manchmal ist es sinnvoller, dem Job gegen Abend nachzugehen, wenn es ruhiger im Haus ist und die Kinder schlafen. 

    Wichtig: Denken Sie bei all der Arbeit und der Kinderbetreuung auch an Ihre eigene Freizeit. Gehen Sie zum Beispiel täglich in der Mittagspause mit Familienangehörigen oder Freunden an die frische Luft. Mit regelmäßigen Outdoor-Aktivitäten vertreiben Sie nämlich nicht nur die Langeweile, auch Immunsystem, Wohlbefinden und Psyche werden gestärkt.

    Herumrennen und sich mal richtig auszutoben ist für Kinder mindestens genauso wichtig. Studien der Medical School Hamburg zeigen sogar, dass sich Sport an der frischen Luft ähnlich wie ein Antidepressivum auf den Körper auswirkt. Grund: Beim Sport steigt der Serotoninspiegel. Das Glückshormon lässt uns gelassener und zufriedener werden. Regelmäßiges körperliches Training drosselt zudem Stresshormone, wie Kortisol.

    Frau leidet aufgrund von Lagerkoller während der Coronapandemie unter depressiver Verstimmung.

    © iStock / fizkes

    Stellen Sie fürs Zusammenleben während der Coronakrise feste Regeln auf

    Hört sich anfangs streng an, macht aber auch im eigenen Haushalt Sinn: Stellen Sie zu Hause Regeln auf, um schon im Vorfeld Konflikte zu vermeiden. Legen Sie am besten genau fest, wer das Mittagessen kocht, wer einkauft und wer für die Wäsche zuständig ist. Sind diese Aufgaben klar verteilt, gibt es weniger Streitpotenzial. Binden Sie die Kinder bei der Planung ein, denn auch sie können einfache, altersgemäße Aufgaben übernehmen. Das Gefühl, den Erwachsenen helfen zu können, stärkt zudem das Selbstbewusstsein der Kleinen. 

    Auch Rücksichtnahme und die Gewährleistung von Privatsphäre ist gefragt, wenn Familien oder Paare eng zusammenleben. Wann darf laute Musik gehört werden, wann findet die Online-Konferenz im Wohnzimmer statt? Bei all dem gemütlichen Zusammensein ist auch Zeit für sich selbst wichtig! Räumen Sie sich daher eine feste "Me-Time" ein, die Ihnen allein gehört und in der Sie sich nur mit Dingen beschäftigen, die Ihnen guttun. 

    Passend zum Thema:

    Trotz Lockdown und Kontaktbeschränkungen: Halten Sie an Freunden und Familie fest!

    Menschen sind soziale Wesen und die meisten brauchen Verbindung und Austausch mit anderen, um glücklich zu sein. Den Kontakt zu Freunden und Angehörigen in Corona-Zeiten zu pflegen, ist dabei nicht immer leicht. Personen, die alleine leben, sind von den Kontaktbeschränkungen besonders betroffen.

    Auch Familienmenschen, die durch Home-Schooling und Co. sogar noch mehr um die Ohren haben als üblich, sollten versuchen, den Kontakt zu Freunden, Bekannten und Verwandten aufrechtzuerhalten. Mit sozialen Medien oder dem klassischen Telefonat gelingt das am einfachsten: Videocalls oder ein einfacher Anruf können in Zeiten des Lockdowns eine gute Möglichkeit darstellen, um sich auch weiterhin zu sehen oder die Erlebnisse der vergangenen Wochen auszutauschen. 

    Passend zum Thema:

    Bei Lagerkoller rechtzeitig Hilfe holen!

    Tipps und Ideen, um einen Lagerkoller zu vermeiden, gibt es viele, dennoch kann einen die Pandemie an die eigenen Grenzen bringen. Das Alleinsein gepaart mit der Ungewissheit, wann wieder Normalität ins Leben einkehrt, überfordert viele Menschen. 

    Die Anzeichen für eine ernstzunehmende psychische Überbelastung können dabei vielfältig sein:

    • Angstzustände
    • Unruhe
    • starke Anspannung
    • Hyperaktivität
    • Gereiztheit
    • aggressive Ausbrüche
    • ausgeprägte Niedergeschlagenheit und weitere

    Sollten Sie unter solchen emotionalen Veränderungen oder starken Stimmungsschwankungen leiden, scheuen Sie sich nicht, fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen. Psychologisch geschulte Experten helfen Ihnen manchmal besser als Freunde oder Verwandte. Wer einen Ansprechpartner sucht, findet diesen zum Beispiel über das Patiententelefon der kassenärztlichen Vereinigung (Tel.: 116117) oder über eine Telefonseelsorge (Tel.: 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222).

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